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Hersseliikr IrrisHott.
Mit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illugrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 19. [erstes Statt]
Sonnabend den 13. Februar
1892.
Amtliches.
Jnvaliditäts- und AltersversicheruugSanstM Heffen-Naffau.
Gaffel, den 6. Februar 1892.
Euer Hochwohlgeboren beehren wir uns er» gebenst mitzutheilen, daß von verschiedenen Orts- Vorständen rc. die zum Umtausch gelangten QuittungSkarten n n f r a n k i r t anher eingesandt worden sind.
Wir ersuchen ergebenst, die Ortsvorstände ic. baldgefälligst in geeigneter Weise darauf Hinweisen zu wollen, daß die Uebersendung der umgetauschten QuittungSkarten au die VersicheruugS-Anftalteu stets f r a n k i r t zu erfolgen hat und daß nach einer vom Reichs-Bersicherungs-Amt zu Berlin in Uebereinstimmung mit den preußischen Restart' Ministern unter dem 12. Januar 1892 getroffenen Entscheidung Nr. II4266 die Versicherungs-Anstalt die Rückerstattung oller ihr durch unfranktrte Einsendung von QuittungSkarten entstandenen und noch entstehenden Unkosten wie auch die durch Einziehung der Unkosten entstehenden weiteren Portoauslagen von den betreffenden Gemeinden einfordern wird.
Der Vorstand:
E. von Hundelshausen.
An die sämmtlichen Herren Königlichen Landräthe der Provinz Heffen-Naffau und die Fürstlichen Herren Kreisamtmäuner deS Fürsteuthums Waldeck. V. A. III. Nr. 369.
* * *
Hersfcld, den 11. Februar 1892.
Wird den Herren Ortsvorständen des KreiseS zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 788. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Homberg, den 8. Februar 1892.
Königliches LandrathSamt benachrichtige ich er-
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Die Brillanten der Herzogin.
Novelle von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
AIS sie erwachte, war der Tag angebrochen. Belebende Luft drang durchS Fenster, daS Meta öffnete, herein. Das Gewitter des vorhergehenden Abends hatte eine köstliche Erfrischung gebracht. Zweige und Rasen glänzten noch von den Tropfen des starken Regens, der in der Nacht gefallen war. Die Vögel zwitscherten freudig und der Himmel blaute lackend hernieder.
Einen Augenblick wurde es Meta schwer, sich auf das Geschehene, ihren Verlust und die damit verkaüpften Thatsachen zu besinnen. Dann, als die abscheuliche Gewißheit mit aller Wucht über sie kam, flüchtete sie sich zu ihrem Zettelchen, das sie in halber Bewußtlosigkeit als einen Talisman deS Trostes unter ihr Kopfkissen geschoben hatte.
Wieder und wieder laS sie daS eine mahnende, bittende, sich an ihr Herz richtende Wort. Sollte der sich in ihr täuschen, der auf ihr Vertrauen gerechnet, trotz allem, waS ihre entsetzten Augen gesehen? Sprach nicht eine schöne Zuversicht aus diesem Worte? Ehrte es sie nicht? Bezeugte eS nicht ein Verständniß, eine seelische Gemeinschaft, wie sie sich nicht« Höheres wünschen konnte?
Wenn er es gewesen war, der sie in diese fürchterliche Lage gebracht hatte, so mußte er
gebenst, daß unter dem Rindvieh des Gutsbesitzers Adolph Weber zu Hof Baßfeld die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen ist.
Der Landrath v. Gehren. An Königliches* LandrathSamt zu* HerSfeld.
HerSfeld, den 11. Februar 1892.
Wird veröffentlicht.
I. 767. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
* Gerechte und würdige Behandlung des Soldaten.
Jeder, der im Heere gedient hat, weiß, welche Anforderungen an die körperliche, moralische und geistige Leistungsfähigkeit der Dienst des Soldaten stellt. Ein tüchtiger Soldat muß gehorchen, ein tüchtiges Heer muß vor Allem Manneszucht halten. Die Aufgabe der Vorgesetzten ist, die Fähigkeit und Freudigkeit der höchsten Anspannung zu wecken; dazu gehört Verständniß für die Kraft jedes Einzelnen, gerechte Behandlung, unter Umständen auch Schonung. In der Ordre unseres Kaisers vom 6. Februar 1890 steht: »In meiner Armee soll jedem Soldaten eine gesetzliche, gerechte und würdige Behandlung zu Theil werden.* Fälle von systematischer Mißhandlung müssen die kommandirenden Generäle dem Kaiser berichten und hinzufügen, welchen Vorgesetzten die Verantwortung mangelhafter Beaufsichtigung trifft. Trotzdem liegt es in der Natur der Menschen und Dinge, daß Mißhandlungen wie in allen Armeen, so auch in der unsrigen zuweilen vorkommen.
Kürzlich ist eine Verfügung des Prinzen Georg von Sachsen, kommandirenden Generals des XII. Armeekorps, bekannt geworden, in der eine Reihe von schweren Mißhandlungen sächsischer
seine bestimmten, ernffn Gründe zu dem unbegreiflichen Schritte gehabt haben, und selbst ohne Ahnung derselben mußte sie sie achten. Verließ er sich doch auf sie?
»Za, daS war ein Entschluß, der sie festigte, der ihrem Gefühle wohlthat! Arnold Stephan! konnte kein Dieb sein, es würde sich alles auf» klären, sie wollte schweigen und vertrauen, wie er eS in schöner Gewißheit forderte.
Sie mußte also ihren Verlust verheimlichen und auf Rettung hoffen. Ja, so sollte es sein!
Es lagen noch ein paar Standen vor ihr, ehe sie sich zu ihrer Herrin begeben und die Schatulle zurückliefern mußte. Diese Zeit wollte sie uutzen. Sie wollte sich sorgfältta allkleiden, die Spuren deS schrecklichen Erlebnisses zu verwischen trachten und ihre Zusammenstellung der Schmuckgegenstände vollenden.
Wieder saß Meta vor den Brillanten der Herzogin, die ihren Toiletttisch bedeckten und im Morgensonnenschein denselben Glanz aus- strablten wie beim Kerzenlichte. Mit aller ihr zu Gebote stehenden Selbstbeherrschung drängte sie die Bilder und Schrecknisse deS gestrigen Abends zurück. Ertappte sie sich darauf, daß ihr Blick in den jetzt schwach beleuchteten Spiegel fiel, so wandte sie sich schaudernd ab. Ihre geschickten Finger flogen bet der Arbeit und sie wollte an nichts denken als an ihre ChatoaS, die Benutzung der Häkchen und die genaue Wiedergabe der Vor- zetchnaugeu. Seufzend legte sie endlich das HalS-
Soldaten, durch Unteroffiziere und Gefreite auf- gezählt ist und in den eindringlichsten Worten die Verhinderung solcher Vorkommnisse verlangt wird. Die Urtheile gegen die Schuldigen lauteten auf 2—5 Jahre Gefängniß; auch Offiziere find bestraft worden. Von den aufgezählteu neun Fällen waren 5 bei ein und demselben Artillerie- Regiment und davon 4 in ein und derselben Kompagnie im Laufe mehrerer Jahre vorge- kommen. Dies läßt von vornherein ein verallgemeinerndes Urtheil, als mangele dem Unter» offizierSsiaud der gute Geist und als ließen eS die Offiziere au der rechten Fürsorge für den Gemeinen fehlen, ganz unzulässig erscheinen. Immerhin ist es ganz begreiflich, daß die peinlichen Vorgänge die öffentliche Meinung stark erregt haben.
Die Budgetkommission erörterte kürzlich das Kapitel der Soldateumißhandlungen unter Theil- nähme militärischer Vertreter der preußischen, sächsischen und bayrischen Truppen. Mau war einstimmig in der Anerkennung des Ernstes, mit dem nach dem Vorbild unseres Kaisers Prinz Georg eingeschritten ist, und ferner der Nothwendigkeit, daß Alles geschehen müsse, um solche an Irrsinn streifende Rohheiteu von der Armee fern zu halten. Verschiedene Gründe wurden für die beklagenswerthe Erscheinung angeführt. Zunächst haben manche Regimenter Schwierigkeiten, sich ein gutes Unteroffiziercorps zu verschaffen und zu erhalten. Die Einrichtung der Unteroffizier-- Prämien besteht noch zu kurze Zeit, um schon allerwärtS durch verstärktes Angebot von Kräften eine gute Auswahl zu ermöglichen. Des Weiteren wurden die groben Ausschreitungen mit der Abnahme der Religiosität in Zusammenhang gebracht und die aus Konservativen und CentrumS- leuten bestehende Mebrheit der Kommission sprach sich auch in einer Resolution für Pflege des religiösen SinvS im Heere wie im gesammten
geschmetde in die Atlaspuffen des Etuis, wie kahl es noch aussah ohne den herrlichen Anhänger, das verlorene Brtllantherz! Würde sie es je au diesem Flecke Wiedersehen, und was sollte auS ihr werden, falls eS bis morgen früh — schon um 11 Uhr fand die Trauung in der Schloßkirche statt — nicht zur Stelle war?
Meta trug zu ihrer Festigung, als sie der Herzogin Gemächer betrat, das Blättchen mit dem tröstlichen, herzbewegenden Worte im Kleide auf der Brust, sein leises Reiben und Knistern stärkte sie zu der Fassung, die sie brauchte, alS sie der Fürstin gegenüberstand. O wenn diese sie nur nicht wegen ihrer Arbeit befragen würde! Am liebsten hätte sie sich der hohen Frau zu Füßen geworfen und ihr furchtbares Abenteuer einge» standen, aber wäre das nicht ein Bruch des in sie gesetzten und von ihr geforderten Vertrauens gewesen ? So schwieg sie, senkte den Kopf vielleicht noch etwas tiefer als sonst, sah bleicher auS, bewahrte aber ihre Haltung.
Herzogin Mathilde schien heute Morgen sehr zerstreut. Sie sprach wenig und achtete kaum auf das, was man sie fragte. Die Schmidt mußte zweimal wiederholen, ob ihre Hoheit zur kleinen Familientafel die schwarze Spitzeutoilette oder die graue AtlaSrobe befehle.
»Ich will mich so dunkel wie möglich kleiden, am liebsten in deutlich ausgesprochene Trauer,* erwiderte die Herrin ungeduldig.