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Herssel-er Klkisblutt.

Mit wöchentlicher chratis WeilageIllustrirtes Anteryaktungsölatt".

Nr. 151. Sonnabend den 19. Dezember 18917

Erstes Blatt.

Amtliches.

Hersfeld, den 15, Dezember 1891.

Der seitherige Bürgermeister George Wiegand zu Harnrode ist heute auf 8 weitere Jahre als solcher verpflichtet worden.

12469. Der Königliche Landrath.

I. V.:

Braun, Kreisdeputirter.

Unter dem Rindvieh der Landwirthe Conrad Hoffmann und Valentin Schmidt hierselbst ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen. ObergetS, den 17. Dezember 1891.

Der Bürgermeister Voigt.

III. Bedingungen

zum Eintritt in das Klcinkinderlehrerinnen-Seminar des Hessischen DiakonissenhauseS bei EMet.

1) Die sich zum Eintritt Meldenden dürfen in der Regel nicht unter 17 und nicht über 30 Jahre alt sein.

2) Eine gründliche Elementarschulbildung und Anlage zum Singen sind durchaus erforderlich und es geht deshalb der Aufnahme ein Examen voraus.

3) Gute Gesundheit, namentlich gesunde AthinungSorgane und Nerven sind nothwendig.

4) Vor der Ausnahme sind an den Vorstand des Dia- konissenhauses (Peilstation Wehlheide») eiuzusendeu: 1) ein Tauf-, 2) ein versiegeltes Sittenzeugniß deS OrtSgeistlichen und andere Legitiwationspapiere, 3) ein Schul-, 4) ein GesimdheitSzcugniß, 5) ein selbst verfaßter Lebenslauf, 6) ein Garantieschein für die pünktliche Zahlung der Pension.

5) die Pension beträgt 330 Mark, in QuartalSraten praenutnerando zu zahlen, für daS Bett werden 15 Mark besonders gerechnet. Auf Wunsch stellt die Anstalt die Bettwäsche auch für 15 Mark jährlich. Zur Anschaffung der nöthigen Bücher sind circa 25 Mark er widerlich.

6) Der EursuS ist einjährig und zerfällt in zwei Semester, welche im Mai und Oktober beginnen.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Grlöst.

Novelle von E. Rudorff.

Verfasserin des preisgekrönten RomanS:Durch Leid zum Licht."

(Fortsetzung.)

Köstlin brauchte auf Vermögen, angesehene Familien-Verbindungen nicht zu sehen. Er stand hoch genug da, um den, welchen er zum Eidam erwählen würde, auch in der Meinung Aller zu erheben. Und seine Mara, das Licht seiner Augen würde glücklich werden! Doch er mußte, um einen Plan, der sofort mit allen seinen Con. seguenzen in ihm aufgestiegen war, durchzuführen, noch mehr erfahren, Mara mußte noch beichten.

So schnell ordnen sich des Menschen Gedanken, Überdrücken Abgründe, schauen vollendet ein Ge­bäude vor sich, zu dem noch kein Stein gelegt wurde, daß der Consul fast unmittelbar nachdem Mara gesprochen, ihr antwortete:

»Liebe Tochter, es ist auch mir wahrscheinlich, daß Norbert, in dessen Wesen keine Art von Ueberhebung liegt, jetzt von einer Neigung für Dich nicht zu mir sprechen würde. Doch es könnten ja später Verhältnisse eiutreten - ich dachte schon früher daran, ihm eine Vertrauens' stellung zu geben welche für eine solche Aus­sprache eine größere Berechtigung fließen. Laß wich daher wissen, wodurch Norbert sich Deine Neigung gewann und bei welcher Gelegenheit Du

7) Auf besonderen Wunsch werden die Schülerinnen auch in den nothwendigsten Handgriffen der Krankenpflege auSgebildet.

8) Schülerinnen, welche durch Betragen, Fleiß und Leistungen den Ansprüchen genügen und daS Schlußexamen bestanden haben, erhalten ein empfehlendes Abgangszeugniß und werden vom Vorstände des Seminars nach Kräften zur Erlangung von passenden Stellen unterstützt.

9) Für junge Mädchen, welche als Lehrdiakonissen sich dem Verbände der Schwestern des Hessischen DiakonissenhauseS an­schließen wollen, bestehen besondere Bedingungen.

IV. Bedingungen unter denen Kranke in die Krankenabtheilung deS Diakonissen- Hauses zu Treysa ausgenommen werden.

1) Von der Aufnahme sind alle Kranke ausgeschlossen, welche an Krätze, geschlechtlichen, chronischen und unheilbaren Krankheiten leiden, sowie Geistesgestörte.

2) Der Pflegesatz für unbemittelte Kranke beträgt täglich für Erwachsene 0,75 Mark,

für Kinder 0,50 für bemittelte Kranke werden die Pflegesätze nach Verhältniß erhöht.

3) In der Regel kann die Aufnahme der Kranken nur nach vorheriger Anmeldung und erhaltener Antwort erfolgen. Der Anmeldung ist ein ärztliches A'^st über die Art und den bisherigen Verlauf der Krankheit beizufügen, in welchem ausdrücklich angegeben sein muß, ob die Krankheit heilbar ist.

4) Aufnahmegesuche sind zu richten an den unterzeichneten Vorstand resp, an die Vorsteherin der Erziehungsanstalt zu Treysa, oder an den Hausarzt daselbst, Herrn KreiSphysikuS Dr. Nothnagel.

V. Bedingungen unter denen Kinder in die mit dem Diakonissenhause zu Treysa verbundene Erziehungsanstalt für verwahrloste Mädchen ausgenommen werden.

1) Die aufzunehmenden Mädchen dürfen in der Regel nicht unter 6, nicht über 12 Jahre sein.

2) Dieselben müssen gesund sein, namentlich dürfen sie nicht an unheilbaren, chronischen oder ansteckenden Krankheiten leiden.

3) Die Leitung der Erziehungsanstalt muß bis zur Ent­lassung der Kinder die volle elterliche Gewalt über dieselben eingeräumt werden.

4) BiS zum vollendeten 16. Lebensjahre müssen die Mädchen in der Regel in der Anstalt bleibe».

von seinen Empfindungen Kenntniß erhieltest.*

Vater, Du fragst mich heute sehr viel und doch fühle ich, daß ich Dir antworten muß. Seitdem ich mit offenem Blick in das Leben schaue, fand ich bei Deinen Gesprächen mit den jungen Leuten an unserm Tisch, daß die Ansichten Norberts stets auch die meinigen waren, wie er dachte so war es gut, so schien es mir recht."

Was ich sagte, fand wohl nicht Deinen Beifall," unterbrach lächelnd Köstlin seine Tochter.

»Du stehst am Ziel, Vater! Wir sind Werdende, Strebende, wir haben unseren Weg noch zu finden!"

Gut, gut, nun sprich weiter*

Diese Uebereinstimmung mit Norbert erfreute mich sehr, ohne daß mir ein Gedanke gekommen wäre, woher dies geschehe. Nun erkrankte, wie Du Dich erinnern wirst, im vergangenen Herbst an einem Sonntagmorgen die theure Mutter wiederum in bedenklicher Weise. Ich eilte in den Hausflur, um Lebrecht zu rufen und ihn nach dem Arzt zu senden. Norbert kam gerade aus dem zweiten Stock herab und ich bat ihn, da Lebrecht nicht zu sehen war, diesen, der wohl in den unteren Räumlichkeiten beschäftigt sein mochte, nach Hülfe zu senden. »Ich gehe selbst zum Arzt, Fräulein, der Alte ist zu langsam, ich bin dort in der Hälfte der Zeit," entgegnete er. Noch ehe ich Zeit hatte, ein Dankeswort zu äußern, war Norbert schon die Treppe hinabgeeilt. Einige Stunden später war ich allein iu unserm Eßzimmer, alS Norbert eintrat, um die Morgenzettung zu

5) Die Pension beträgt für Kinder, welche von Privaten oder ärmeren Communen untergebracht werden, jährlich 120 Mark, in QuartalSraten praenumerando zu zahlen, sonst 150 Mark.

6) An Kleiderentschädigung sind beim Eintritt des Kindes 45 Mark zu entrichten.

7) Bei der Anmeldung sind einzusenden: a) Taufzeugniß, b) Sittenzeugniß mit Angabe der Ursache, weswegen daS Kind der Anstalt überwiesen werden soll, c) Schul-, d) Ge« sundheitS-, e) Jmpfzeugniß, f) Garantieschein des Zahlungs­pflichtigen für die Zahlung der jährlichen Pension.

8) Anträge sind an den unterzeichneten Vorstand zu richten. Wehlheiden, den 26. Januar 1883.

Der Vorstand des Hessischen DiakonissenhauseS bei Cassel.

Wird veröffentlicht.

Cassel, den 29. Januar 1883.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

Aus dem Reichstag.

B e r l i n , 16. Dezember. Im Verlaufe der heutigen Sitzung deS Reichstages wies den von verschiedenen Seiten wegen Herabsetzung deS WeinzolleS geäußerten Be­denken gegenüber StaarSsekretair d'S Innern, Staatsminister v. Boettiche,, darauf hin, o».^H," ih Aussicht genommenen Wemgcütz- das Hauptbemühen darauf gerichtet sein werde, der Wnnmantscherei vorzubeugen. An der Debatte über den Wein- und Traubenzoll betheiligten sich dann noch die Abgg. Graf v. Mirbach, Dr. Bamberger, Dr. Simonis, Menzer, L-chnaidt und Hickel. Aus der Berathung der folgende» Positionen ist hervorzuheben, daß Staatssekretair Frhr. v. Maltzahn gegenüber der vom Abg. Uhlendorsf aus der Her­absetzung des WeizeuzollS gezogenen Folgerung, daß auch der ReiSzvll eine Herab Minderung erfahren müsse, erklärte, daß diese Frage unserer alleinigen Entschließung unterliege, daß aber hier wohl nicht der Ort sei, da über zu verhandeln. Eine längere Debatte veranlaßten die Papierzölle, und dem­nächst die Vieh- speziell die Schweinezölle. Darauf wurde auch Anlage B zu bem Art. 3 deS österreichischen VertrageS (Zölle bei der Einfuhr in das österreichisch-ungarische Zoll­gebiet) schnell erledigt, nachdem nur Abg. Graf Mirbach kurz betont hatte, daß vor Stabilisirung bet österreichischen Währung jede bezügliche Zollermäßigung für unS werthlo« erscheinen müsse. Namens der Petitionskommission beantragte darauf Berichterstatter Abg. Dr. Pieschel, die eingegangenen bezüg

| holen, welche man vergessen hatte, in das Comtoir ! zu bringen, und ich dankte ihm nun für seine Mühwaltung. In dem Tone innigster Theilnahme erkundigte er sich nach dem Befinden der theuren Mutter. Thränen stürzten aus meinen Augen, als ich sagte, daß zwar die augenblickliche Gefahr vorüber sei, unsere Sorge um die Geliebte jedoch eine fortdauernde bleiben würde. Er schien tief bewegt zu sein, sprach dann von seiner Mutter, wie er sie geliebt, wie er sie geehrt, wie sie in Wahrheit der Schutzengel seines Lebens gewesen sei. Ganz in sein Empfinden verloren, sagte er dann, daß es ihn beglücke, daß ich ebenso denke"

Mara schwieg eine Weile, dann fuhr sie fort; »Nie, Vater, werde ich den Ausdruck vergessen, mit welchem Norbert diese Worte sprach und auf mich blickte; wenn in Wahrheit das Auge des Menschen der Spiegel seiner Seele ist, so gehörte diese Seele mir! Kaum aber waren die Worte seinen Lippen entflohen, alS er gleichsam erschreckt über daS, was er soeben gesagt, etwas Gleich, gültiges vorbrachte und das Zimmer verließ. Du weißt nun AlleS!"

Ja, er wußte nun Alles, und es war genug für ihn. Köstlin drückte Mara fest an sein Herz, streichelte sanft ihre gerötheten Wangen und sagte dann: »Hab Dank für Dein Vertrauen, und gehe jetzt wieder zu unserer Kranken, ich folge Dir bald nach." w

Der Consul empfand daS Bedürfniß allein zu sein, denn eS dünkte ihn unmöglich, das Glücks-