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Nr. 152.
Dienstag den 22. Dezember
1891.
Amtliches.
Unter der Schafheerde des LandwirthS Heinrich Deiseroth und Genossen dahier ist die Räudekrankheit ausgebrochen.
Motzfeld, den 17. Dezember 1891.
Der Bürgermeister Jäger.
Der Steckbrief vom 2, März 1885 hinter dem Arbeiter Nicolaus Koch genannt Nennstiel aus Heringen wird hierdurch erneuert. Aktenz. J. II. 266/85.
Cassel, den 12. Dezember 1891.
Der Erste StaatSanwalt. Klingelhoeffer.
Aus dem Reichstag
den Anträgen von Massow und Mckert gemäß über den österreichisch-ungarischen Vertrag namentlich abgestimmt, und derselbe mit 243 gegen 48 Stimmen angenommen; 5 Mit- i glieder enthielten sich der Abstimmung. — Die HandelSver-| träge mit Italien und Belgien führten in der dritten Lesung zu keiner Debatte mehr, und wurden im Ganzen angenom-1 men. Die zu den Verträgen eingegangenen Petitionen wurden durch die Beschlußfassung zu den Verträgen für erledigt erklärt. — Nächste Sitzung: Dienstag, 12. Januar, Nach-
mittags 2 Uhr.
Berlin, 18. Dezember. Im Verlaufe der heutigen Sitzung der Reichstages wurden nach Annahme des Artikels 3 des zur Debatte stehenden Handelsvertrages zunächst^ ^x^xv uuum »cityi yuvm. ^iv« w» ^^v^»- die übrigen Artikel desselben en bloc angenommen, dann i guHaett UNd SchWierigk"iteN, die dem Reichskanzler k‘" — ^'"^" ^^-^^ ^ stvd Meinen Räthen von den verschiedensten Seiten
gewacht, ist es uns gelungen, das Vaterland in neue Bahnen einzulenken. Ich bin überzeugt, nicht nur unser Vaterland, sondern auch die Millionen Unterthanen der anderen Länder, die mit uns in dem großen Zollverband stehen, werden dereinst diesen Tag segnen. Ich fordere Sie auf, mit Mir ein Glas zu leeren auf das Wohl des Reichskanzlers Excellenz General Graf Caprivt, er lebe hoch!"
Aus Stuttgart, 16. Dezember, wird der „Nordd. A. 3 * berichtet, Ihre Majestäten der König und die Königin von Württemberg würden, dem Vernehmen nach, vom 25. bis 27. Januar in Berlin sein und dann sich nach
Iotitische Nachrichten.
Berlin 18. Dezember. An der heutigen Ein- Weibung des Kreishauses für den Kreis Teltow bierselbst nahm auch Se. Majestät der Kaiser Theil. Se. Majestät brächte bet dem Festmahl ein Hoch auf den Kreis Teltow aus. Als die Nachricht von der Annahme der Handelsverträge eintraf, erhob sich der Kaiser nochmals zu einer
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Grlöst.
Novelle von E. Rudorff.
Verfasserin des preisgekrönten Romans: „Durch Leid zum Licht.
(Fortsetzung.)
Ich bin ein Gegner davon, daß Millionen in einer Hand sich ansammeln und vermehren sollen, schon jetzt habe ich Emporstrebenden, die sich h'lfea wollten und nicht konnten, soviel Uneben, daß mein Vermögen, trotz der günstigen Geschäftslage sich verringert hat. Und dies ist das Richtige. Der Reiche muß sich als einen Verwalter für d e Aermeren betrachten, der nur eine Zeitlang nur seinem jetzigen Besitz betraut worden ist. Aus diese Weise allein werden die Schäden der ungleichen Gütervertheilung ausgeglichen und, wir erhalten den idealen Staat. Hätte ich «ohne gehabt, so würde ich für ihre Ausbildung nach Kräften gesorgt und ihnen einen Notbpfenvtg gegeben oder hinterlassen haben, um sie vor Unglücksfällen zu schützen. Frau und Tochter werden nach meinem Tode eine Rente haben, um anständig leben zu können und in gewohnter Weise Gutes zu thun. Mein übriges Vermögen soll ?u gemein- nütztgen Zwecken verwendet werden, und habe M schon dieserbalb Bestimmungen getroffen. Um Eines anzuführen, so habe ich eine Millioni ausgesetzt, damit Arbeiter oder kleine Leute, welche den Wunsch hegen, für sich ein Haus zu bauen,
Rede, in welcher er betonte, das Ergebniß sei der hingebenden Arbeit des Reichskanzlers zu verdanken. Se. Majestät sagte dann wörtlich: „Dieser einfache, schlichte preußische General hat es verstanden, in zwei Jahren sich in Themata einzu- arbeiten, die zu beherrschen außerordentlich schwer war. Mit seltenem politischen Blick hat er das Vaterland vor schlimmen Folgen im rechten Augenblick bewahrt. Es ist selbstverständlich, daß die einzelnen Interessen Opfer bringen müssen, damit das Ganze vorwärts gebracht werde. Ich glaube aber, daß die That, die durch die Einleitung und den Abschluß der Handelsverträge für die Nachwelt als eines der bedeutendsten geschicht-
lichen Ereignisse dastehen wird, eine geradezu rettende zu nennen ist. Der Reichstag in seiner größten Mehrheit hat gezeigt, daß er den weiten politischen Blick dieses Mannes erkennt und sich ihm anschließt. Es wird dieser Reichstag sich einen Denkstein in der Geschichte des Deutschen Reiches damit gesetzt haben. Trotz der Verdächtt-
Dresden begeben.
Nach der Genehmigung der Handelsverträge hat sich der R e i ch s t a g bis zum 12. Januar
| Darlehne daraus zu einem so niedrigen Zinsfüße I erhalten, daß es nur die Hälfte von dem ausmacht, was sie jetzt an Miethe zahlen. Bei einer sehr mäßigen Abzahlung können sie nach einer Reihe von Jahren schuldensreie Besitzer ihrer Grundstücke werden. Eine seßhafte Bevölkerung ist leichter zufrieden zu stellen und jagt nicht Phantomen nach, auch liegt in dem Besitz für jeden Menschen etwas Befriedigendes,-
In Norberts Zügen sprach sich zwar eine große Erregung aus und mau sah welchen Antheil er an den edlen Bestrebungen des Consuls nahm, aber seine Mienen verkündeten nicht dasjenige, was Köstltn darin zu sehen erwartet hatte.
„Ich bin allzusehr abgeschweift von meinem ursprünglichen Thema,- fuhr der Consul fort, .und betone nochmals, daß es mein Wunsch ist, Sie möchten das Personal des Geschäfts bet sich wohnen lassen und bewirthen.- -
.Das würde auch ich immer erstrebt haben, und ich könnte eine ältere, ehrenwerthe Dame, mit welcher ich bekannt bin, zu mir nehmen, damit sie die Stelle der Hausfrau ausfülle.- —
„Für den Anfang ist das auch sehr gut, allein Sie sind ein junger Mann von — ich denke.- —
„Achtundzwanzig Jahren, Herr Consul!"
„3a, ja, wie die Zeit verläuft, Sie waren neunzehn Jahre als Sie zu mir kamen. Nun mit dem gesicherten Einkommen wird in Ihnen auch bald die Neigung erstehen, ein liebes Weib heimzuführen. Eine glückliche Ehe ist ja — ich
vertagt. In der damit abgeschlossenen ersten Periode seiner diesmaligen, am 17. November begonnenen Verhandlungen waren diese Verträge das Hauptstück. Außerdem hat die erste Lesung des Etats, die zweite Berathung der Kranken- kaffen-Novelle, die erste des Gesetzentwurfes über die Immunität der Abgeordneten und die Verhandlung einiger Juittativ-Anträge stattgefunden.
Auch der Bund es rath hat Ferien gemacht; er wird seine Arbeiten etwa gleichzeitig mit dem Reichstage wieder aufnehmen. Nach Neujahr erwartet den Bundesrath eine Reihe gesetzgeberischer Aufgaben von besonderer Wichtigkeit. Es dürften hierzu, wie versichert wird, das Wetugesetz und der Zusatz zum Unterstützungswohnsitz-Gesetz gehören.
Se. Majestät der K a i s e r hat in Folge der Genehmigung der Handelsverträge dem Reichs- kanzler v. Caprivi den Gra.feutitel verliehen.
Die Reichskommissiou für das bürgerliche Gesetzbuch hat in diesem Jahre ihre letzte Sitzung abgehalten um, öeschiosscn, ok Regelung der Verhältnisse der „juristischen Personen" in den allgemeinen Theil des bürgerlichen Gesetzbuches aufzunehmen.
Der „Reichsanzeiger" bringt eine Bekanntmachung betr. die Erstreckung der VersicherungS- Pflicht nach dem Juvaliditäts- und Altersversiche- rungsgesetze auf die Hausgewerbetreibenden der Tobakfabrikation.
Zur Förderung der Unfallverhütung soll auf Anregung des Reichsversicherungsamtes auch für die landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaften eine Unfallstatistik aufgestellt werden. Der erstmaligen Einsendung der ausgefüllten Zähl- karten wird bis zum 15. Februar 1892 entgegengesehen.
Die H a n d e l 8 - V e r t r ä g e mit Deutschland, Belgien und der Schweiz wurden am Freitag im
spreche aus Erfahrung — die höchste Segnung, welche dem Menschen beschieden.- —
«Ich halte sie ebenfalls dafür, denn, obwohl ich meinen Vater frühzeitig verloren, so steht doch das Bild häuslichen Glückes, welches meinen Eltern trotz der beschränktesten Verhältnisse zu Theil wurde in voller Helle vor mir. Allein ich selbst werde mich nie vrrheirathev.- —
„Nie verheirathen! Und weshalb nicht? Haben Sie noch kein Mädchen gefunden, welches Ihnen eine Neigung einflößte und den Wunsch sie zu besitzen
„Herr Consul, ich liebe ein Mädchen aus vollster Seele, sie ist mit allem geschmückt, was ihren Besitz für einen jungen Mann begehreuswerth machen könnte, und dennoch würde ich nie wich um sie bewerben, selbst wenn ich die Hoffauna hegen dürfte, ihr nicht gleichgiltig zu sein.- —
«Das verstehe ich nicht.- —
„Es fällt mir schwer, Herr Consul, gegenüber dem großen und unverdiente» Zutrauen, dessen Sie mich gewürdigt haben, augenblicklich schweigen zu müssen. Nicht für immer, das wäre wie "ich empfinde, eine verwerfliche Handlungsweise. Doch manche Dinge vertragen besser eine schriftliche als eine mündliche Darlegung. So ist mein Fall. Wenn ich diese Stadt verlassen habe und nach H. ubergestedelt bin, will ich brieflich über einen Vorgang in meinem Leben berichten, welcher mir gebietet allein meine Wege zu wandeln." —
„Handeln Sie nach Ihrem Ermessen, lieber