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erssel-er grriablatt
Mit wöchentlicher Krütis-Weitage „Illustrirtes Nnteröaltungsklatt"
Nr. 3.
Donnerstag den 7. Januar
1892.
DMMkck-IMM
Bestellungen auf das
Hersfelder KreisbLatt mit der Wöchentttche» Gratis Beilage „Mustrirtes Unterhaltungsblatt" pro 1. Quartal 1892 werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. Januar 1892.
Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Juli 1892 gekündigten Schuldverschreibungen der Staatsanleihe von 1868 A. rc. liegt in den Geschäftslokalen des Landrathsamts und der beiden Steuerkaffeu des KreiseS während der Dienststunden zur Einsicht der Interessenten offen.
Zugleich wird hierbei aus die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 2. v. Mts. abgedruckt im Regterungs-Amtsblatte für 1891 Seite 239 und besonders auf die darin enthaltene Aufforderung, betreffend die Einlösung der von den früher gekündigten Schuldverschreibungen der Staatsanleihen von 1868 A„ 18 50, 1852, 1853 und 1862 noch rückständigen Stücke, ferner auf die Aufforderung zum Umtausch der noch rückständigen Schuldverschreibungen der k o n soll dirten 4*/aprozentigen Staatsanleihe in 4 prozentige Konsols, aufmerksam gemacht.
I. I. Nr. 1. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
(Unbefugter Nachdruck Derbsten.)
B. H. Gr.
Erzählung aus dem Leben eines Seemannes von Hans Nagel von Brawe.
(Fortsetzung.)
Von dem Allen hörte aber Felix Nichts. Nur einen Ruf von froher Kinderstimme, den vernahm er:
„Mama, da ist. ja mein Matrose!" Und dann wurde er von Jte's Eltern freundlich begrüßt und eivgeladen, sich zu ihnen zu setzen.
„Sie haben dem Kinde eine große Freundlichkeit erwiesen," äußerte der würdige Musikdirektor, ihm die Hand drückend und »ja ja, die kleine wilde Hummel, überall zerreißt sie die guten Sachen, aber es ist ja unsere Einzige" vervollständigte Mama Steuer fast zärtlich. »Freilich, ich habe es nicht so gut gehabt — ach Herr Gott nein 1*
Während die würdige hübsche Frau sich in den Erinnerungen au die Miseren kasteite, welche sie einst alS 6. Tochter eines Berliner subalternen Magistratsbea^en erduldet hatte, glitt daS Boot an der FreundschastSinsel, am BabelSberg vorüber durch die Glinicker Brücke auf Sakrow zu.
Jte suchte indessen in die Geheimnisse der Nautik einzudringen und wurde deS Fragens nicht müde. Die Nadel mit den blechernen, buntbemalten Fähnchen trug sie als Brosche und ganz richtig hatte sie B. H. 6. gesagt, als sie Felix darauf
Die Maul- und Klauenseuche unter dem Viehstande der hiesigen Landwirthe Conrad Hofmann und Valentin Schmidt ist erloschen. Obergeis, den 3. Januar 1892.
Der Bürgermeister Voigt.
Unter den Schafen der hiesigen Gemeinde ist die Räudekravkheit ausgebrochen. Lengers, den 5. Januar 1892.
Der Bürgermeister I ä s ch k e.
^ Conferrn; ^
Dienstag den 12. Januar in Neukirehen.
Hosbach ^Pfarrer.
Faktische Wachrichten.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen am Montag Nachmittag, nach der Frühstückstafel, eine gemeinsame Spazierfahrt durch den Thiergarten, von welcher Allerhöchstdieselben um 4 Uhr zurückkehrten. Se. Majestät der Kaiser verblieb alsdann bis zum Abend gegen 7 Uhr in seinem Arbeitszimmer und erledigte Regieruugsangelegeuheiteu. — Am Dienstag Vormittag um 9 Uhr unternahmen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin zunächst erst wieder eine gemeinsame Spazierfahrt nach dem Thiergarten. Von derselben zurückgekehrt arbeitete Se. Majestät der Kaiser von lO1^ Uhr ab etwa l*/2 Stunden mit dem Chef des Milt- tairkabinets, und nahm sodann um 123/4 Uhr einige milttairische Meldungen entgegen. — Am Nachmittage um 1 Uhr empfingen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin den aus Darmstadt wieder nach Berlin zurückgekehrten
aufmerksam machte.
Die so oft ohne alle? Interesse von ihr gesehene Königliche „Miniaturfregatte" auf dem Jungfernsee gab heute zu den eingehensten Erörterungen Veranlassung, so daß endlich Herr Steuer meinte:
»Die Jrmeugard müßte ein Junge sein — ei daS gäbe einen tüchtigen Matrosen."
„Glauben Sie?" fragte diese Felix.
„Ich denke mirs auch herrlich so mit vollem Gefühle geigen zu können", antwortete er „— ich höre so gern Musik, spiele selbst Piano."
„Da werde ich Ihnen vorgeigen, — Herr Stöve meint, es sei gut, oft vor Anderen zu spielen und — ich glaube, vor Ihnen fürchte ich mich nicht."
Plötzlich entstand eine Unruhe auf dem Deck. Alles stand auf und sah hinaus in die Cours- richtung.
»Die Kaiserliche Yacht!" „die Alexandra!" »Die Kronprinzessin — mau sieht schon die Standarte und die englische rothe Flagge!" So tönte es durcheinander und schon hörte man das Brausen der Schaufelräder. Jetzt kam der Dampfer in unmittelbarer Nähe vorüber, mit „Hurrah" begrüßt.
Neue Fragen und neue Belehrungen über Schaufelrad und Schraube, während das Fahrzeug zwischen den grünen Waldesufern der Pfauen- insel und des Wildparkes dabinflog. Viel zu schnell für die kleine Wissensdurstige erreichte man „Friedrich Wilhelmsbrück" und viel zu schnell verging auch dann der Nachmittag mit Spaziergong,
Erbgroßherzog von Hessen und nahmen mit Höchst- demselben auch gemeinsam das Frühstücksmahl im Königlichen Schlosse ein.
Der B u n d e s r a t h hat in der Sitzung vom 22. Dezember 1891 in Gemäßheit des §. 1 deS Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältnisse der kaiserlichen Beamten in den Schutzgebieten, vom 31. Mai 1887, beschlossen: daß den kaiserlichen Beamten, welche in den deutschen Sch utz gebt e t e n eine längere als einjährige Verwendung gefunden haben, die daselbst zugebrachte Dienstzeit bet der Pensionirung doppelt in Anrechnung zu bringen ist.
Die Budgetkommission desReichs- tags wird nach Beendigung der Weihnachtsferien am 13. d. W. ihre vor Weihnachten iu Folge der Plenarberathanaen über die Handelsverträge unterbrochenen Verhandlungen wieder aufnehmen.
Nach einer Bekanntmachung des Ministeriums in Karlsruhe hat der Großherzog befohlen, daß in Zukunft die badische Flagge gelb-roth- gelb in drei Längsstreifen zu führen ist. Ferner sind Bestimmungen über die Standarten des Großherzogs, der Großherzogin und der Prinzen ergangen.
Aus das gemeinsame Gcsnch der sächsischen Handels- und Gewerbekammern, betreffend die F e st l e g u n g d e s O st e r f e st e s, hat sich das Unterrichtsministerium dem Landeskonsistorium an geschlossen, welches nicht ohne alle Bedenken gegen diese Neuerung ist, immerhin aber den Versuch derselben vom Standpunkte der evangelisch- lutherischen Kirche aus für zulässig erachtet, dafern nur dabei Einheit und allgemeine Uebereinstimmung der verschiedenen Konfessionen und kirchlichen Gemeinschaften wenigstens in den Ländern mit gregorianischem Kalender gewahrt werde. Es ist deshalb versucht worden, die Ansichten der römisch-katholischen Kirchenbehörden
Bootrudern und — dem erforderlichen Kaffee, zu welchem auch Felix eingeladen wurde.
„Ein netter junger Mann," meinte Abends der Musikdirektor, als Felix sich empfohlen und bedankt hatte und Jrmeugard fügte hinzu: »O, der ist zu nett!"
Fast täglich begegnete Felix von nun an dem fröhlichen Kinde. Mochte es auf dem Schulwege oder im neuen Garten oder am Ruinenberge sein — immer freuten sie sich deS Zufalles, der sie zusammen führte. Einmal wurde Felix auch vom Herrn Steuer aufgefordert, hinein zu treten und Jrmeugard spielen zu hören — eS war gleich in den ersten Tagen.
Ein Zwischenfall machte dem frohen harmlosen Verkehr ein jähes Ende.
Es war am Tage vor Felix Abreise. Schon 2 Tage hatte er Jrmeugard nicht mehr gesehen und ging Abends spät noch hinüber in die Kapelleu- bergstraße, um Adieu zu sagen. Er zog die Glocke. „Niemand sei zu Hause — alle verreist", wurde ihm vom öffnenden Mädchen gesagt und doch zeigte ihr Gesichtsausdruck, daß sie log. Er verließ das HauS. Doch da, wo der Fahrweg in das BoSkett des Kapellenberges führt, im tiefen Schatten, blieb er stehen. Er sah, wie man Licht machte im Steuer'schen Hause. Warum war er abgewiesen?
Wohl eine Viertelstunde mochte er diese Frage erwogen haben, als sich die Thür im Epheuge-