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Herssel-er Irtishlett
Mit wöchentlicher Kratis-MeilAge „Itlukrirtes Nnterhaltungsölatt"
Nr. 142. Sonnabend den 28. November
1891
Erstes Blatt
Amtliches.
Hersfeld, den 26. November 1891.
Die Herren Ortsvorstävde zu Eichhof, Kleba, Mengshauseu, Oberrode, Reilos, Uutergeis, Wippershain fisk. Ober- försterei, Ausbach, Bengendorf, Conrode, Gethsemane, Kleinensee und Lengers werden wiederholt an die Einzahlung des Kostenbetrages für das Einkommensteuer-Formu- larpapier, m i t F r i st bis z u m 4. D e z e m- b e r d. I., bei Meldung von 3 Mk. Strafe
erinnert.
11534.
Der Königliche Landrath.
I. V.: Braun, Kreisdeputirter.
Cassel, den 23. November 1891.
Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Grund des Preuß. Gesetzes vom-D^^^ zur Zwangserziehung überwiesene und von mir in der Rettuvgsrnstalt „Beiserhaus- zu Rengs- hausen in Pflege untergebrachte Heinrich Johann Schmidt aus Barchfeld geboren am 28. Juni 1878 zu Dippach ist am 17. d. Mts. aus seiner Pflegestelle durchgebrannt.
Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz ergebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im Betretungs- falle ihn festuehmen und durch eine geeignete Civilperson, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtuug ein solches von 4 Mark gewähren werde, in die obengenannte Rettungsanstalt wieder zurückbringen lassen zu wollen.
Vom Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nachforschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benachrichtigen.
Der Landes-Direktor.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld.
Jr. II. Nr. 5542.
* * *
Hersfeld, den 26. November 1891.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufs Re- cherchirung nach dem Eutlaufenen mitgetheilt.
Im Betretungsfall ist derselbe alsbald in die betreffende Anstalt zurückbringen zu lassen und mir Bericht zu erstatten.
11734. Der Königliche Landrath.
I. V.:
Braun, Kreisdeputirter.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 27. November. Im Verlaufe der gestrigen Sitzung des Reichstage« führte bei Fortsetzung der zweiten Berathung der Novelle zum Kran- kcnkasseugesctzc § 26a zu eingehender Debatte. Abg. Gril lenberger bekämpft den Absatz 1, wo-
Kassenmitgliedern, welche gleichzeitig anderweitig gegen Krankheit versichert sind, das Krankengeld so weit zu kürzen ist, daß dasselbe zusammen mit dem aus anderweiter Ver- bezogenen Krankengelde den vollen Betrag ihres durchschnittlichen TagelohneS übersteigen würde. (Im klebrige» soll das Kassenstatnt diese Kürzung ganz oder theilweise au«; chl, eßen können.) In der Bestimmung des Absatzes ein ungerechtfertigtes Mißtrauen gegen Arbeiter und eine Ungerechtigkeit. Der Kranke habe eben größere Bedürf- miie als der Gesunde. Die Doppelversicherung sei allgemein
zu gestatte»; gegen Simulation könne man sich anderweitig schützen. Ferner sei cS geboten, wenigstens hier bei den OrtSkassen die Bestimmung zu streichen, wonach Mitgliedern, welche sich die Krankheit durch schuldhafte Betheiligung bei Schlägereien oder Raufhandeln, durch Trunkenheit oder geschlechtliche Ausschweifungen zugezogen haben, das statutenmäßige Krankengeld ganz oder theilweise nicht zu gewähren ist. Abg. Dr. Buhl spricht für Aufrechterhaltung des Absatz 1, der dem Interesse der Arbeiter selbst entspreche. Für Ausnahmefälle müsse in anderer Weise gesorgt werden. Abg. Dr. Gutkleisch will für jetzt den Absatz 1 aufrecht erhalten, behält sich aber für die dritte Lesung eine modifizirte Fassung vor. An der Debatte betheiligen sick dann noch die Abg. Hitze, v. d. Ccl nie» burg, Möller und Grillen- bergcr Bei der Abstimmung wurde § 26a in seinen einzelnen Absätzen mit einer unwesentlichen Aenderung nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen (Die Bestimmung der Ziffer 2b, betreffend die ärztliche Behandlung, die Lieferung der Arznei rc. nur durch bestimmte Aerzte, Apotheken ?c., wurde bis § 55a ausgesetzt). Die folgenden Paragraphen wurden nach den Kommissionsbeschlüssen, theilweise ohne Debatte, zumeist unverändert angenommen. Mit § 49 beginnen die gemeinsamen Bestimmungen für die Gemeinde-Krankenversicherung und sür die Orts-Krankenkassen. § 52 lautet nach den Kommissionsbeschlüssen im ersten Absätze: Die Beiträge zur Krankenversicherung entfallen zu zwei Drittel auf die versicherungS- pflichtigen Personen, zu einem Drittel auf ihre Arbeitgeber." Nach Absatz 2 kann durch statutarische Regelung (§ 2) bestimmt werden, daß Arbeitgeber, in deren Betrieben Dampfkessel oder durch elementare Kraft bewegte Triebwerke nicht verwendet und mehr als zwei demKrankenversicherungS- zwange unterliegende Personen nicht beschäftigt werden, von der Verpflichtung zur Leistung von Beiträgen auS eigenen Mitteln befreit sind. Die Sozialdemokraten beantragen, diesen Absatz 2 zu streichen; der Antrag wird abgelehnt und § 52 unverändert genehmigt. — Darauf wurde gegen 5 Uhr die weitere Berathung auf heute Nachmittag 1 Uhr vertagt.
Uolitische Nachrichten
Se. Majestät der Kaiser begab sich am Mitt' woch Vormittag über Wittenberg nach Torgau, I um der 150 jährigen Jubelfeier des dortigen Pionierbataillons beizuwohnen. In Wittenberg besucht: der Kaiser die Lutherkirche, die Luther- stube" und die Lutherhalle. In Torgau wurde Sr. Majestät ein überaus festlicher Empfang zu Theil. Die Stadt war reich geschmückt, Landwehr- und Kriegervereine, Schulen und Corpo- rationeu bildeten Spalier. Nach Beendigung der Feier verließ der Kaiser Nachmittags 4*/t Uhr Torgau wieder, um nach Potsdam zurückzu- kehren, woselbst die Ankunft gegen 8 Uhr erfolgte. — Am Donnerstag Vormittag erledigte Se. Majestät der Kaiser Regierungsangelegenheiten und nahm darauf Vorträge entgegen. Um 11 Uhr 50 M. trat der Kaiser seine Reise nach Schloß Hummelshain au. Die dort vom Herzog von Alt°nburg verunstalteten Jagden werden heute, Freitag, stattfinden. Am Sonnabend Vor- mittag 9'/ Uhr gedenkt S. Majestät Hammels- ha»n wieder zu verlassen und nach dem Neuen Palais zurückzukehren.
Auf der Tagesordnung der süc den 4. Dezember „nbvr-iumten Sitzung des Landesets en- b a h n r a h t 8 stehen u. A folg-nde Gegenstände: Entwurf eines umgearbetteten Btriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns, - Ausdehnung der auf den östlichen Staatseisenbahnen für lebende Thiere in Wagen- Zungen Frachtsätze auf den Gesummt-
bereich der Staatseisenbahnen, - Anträge auf Wiedereinführung von Ansnahmetarifen für den Getreideversandt von den deutschen Nordseehäfen nach Rheinland, Westfalen u. s. w.
H-rr von Gier8 hat am Mittwoch Abend
Berlin wieder verlassen, um sich in seine Heimath zurückzubegeben.
Die Landesverthetdigungs-Kom- mission hat am Mittwoch unter dem Vorsitze des Regenten von Braunschweig, Prinzen Albrecht, in dessen Palais zu Berlin eine Sitzung abge- halten.
Die Angabe, daß nach dem neuen Lehrplan für die Gymnasien der Unterricht im Lateinischen erst in Tertia, im Griechischen erst in Sekunda beginnen solle, ist, nach der „Lib. Korr.", verfrüht. Zunächst soll an einigen wenigen Anstalten, ii. A. in Frankfurt a. M,, ein praktischer Versuch in dieser Richtung unternommen werden.
Die Generalsynode hat den Antrag, den Geistlichen ihre Militärdienstzeit auf ihr Dienstalter in Anrechnung zu bringen, angenommen.
Wie man aus Petersburg meldet, hat der Z a r angeordnet, daß dem in Bildung begriffenen Centralkomitee für die Unterstützung der vom Nothstände heimgesuchten Bevölkerung aus dem kaiserlichen Apanage-Vermögen ein Betrag von 50 Millionen Rubel zur Verfügung gestellt werde. Wieviel von dieser riesigen Summe mag wohl in die Hände der wirklich Nothletdenden gelangen?!
Der Grandenzer „Gesellige" berichtet, daß die russischen G r e n z - G a r n i s o n e n bis zum1. Januar 1892 bedeutend verstärkt und bisher garnisonfreie Grenzort^wreWirballen, Wißtyten, Wiadislawo, Garden und Tauroggen mit russischem Militär belegt werden sollen.
Nach einem Telegramm des „Daily Chronicle" aus Shanghai von gestern erweisen sich die am 23. aus dem Norden gemeldeten Ruhestörungen als ein ernstlicher Auf st and in der Mongolei und anderen Distrikten in der Nähe der Hauptstadt. Die Zahl der Rebellen, unter denen Infanterie und mehrere Schwadronen Kavallerie sich befinden, habe sich vermehrt; dieselben mar- flirten gegen Peking. Mehrere Mandarinen hätten sich mit den Aufständischen vereinigt, gegen welche kaiserliche Truppen entsandt worden. Die christliche Bevölkerung in Kingschu, die von den belgischen Priestern bekehrt worden, sei mit denselben niedergemetzelt worden.
Aus Provinz und Nachbargebiet.
H e r s f e l d den 27. November 1891.
* Einer veröffentlichen Nachweisung zufolge betrug in den Monaten Januar bis Oktober d. Js. die E i n f u h r a n W e i z e n: 10155269 Doppelcentner gegen (6 767 379 im gleichen Zeitraum des Vorjahrs), an Rogqen: 8 216450 (gegen 7 298183), an Gerste: 5182 044 (gegen 5745 566), an Mehl 130132 (gegen 118281), an Mühlenerzengnissen, an Körnern von Getreide, Graubeu Grics etc. 17480 (gegen 14113). Die Ausfuhr betrug an Weizen 1490104 (gegen 1259 035), an Roggen: 240506 (gegen 202075), an Gerste: 169117 (gegen 179723), an Mehl 896 548 (gegen 933 830), an sonstigen Müh- lenerzeugnissen 31504 (gegen 42834).
♦ Nach einer Mittheilung der „Post-, Zeitung für reisende Kaufleute, sind in den letzten acht Tagen in 66 Städten Deutschlands nicht weniger als 76 Z a h l u n g s e t n st e l l u u g e n in Ge- schäftshäusern und in drei Zahlungsstockangen vorgekommen.
* In welcher rapiden Weise die Anwendung der Maschinenkraft zunimmt, zeigt eine