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Herssel-tr IrrisMott
Mit wöchmtlicher chratis-Meilage „IlluKrirtes Muterhaliungsölatt".
Nr. 146. Dienstag den 8. Dezember 1891.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Landw. Centralverein für den Regierungsbezirk Saffel.
Caffel, den 7. November 1891.
Ew. Hochwohlgeboren verfehlen wir nicht er- gebenst mitzutheilen, daß der bisherige Jvstituts- Gärtner für den pomologischen Garten 2C. Rosemund vom 1. d. M. entlassen und an seiner Stelle der von dem Dirigenten in Geisenheim empfohlenen Obstbautechniker Carl Heuber getreten ist.
Zugleich ersuchen wir Ew. Hochwohlgeboren ergebenst, den Abgang des bisherigen und den Eintritt des neu bestellten Institutsgärtner in den Kreisblättern gefälligst veröffentlichen zu wollen.
Das Directorium. gez. Kocheudörffer.
Au den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe, Hochwohlgeboren hier. I. Nr. 413.
* *
Cassel, den 26. November 1891.
Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren zur gefälligen weiteren Veranlassung ergebenst.
Der Regterungs-Präsident. Rothe.
An die sämmtlichen Herrn Landräthe des Bezirks.
A. III. 9744.
* * *
Hersfeld, den 4. Dezember 1891.
Wird veröffentlicht.
12047. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinttz.
Jlwaliditäts- und Altersversicherungsanstalt Hessen-Nassau.
Cassel, den 30. November 1891.
Der Vorstand der diesseitigen Versicherungs- Anstalt hat in seiner Sitzung am 25. d. M. den Beschluß gefaßt, daß in Zukunft:
Staub!
Roman aus der Gegenwart von Zoe von Reuß.
(Fortsetzung.)
„Ich glaube auch!" entgegnete Paula nicht ohne Hohn. „Willst Du nicht zum Abend bleiben?" wandte sie sich an den Bruder, der sich zum Gehen anschickte.
„Auf Ehre, ich kann nicht! Aber die Tänzer für Deinen Ball werde ich Dir noch heute Abend aufstellen, lauter vornehme Namen, als Eier — auf Euern Grünkohl! Guten Abend!"
Die nachfolgende Theestunde, bei welcher Paula auf der Chaiselongue liegen blieb, verging fast stumm. Nachdem der Diener abgeräumt, nahm der Gatte pflichtmäßig das neueste Börsenblatt und machte sogar daraus ein paar Anmerkungen in sein Portefeuille. Paula ergriff ein Exemplar von „la terre“ von Zola, dessen Inhalt sie immer stärker anzog, je weiter sie las . . - Dennoch legte sie das Buch heute bald zur Seite, um nach einem Hinterstübchen zu gehen, in welchem Gustel, wie sie wußte, die Balltotletten ausgebrettet hielt, um mit Hülfe einer Näherin allerlei Verände- derungen vorzunehmen.
Gustel hatte ihr Wort gehalten und bei Bestellung einer Näherin für ihre gnädige Frau an ihre alte Bekannte, Lenchen Winkler, gedacht. Paula selbst erinnerte sich gleichfalls der netten,
a) die Beschaffung der Formulare zu den Verzeichnissen, welche die Gemeindebehörden rc. über die ausgestellten Quittungskarten führen, nicht mehr auf Kosten der Anstalt beschafft werden,
b) die Quittungskarten in allen Fällen, auch wenn ein gesetzlicher Anspruch auf Bezahlung vorhanden sein würde, kostenfrei ausgestellt werden.
Euer Hochwohlgeboren beehren wir uns hiervon ganz ergebenst Nachricht zu geben mit dem Bemerken, daß die oben unter a gedachten Formulare nach wie vor von der Buchdruckerei von Weber und Wetdemeyer hierselbst bezogen werden können, sofern die Fortführung obiger Verzeichniffe dort- seits für wünschenswerth erachtet wird.
Diesseits liegt ein Interesse an der Fortführung nicht mehr vor, nachdem wir in die kostenfreie Ausstellung sämmtlicher Quittungskarten eingewilligt haben.
Wir ersuchen ergebenst, gefälligst den Quittungs- karten-Ausgabestellen des dortigen Kreises entsprechende Nachricht zugeheu la ffen zu wollen.
Der Vorstand: S ch r o e d e r.
An die sämmtlichen Herren Königlichen Landräthe der Provinz Heffen-Nassau und die Fürstlichen Kreis-Amtmänner des Fürstenthums Waldeck. Nr. 21272 V. A.
* * *
Hersfeld, den 3. Dezember 1891.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises mit Bezug auf meine Verfüguug vom 27. November 1890 Nr. 10719 (Kreisblatt Nr. 141) zur Beachtung mitgetheilt.
Die Fortführung des Verzeichnisses über die ausgestellten Quittungskarten kann hiernach unterbleiben.
12013. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
aber verwachsenen, geschickten Arbeiterin. Dazu | hatte sie, halb aus Eifersucht, halb aus Neu- j gierde, von Laporte den Namen der Hauptfigur in „sub rosa“ zu erfahren gewußt und kannte auch durch Gustels gelegentlichem Klatsch 'den Umstand, daß das Modell Lenchens Schwester sei.
Sie traf die beiden Mädchen bei einer tüchtigen Chokolade, an der die Köchin des Banguierhauses keineswegs gespart hatte. Überhaupt schien Gustel mit ihrem gegenwärtigen Schicksal sehr zufrieden zu sein. Die nachfolgende Staatsberathung war so lang und gründlich als es die ungeduldigen Nerven der jungen Frau ertrugen. Dann begann Paula Lenchen rücksichtslos nach ihrer Schwester auszufragen, wobei Lenchen stark in immer neue Verlegenheit gerieth, sich verwickelte und endlich ihren Thränen freien Lauf ließ. Verwundert verließ die junge Frau das Hinterzimmer.
Drüben im kleinen Salon hing „der Elfenreigen," das letzte vollendete Werk von Willibald Freseutus. Nach seinem Tode hatte ein specu- lativen Kunsthändler sämmtliche Gemälde seines Ateliers erworben, ausgestellt und wieder verkauft. Paula hatte sofort erklärt, „Elfenreigen" besitzen zu müssen, unter allen Umständen. Und da die Scenerie ein Waldmotiv aus Horsten enthielt, und Paula das Modell der Titania war, hatte der alte Baron das Gemälde auch sofort noch vor der öffentlichen Ausstellung, ankaufen lassen. Paula hatte es in ausschließlichem Besitz genommen und auch nach ihrer Verheirathung sich nicht wieder
Hersfeld, den 3. Dezember 1891.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises gehen in den nächsten Tagen die nach den festgesetzten Unicaten berichtigten zweiten Ausfertigungen der Klassensteuer - Zu- und Abgangslisten pro I. Semester 1891/92 mit der Auflage zu, die Abgänge nach Zeit und Betrag in den Klassensteuer- Rollen vom laufenden Steuerjahre zu notiren und hiernach die qu. Listen in der Repositur aufzube- wabren.
12024. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Berlin, den 9. November 1891. BekatMtrnachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe VII zu den Schuldverschreibungen der Staatsanleihe von 1868 A,
Die letzten Zinsscheine ReiheVII Nr. 1 bisö zu den Schuldverschreibungen der Staatsanleihe von 1868 A über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1892 bis 31. Dezember 1894 werden vom 1. Dezember d. I. ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jeden Monats ausgereicht werden.
Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs- Hauptkassen, sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfang- nahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat der- selben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zivsscheiuanwetsungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamt Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Ein-
von ihm getrennt.
Titania war ihrem Modell, wenn möglich, noch ähnlicher geworden. Um den Elfencharakter her- vortreten zu lassen, hatte der Maler Paulas zarte Erscheinung noch ätherischer wiedergegeben — jetzt erschien sie in Wahrheit kaum anders als „Spinne- web und Bohnenblüthe.* * p e
Paula blickte mit sonderbarem, schwer zu enträthselnden Gesichtsausdruck nach dem Bilde hinüber. In der gegenwärtigen Oede ihres Da- seins erschien ihr die Episode ihres intimen Verkehrs mit dem Maler, in welcher sie zum ersten Male eine mächtige Leidenschaft kennen gelernt hatte, wie eine Oase. Ja, diese Oase war — blutgetränkt, etn Schauder ergriff sie, wenn sie der Tage gedachte. Aber es wehte sie aus jener Zeit auch wie Sturmwind an, der ihrem Geiste neue, unbekannte Schwingen gegeben hatte' . . Daneben hatte sie freilich auch glühend nach Reichthum verlangt, weniger für sich selbst als ihrer Ahnen zu stützen. Nun sie ihn besaß, erschien er ihr werth - los — ein Nichts!
XXVII.
„ PS SV ^ASchwester Johannas Pflegling während der nächstfolgenden Woche noch einige- male besucht, um sich von Lenchens Wohlergel-n L^rzeugen. Und wirklich blühte die Kleine sichtlich auf. Daneben war aber auch die Sorge für die vier andern Opfer der „Engelmacherin*