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Httssel-er Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Krilage „Illustrirtes Autechaltungsklatt".
Rr. 2. Dienstag den 5. Januar 1882.
DUMllls-LMUg.
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Aersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Grattö Beilage „Mustrtrtes Unterhaltungsblatt" pro 1* Quartal 1892 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. Januar 1892.
In Gemäßheit des § 25 bezwse. 45 der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche
1. in dem Zeitraum vom1. Januar 1872 bis einschließlich 31. De- zember 1872 geboren sind,
2. dieses Alter bereits überschritten, abersich noch nicht vor einer Ersatz-Behörde zur Musterung bezw. Aushebung gestellt,
3. sich zwar gestellt, aber über ihr Militair - Verhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, sich r« der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. J. zur Retruttrungs- Stammrolle zu melden, und dabei die über ihr Alter sprechenden, sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangsue Bestimmungen über ihr Mtlitairverhältniß enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Ortsvorstande der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises baden demgemäß im laufenden Monat
(Unbefugter Nachdruck verboten.) B. H. C.
Erzählung aus dem Leben eines Seemannes von Hans Nagel von Brawe.
(Fortsetzung.)
„O, das ist sehr gut geworden, danke schön!* sagte sie dann nach erfolgter Revision und den Violinenkasten ausnehmend, „aber nun — wie soll ich Ihnen Ihre Nadel zurückgeben?" —
„Die Nadel ist werthlos, aber ich — ich werde Sie begleiten nach der Kapelleubergstraße, um Ihnen die Geige zu tragen.“
„Wollen Sie?“ fragte sie in kindlich freundlicher Weise und reichte ihm das Instrument.
„Sie kennen meine Wohnung?" fuhr sie dann fort, während sie neben einander die Straße hinauf schritten.
„Gewiß! Sie sind doch die Tochter des Hof- Musikdirektor Steuer und heißen Ste?*
„Daß Sie das wissen!“ Sie sah den jungen Seemann jetzt aufmerksam an, als wolle sie sich seiner offenen frischen Züge erinnern.
„Ah — ich habS!" rief Sie plötzlich. „Sie haben die Grete Ebel damals aus dem Heiligensee geholt, als sie noch ein kleines Kind war — die Grete ist meine Freundin und hat mir Sie einmal gezeigt. Das ist aber schon lange her, mindestens zwei Jahr uud dann —* sie sprang plötzlich ab, — „ist Ihr Vater nicht der alte Herr mit dem großen weißen Barte, der Bären
| folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise । Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung viermal zu erlassen. Aushebung zu beantragen haben.
„Jeder Militairpflichtige, welchem über seine Dienstzeit eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. J. bet dem Ortsvorstande zur Rekrutirungs - Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militairpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Die sodann genau nach der Instruktion des Herrn Ober - Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt de 1876 Seite 109 und 110) aufzu- ftellendenRekrutirungs-Stammrollen pro 1872 sind mir nebst den bei den Meldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegteu Attesten rc. und den beiden Rekcutirungs-Stamm- rollen der Jahre 1870 und 18 71 bis späteste«- zum 5. Februar d. I. unter der Bezeichnung Militaria einzureicheu.
Ferner haben die Herren Ortsvorstäude rc. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig - freiwilligen Dienst berechtigten MilitailPflichtigen, welche in das militairpflichtige Alter eintreten resp, eingetreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit des § 93 pos, 2 der Wehrordnung vom 22. November 1888 sich bet der Ersatz- Kommission ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres
und Tiger schoß in Amerika und so hübsche Bücher schreibt?"
„Ganz recht", sagte er, „mein Vater war .Trapper^ und ist jetzt «Dichter^ und ich heiße Felix Lenz."
„Und die Grete sagte mir doch damals, ihr Retter wäre jetzt Soldat — Cadetl"
„DaS war ich auch — aber — man hat mich fortgejagt 1“ Er lächelte über den Schrecken, der sich in des Kindes Zügen malte.
„Fortgejagt? Weshalb denn?"
„Weil ich einem Lehrer einen Schwärmer in die Tasche gesteckt."
„O das ist lustig — wie schade, daß wir schon zu Hause sind!"
„Ich werd's ein andermal erzählen."
Vor der epheuumrankten Gartenpforte waren sie stehen geblieben.
Das kleine Fräulein zog jetzt die rettende Nadel aus der Falte ihres Röckchens und betrachtete sie aufmerksam. „Wie sonderbar, das sind ja winzige kleine bunte Fähnchen, drei Fähnchen? Ah, ich weiß schon, der Albert Rittberg hat auch eine Fähnchennadel, der ist im Ruderklub. Sind Sie auch im Ruderklub?"
„Nein, Fräulein Steuer, ich bin ein wirklicher Seemann!" erwiderte er tächelnv und doch mit stolzem Selbstgefühl. „Als mau mich damals — sortschickte, kam ich nach Bremen auf das Schiff, und nun fahre ich schon über ein Jahr — war in Amerika, zweimal — in England — in Däne
g von der
nshebung zu beantragen haben.
Schließlich spreche ich noch die bestimmte Erwartung aus, daß die vorbezeichneten Stammrollen sauber aufgestellt und die iu Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig
a n s g e f ü l l t werden; auch muß, wenn zum Beisp. ein Mtlitairpflichtiger Schmied ist, angegeben werden, ob er Grob- oder Hufschmied ist. Ferner muß bet jedem einzelnen Militairpflich- tigen in der dazu bestimmten Rubrik durch Ein-
tragung der Worte: „ja" oder „nein" angegeben werden, ob sich derselbe zur Stammrolle angemeldet hat oder nicht. Ist letzteres der Fall, so ist ebenfalls anzuzeigen, ob Bestrafung desselben erfolgt ist oder nicht und eventuell weshalb nicht.
I II. 11. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleiui
tz.
Hersfeld, den 2. Januar 1892,
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 1. März 1881 Nr. 2605 (Kreisblatt Nr. 13) die in fremder Pflege befindlichen Kinder unter 6 Jahren betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. M t s. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.
J. I. 21.
Der Königliche Laudrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 2. Januar 1892.
Diejenigen Herren Ortsvorstäude, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 18. Dezember 1878 Nr. 12674 (Kreisblatt Nr. 102) die Unterbringung verwahrloster Kinder betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 10. d. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert.
I. I. 22.
Der Königliche Laudrath Freiherr von S ch l e i u i tz.
mark und Rußland, und in vierzehn Tagen gehen wir Anker auf nach Boston, ich fahre dann schon als leichter Matrose."
Fast bewundernd hingen ihre Augen an dem jungen Menschen, der schon so viel gesehen. „Wie interessant, Schiffer zu sein", rief sie aus, „und das ist dann wohl das Zeichen für wirkliche Seemänner?^ sagte sie auf die Nadel deutend, die sie noch immer in der Hand hielt.
„Die drei kleinen Flaggen bedeuten ein Stück Seemanussprache, für alle Nationen gleich verständlich. Jeder Buchstabe im Alphabete wird durch ein solches Zeichen dargestellt, und die Zusammenreihung mehrerer solcher Flaggenbuch- staben giebt irgend einen Begriff. Man schlägt das in einem großen Buche nach — jedes Schiff führt das Buch in seiner Sprache — denn behalten kann man die vielen Tausend Zasammen- stellungeu nicht. So können fremde Schiffe mit einander sprechen auf weite Entfernungen, denn in Wirklichkeit sind die Flaggenbuchstaben groß und werden vor den Top gehißt — oben an den höchsten Mast."
Sie schien einen Augenblick nachzudeuken, den Blick immer auf die kleine Agraffe gerichtet. Dann sah sie fast fröhlich in des Jünglings Augen. „Ich glaube, ich hab's begriffen", sagte sie, „nicht wahr; das sind also drei Buchstaben? Was heißt das oberste Fähnchen, ganz roth?"
„Es bedeutet den Buchstaben B."
„Und das andere, das weiß und rothe?"