Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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Htrsfel-kl Kltishlllti.
__________Mit wöchentlicher Kratir-Keilage „Illustrirtes Zlnterhaltuugsklatt".
Rr. 14. Dienstag den 2. Februar 1892.
DMMck-FMlW.
Bestellungen auf das
Hersfelder Kreisvlatt mit der WSchentlichen «ratt» Beilage
^Jllustrirtes Unterhattungsblatt^ für die Monate Februar uud März werden von allen Kaiserlichen Bostanstalten, Landbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 29. Januar 1892.
Die Schulstelle in Frielingen ist infolge disziplinarischer Entlassung deS seitherigen Inhabers vacant geworden.
Bewerber um dieselbe wollen ihre MeldungS- gesuche nebst den erforderlichen Zeugnissen inner« halb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Landrathe oder dem Lokalschuliuspektor Pfarrer Herwig in Frielingen einreichen.
Der Königliche Schulvorstand von Frielingen.
NamenS desselben:
Freiherr von Schleinitz, Landrath.
I. I. 534.
Nach dem Attentat vom 2. Juni 1878.
Die «Deutsche Revue" theilt einen Brief deS Geheimraths v. Langeubeck an Roon mit, der nach dem zweiten Attentat über den Zustand des Kaisers berichtet. Der Brief vom 8. Juni 1878 lautet in seinem wesentlichen Theile: «Gestern hat der Kaiser, dem, ich weiß nicht von wem, die Mittheilung gemacht wurde, daß Sie durch die Nachricht so tief erschüttert sind, mir den Befehl ertheilt, Ihnen seine Grüße zu senden
Kaiser noch jetzt liegt. ES unterliegt keinem Zweifel, daß der Kaiser auf der Stelle todt gewesen wäre, wenn er nicht deu Helm getragen hätte. Meiner Ansicht nach ist der erste Schuß mit Schroten und Rehposten geschehen. Von den Rehposten ist einer in die linke Wange, der andere in den rechten, gerade zum Gruß erhoben gewesenen Vorderarm gegangen, andere vier Rehposten sind auf den Mesfingbeschlag der Helms aufgeschlagen, stecken theils in demselben, theils haben sie tiefe Gruben in den Messing- beschlag geschlagen und die Schuppenkette durch- gerissen. Der Ledertheil des Helms ist uur von Schroten getroffen, und diese sind in den Kopf eingedrungen, tu der Kopfhaut etwa 15 Wunden hinterlassend. Der linke Oberarm ist vollständig mit Hagelkörnern gespickt, die größtentheilS unter der Haut stecken. Vom linken Daumen ist die Spitze abgeschosseu. Die Wunde des rechten Vorderarmes hat rmS die meiste Sorge gemacht: hier ist ein Geschoß tief eingedrungen uud jedenfalls eine größte Eiterte verletzt. Der Verlauf ist bisher ein wunderbar guter gewesen, die Wunden auf dem Kopf und Rücken sind fast sämmtlich geheilt. Das Uebrige kennen Sie aus den Büllettns, die ganz exakt sind, mit denen daS Publikum aber nicht zufrieden ist. weil mau wissen möchte, ob der Kaiser durchkommen wird oder nicht und was etwa sonst noch eintreten konnte — Dinge, von denen wir nichts sagen können, weil wir nicht allwissend sind. ES ist unglaublich, wieviel jetzt gelogen wird, und ich bitte, von allem, was in Zeitungen steht, nichts zu glauben, als was von den Aerzten unterzeichnet ist."
Welchen tiefen Eindruck die Attentate auf den Kaiser auSübten, läßt sich auS einem Briese an Roon vom 26« Dezember 1878 erkennen, tu dem es heißt:
«Durch Ihr Schreiben vom 10. d. M. bei Ge« legenheit meiner Rückkehr nach Berlin und der
und zu sagen, «er hoffe diesmal noch durchzu-1 kommen". Ich habe vier Kriege mitgemacht und l viel Schreckliches gesehen, niemals habe ich aber einen so schaudervollen, sinnverwirrenden Eindruck gehabt, als beim Anblick des Kaisers, der mit zahllosen Wunden am Kopf, Gesicht, Hals, beiden Armen und Rücken bedeckt und vor Blut fast unkenntlich gemacht, sterbend, wie ich zuerst glaubte, vor mir lag. Noch heute kann ich dieses Bild nicht loS werden, und eS begegnet mir noch täglich, daß ich mit der Hand an die Stirn fahre und mich frage, ob das grausige Erlebniß nicht vielmehr ein Trugbild meiner kranken Phantasie ist. Gleich nach halb drei Uhr, am Sonntag, stürzte ein mir Unbekannter in meine Wohnung mit dem Ruf: «Sie sollen sogleich ius PalaiS kommen, der Kaiser ist verwundet, vielleicht schon todt!" Wie ich hingekommen bin, weiß ich nicht. Ich hätte nicht geglaubt, daß eine Straße jemals das Gepräge der Verwirrung, der kouzentrirteu Wuth und der Verzweiflung tu dem Grade an- nehmen könne, wie es uMr den Liudru der Fall war. Die Menge versuchte gerade, daS Haus Nr. 18 zu stürmen, aus dem die Schüsse gefallen waren. Als ich im Palais ankam, war der Kaiser soeben auf sein Feldbett gelegt ohne Puls, aus der Armwunde stark blutend und ohne Bewußtsein. Nachdem die Blutung gestillt, erholte er sich bald, wimmerte aber laut vor heftigen Schmerzen. Die ersten Worte, die er sprach: „Sagen Sie, daß meinem Sohn, telegrap hirt wird; er sollsogleich kommen und die Geschäfte übernehme u." Dann fragte er mich, ob der Hofmarschall im Vorzimmer sei, und als ich erwiderte, daß Perponcher im Vorzimmer sei, sagte Er: „FragenSte,waSausdemScholz und aus dem Diener geworden ist?" Wir brachten Ihn dann nicht ohne Widerstreben, aus dem schrecklichen Schlafzimmer in das blaue Vorzimmer vor dem Arbeitszimmer, wo der
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Die Brillanten der Herzogin.
Novelle von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Mathilde, die sich sonst freundlich mit ihrer Dame zu unterhalten pflegte, hatte heute Abend kaum ein flüchtiges Wort der Begrüßung für sie gehabt. Raschen Schrittes — als wolle sie sich nun ohne Besinnen und Zögern in eine Gefahr stürzen — verließ sie — von Hofdame und Lakai, der ihr die Thüren öffnete, begleitet, ihren Salon. Sie wandte sich dem Hauptball des neuen Schlosses zu, wo die Soir6e stattfand, in der ausschließlich die hohen Gäste mit ihrer nächsten Umgebung von dem großherzoglichen Paare empfangen und untereinander in freundliche Beziehung gebracht werden sollten.
Herzogin Mathilde war mit allen bekannt und von allen hochgeschätzt. Befangenheit konnte bei der gewandten Frau nicht in Frage kommen und doch erblaßte sie, als die Flügelthüren wett vor ^ihr geöffnet wurden und ihr Fuß zögerte, die Schwelle zu überschreiten.
AlS sie den Saal betreten hatte, kam der Groß- Herzog, ein würdiger, alter Herr, auf sie zu, bot ihr den Arm und führte die künftige Schwiegermutter seiner Tochter selbst in den Kreis der anderen Verwandten, wo sie neben seiner Gemahlin einen Ehrenplatz fand.
Mathilde hatte sich jetzt gefaßt. Sie sprach mit der Großherzogin, einer etwas tauben und schwerfälligen Dame von ihrer Reise hierher und von Leopolds Ungeduld zur Braut zu kommen.
«Wie ich höre, haben Sie sich nicht leicht entschlossen, Hoheit, den Herzog zu begleiten. Wir wären untröstlich gewesen, Sie nicht mit hier zu sehen. Sie dürfen sich nicht gar zu lauge und tief in Ihre Wittwentrauer vergraben, liebe Herzogin."
«Man kann seinem Empfinden nicht gebieten, Königliche Hoheit. So glücklich es mich macht, diesem Familienkreise anzugehören, so fühle ich doch, daß Freudenfeste für mich nicht passen." Sie hatte daS, aus Rücksicht für ihre Nachbarin, febr laut saaen müssen.
Herzog Leopold trat mit seiner Braut heran. Mathilde erhob sich, um einige Worte mit der lieblichen Prinzeß zu wechseln.
«Mein Oheim Anton Heinrich wünscht in Ihr Gedächtniß zurückgerufen zu werden, verehrte Frau Mama," wandte sich Leopold an die Herzogin. Neben ihm stand ein hochgewachsener, breitschulteriger Mann mit blondem Vollbart.
Mathildeus dunkle Augen blitzten ihn an und hielten seinen Blick mit dem Ausdruck eisiger Kälte auS. ES schien alS wachse ihre schlanke Gestalt vor seinen Augen. Sie erwiederte seine tiefe Vernetgung fast auffällig flüchtig und wandte sich dann wieder der kleinen Prinzeß Sophie mit einer Frage zu.
Oheim und Neffe wechselten einen vielsagenden Blick. Der Prinz schien aber Mannes genug, eS mit der Ungnade einer schönen Frau aufzunehmen.
„Endlich finde ich Gelegenheit, gnädigste Schwägerin," sagte er verbindlich, „meinem auf« richtigen Bedauern, daß ich Sie vom Peterstein vertrieben habe, persönlich Ausdruck zu geben." Er neigte sich vertraulich zu ihr und fuhr halblaut fort: „Ihr Verschwinden hat mich schmerzlich getroffen. Hoffte ich doch alte, freundliche Beziehungen wieder aukuüpfen zu können."
Mit dem Ausdruck der Verständnißlosigkeit sah sie zu ihm auf: «Es war nur natürlich, daß ich ging. Durchlaucht werden eS nachträglich selbst eingesehen haben." Ihre leichte Neigung des Kopfes sah wie eiuesehr hochmüthige Verabschiedung aus und sollte auch eine solche sein, sie setzte sich wieder zur Großherzogiu und erzählte der freudig aufhorchenden Mutter, wie sie von der süßen, kleinen Braut entzückt sei.
Anton Heinrich fing mit einem in seiner Nähe befindlichen Herrn an zu plaudern. Der stattliche Prinz sah nach seinem eben erlittenen Mißerfolg gar nicht niedergeschlagen aus. Im Gegentheil, sein leuchtender blaues Auge ruhte mit dem Ausdruck innigsten Entzückens auf der Gestalt seiner schönen Schwägerin. . , , ,
Er wiederholte im Laufe deS Abends mehrfach seinen Versuch sich Mathilden zu nähern; sie wich ihm stets kühl und ablehnend aus. Endlich gelang es ihm, es war bereits nach dem Souper,