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Hersstl-er Brrisblatt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „IlluKrirtes AuLerbaltungsKlatt".
Nr. 28. Sonnabend den 5. März 1892.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Hersfeld, den 27. Februar 1892.
Nach einer Mittheilung des ständischen Ban- omtes dahier werden seitens der Ortsvorstände des hiesigen Kreises die in meiner Verfügung vom 11. Juni 1891 Nr. 5566, im Kreisblatt Nr. 70, die Abnahme der Neubauten unter Mitwirkung der communalständischen Beamten betreffend, angeordneten Mittheilungen nicht wie solches die Controle der stufenweisen Ausführung der Neubauten erfordert, erstattet.
Insbesondere ist darüber Klage geführt worden, daß die Anmeldung der Inangriffnahme eines Baues vielfach unterblieben und erst erstattet worden ist, wenn der Bau bereits beendet war, sodaß entstandene Mängel nicht mehr beseitigt werden konnten.
Ich sehe mich deshalb veranlaßt, den Herren Ortsvorständen die genaueste Befolgung der in der erwähnten Verfügung gegebenen Vorschriften nochmals zur Pflicht zu machen und würde ich mich bet Zuwiderhandlungen genöthigt sehen, strafend gegen die Säumigen vorzugehen.
I. II. 327. Der Königliche Landrath.
In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 3. März 1892.
Nachdem vom Königlichen Ober-Präsidium der Provinz Hessen-Nassau im Einvernehmen mit dem Königlichen General-Commando des XI. Armeekorps für die diesjährige periodische Vorwusterung des PferdebestandeS des Kreises Hersfeld folgende Termine festgesetzt worden sind:
Sonnabend den 19. März d. J. für die Pferde aus dem Amtsgerichtsbezirk Friedewald aufdemSchloßhofzuFriedewald
Montag den 21. März d. J.
für die Pferde aus dem Amtsgerichtsbezirk
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Schein trügt.
Eine wahre Geschichte, erzählt von E. v. Waldow.
(Fortsetzung.)
Die Hofräthin lachte. Marie schaute ernst darein. Elisabeth wiegte das Köpfchen und sprach: „Ach, wie häßlich muß es da sein! Die Leute tragen Ringe in der Nase und tätowieren sich."
„Ist das so etwas Ungewöhnliches? Ich meine, in Europa kommt es auch zuweilen vor, daß man nicht gern scheint, waS man ist, und was man scheinen möchte. Aus dieser Neigung entstehen Lüge, Täuschung, Trug rc., Mummenschanz und JnkoanitoS."
„Was soll das heißen?" fragte Elisabeth gespannt.
„Ich meine, ob die Damen Ihren Verwandten — den Vetter Hubenstein — kennen — nämlich seinen äußeren Menschen?"
„Wir haben nicht die Ehre und geizen auch Nicht danach," entgegnete schnell die Hofräthin.
„Und bemerkten Sie in Teplitz nichts „Nukahi- dänisches" an irgend einem Badegaste?" fuhr Sternau ruhig fort.
„Mitten unter den Hellenen wohnen keine
Schenkleugsfeld auf dem Marktplatze neben der großen Linde zu Schenkleugsfeld
Dienstag den 22. März d. I.
für die Pferde aus dem Amtsgerichtsbezirk Hers- selb auf dem Marktplatze zu Hers feld und
Mittwoch den 23. März d. J.
für die Pferde aus dem Amtsgerichtsbezirk Nieder- aula auf dem Gemeindeplatze bei der Linde zu Niederaula
jedesmalMorgens lOUbrbeginneud, weise ich die Herren Ortsvorstäude der Stadt- und Landgemeinden rc. des Kreises au, mir bis spätestens den 10. März d. I. ein Verzeichniß der iu ihren Gemeinden 2C. vorhandenen sämmtlichen Pferde nach uutensteheu- dem Muster, iu welchem nur die fünf ersten Spalten auszufüllen sind, einzureichen und die Vormusterungstermine den sämmtlichen Pferdebesitzern ihrer Gemeinden 2c mit dem Auftrage bekannt zu machen, an den genannten Tagen und Orten zur bestimmten Stunde ihre Pferde mit Ausnahme der Hengste, der Fohlen unter vier Jahren, der Stuten, welche entweder hochtragend sind oder noch nicht länger als 14 Tage abgefohlt haben, der Pferde, welche auf beiden Augen blind sind, der Dieustpferde der Staatsbeamten und der contractlich zu haltenden Postpferde, bei Vermeidung einer Strafe von 15 Mark der bestellten Musterungs-Commissiou vorzuführen. Sollte ein
Berzeich «ttz der sämmtlichen in der Gemeinde (dem GutSbezirke).............
vorhandenen Pferde.
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Namen der einzelnen Pferde-Besitzrr.
Des Pferdes
Felddiensttauglich als
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8
Alter
Ge- schlecht
Farbe und Abzeichen.
Reit-
Stangen-
Vorder-
besonderes schweres Zug-
Pferd.
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Barbaren," sprach Elisabeth, indem sie mit flüchtigem Blick das griechische Profil des jungen Mannes streifte.
„Sind Sie dessen so gewiß?" fragte dieser dagegen. „Nehmen wir einmal an, daß sich mein Freund tätowierte und von Nukahiva direkt nach Teplitz reiste, um sich durch den Augenschein zu überzeugen, daß er nicht vermißt werde — und in Folge dessen alle seine Illusionen zerstört zu sehen von schöner Hand."
„Wie meinen Sie denn das eigentlich?" fragte jetzt die Hofräthin ziemlich ungeduldig.
Marie machte die Dolmetscherin, indem sie zu der Tante gewendet sprach: „Herr Sternau meint, daß der Vetter in Teplitz gewesen, incognito.“
„Ganz recht, mein Fräulein," fiel Sternau schnell ein.
Elisabeth wurde nachdenklich, indes die Hof- räthin den Kopf schüttelnd rief: „Bewahre Gott, wir haben ja stets in den Badelisten nachgesehen, er war nicht darin. Und ein Herr von Huben- stein mit 4000 Thaler Renten, der noch dazu ein berühmter Reisender ist, würde sich der Aufmerksamkeit der Badegesellschaft ohnedem, selbst bei der strengsten Zurückgezogenheit, nicht haben entziehen können."
oder der andere von den vorstehend aufgeführten Ausnahmefällen Vorkommen, so ist eine von dem Ortsvorstäude hierüber ausgefertigte Beschetut» gung vorzulegen. Ausgeschlossen bei der Vor- Musterung sind ferner die Pferde der Aerzte und Thierärzte, soweit dieselben zur Ausübung des Berufes nothwendig sind.
An den Sammelplätzen haben die Herren OrtS- Vorstände persönlich sich einzufinden resp, im Verhinderungsfälle durch den Vicebürgermeister vertreten zu lassen und ist dafür zu sorgen, daß sich die Pferdebesitzer gemeiodeweise und in derselben Reihenfolge mit ihren Pferden aufstellen, wie solche in das Verzeichniß ausgenommen werden. Die Ortsvorstäude rc. sind verpflichtet, alsbald der Musterungs-Commission davon Anzeige zu machen, wenn ein Pferdebesitzer nicht alle vorzu- führenden Pferde mit zur Stelle gebracht hat.
Am Schlüsse des Verzeichnisses haben die Ortsvorstände die Bekanntmachung dieser Verfügung an sämmtliche Pferdebesitzer zu bescheinigen. Eine Ueberschreitung des bestimmten Termins darf unter keinen Umständen eintreten und Würde ich mich genöthigt sehen, die etwa noch rückständigen Verzeichnisse alsbald durch Warteboten abholen zu lassen.
J. II. 369. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputirter.
Sternau lächelte. „Meine Gnädige, Sie haben einen Fall nicht bedacht; wie, wenn er nun aber gerade, um dieser Aufmerksamkeit, welche auch dann und wann sehr belästigend sein kann, zu entgehen — einen einfachen Namen angenommen und sein Wappenschild eingezogen hätte?"
„Einfachen Namen? Nimmermehr, das thut kein Hubenstein!" entgegnete die Hofräthin ostentiös.
In Steruaus Stimme lag ein leichter Spott, als er zur Antwort gab: „Diese Behauptung ist schön und einseitig zugleich — schön, weil sie aus Ihrem Munde kommt, Gnädigste — einseitig, weil sie bei derjenigen Linie Hubenstein, welcher mein Freund das Glück hat anzugehören, seit Jahren nicht mehr zutrifft. Vielleicht war er so stolz, in der hocharistokratischen Badegesellschaft als einfacher Bürger der litterarischen Republik aufzutreten — man hat so seine Einfälle!"
Ein kleine Pause entstand. Marie saß still, in sich versunken da, Elisabeth lohnte dem Sprecher mit dem langen Blick. Die kaltherzige Kokette fühlte zum ersten Male iu ihrem Leben ein wärmeres Gefühl in ihrem Herzen sich regen.
Nur die Hofräthin sagte kalt: „Dummes Zeug, Adel ist Adel; wer ihn nicht hat, will ihn haben