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Kersstliltl Kreisblatt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage ^Illustrirtes Auterhaltungsblatt".
Nr. 17. DieaSag den S. Februar 1892.
Amtliches.
HerSfeld, den 5. Februar 1892.
Der auS dem Postdienste entlassene Postgehülfe Paul Georg Thaler wird wegen Unterschlagung amtlicher Gelder verfolgt. DaS Königliche Land- rathSamt wird ergebeust ersucht, gefälligst auf den Genannten fahnden und ihn im BetretungS- falle verhaften zu lassen, sowie vom Geschehenen den Kaiserlichen Ober-Post-Direktionen in Cassel und Bromberg Anzeige zu erstatten.
Personenbeschreibung.
Name: Paul Georg Thaler. Alter: geb. am 17. Mai 1871. Geburtsort: Mühlatschutz, Kr. OelS. Größe: 1 m 71 cm. Haare: blond, dünn. Religion: evangelisch. Kleidung: dunkeler karrir- ter Kammgarnanzug, dunkelblauer Ueberzieher, schwarze Pelzmütze ohne Schirm, hellfarbiger Schlips mit Korallenuadel. Thaler trägt abwechselnd einen goldenen Kneifer, bz. eine goldene Brille. Besondere Merkmale: an beiden Seiten der Nase sind durch daS Tragen eines Kneifers starke leicht entzündete Eindrücke vorhanden.
KaiserlicheS Postamt. V t g e l i u S.
An das Königliche LandrathSamt hier.
* * *
HerSfeld, den 6. Februar 1892.
Wird den Herren OrtSpolizeiverwaltern sowie der K. Gendarmerie des Kreises zur Fahndung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.
I 699. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleiuitz.
HerSfeld, den 5. Februar 1892.
Der Postaffistent Bernhard Appel in Remscheid- Hasten ist nach Unterschlagung von Postan- weisuvgsbeträgen, deren Höhe noch nicht feststeht, seit dem 29. Januar 10 Uhr Vormittags flüchtig.
DaS Königliche LandrathSamt wird hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß gesetzt, auf deu Appel fahnden und denselben im BetretuugS-
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Die Brillanten dcr Herzogin.
Novelle von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
»Ich fühle selbst, daß ich mich in einer wunder- lichen Lage befinde, indem ich der verwittweten Gemahlin meines Vaters eine zweite Vermählung Vorschläge. Und doch wissen Sie, Herzogin, daß diese Absicht mich herführt. Mein verehrter Oheim Anton Heinrich hat in mir einen Sachwalter gefunden. Ihre Verbindung mit dem Bruder meines Vaters erscheint mir in jeder Hinsicht passend und erwünscht. Ich weiß auch, daß wir auf etwas früher Beabsichtigtes zurückkommen. Ich sehe, daß der Prinz seiner alten Neigung von ganzem Herzen treu geblieben ist. Mir ahnt, daß auch Sie ehedem gegen seine Wünsche nichts einzu- wenden hatten. Mein Vater ist seit fast zwei Jahren todt, Sie sind noch so jung, so schön, daß sie vollen Anspruch auf ein reiches LiebeSglück haben. Fassen Sie also den klugen und erwünschten Entschluß, Herzogin, Anton Heinrich zu erhören.*
Sie konnte jetzt nicht wohl umhin, ihm zu antworten, sich aus ihrer lässigen Haltung auf- richtend, sagte sie kühl: »D-r Prinz weiß, wie ich denke. Mich verlangt nicht nach einer zweiten Ehe.*
»Ich bin so glücklich in meiner Liebe zu Sophie und begreife den Widerstand nicht, den Sie einem
falle verhaften zu lassen, auch daS in seinem Besitze | befindliche Geld zu beschlagnahmen und die Kaiser-1 lichen Ober-Postdirektioneu in Cassel und Düsseldorf, sowie die Königliche Staatsanwaltschaft in Elberfeld sofort entsprechend in Kenntniß zu setzen.
Personenbeschreibung deS Postassistenten Appel in Remscheid-Haften:
Vorname: Bernhard. Alter: 26 Jahre (geb. 5. November 1865). Geburtsort: Hahn, KreiS Darmstadt. Größe: 1,70 Met., schlank. Haare: hellblond, trägt starken rothblonden Schuurrbart. Gesicht: blaß und schmal. Kleidung: dunkel- blauer Kammgarurock, dunkelblauer vorn abgetragener Ueberzieher, schwarzer, steifer Filzhut, goldene Brille, deren Gläser nicht eingefaßt sind. Besondere Kennzeichen: Narbe im Nacken, spricht hessische Mundart.
Kaiserliches Postamt. V i g e l i u S.
Au daS Königliche LandrathSamt hier.
HerSfeld, den 6. Februar 1892.
Wird den OrtSpolizeiverwaltungen und der Königl. Gendarmerie deS Kreises zur Fahndung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.
I 698. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleiuitz.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 5. Februar. In der heutigen Sitzung der Reichs- tage« wurde die Berathung der Etat« der Rcich«-Juflizver- waltung fortgesetzt. Zur Berathung stand dann noch die von den Abgg. v. Bar u. Gen. (freis.) beantragte Resolution betr. Auslieferung von Personen an ausländische Staaten. Die Resolution will nur noch da« Reich, nicht mehr die Einzel- staaten, für Auslieferungen zuständig sein lassen und wünscht außerdem Mitwirkung der Gerichte. Nachdem Abg. v. Bar die Resolution begründet, ersuchte Staatssekretär v. Bosse dieselben abzulehnen, da sich noch kein Bedürfniß einer einheitlichen Regelung herausgestellt habe, die bisherige Praxis auch der Reichsverfassung durchaus entspreche. Bei der beantragten
ähnlichen Glücke entgegensetzend Er hatte mit I ziemlich förmlich, er fürchte keinen glücklichen jugendlicher Wärme gesprochen und sah die ernst! Augenblick gewählt und sie in ihrem Rahestüudcheu ' ‘ ” ■ " " ' " " gestört zu haben, sie möge feine wohlgemeinte
Einmischung entschuldigen.
Mathilde entließ den jungen Herzog scheinbar unberührt von seiner Verstimmung. Als er aber gegangen war, warf sie sich in einen Sessel, schlug die Hände vor'S Gesicht und weinte, als solle ihr daS Herz brechen. »O warum steht daS Gespenst der Vergangenheit zwischen unS?* flüsterte sie vor sich hin und versuchte mit aller Anstrengung sich zu fassen.
* * *
AlS Meta mit der Schatulle den Flursaal hiu- unterschritt, begegnete ihr Doktor Arnold Stephani. Er trat ihr freudig entgegen und begleitete sie. Am Mittage hatten sie wieder nebeneinander gesessen und sich vortrefflich unterhalten, so herrschte jetzt ein Ton zwischen ihnen, als ob sie nie getrennt gewesen wären.
und kalt vor ihm Dasttzeude bedauernd an.
»Hoheit lieben und ich — ich — hasse,* gesenkten Blicks, halblaut war daS letzte Wort über der Erblassenden Lippen gekommen.
»Unmöglich Mathilde! Anton Heinrich hassen? DaS kaun nicht Ihre wahre Meinung sein! Wie edel und rücksichtsvoll hat er sich in der fatalen Rechtsfrage um den Petersteiu benommen. Wie zart hat er seinen Bruder, meinen Vater, geschont, als er ihn im Besitze seines ErbeS, aber leidend
fand. —*
»Gegen meinen Gemahl ja, da mag er rücksichtsvoll gewesen sein,* sagte die junge Fürstin mit unbeschreiblicher Bitterkeit.
»Um den letzten Schatten deS unerfreulichen Rechtsstreits aus unserm Hause zu verscheuchen, wäre Ihre Verbindung, Herzogin, mit dem jetzigen Besitzer deS Petersteins ein hocherwünschter AuSgleich.*
»Da ich jetzt meinen freien Willen habe, werde ich mich durch äußere Gründe nicht bestimmen lassen, eine mir gänzlich unzusagende Verbindung einzugehen.*
Der junge Fürst sah die sonst so milde und herzliche Frau erstaunt au. ES verdroß ihn, daß sie seinen Wünschen diese kühle Ablehnung ent- gegensetzte, er erkannte aber, daß eS nicht in seiner Macht stehe, sie umzustimmen. Befremdet und erkältet von ihrem Verhalten erhob er sich, sagte
Abstimmung auf kommissarische Berathung ergab sich die Bt« schlußunsähigkeit des Hause«.
Berlin, 6. Februar. In der heutigen (165.) Plenarsitzung des Reichstage» wurde zunächst beschlossen, die Ermächtigung zur Fortsetzung vom Privatklageverfahren gegen den Abg. Werner nicht zu ertheilen. Darauf wurde die zweite EtatSberachung bei den s. Z. wegen der Erkrankung de« Staatssekretär« Dr. v. Boetticher auSgesetzten Kapiteln de« Reichsamt der Innern: „Alters- und Invalidenversicherung' und „ReichSversicherungSamt" fortgesetzt. Dazu liegt ein Antrag Auer vor auf Aenderung de« Unfallversicherung-gesetze« 1. in Bezug auf Beseitigung der 13wöchigen Karenzzeit für den Bezug der Rente; 2 auf Berechnung der Rente für die Hinterbliebenen eines Verunglückten auch unter Anrechnung einer von diesem etwa bezogenen Unfall«rente; 3. auf die Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Strafgefangenen und 4. auf Bestrafung der Arbeitgeber, die ihre Veitrag«pflicht auf die versicherten Arbeiter abzuwalzen versuchen. Abg. Möller regte die Errichtung einer Museum« für Unfallverhütung an. Staatssekretär ». Boetticher erwiderte, daß bei dem Neubau der Gebäudes für daS ReichS-VersicherungSamt geeignete Räumlichkeiten für ein solches Museum bestimmt werden würden. Abg. Grillenberger begründete sodann den Antrag Auer, der eine Lücke in dem UnfallversicherungSgesetze ausfüllen wolle, und brächte eine Reihe von Beschwerden über ungehörige Anwendung des Wahlgesetze« für die Schiedsgerichte zur Sprache.
Aus dem Abgeordnetenhaus.
Berlin, 5. Februar. DaS Abgeordnetenhaus setzte in seiner heutigen Sitzung die zweite Berathung des Etats fort und zwar mit dem Etat des Ministerium« ' der au«wärtigen Angelegenheiten, welcher nach kurzer Diskussion genehmigt wurde. Ebenso der Etat der Domänen und Forsten. Beim Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung „Zur Förderung des Obst- und Weinbaues' schilderte Abg. v. Knebel (nat.-lib.) die verheerenden Wirkungen der Reblau«. Minister v. Heyden konstatirte, daß der Umfang der Reblausinsektion in den letzten Jahren zurückgegangen fei und daß feiten« der Staat«, regierung Maßregeln gegen eine Weiterverbreitung ergriffen würden. Auch dieser Etat wurde bewilligt, ebenso ohne Diskussion der Etat der Gestütverwaltung.
Berlin, 6. November. Im Verlaufe der heutigen Sitzung der Abgeordnetenhauses nahm beim Etat der Berg- werksverwaltung Abg. Dr. Schultz (Bochum) Veranlassung, auf die Thatsache hinzuweisen, daß trotz erhöhter Arbeitrlöhne und verkürzter Arbeitzeit die Arbkittleistungen absolut ab-
»Sie tragen da wohl GolkondaS Schätze bei sich, Fräulein Schönborn? Darf ich Ihnen die Last abnehmen und sie gegen die raublustigen alten Herren im Bildersaale vertheidigen? Sie brauchen nicht zu befürchten, daß ich das Heilig- thum Ihrer Schwelle überschreite.*
Sie hatte ihm die schwere Schatulle willig überlassen, nun antwortete sie, vielleicht mit leiser Befriedigung über der Fürstin Vertrauen: »Sie haben ganz recht, Herr Doktor, daS Kästchen enthält Schätze, es sind die Brillanten der Herzogiu