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Kersskliitl Kreisblüt.
Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illukrirtes Auterönttungsktatt".
Nr. 39. Donnerkag den 31. März 18927
1 Beilage zur Nr. 38 des Kreisblatts.
HerSfeld, den 29. März 1892.
Vermischte-.
— Bremen. Ein geisteskranker Arbeiter NamenS Hartjen entsprang am Donnerstag aus der Irrenanstalt, drang in die Wohnung seiner Gattin ein und verwundete die Frau schwer durch Messerstiche. DaS Aufkommen der Frau wird bezweifelt. Der Irrsinnige ist entflohen.
— In einem Dorfe bei E i S l e b e n hatte sich der Vorstand eines VereivS stets darüber zu be. klagen, daß die ausgeschriebenen Versammlungen sehr schwach besucht wurden. Da griff er zu einem probaten Mittel; er ließ ein Circular herumgeheu, in welchem alS Tagesordnung die «Theilung der Kasse* angegeben war und am andern Abend war Mann für Mann zur Stelle, kein theureS Haupt fehlte. Erst war allgemeine Spannung, dann allgemeine Heiterkeit.
— Berlin, 25, März. DaS Schwurgericht verurtheilte heute eineu der drei wegen Aufruhrs und LaudfriedenSbruchS bei den Berliner Straßen- tumulten vom 25. und 26. Februar Angeklagten zu 4 Jahren Zuchthaus, die beiden übrigen zu 2, resp. 3 Jahren Gefängniß.
— Ftschhausen, 20.März. (Verhäng- nt ß.) Jn Kayla lebte seit mehreren Jahren eine 38jährige Wittwe. Seit einem Jahre war sie mit einem Steuermann verlobt, der sie nach seiner Rückkehr aus Südamerika heirathen wollte. Vor geraumer Zeit erhielt sie von ihm einen Brief, in dem der Hochzeitstag auf den 19. April festgesetzt war. Bald darauf aber kam ein zweiter Brief an, der ihr anzetgte, daß eS mit der ersteren Bestimmung nicht» sei, denn daS Schiff habe für Australien geladen und werde wohl erst nach einem Jahre in Deutschland löschen. Hierin erblickte die Renk eine verhüllte Absage, eilte auf den Boden und erhängte sich. Der Bräutigam hatte dies geschrieben, um seine Braut zu überraschen, und erschien zwei Tage nach ihrem Selbstmorde.
— Hamburg. Von der gestrandeten „Lider"
wird gemeldet: Nachdem in den letzten Tagen die Bergungsdampfer deS unruhigen Wetters wegen nicht hatten längSseite legen können, ist eS am 23. gelungen, eine weitere zwölfzöllige transportable Pumpe au Bord zu setzen, so daß sich nunmehr zehn starke Pumpen an Bord befinden. Bet einem Versuch gelang eS, daS Waffer bis auf zwei Fuß über dem untersten Deck aus- zupumpen. Kapitän TeSdorpf, welcher selbst tauchte, fand dabei ein weiteres Leck vor dem Hinteren Schott, dessen Dichtmachung sofort in Angriff genommen wurde, um alsdann die WiederabbringuugSversuche fortzusetzen.
— WaudSbeck, 25. März. In Hiascheu- selbe erschoß, wie der Magdb. Ztg.* von hier gemeldet wird, ein 30 jähriger Arbeiter NamenS Drinemann die 20 jährige Marie MuuS wegen unerwiderter Liebe und tödtete sich dann selbst.
— Ei» merkwürdiger H audel wurde in SchleSwig abgeschlossen. Der Sohn deS Herrn X. wünschte sich ein Pianino, worauf der Schlächtermeister X. X. daS seiuige zum Verkauf anbot. Schließlich wurde der Ankauf des Instruments für 2 Pfennig dar Pfund abgeschloffeu und wie üblich „beweinkauft." Da nun festgestellt ist, daß das Handelsobjekt nur 860 Pfund wiegt, so kostet der musikalische Marterkasten 16 Mark 20 Pfennig. Dennoch soll der Verkäufer mit dem Geschäfte zufrieden sein. Das gestattet einen tiefen Einblick in die Beschaffenheit der Drahtkommode!
— My Slowitz, 24. März. Der nach mehrmonatigem Schlafe vor einiger Zeit erwachte Bergmann Latob ist gestern, dem «Obersch. Auz.* zufolge, im KnappschaftSlazareth für immer sanft entschlafen.
— Züri -, 25 März. DaS Dorf Sevelen im Rheinthal (1800 Einwohner) ist bei Föhnsturm abgebrannt.
— Amsterdam. Bei einem Brande im
Keyzergrachtviertel bei dem sechs Häuser nieder- bräunten, fanden vier Personen den Flammentod; zwei andere wurde» schwer verletzt.
— sNasenverschönkrung.) Au« Wien Berietet da« „Neue Wiener Tageblatt" : Die Hörer de« Hofrath« Billroth waren Donnerstag Vormittag Zeugen einer interesfauten Operation. Als Patient wurde ein etwa 25 jähriger junger Mann, Herr @„ Beamter bei der schlesischen Landetrezierung, vorgeführt. In Wirklichkeit erfreute sich der junge Mann, eine Erscheinung von stattlichem Autsehen, der besten Gesundheit, ihm fehlte buchstäblich nicht« — und doch verlangte er dringend operiert zu werden. Ein Blick auf da« Gesicht de« Fremden ließ jedoch sofort erkennen, daß dieser offenbar mit der Form seiner Nase nicht einverstanden sei und daher eine „Korrektur" an derselben für nothwendig erachte. Professor Billroth erzählte seinen Hörern darüber Folgende«: „Vor einigen Tagen sei Herr G. bei ihm erschienen mit dem Ersuchen, ihn von einem im oberen Theile seiner Nase sitzenden Höcker zu befreien. Dieser Höcker verbittere ihm da« Leben; denn wo der Träger derselben erscheine, rufe er mit seiner Nase die größte Heiterkeit hervor. Man könnte dem Manne, meinte der berühmte Chirurg, aus« Wort glauben; denn der Ein- druck dieser Nase war auf viele Zuschauer ein wahrhaft komischer. Er, Billroth, habe dem jungen Manne wohl ver. sprachen, „etwa« zu thun"; doch könne er ihm nicht,für eine AdoniSnase anstatt seiner jetzigen Nase mit dem unliebsamen Aufsätze garantieren. Nun schritt der Professor zur Operation. Vorher befragte er einen seiner Mitarbeiter, der zugleich Amateur-Photograph ist, ob er zur „Vorsicht" den Gast vorher photographiert habe; denn man könne nicht tollten, ob dieser nicht nach der Operation etwa Reklamationen erheben werde, man müsse danach in der Lage sein, ihm, sein frühere« Konterfei jederzeit vorhalten zu können. Aus die bejahende Antwort deS Photographen, daß bie „gehörnte Nase" bereits im Bilde festgehalten sei, wurde bie Operation au«geführt. Professor Billroth führte einen Seiteuschnitt neben dem Autwuch« au«, stülpte den Hautlappen auf, so daß der Nasenhöcker jetzt fecilag, und entfernte bieten mittete Mergel und Hammer ane dem Gesicht. Die Operation dauerte nahezu fünf Viertelstunden. Die Nase zeigt jetzt eine normale Form. Nach Ablauf des Heilung«prozesse« dürfte höchsten« eine Narbe den jungen Mann an den früheren Höcker auf der Nase erinnern.
— Warschau. Eine kühne That führte hier am Dienstag der bekannte Bändiger Creytz au«. AlS die Bändigerin Miß Cray den Löwe», käfig betrat, stürzte sich die zweijährige unbische
Markte hälle"sie von ferne die Frau deS Lehrers gesehen, wie die durch die Marktreihen ging. die große, hagere Person mit den fliegenden Hutbändern, und dem vor Eifer gerötheten Gesichte — bei dem Bauerweibe die Butter kostete, bet dem nächsten die Eier wie eine Sternguckerin auf ihre Frische prüfte und das G flügel auf dessen
jugendlichen Taufschein — Neben Frau Freytag keuchte ein weibliches Wesen mit einem großen Marktkorb einher — So'n junges Ding. saate sich Mamsell Rowald, und schon dienen! Wie sie aber den Beiden näher kam, erkannte sie Hilde, die also schon zu biefem Dienste verwendet wurde. DaS Kind srufzte sichtlich unter dem G wicht des
Warktkorbes. Frau Freytag mußte aber die Hebeamme wohne, daß man so heftig an der sich freut? Ja — ja — daS sind sie — Piffchen, here HauSgenofftn der Kinder bemerkt, ebenso Klingel reiße. — Aber daran kehrte sich Mamsell die ungetreuen Kinder, die sich endlich 'mal wieder
vor der Schule abzupassen. Benno kam nicht, dafür aber ein Junge, von dem sie wußte, daß er in dieselbe Klaffe ging, den frug sie nach Benno.
«Ach Der! Der liegt im Bette und ist krank. Wär' fast ersoffen! Der ist schöne rauS — braucht nicht in die Schul' zu sehen.'"
Nun nahm Mamsell Rowald spornstreichs ihren Weg nach dem Frlytag'schev Hause, so unsympathisch ihr auch dieser Gang war. Aber ihr Benno! Sie läutete am Hause — sehr resolut
— sehr stark — Und als sie in den Flur trat, hörte sie schon von oben herab eine keifende Stimme,
. , ________ , _ . Habt Jbr denn meine Hausnummer ganz vergessen?
daß hier doch keine Apotheke sei oder gar eine Und P ffchen — seht Ihr nicht, wie das Thier
yu^ yre ö^ege littßf so gefährlich war, wi" ihr Herz fürchtete AIs sie heimkam und P ffchen an ihr aufsprang, tröstete sie den Hund mit den Worten:
«Jung Bengelchen ist krank — aber sterben wird er nicht — wird schon bald zum Piffchen kommen.
Und diese Verheißung wurde wahr — schon nach ein paar Tagen. Da klopfte eS — es war schon Zwielicht — an Mamsell Rowald's Thür. — Herein! Benno und Hilde — sich wie immer an der Hand haltend.
«Kinder, wo seid Ihr denn so lange geblieben?