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Strsfrlürr Irrislilitt.
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Rr. 37. Sonnabend den 2ö. Miirz E.
Erstes Blatt.
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Die Expedition.
Amtliches.
Unter dem Rindvieh des Landwirths Carl Könecke zu Hof Hählgans ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
AllmerShausen, den 23. März 1892.
Der Bürgermeister Nieding.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 23. März. Der Reichstag überwieS im Verlaufe der heutigen Sitzung den ErgänzungSetat pro 1892/93, der eine sehr wohlwollende Aufnahme bei den verschiedenen Rednern gefunden hatte, an die Budgetkommission und setzte dann die Berathung von Petitionen fort. Dabei veranlaßten zunächst die Petitionen, betreffend die Reform der Eisenbahn- Personentarife, nur deshalb eine verhältnißmäßig kurze Debatte, weil der Gegenstand schon anderweitig wiederholt in dieser Session erörtert ist. Die Petitionen wurden mit Rücksicht auf die vom Präsidenten des Reichseisenbahnamte« am 16. Januar 1892 im Reichstage und vom preußischen Eisenbahnminister am 22. Januar 1892 im preußischen Abgeordneten- Hause abgegebenen Erklärungen durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. — Petitionen von Gerichtsvollziehern wegen Abänderung der Prozeßgesetze und des Gerichtskostengesetzes wurden ebenso wie die Petitionen, betreffend die Abänderung des Handelsgesetzbuchs, der Gewerbeordnung, Civilprozeß- ordnung und der Konkursordnung, dem Herrn Reichskanzler als Material überwiesen. Von den weiter verhandelten Petitionen ist zu erwähnen, daß diejenigen betr. Abänderung der §§ 100 bis 100 f der Gewerbeordnung, in die Kommission zur Erstattung eines schriftlichen B.richtS zurückverwiesen wurden. Petitionen, betr. die Beschränkung der Freizügigkeit minderjähriger Personen, wurde mit Rücksicht auf die in Aussicht genommene Reform des UnterstützungSwohnsitzgesctzer lediglich dem Herrn Reichskanzler als Material überwiesen. Petitionen, betr. reichsgesetzliche Regelung des Vereins- und Versammlungsrechte», welche die Kommission an den Herrn Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen beantragt, werden auf Antrag des Abg. Rickert mit geringer Majorität zur Berücksichtigung überwiesen. Petitionen, betreffend die Vieh- Einfuhrverbote, werden, soweit sie sich auf Oesterreich beziehen, durch das Viehseuchen-Ucbereinkommen mit Oesterreich-Ungarn für erledigt erklärt; soweit sie sich auf Rußland beziehen, durch Tagesordnung erledigt.
Berlin, 24. März. In der heutigen (202.) Plenarsitzung des Reichstages wurde das Weingesetz in zweiter Lesung berathen. Die §S 1 und 2, welche von dem Verbot der absolut schädlichen Stoffe als Zusatz zu dem Wein handeln, gelangten ohne Widerspruch zur Annahme, ebenso § 3, welcher eine Deklaration zu S 10 des Nahrungsmittelgesetzes nach der Richtung gibt, was als Verfälschung des Weines nicht anzu- sehen ist, mit einem Antrag Dr. Witte, wonach auch der Zusatz von technisch reinem Stärkezucker gestattet ist. S 4 stellt fest, was im Sinne des NahrungsmittelgesetzeS als Verfälschung
von Wein anzusehen ist. Eine längere Diskussion rief hierbei ein Antrag Dr. Bürklin hervor, welcher die Weinmouillage, d. i. den Zusatz von Wasser und Sprit zum Zwecke der Weinvermehrung, verbieten will. Der Direktor im ReichS- gesundheitsamte, Geh. Reg.-Rath Köhler, sowie die Abgg. Dr. Bamberger, Rickert und Graf Behr sprachen sich im Interesse des norddeutschen Weinhandels entschieden gegen den Antrag aus, von dem nach ihrer Ansicht nur das Ausland Nutzen haben werde. Bei der Abstimmung über den Antrag stellte sich bei einer Minderheit von 80:101 Stimmen für denselben die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus. In Folge dessen mußte die Sitzung um 2 Uhr abgebrochen werden; die nächste Sitzung wurde auf 2*/2 Uhr anberaumt. In dieser wurde der Antrag Bürklin abgelehnt, ebenso ein Antrag Gröber, der den DeklarationSzwang einführen will.
Aus dem Abgeordueieuhaus.
Berlin, 23. März In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden mehrere Petitionen erledigt, darunter eine Petition um Anrechnung der Militärdienstzeit der im Kommunaldienst angestellten Militäranwärter bei ihrer P«n- sionirung und bei Versorgung der von ihnen hinterlassenen Wittwen und Waisen. Die Petition wurde als Material für die Gesetzgebung der Staat-regierung überwiesen; dergleichen eine P< "'n i , Ostpreußischen Südbahngefcllschaft, welche ihren Antrag auf staatliche Genehmigung der Konver- tirung ihrer umlaufenden PrioriiatSobligationen dem Finanzminister zur Berücksichtigung zu überweisen hat.
Faktische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser nahm am Dienstag auf Jagdschloß HubertuSstock einen längeren Vor- trag des Chefs deS MilitärkabinetS entgegen und hatte am Mittwoch ebendaselbst eine Konferenz mit dem Reichskanzler. Während der letztver- gangeneu Tage erledigte Se. Majestät in gewohnter Weise die regelmäßigen RegieruugS- angelegenheitev.
Die „Nordd. All«. Ztg." vom 24. d. M. schreibt: So weit wir unS über den Stand der Dinge zu informiren vermochten, scheint die am ver- gangenen Donnerstag eingetretene Krisis im
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Arme Kinder!
Von
Georg Horn.
(Fortsetzung.)
»Ach ja, gute Mamsell Rowald- — erklang eS aus dem Munde der Kinder wie mit einem Tone.
Die Einführung war kurz, denn nach diesem Empfang schien die Begleitung der Kinder keine große Luft zu hoben, in dem Hause länger zu verbleiben, obwohl die Lehrerfrau sie etnlud, sich ihre schöne Wohnung anzusehen. Zum Abschied sagte Mamsell Rowald:
»Wenn Ihr Sehnsucht nach Piffchen habt — kommt nur zu mir. Ihr wißt, ich hab's immer gern, wenn Ihr bet mir die Thür aufmacht. Guten Abend, Frau Freytag — seien Sie halt recht gut mit den Beiden — haben Sie Nachsicht und bedenken Sie, daß es arme Waisen sind. Der liebe Gott wird eS Ihnen an Ihren eigenen Kindern lohnen.-
„Wir haben nur einen Sohn.-
»Dann kann's auch für Den gelten. — Gute Nacht! — Geh'S Euch gut und denkt nur, Vater und Mutter sind immer auf Wacht bei und um Euch!"
Freytag's Carl war nur um ein Jahr älter, als Benno — um einen Kopf größer, als dieser, dabei hager und mager, wie seine Mutter — dünueS Haar bedeckte den sehr in der Länge ge
rathenen Kopf — fahl waren die schmalen Lppen, und um diese legte sich ein Zug, der bet einem Knaben dieses Alters eine Frühreife bekundete, wenn auch keine geistige. Als die Geschwister in die Stube traten, saß er am Tische, vor ihm lagen Malkasten und Bilderbogen. — Er drehte sich wie unwirsch über eine unliebsame Störung auf dem Sitze herum und sah sich die Beiden an.
»Da bringe ich Dir Deine Spielkameraden, Carlchen,- sagte die Mutter.
»Das wollen wir erst sehen,- war seine Antwort, und dabei lachte er wie aus Freude, einen Witz gemacht zu haben.
»Kennt Ihr Euch noch nicht?- frug die Mutter.
»Ach ja — so vom Sehen. — Wir verkehren nicht mit Denen aus der unteren Klasse.-
»Aber ich hab' Dir doch neulich auf dem Elfe beigestanden, wie sie Dich verhauen wollten- — sagte Bruno. —
»Ach Du! So'n Knirps gegen mich! Da müßte schon ein Anderer kommen! Mein Freund ist PräsidentS Adolf — nur mit dem gehe ich um."
»Aber die Prügel hab' ich doch von Dir abgewehrt- — behauptete Benno — »weil Du die kleine Bertha hingeworfen hast; die wollte sich von Dir nicht auf dem Eise führen lasseu.-
»Davou hast Du mir gar nichts gesagt, Carlchen —•
»Was der auch quatschtl-
»Ja, ja,- fiel Hilde ein. »Ich war auch dabei, — die Bertha weinte. Sie sagte, Du seist so
frech gegen die Mädcheu —"
„Carl — was muß ich von Dir hören!*
»Unsinn — Quatsch, Mama, Kein Wort ist wahr!•
„Wo ist denn der Herr Lehrer, daß wir den um gute Aufnahme bitten ?"
»Mein Mann ist noch im Verein. Den werdet ihr heute nicht mehr begrüßen können. Vorerst werde ich euch eure Schlafkammer zeigen. Gare Betten sind bereits aufgeschlagen —•
Sie führte die Leiden in eine kleine Stube, wo zwei Betten standen —
»Aber das — das ist ja nicht das meine,- sagte Htlda, indem sie auf das zweite Bett deutete —
»Das ist meines Carl, die beiden Knaben schlafen in dem Zimmer zusammen —-
„Aber ich — nicht wahr, Benno — wir haben immer bei unserer Mutter im Zimmer geschlafen bemerkte Hilde.
»Das wundert wich sehr, daß Eure Mutter das hat thun können.-
„Gar oft plauderte sie mit uns bis in die Nacht hinein. Da hörten wir Alles von unserem Vater, wie der schon als Soldat zu Pferde ge- ftffen, wie schön er getanzt habe und wie gern ihn alle Leute hatten. Hub dann sang sie uns sein Lieblingslied vor — das hatten wir mitge- lernt und dann fangen wir alle drei aus unsern Betten heraus.-
„Beten wäre besser gewesen,- bemerkte Frau Freytag.