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Hersselder Kreisdilltt.
Mit wöchmtlicher Hratis-Keilage „Illustrirtes Auterijaltungsblatt".
Nr. 52. Dienstag den 3. Mai 1892.
DMMnls-KMUg.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllnstrirtes Untcrhalümgs-Blatt." pro Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 29. April 1892.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises gehen in den nächsten Tagen die nach den festgesetzten Urschriften berichtigten zweiten Ausfertigungen der Klassensteuer-Zu' und Abgangslisteu für das II. Halbjahr 1891/92 mit der Weisung zu, die Abgänge nach Zeit und Betrag in den Klassensteuer-Rollen vom abgelaufenen Steuerjahre zu notireu, und hiernach die Listen in der Reposttur aufzubewahren.
I. I. 2919. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schlriuttz.
In hiesiger Gemeinde ist die Maul« und Klauenseuche auSgebrochen.
Kirchheim, den 2, Mai 1892. __Der Bürgermeister Berk.
Die Maul- und Klauenseuche ist iu hiesiger Gemeinde erloschen.
Leimbach, den 30. April 1892. _______________Der Bürgermeister Wenk.
Die Maul- und Klauenseuche in hiesiger Gemeinde ist erloschen.
Lengers, den 30. April 1892.
Der Bürgermeister Jäsch ke.
(Unbefugter Nachdruck verboten.
Verlorenes Glück.
Novelle von C. Wild.
(Fortsetzung.)
In diesem Moment trat Harrtet ein. Sie hätte keinen ungünstigeren Augenblick wählen können; unwillkürlich warf ihr die kleine Frau einen bitterbösen Blick zu.
Vielleicht war ihr die Schönheit deS jungen Mädchens nie so ausgefallen, als gerade heute..
Harriet ging noch in tiefe Trauer gekleidet; das volle Dunkel deS Gewandes hob die Klarheit ihres Teints. DaS herrliche, blauschwarze Haar umgab in dichten Locken das reine, ebenmäßig geschnittene Oval, aus dem die blauen Augensterne hervorleuchteten tu jener lässigen Ruhe, die nur zuweilen von einem jäheu Ausblick unterbrochen wird, gleich dem Blitzstrahl, wenn er plötzlich daS Firmament durchzuckt. Miß Harrtet war schön und ihre Schönheit war keine gewöhnliche, das stand außer allem Zweifel.
Harriet trug Hut uud Sonnenschirm in der Hand.
„Also auch zum Ausgeheu gerüstet,* dachte bitter die junge Frau.
„Gehen Sie mit in deu Wald? fragte Harrtet unbefangen; „man muß die schönen Herbsttage benützen, im Walde ist's um diese Zeit so schön.*
In einer anderen Stimmung wäre Valentine
Die Maul- und Klauenseuche in hiesiger Gemeinde ist erloschen.
Reckerode, den 29. April 1892.
__Der Bürgermeister Klotzbach.
Die M aul- und Klauenseuche ist in hiesiger Gemeinde erloschen.
Herfa, den 30, April 1892.
Der Bürgermeister Sippel.
Die Maul- und Klauenseuche in hiesiger Gemeinde ist erloschen.
Wölfershausen, den 28. April 1892.
Der Bürgermeister Mohr.
Ein SHllldotationsgcsctz.
In den Verhandlungen über den Nachtragsetat war auch die baldige Einbringung eines Schul- dotationSgesetzes angeregt worden. Der Kultusminister Dr. Bosse verwies dagegen zunächst darauf, daß wir eben -inen erregten Kampf hinter uns haben, in dem wichtige Fragen unentschieden geblieben sind. Nach seiner erst nach Wochen zählenden Amtsthätigkeit könne man von ihm noch keine neue GesetzeSarbeit und keine programmatischen Erklärungen über Einzelheiten der Unterrichtsverwaltung erwarten. Ueber ein Dotationsgesetz äußerte sich der Minister ungefähr wie folgt:
Ein Dotationsgesetz, wenn es einen geebneten Weg für die Verwaltung schaffen soll, muß die Frage entscheiden, wer soll in Zukunft der Träger der Schulunterhaltungslast sein, welchen Einfluß soll er haben auf die Verwaltung des Schulver- mögenS und der Exterua der Schule. Damit kommen wir mit einem Schritt wieder in den Bannkreis des Gegensatzes, der zu heftigen Kämpfen Anlaß gegeben hat. Es liegt auf der Hand, daß die Frage der Dotation der Schule, mag man sie so eng oder so weit fassen, wie man sie will, in engem Zusammenhang steht mit dem
sofort aufgestanden, um den Wunsch der schönen Miß zu erfüllen, diesmal regte sich der Widerspruchsgeist in ihr.
„Ich danke, Miß," versetzte sie kühler als sonst, „allein ich habe das Bedürfnis, zu ruhen, ich werde hier bleiben.*
„Sie fühlen sich doch wohl?* fragte Harriet theiluehmend.
„Vollkommen,* eutgegnete Valentine etwas lebhafter, „vielleicht mache ich später einen Gang durch den Garten, nur jetzt wünschte ich zu ruhen. Lassen Sie sich nicht aufhalten, Miß — soll-ich Ihnen Lucie mitgeben?"
„O nein, ich will Sie nicht der Kleinen berauben,* war die Antwort, „ich gehe allein."
„Bleiben Sie nicht zu lauge." sagte Valentine, sich zur Freundlichkeit zwingend; „Waldens haben sich für den Abend ansagen lassen."
„Bis der Besuch kommt, bin ich zurück,* war HarrietS Antwort; ein stolzer Neigen des schönen HaupteS, ein Gruß, sie rauschte hinaus.
Valentine erhob sich; es war ihr plötzlich sehr schwül geworden.
Sie trat auf die Blumenterrasse, um ihre heiße Stirn in der frischen Luft zu kühlen; eine Bangigkeit überfiel sie, die sie nicht bemeistern konnte.
Sie rief nach Lucie; daS fröhliche Geplauder des kleinen Mädchens verscheuchte wohl die Wolken von ihrer Stirn, aber als zwei Stunden verflossen, ohne daß ihr Gatte oder Miß Harriet heimge-
voraussichtlich für die nächste Session des Landtages bevorstehenden Abschlüsse unserer Steuerreform. Erst daraus werden sich die Voraussetzungen für das SchuldotationSgesetz ergeben. Wie und wann die Staatsregierung in der Lage sein werde, ein Schuldotationsgesetz vorzulegen, darüber sei der Regierung vollständig freie Hand vorzubehalten. Die Unterrichtsverwaltung hat für die nächste Zeit den Weg einer ruhigen, sachlichen, gerechten und unparteiischen Verwaltung einzuschlagen an der Hand der durch die Verfassung gegebenen Direktive und der bereits bestehenden Gesetze, die einen gewohuhettsrechtlichen Charakter tragen. Wenn e8 bisher möglich gewesen ist, auf diesem Wege zu einigermaßen günstigen Ergebnissen in der Entwickelung unseres Volksschulwesens zu gelangen, so wird es auch noch eine Zeit lang möglich sein, diesen Weg weiter zu verfolgen. Die Unterrichtsverwaltung wird auch ferner auf dem Verwaltungswege die Besoldung der Lehrer zu verbessern suchen. Sie wird suchen, die Beschlußbehördeu wieder vor- zuspaunen, und so wird es ohne neueS Gesetz möglich sein, manches zu erreichen.
Iolitische Nachrichten.
Von der Reise des Kaisers wird der ,9t. A. 3* aus Wilhelms haven vom 29. April geschrieben: Der Kaiser traf mittels Separatzuges von Meppen über Leer und Oldeo- bürg kommend, um 91/» Uhr auf dem hiesigen Bahnhöfe ein und fuhr direkt auf die Werft, woselbst eine Tribüne errichtet war, welche zum Kai führte, wo die Boote zur Weiterfahrt bereit lagen. Es fand ein kleiner Empfang statt, und es hatten sich zur Begrüßung deS Kaisers der Chef der Marinestation, Vizeadmiral Schröder, der Inspekteur der Marineartillerie, Koutre- admiral Thomsen, der Inspekteur der 2. Marine- inspektion, Koutreadmiral Oldekop, der Ober
kehrt, da wurden die bösen Zweifel wieder wach.
„Komm, Lucie," sagte sie, das kleine Mädchen bei der Hand nehmend; „komm, wir gehen Miß Harrtet entgegen."
Bereitwillig sprang Lucie empor.
„Sieh, Mama," rief sie plötzlich, „dort kommt Miß Harriet mit Papa vom Walde herauf."
Valentine warf einen Blick nach der bezeichneten Richtung, sie wurde todtenblaß.
„Gehe dem Papa allein entgegen, sagte sie tonlos, LacienS Hand freigebend.
„Komm mit, Mama,* bat die Kleine schmeichelnd.
„Geh allein,* versetzte Valentine in ungewöhnlich strengem Tone.
Lucie senkte daS Köpfchen und schlich hinaus; Valentine durchschritt den Salon und stieg die kleine Treppe hinan, die zu ihrem Schlafgemach führte. Als sie den Korridor passierte, auf welchen die anderen Gemächer mündeten, fühlte sie sich von einer plötzlichen Schwäche überfallen; ein Schleier legte sich über ihre Augen, ihre Kniee wankten, sie drohte zn sinken. Da öffnete sich die Thür, die zu Willuaus Zimmer führte.
Willuau, der sich mit Briefschreiben beschäftigt hatte, kam gerade noch rechtzeitig, um die Sinkende aufzufangeu — eine Sekunde später ruhte sie bewußtlos in feinen Armen.
Erschreckt beugte sich der junge Mann über sie und rief leise ihren Namen.
Valentine regte sich nicht.