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Hersstl-el KreishlM.

Mit wöchmtlicher Kratis-AeilageIllustrirter Auterhaltungsölatt".

Nr. 8. Dienstag den 19. Januar 1892.

Amtliches.

HerSfeld, den 15. Januar 1892.

Nach einer Mittheilung des Kaiserlichen Post« awtes dahier ist es in letzterer Zeit häufig vor- gekommen, daß die Renten-Quittuugen seitens einer Anzahl der Herren OrtSvorstände des KreiseS bei der vorgeschriebenen Beglaubigung mit ganz undeutlichen Abdrücken der Dienstsiegel versehen worden und den Renteu-Empfängern dadurch unangenehme Weite- rungen entstanden sind, weil die betreffende Stelle die Abnahme solcher Quittungen verweigert hat.

Den Herren OrtSvorstände« deS KreiseS muß ich deshalb die Anbringung deutlicher Stempelabdrücke auf den Renteuqnittuugen zur Pflicht machen.

I. I Nr. 291. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Braun, KreiSdeputirter.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 15. Januar. Auf Vorschlag des Abgeordneten Stengel werden das bisherige Präsidium und die Schriftführer wieder gewählt. Hierauf wurde von dem Finanzminisier Dr. Miguel der Etat für 1892/93 eingebracht. Der Minister be­merkte in den begleitenden Ausführungen, der Etat balancire mit 1,851,150,647 Mark. Das Ordinarium belaufe sich auf 1,804,422,035 M., das Extraordinarium auf 46 663 662. Gegen den Etat des laufenden Jahres sei also ein Mehr von 130 Millionen in Einnahmen und Ausgaben angesetzt. In Folge des Abschlusses der Handelsverträge würden die Ueber- Weisungen an die Communen nach der lex Huene sich um etwa 30 Millionen verringern. Damit der Minister besser in der Lage sei, den günstigen Zeitpunkt für eine neue Anleihe zu wählen, werde vorgcschlagen, die Summe der Schatzan­weisungen auf 100 Millionen zu erhöhen. Hierauf wurde von dem Kulturminister Grafen Zedlitz-Trützschler der Ent­wurf eine« Bolksschulgesetze« eingebracht. Der Minister empfahl in seiner Rede die Annahme desselben und schloß mit der Be­merkung, derselbe stehe durchaus auf gesetzlicher Grundlage. Die Regierung bitte deshalb um eine wohlwollende Prüfung.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

B. H. Gk

Erzählung aus dem Beben eines Seemannes von Hans Nagel von Brawe.

(Fortsetzung.)

Sekunden vergehen lange, bange Sekunden! Dann theilt sich das Wasser uud mit kräftigen Schwimmstößen rudert der Taucher seinem Boote zu, mit der Linken die Gerettete uachzteheud.

In sicherer Gewandtheit weiß er den Kopf des Mädchens über Wasser zu halten, während er selbst sich in das Boot schwingt oder bester hinein windet.

Dann hebt er die nun leichte Last nach.

Mit Sachkenntuiß beginnt er die Belebungs- arbeit und schon nach wenigen Minuten ringt sich ein schwacher Laut von den Lippen der Ohn­mächtigen

»Jrmengard Jrmeugard!* ruft ihr der Retter leise zu. Noch ist ihr Bewußtsein nicht zurückgekehrt dann nach und nach erwachen die Lebensgeister. Er rudert zurück an den Landungssteg, ohne den Kaufmann eines Worte? zu würdigen. Jrmengard kaun auf seinen Arm gestützt zur Villa zurückgehen. Voll Rührung drückt sie ihm die Hand.B. H. B.l" sprach sie mit schwacher Stimme.

Domestiken erschienen uud nahmen die Verun­glückte in Empfang. Sie sei vom Ufer geglitten, erklärte sie, voll Edelmuth selbst gegen den, der

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Die nächste Sitzung wird am 21. Januar fiattstnden.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 16. Januar. Im Verlaufe der heutigen Sitzung des Reichstages wurde die unter den einmaligen Ausgaben des Etats des Reichsamts des Innern erscheinende Position von 40 000 M., als erste Rate zur wissenschaftlichen Erforschung und Aufdeckung des römischen Grenzwalls (Limes) nach dem Anträge Oechelhäuser entgegen dem Kommission-beschlusse be­willigt. Im außerordentlichen Etat der einmaligen Ausgaben veranlaßten die als elfte Rate zur Errichtung der ReichStag«- gebäudes ausgeworfenen 4 000 000 M. keine Debatte. Bei der sechsten Rate von 2 000 000 M. zur Herstellung des Nord- Ostsee-Kanals spricht Abg. Dr. Lingens seine Befriedigung au« über die Seelsorge, welche den Arbeitern gewährt wird. Abg. Münch wünscht, daß von Reichstagsmitgliedern eine gemein­same Reise nach dem Kanal unternommen werde. Der Etat des Rechnungshofes passirte ohne Diskussion. Beim Etat der Reichr-Eisenbahnamt« ging Abg. Schrader auf die Frage der Tarisreform ein, wobei er nicht zugeben will, daß Preußen aus den finanziellen Ergebnissen seiner Eisenbahn­verwaltung einen Grund herleiten könne, von der geplanten Reform abzustehen. Die Staat-bahnen müßten von Reichs­wegen gehalten werden, auch in schlechteren Zeiten dasjenige zur Ausführung zu bringen, was die Verhältnisse erfordern. Darüber, ob das Reichs-Eisenbahnamt in diesen Richtungen thätig gewesen, sei nicht« bekannt geworden. Er bitte deshalb um Auskunft, was Seiten« des Reichreisenbahnamt« für die Sicherheit der Eisenbahnen geschehen, und wie dasselbe zur Frage der Tarifreform stehe. Außerdem wünscht er eine all­jährliche Berichterstattung über die Thätigkeit diese« Amt«. Präsident des ReichS-Eisenbahnamts Dr. Schulz entgegnet, daß da« Reichr-Eisenbahnamt eine Aufsicht-behörde und feine Verwaltungsbehörde sei, weshalb seine Thätigkeit weniger hervortrete. Die Sicherheit unserer Eisenbahnen habe in er­freulicher Weise zugenommen. Eine besondere Aufmerksamkeit habe das Reichs-Eisenbahnamt schon seit einer Reihe von Jahren der Untersuchung der Eisenbahnbrücken zugewendet. Auf die Beschleunigung der Personentarisreform hinzuwirken, zu welcher die Einzelstaaten geneigt seien, liege für das Reichs- Eisenbahnamt keine Veranlassung vor, zumal der Personen-, wie auch der Güterverkehr in den letzten Jahren fortdauernd erheblich gestiegen seien. Abg. Graf v. Kanitz würde auch die Ermäßigung der Personentarife wünschen, wenn derselben nicht finanzielle Bedenken entgegenständen. Nachdem dann der Etat

ihr Leben nicht achtete, sie verderben wollte.

Der Retter aber war in der Nacht verschwunden.

VIII.

»Hol' mich der Teufel, das ist ein glücklicher Zufall, daß ich Dir eben begegne, mein lieber Lenz wollte gerade Deine Kabine so nennt Ihr ja wohl Euren Schlafsalon? wollte ge­rade Deine Wohnung aufsuchen l Na, Du wirst Dich wundern!*

»Worüber denn, Paul?* fragte Felix, ohne daß bet der lebhaften Vortragsart des Freundes der Erust aus seinen Zügen gewichen wäre.

»Sollst Du hören! Warte, ich werde Dich ein Stück begleiten am Zeughausmarkte wohnst Du doch? Wie? Gut, da komm!* Der Offizier legte feinen Arm in den des Freundes und sie gingen den Holsteuwall hinab, dem Millern« thore zu.

»Nun ?*

»Also! Wir sprachen doch vor einigen Tagen von der Gouvernante bei Dornbusch, der kleinen Potsdamerin?*

»Ich erinnere mich,* sagte Felix scheinbar gleichgültig, und doch wurde durch das Wetter­braun seiner Wangen plötzlich die Gluth der Er­regung sichtbar. Was ist mit ihr?*

»Auf und davon!*

Der Seemann war plötzlich stehen geblieben, mit eiserner Faust umklammerte er daS Handge­lenk des Offiziers und »was sagst Du!* stieß er

des ReichS-EisenbahnamtS unverändert angenommen, wurde gegen 5 Uhr die Berathung abgebrochen.

Iokitische Nachrichten.

Se. Majestät der K a i s e r ist von der Jagd im Lippescheu am Freitag Nachmittag wieder iv Berlin rtngetroffeu.

Die zur Durchführung der neuen Volks« s ch u l g e s e tz e s nothwendigen Mittel solle«, wie im Entwürfe zum letzteren bestimmt wird, aus den Erträgen der neuen Einkommensteuer genommen werden und zwar find dieselbe« auf 9 Millionen berechnet. Um diese 9 Millionen würde also der Betrag der aufgekommenen Ein­kommensteuer, welcher im Jahre 1892/93 die Summe von 80 Millionen übersteigt und zur Ueberwetsuug vou Gruud- und Gebäudesteuer au die Kommune verwendet bezw. zunächst thesaurirt und später zum Erlaß von Monatsraten der Ein­kommensteuer benutzt werden soll, verkürzt werden. In dem vom Miutsier v. Goßler eingebrachten Volksschulgesetzentwurf waren 7i/2 Millionen zur Durchführung in Aussicht genommen. Die­selben sollten den nach der lex Huene zu ver­wendenden Fonds entnommen werden.

Dem Vernehmen der »Berl. Pol. Nachr.* nach hat der Bundesrath in seiner Plenarsitzung am Freitag deu Gesetzentwurf, betreffend die Be­kämpfung der Trunksucht, im Wesent­lichen in der von den Ausschüffeu vorgeschlagenen Fassung angenommen. Es sollen nur zwei mehr redaktionelle Abänderungen, die eine, betreffend den Ausschank von Branntwein in Räumen, welche noch anderweitigem Zweck dienen, die andere be­treffs der Strafbestimmungen über das Hausiren mit Branntwein angenommen sein.

Wie bereits erwähnt, hat der Justizminister an geordnet, daß dem zuständigen Seelsorger Mit­theilung über Anklagen oder Äerurthetluugen von

hervor, die wett geöffneten Augen auf den Freund gerichtet.

»Siehst Du? ich dachte mir gleich, daß Dich das interessiren würde! Die Sache kommt aber noch besser komm, laß unS weiter gehen. Also vor zehn Tagen war doch das Gartenfest, weißt Du? Da sah sie noch reizend auS, die reine Unschuld alle Welt war entzückt, und vor allen der junge Dornbusch. Mau sprach schon hier und da von ernsten Absichten und die Sache soll sich auch so ein Wenig liebevoll ,ange- lassen* haben, weißt Du, wie die erste Hitze auf dem blanken Stahl. Da wird sie plötzlich vorgestern Abend war es von einem wild­fremden Manne an die Villa gebracht, durchnäßt bis auf den letzten Fade». Während noch Alle? sie bedauert sie giebt an, vom Ufer in die Alster geglitten zu fein ist der Fremde im Gebüsch verschwunden.

Als aber spät in der Nacht Herr und Fraa Dornbusch heimkamen, erklärte sie, morgen da? Haus »erlassen zu müssen. Und so kam'? denn auch. Schon früh am anderen Tage ging sie fort, ohne daß sie zu bewegen gewesen wäre, das Schweigen über die Veranlassung ihres Scheidens zu brechen. Gestern Abend spät wurden ihre Koffer durch Dienstleute abgeholt und direkt auf den fälligen Dampfer gebracht ich glaube, e8 war Deine verflossene,®Ibe*. Sie soll Engage­ment bei irgend einer hinübergehenden Hinter- ! wäldler-Familie gefunden habe».*