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Htlsstl-el Kreisbliitt.
__________Mt wöchentlicher Kraüs-Aeilage „Iilnstrirtes Auterhaltungsklall".__________ Nr. 12. Dounerstag den 28. Januar 1892.
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HanS Passarge.
(Es lebe der Kaiser! Es zünde dies Wort, Wo Deutsche sich heute vereinen, Und jubelnd pflanze der Ruf sich fort, Er sei heut' die Losung an jeglichem Ort Aus dem Munde der Großen und Kleinen.
Laßt Hader bei Seite! Es schweige der Streit, Schmückt festlich die Hütten und Häuser, Dem Hüter des Reichs und der Einigkeit Sei’n freudig die Herzen und Hände geweiht, Stoßt an! Es lebe der Kaiser!
Er sei das panier, um das wir geschaart, Den Feinden die Stirne zu bieten, Er schützet das Recht, er pflegt deutsche Art, Drumseiihm auchTreueumTreue bewahrt, Er schirmt uns den goldenen Frieden.
rärttfafrt ! wärts streben, wir müssen arbeiten und im
, Innern kämpfen." Aber - setzte er hinzu - »wenn das Ganze gedeihen soll, so müssen hier und da im Einzelinteresse Opfer gebracht werden." Es ist dies tu schlichten Worten das ganze sociale Programm des Kaisers. Ohne solche Opfer läßt
Königs und Kaisers Geburtstag ist von jeher ein Freudenfest für das ganze preußische und deutsche Volk gewesen: ein Volk, welches seinen Monarchen liebt uud ehrt, welches in ihm den obersten Hüter seines Wohls, den Beschützer seines Rechts und den Förderer seiner edelsten Interessen erblickt, gedenkt natürlich mit Theilnahme und Dankbarkeit dessen, was die hohe Person des Monarchen anbetrifft, und wie es alle Handlungen und Kundgebungen, alle Ereignisse in dem Leben seines Kaisers mit dem Gefühl begleitet, daß die engsten Wechselbeziehungen zwischen Fürst und Volk bestehen, so giebt es sich auch den Empfindungen herzlicher Freude an dem Tage hin, der seinem Kaiser das Leben gegeben hat. In die freudigen Glückwünsche, die dem Monarchen aus seiner Familie und aus seiner engsten Umgebung eutgegentöuen, stimmt das ganze preußische und deutsche Volk mit Aufrichtigkeit ein, indem es zugleich seine warmen Gebete für die Gesundheit und das Leben des Kaisers zum Himmel emporsendet.
Ja, Gott möge ihn auch ferner uns erhalten und ihm Kraft verleihen, daß er seines hohen und verantwortungsvollen AmteS zum Besten des Vaterlandes walte und die hohen Ziele, die er sich gesteckt hat, erreiche. Mit welcher Hingebung er sich diesen Zielen widmet, davon hat unser Kaiser in dem nunmehr zurückgelegten Lebensjahre wieder mannigfache unzweideutige Beweise gegeben. Aus allen seinen Kundgebungen leuchtet der eine große Gedanke als Leitstern hervor: Mein Leben gehört dem Vaterlande! Dem Vater- lande, der Nation ist sein ganzes Denken geweiht. Auf dem Festmahle des brandenburgischen Pro- vinziallandtags am 20. Februar vorigen Jahres bekannte er offen, wie seine täglichen Gebete zu Gott auf das Wohl des Volkes gerichtet sind, wie aber auf der anderen Seite die Krone nicht diese oder jene Parteiwünsche verwirklichen könne, sondern über den jetzigen auf Interessen gegründeten Parteien stehen müsse. Sich und seinem Volke stellte er die Aufgabe: »Wir müssen vor-
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sich der sociale Friede, läßt sich das Gedeihen eines Volkes nicht erreichen. Freilich mag Manchem ein nach seinem Gefühl schwer zu tragendes Opfer angesonnen werden; aber der Kaiser betonte in jener Rede mit Recht die Nothwendigkeit, den Blick stets auf das Ganze gerichtet zu halten und so können wir mit dem Dichter hinzufügen: »Wer den Blick auf's Ganze hält gerichtet, dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet."
Große Reformen, zu denen der Kaiser selbst den Anstoß gegeben, sind im verflossenen Jahre bereits unter Dach und Fach gebracht: das Arbeiterschutzgesetz, die Steuerreformgesetze, die Laudgemeiudeorduuug, die Handelsverträge. Ueberall mögen einzelne Interessen zu Opfern genöthigt worden sein; aber ihre Vertreter sollen nicht klagen, denn »wenn das Ganze gedeihen soll, müssen im Einzelnen Opfer gebracht werden." Insbesondere die hohe Stellung der Krone darf sich nicht durch Rücksichtnahme auf Einzelinteressen bestimmen lassen, sie muß den Blick auf das Ganze gerichtet halten. Diese hohe Auffassung von den Pflichten des Trägers der Krone ist es, die alle Kundgebungen unseres Kaisers durchzieht.
Kaiser Wilhelm hat im letzten Jahre auch das FriedeuSwerk in hohem Maße gefördert. Die Verlängerung des Dreibundes, der Abschluß der Handelsverträge, die persönlichen Besuche in Holland, England und Oesterreich weisen mit beredter Sprache hierauf hin. Ein wie auf. richtiger Freund und Förderer deS FriedenswerkS der Kaiser aber ist, davon legte er in den schönen Worten Zeugniß ab, die er am 4. Mai bet dem Provinztalfest in Düsseldorf sprach: »Ich wollte nur, der europäische Friede läge in Meiner Hand; Ich würde jedenfalls dafür sorgen, daß er nie mehr gestört werde; .... jedenfalls werde Ich nichts unversucht lassen, und was an Mir liegt, dafür sorgen, daß er nicht gestört wird."
Aber auch dem socialen Frieden, der Besserung der socialen Verhältnisse und der Sitten hat der Kaiser sein Augenmerk zugewandt. Wie besorgt er um das sittliche Wohl des Volks ist, davon lieferte der Erlaß vom 22. Oktober Kunde, der aus Anlaß betrübender Vorgänge eine Reform auf gewissen Gebieten der polizeilichen Executive und der Strafrechtspflege verlangte.
Mit wärmerem, treuerem Herzen kann keiu Monarch auf das Wohl seines Volks bedacht sein. Unserem Kaiser hierfür dankbar zu sein, ist nicht nur Pflicht, sondern auch Bedürfniß des Volks, und dieses Gefühl läßt sich au seinem Geburtstage nicht besser zum Ausdruck bringen, als in dem aufrichtigen Wunsch: Gott segne, Gott erhalte unsere» Kaiser und gebe ihm eine lange, gesegnete RegierungSzeit!
Amtliches.
HerSfeld, den 21. Januar 1892.
Der am 16. Mai 1866 zu Sorga geborene Schneider Jacob Seeltg hat um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Aus- wanderung nach Amerika nachgesucht.
J. II. 138. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i u i tz.
Hersfeld, den 21. Januar 1892.
Für den am 26. Januar 1873 zu Weidenhain, Gemeinde Philippsthal, geborene Bäckergeselle Andreas Carl W t tz m a n n zu Vacha ist um Entlassung au? dem preußischen Staatsverbaude behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
J. I. 285. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 25. Januar 1892.
Der am 6. Mai 1868 zu Philippsthal geborene Bierbrauer Christian P e tz o l d hat um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
J. I. 445. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
t Das Volksschulgesetz und die Gemeinden.
(Schluß.)
Der Staat soll ferner nach dem Gesetzentwurf auch die Mindestbeträge der DienstalterSzulagen, also bei Lehrern 100—600 Mark, bei Lehrerinnen 70—420 Mark bezahlen. Gegenüber den bisherigen Staatszuschüssen stellt dies eine Mehrleistung nach zwei Richtungen dar. Einmal ist der vom Staate zu den Alterszulagen gezahlte Beitrag um den Betrag der sechsten Stufe mit 100 und mit 70 Mark erhöht und zweitens erhalten den ganzen Staatsbeitrag auch die Ortschaften über 10000 Einwohner, was bisher nicht der Fall war. Das bedeutet wiederum 3 300 000 Mark Mehrbelastung der Staatskasse!
Zu den Pensionen der Lehrer uud Lehrerinnen leistete der Staat bisher einen Beitrag von 600 Mark. In Zukunft sollen dies 1000 Mark werden! das macht im Ganzen 1400 000 Mark aus. Hierdurch wird die bisherige Heranziehung des Stelleneinkommens, die eine angemessene Besetzung der Stelle» oft erschwert hat, entbehrlich und den Gemeinden daher die Möglichkeit, gute Lehrkräfte zu bekommen, erleichtert. Aber die Peustoaslast der Gemeinden soll »och mehr ver-