Die JnsertionSgebühreu betragen für ben Raum einer Spaltjeile 10 Pfg., im amtlichen Thelle 15 Pfg. Reklamm bie Zeile 20 Pfg.
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Herssel-tl Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Meitage „Illustriktes Ztuleröaltuugsölatt".
Nr. 20. Dieustag den 1ö. Februar 1892.
Amtliches.
Hersfeld, den 11. Februar 1892.
Die Nummerliste der Verloosten und zum 1. April d. J8. gekündigten Schuldverschreibunaen der Staats-Prämien-Anleihe vom Jahre 1855 liegt im Geschäftslokale des Königlichen Land' rathSamteS sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises während der Dienst- stunden den Inhabern zur Einsicht offen.
Zugleich mache ich auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 19. v. Mts., abgedruckt im Regierungs-Amtsblatte Seite 21, aufmerksam.
I. I. 765. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, KretSdeputirter.
Hersfeld, den 12. Februar 1892.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben alsbald auf ortsübliche Weise öffentlich bekannt machen zu lassen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Stutenbesitzer zu bringen, daß die Königlichen Beschäler auf Station Hersfeld den 2 5. Februar d. Js. und auf Station Philippsthal den 26. Februar d. JS. eintreffen werden.
I. I. 815. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, KretSdeputirter.
Zugelaufen: ein brauner Dachshund. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Futterkosten bei Frau Mackeuroth zu Hof Kühn« bach in Empfang nehmen.
# Das Jnvaliditäts- und Altersver- sicherungsgesetz im Reichstage.
Nachdem seit Wochen und Monaten über das spöttisch sog. „Klebegesetz* lebhafte Beschwerden
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Die Brillanten der Herzogin.
Novelle von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Durch ihr vertrauensseliges Schweigen war sie gefangen und nun zu fest in die Intrigue verwickelt, um sich noch lösen zu können. Sträubte sich auch ihr ehrlicher Sinn gegen jene Zumuthung, so drängte doch die Zeit, sie sah keinen Ausweg, es würde ihr nichts Anderes übrig bleiben, als der Noth zu gehorchen und dem Willen derer, die den seltsamen Stretch ausgeheckt hatten. Sie ahnte, daß es der Prinz war, von dem dieser phantastische Betrug ausging. Wie hatte aber Arnold, den sie so hoch stellte, die Hand dazu bieten, sie erschrecken, quälen und in die Verlegenheit dieser Stunde stürzen können! Ein Gefühl bitteren Verdrusses gegen den Freund regte sich in ihr.
Seufzend nahm Meta das veränderte Schmuckstück und begab sich damit zu ihrer Herrin. Da es einmal sein mußte, würde eS ihr nicht schwer fallen, das Kleinod — ohne daß Herzogin Mathilde oder die Jungfer eine Veränderung bemerktea — am HalSgeschmetde der Fürstin umzuhängen.
Wie prächtig die hohe Frau heute wieder auS- sah in der blaßlila, mit Silber gestickten Sammetschleppe, dem mit Spitzen bedeckten weißen AtlaS-
und sogar vereinzelte Rufe nach Aufhebung desselben laut geworden waren, ließ sich erwarten, daß im Reichstag bei Berathung des Etats deS Reichsamtes des Innern die Wirksamkeit des Gesetzes einer eingehenden Besprechung unterzogen werden würde. Dies ist denn auch in drei Sitzungen geschehen. Der Eine beschwert sich über das „Sieben*; der Andere sagt: nicht des „Klebens" wegen sei das Gesetz verhaßt, sondern weil es dem Volk aufgedrungen sei. Weiter wird in den Beiträgen eine Mehrbesteuerung und eine starke finanzielle Belastung erblickt, und endlich wird von socialdemokratischer Seite Beschwerde über die vom Bundesrath ungeordnete Methode der Entwerthung der Marken, welche die Quittungskarte zu einem „Arbeitsbuch* mache, erhoben.
Das „Kleben* mag lästig und unbequem sein, aber deshalb kann doch die große mit dem Gesetz verbundene Wohlthat nicht einfach über Bord geworfen werden. Daß das Markensystem nothwendig, ist von verschiedenen Rednern anerkannt worden. Wo das Kleben ab»r zu viel Belästigung mit sich bringt, da enthärt, wie der Staatssekretär von Boetticher ausführte, schon gegenwärtig der § 112 ein Mittel der Abhilfe, indem die Gemeinden befugt sind, ihren Bürgern das Kleben abzunehmen; vielfach geschieht dies schon jetzt. Was ferner das „Aufdrängen* anbetrifft, so konnte Minister von Boetticher mit Recht darauf Hinweisen, daß die Volksvertretung sich niemals gegen ihre Ueberzeugung eine Meinung aufdrängen lasse. Gegen die Auffassung von der Mehrbesteuerung und starken finanziellen Be- lastnnq bemerkte ein liberaler Abgeordneter, daß mit 7, 10 und 15 Pfennige wöchentlich nicht mehr erreicht werden könne, und ein konservativer bezeugte, daß für die landwirthschattlichen Arbeitgeber die Beiträge nur 1 pCt. der Lohnzahlungen bedeuten, also wohl erträglich seien. Eine beffere Entwerthungsmethode für die Marken aber ist bisher noch nicht erfunden worden; an Stelle der Eiazetchuung des Datums, wie von social
kleide darunter und ihren wundervollen Brillanten! Aber sie war und blieb niedergeschlagen und zerstreut, ihr dunkleS Auge blickte ernst und ein Zug von Trotz lag um ihren feinen Mund.
Die Feierlichkeit in der Kirche war vorüber, die fürstliche Hochzeitsgesellschaft hatte sich um die prächtig geschmückte Festtafel im großen Gala- saale des Schlosses versammelt. Silber und Cristall glänzten, Blumen dufteten und von der oberen Gallerte begleiteten die Klänge der Hofkapelle anregend und zugleich verhüllend die unten am Tische geführten Unterhaltungen.
Vielleicht hatte der Großherzog geglaubt, der trauernden Herzogin Mathilde keinen sympathischeren Nachbarn und Kavalier zutheilen zu können, als ihren Schwager, den Prinzen Anton Heinrich, vielleicht war auch Herzog Leopold im Spiel und hatte verfügt, daß die ablehnende Frau, gegen ihren Willen, noch einmal an die Gesellschaft seines verehrten OheimS gefesselt werde.
Mathilde selbst sah ihre Ahnung bestätigt, sie wußte, daß eS für sie nur darauf ankomme, noch während der nächsten Stunden ihrem Vorsätze treu zu bleiben. Morgen, wenn das neuvermählte Paar fort sein würde, wollte sie sogleich auch abreisen, und dann dachte sie dem Manne, der sie einst so tödtlich beleidigt, so feige verlosten hatte, nie wieder zu begegnen.
Anton Heinrich hatte seine letzte Hoffnung auf
demokratischer Seite vorgeschlagen wurde, einen Firmenstempel aufzudrücken, würde schwerlich den Arbeitern genehm sein und ste noch weit mehr der Controlle unterstellen, der He sich entziehen wollen.
Abgesehen von diesem letzten VerbesseruugSvor« schlag ist kein anderer gemacht worden. Trotzdem ist allgemein und insbesondere auch von dem Minister von Boetticher die VerbesserungSbedürf- ttgkeit und Verbesserungsfähigkeit des GesetzeS anerkannt worden. Aber nur die Erfahrung kann zur Auffindung der richtigen Mittel führen, welche geeignet sind, den neuen Rock auch bequem zu machen. Freilich wurde auch von socialdemokratischer Seite die Unbequemlichkeit mancher Punkte betont, dennoch aber wurde gerade von dieser Seite der Gedanke, das Gesetz aufzuheben, sehr bestimmt zurückgewiesen und Zeugniß dafür abgelegt, daß der Grundgedanke des GesetzeS gut sei und daß von weiten Kreisen die Ausdehnung des Gesetzes gewünscht werde.
Minister von Boetticher konnte mit Genugthuung gerade diese Sinnesänderung der Socialdemokratie begrüßen und seinerseits mancherlei Beweise dafür anführen, daß das Gesetz mehr und mehr Verständniß und Wertschätzung finde und daß es insbesondere auch finanziell sich über Erwarten günstig eingeführt habe. Es sind in dem ersten Jahre des Bestehens 88,8 Millionen Mark Beiträge eingegangen, während der kapitali- strte Betrag der Renten nebst Reservefonds und Verwaltungskosten sich nur auf 76,4 Millionen Mark belaufen würde, das Bedürfniß im ersten Jahre also mehr als gedeckt ist. Auch der Minister stellte die Härten und Unbequemlichkeiten des Gesetzes nicht in Abrede; aber man darf mit ihm der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Vortheile mehr und mehr dem Volke zum Bewußtsein kommen werden.
die Stunde an der Festtafel gesetzt. Hier war die Geliebte unentrinnbar für eine bestimmte Zeit an ihn gefesselt. Ablehnen und Ausweichen gingen hier nicht an. Wie eS einst zwischen ihnen gewesen, wollte er noch einmal zur Sprache bringen und dann — dann seinen letzten Trumpf ausspielen!
Auf der Herzogin anderer Seite saß ein dicker alter Oheim des GroßherzogS, der sich gleich so vollständig in die Genüsse der Tafel vertiefte, daß an eine Unterhaltung mit ihm nicht zu denken war. Mathilde verzichtete von vorn herein darauf und ergab sich in daS Unabwendbare,
Prinz Anton Heinrich begann nach den ersten Gerichten mit ernsterem Tone als bisher: „Wenn ich eS wage, noch einmal an die Vergangenheit zu rühren, von der Eure Hoheit mehrfach ablehnten zu hören, so geschieht eS nicht, um als Bittender, sondern um endlich auch als Ankläger aufzutreten. Warum ist nie eine Antwort auf meine damaligen Briefe erfolgt? Und womit begründen Sie, Herzogin, Ihre außerordentliche Ungnade gegen mich, der ich doch in unseren früheren Beziehungen wahrlich der leidende Theil gewesen bin?*
„Sie bitten mir damals geschrieben, Prinz?"
„Ja, drei Mal. Ich habe Sie beschworen, dem Andrängen des Herzogs, meines Bruders, Widerstand entgegen zu setzen. Ich habe Sie gebeten, zu warten, meiner heißen Liebe zu vertrauen,