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Mit wöchmtticher Krati« Deilage „Illukrirtes Nuterßalti»ugs5lat1"
Nr. 147.
Donnerstag den 10. Dezember
1891.
Wotitische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser hatte am Montag Nachmittag, nach Aufhebung der Mittagstafel, einen Spazierritt in die Umgegend vom Neuen Palais unternommen, von welchem Allerhöchst- derselbe gegen 4 Uhr zurückkehrte. Während der Abendstunden verblieb Se. Majestät im Arbeitszimmer. Am Dienstag Vormittag arbeitete der Kaiser längere Zeit mit dem Chef des Militär« kabinets und nahm um 10*/i Uhr eine größere Reihe militärischer Meldungen entgegen.
Der 7. Dezember 1891 wird in der Geschichte der Handelsverträge einer der bedeutungsvollsten Tage bleiben, denn an diesem Tage sind vollzogen worden: zu Rom die Verträge zwischen Deutschland und Italien und zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien, in Wien die Verträge zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn und zwischen Oesterreich-Ungarn und Belgien, in Berlin der Vertrag zwischen Deutschland und Belgien.
Der in der vorigen Woche versammelt gewesene LandeSeisenbahnrath beschloß, betreffs des von der ständigen Tarifkommission vorbe. " retteten Antrags über Erleichterung des Stück- gutsverkehrS, die Aufnahme des bestehenden Ausnahmetarifs für Stückgüter als Specialtarif in den deutschen Eisenbahn-Gütertarif Theil I zu befürworten. Mit großer Mehrheit wurde außerdem beschlossen, die Aufhebung der am 1. September eingeführten Staffeltarife für Getreide und Müblenfabrikate zu empfehlen, sobald die Verhältnisse auf dem Getreidemarkte wieder geregelte sein würden.
Der H a n d e l s v e r t r a g und Zollver« trag mit Oesterreich-Ungarn, das Vieh- seucheu-Uebereiukommen mit Oesterreich-Ungarn, der Handels-, Zoll- und Schifffahrtsvertrag mit H Italien, der Handels- und Zollvertrag mit B e l g i e n sind dem Reichstage zugegangen. Der
| Staub!
Roman aus der Gegenwart
von Zo8 von Reuß.
(Fortsetzung.)
Die Angeredete taumelt bei Nennung des Namens, und sinkt auf einen Stuhl. Hermann ist schnell an ihrer Seite. Eine stärkende Essenz, die er gewohnheitsmäßig bei sich trägt, giebt ihr das Bewußtsein zurück. Er nimmt ein Kissen, lehnt es an die Wand, und bettet leise ihren Kopf darauf .... Dann wendet er sich mit genauster Untersuchung an die kleine Patientin.
»Die Kleine ist besser, entschieden besser als am Morgen!- Damit kehrte er zur Mutter zurück. »Auch der Kräftezustand ist befriedigend — doch " muß sie nur regelmäßig löffelweise Wein bekommen !
Clara empfindet es als hohe, doppelte Wohlthat, daß der ehemalige Freund nur an Lenchen denkt, nur von dem Nächstliegenden spricht, und nickt stumm.
»Wer wird die heutige Nachtwache halten »Ich ollein!"
»Die Kleine darf nicht schlafen während der Nacht — wenigstens nicht über eine halbe Stunde hintereinander," giebt der Arzt wettere Anordnung, »damit das Häutchen im Halse nicht zuwächst. 1 Sorgen Sie also, daß Sie das Kind möglichst L3 viel wach erhalten.
Handels- und Zollvertrag mit Oesterreich-Ungarn umfaßt 25 Artikel. Roggen und Weizen sollen fortan auf 100 Kilo 3,50 M., Hafer 2,80, Buchweizen 2, Hülsenfrüchte 1,50, andere nicht genannte Getreidearten 1, ® e r ft e 2, Raps, Rüböl, Mohn und andere Oelsaateu 2, Mais 1,60, Malz 3,60, Weinbeeren frische zum Tafelgeuuß 4, andere frische Weinbeeren 10 Mk. Zoll zahlen. Grobe Etsenwaaren zahlen 6, abgeschliffene, verkupferte u. s. w. 10, feine Eisenwaarm 24 Mk. Flachs und Hanf roh, geröstet, gebrochen, gchächelt, sowie Werg und Abfälle frei. Pferde zahlen 20 Mk., bis zu 2 Jahren 10 Mk., Füllen der Mutter folgend sind frei. Stiere und Kühe zahlen 9 Mk. Ochsen 25,50 Mk. (Für die Grenzbe- zirke tritt für Zugvieh eine Ermäßigung auf 20 Mk. ein). Jungvieh bis 2‘/2 Jahr 5 Mk., Kälber unter 6 Wochen 1 Mk., Schweine 5 Mk., Sch afvteh 1 Mk, Lämmer 0,50. Wolle frei. Garne roh einfach 8 Mk., dublirt 10 Mk. Bau- und Nutzholz roh 0,20 oder 1 Feftmeter 1,20 Mk., grobe Brettchen- Drechslerwaaren u. s. w. 3 Mk., hölzerne Möbel- und M ö b e l b e st a n d t h e i l e 10, feinere Holzwaaren 30 Mark.
Wie aus Wteu durch das Wolff'sche Bureau gemeldet wird, begrüßen dte dortigen Blätter den Abschluß der Handelsverträge als den Beginn einer neuen handelspolitischen und wirth- schaftlichen Epoche; sie heben iu ihrer Besprechung der Verträge namentlich die den wirthschaftlichen Beziehungen durch die zwölfjährige Vertragsdauer verliehene Stabilität hervor und würdigen die Sorgfalt, mit der die gegenseitigen Konzessionen abgewogen worden sind. Das »Fremdenblatt" erblickt in den Verträgen eine wirksame Bekämpfung der durch das scharf ausgebildete Ab- schließungssystem Frankreichs, Rußlands und Nordamerikas geschoff uen Gefahren. Die »Neue
Wieder ein zustimmendes stummes Nicken.
„Die Gefahr ist keineswegs vorüber, aber doch geringer. Ja, wir können wieder hoffnungsvoller in die Zukunft sehen. Ich werde Morgen früh bei Zeiten zum Nachsehen kommen! Guten Abend!" Dann, sich noch einmal umwendend, setzt Hermann Lange hmzu: „Grüßen Sie Schwester Johanna I Und von dem W^in, den ich sogleich schicken werde, trinken Sie selbst ein paar Gläser." Damit war er hinaus.
Ein abermaliger Schrei der Zurückbleibenden, nur leiser, wie von der Mutterliebe gedämpft, aber darum nicht weniger markerschütternd, klang dem Doktor nach. Dann stürzte Clara zum Bettchen des Kindes und bedeckte das kleine, blaffe Gesichtchen, die mageren Händchen mit heißen Küssen.
In diesem Augenblicke kehrte Schwester Johanna von einem abendlichen Samaritergange heim. Als Clara am Mittag angekommen war, hatte sie keine einzige Frage gethan, sondern die arme Mutter nur an Lenchens Krankenbett geführt, und ihr berichtet. Auch jetzt sprach die Gemeindepflegerin wenig, nur über den Besuch des Arztes ließ sie sich berichten — mit wenigen kurzen Worten, da die Pflegerin sehr erschöpft schien. Dann entzündete Schwester Johanna die Spiritus- Samme um den Thee zn bereiten, deckte den bendtisch und besetzte ihn mit Brod, kaltem Fletsch und einigen Eiern. Dazu versorgte sie die Pflegerin wie eine Kranke, und frug auch
freie Presse- glaubt, in Folge der Verträge werde Rußland im Interesse seiner Landwirthschaft das System des Protektionismus aufgeben müssen; die Verträge seien auch eine ernste Warnung an Frankreich, trotz der Vortheile deS Frankfurter Friedens. Das Blatt spricht ferner seine Freude darüber auS, daß das Bewußtsein der historischen Gemeinschaft zwischen Deutschland und Oesterreich. Ungarn auch auf ökonomischem Boden zur An. erkennung gelaugt sei. Die »Presse- sieht in den Handelsverträgen eine epochemachende Ausgestal- tung des auf der denkwürdigen Rohnstocker Zusammenkunft entstandenen Gedankens, in Mittel« europa den wirthschaftlichen Frieden zu begründen. Das Blatt schließt, die Handelsverträge hätten die Kritik der Parlamente nicht zu scheuen.
Nicht weniger als 632 Bittschriften aus allen Theilen deS Reiches, mit 12204 Unterschriften, sind bei der Petitionskommtsstou des Reichstages etugegangen,' um die fakultative Feuerbestattung einzuführen.
Um die Verwendung der Central-Juvalideukasse für die Buchdrucker Deutschlands zu Streikzwecken zu verhindern, wurde dieselbe aus Antrag einer großen Anzahl Mitglieder, die durch den Rechtsanwalt Dr. Paul Schmidt-Leipzig und in dessen Substitution durch den Rechtsauwalt Dr. E. Kielmeyer-Stuttgart vertreten waren, am 5. d. M. im Wege einstweiliger Verfügung vom Amtsgericht Stuttgart in Sequester genommen.
In Brasilien hat die Kunde vom Ableben des Kaisers Dom Pedro große Theilnahme und Trauer hervorgerufen; die Börse, die Banken und viele GeschäftSlokale in Rio de Janeiro wurden zum Zeichen der Trauer geschlossen. — In PariS werden dem verstorbenen Kaiser die militatrischen Ehren erwiesen werden.
Der in Madrid erscheinende »Jmparcial- theilt in seiner Nr. vom 29. v. MtS. unter der Ueberschrift »Sklavenhandel- mit, daß in
jetzt nicht Weiter. Dieser Herzenstakt und die Ueberzeugung, daß sie hier unbekannt sei, schienen die arme Mutter aufzurichten, gaben ihr etwas Muth, und ließen sie gestärkt die Nachtwache antreten.
Der folgende Morgen zeigte einen kleinen, wettern Fortschritt in Lenchens Befinden. Trotz ihrer Erschöpfung und ihres Gebrochenseins war es Clara gelungen, das Kind wach zu erhalten. So war die Krankheit nicht weiter fortgeschritten. Dennoch war die Gefahr noch nicht überwunden. Aber gerade der Ernst der Lage verringerte die Peinlichkeit des Verkehrs zwischen Arzt und Pflegerin.
Schon nach Verlauf einer Woche konnte Lenchen ins Freie gebracht werden. Während die Kleine in ihrem bequemen Wägelchen mit Blumen und Steinen spielte, ging Clara, im Beisammensein mit Schwester Johanna, täglich mehr das Herz auf und trieb sie zur Beichte. Sie erzählte von ihrer heißen Liebe zu dem Maler, von seinem Vergessen und Tod. Auch von Adelaide sprach sie. Und endlich von der Stiefschwester im Bahn« Wärterhäuschen, der sie sich vertraut gehabt, allein, da Mutter und Schwester sich ihrer Liebe zu dem Maler gegenüber so mitleidslos gezeigt, daß sie ihr den Mund geschlossen. Dann, nach Geburt des Kinde», habe die Stiefschwester daS arme, liebe Geschöpfchen genommen, um es Mutter und Schwester zu überbringen. Wie sie einst für das Kind der verstorbenen Schwester gesorgt, so