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Hersstl-tr irrisMett
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illukrirtes Ilntertzaltuugrölatt".
Nr. 56. Domerftag den 12. Mai 18S2.
Amtliches.
HerSfeld, den 7. Mai 1892.
Am Mittwoch den L5. Mai d. JS.
Vormittag- 10 Uhr findet im Saale des hiesigen RathbauseS eine KreiStagSsttzung statt.
Tagesordnung:
1) Wahl von zwei Abgeordneten zum Communal- landtage (§. 11 der Provinzialorduuug), da die am 12. April d. JS. durch Acclamattou stattgefundene Wahl ungültig ist.
2) Wahl einer Commission zur Prüfung der KreiSkassen' Rechnung für daS Etatsjahr 1891/92.
3) Beschlußfassung über die vorliegenden Unter- stützuugSgesuche.
4) Beschlußfassung über einen Antrag deS DomaiuenpachterS, OberamtmannS Sunt« heim zu Eichhof um Ausscheidung des von der Hersfeld.Marburger Straße durch die Gemarkung Eichhof führenden Theiles des Landwegs Eichhof-Solms aus dem Land« wegebauverbaud.
I. A. Nr. 699. Der Königliche Laudrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 10. Mai 1892.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die ihnen in den nächsten Tagen zugeheudeu Loosungsscheine für die in ihren Gemeinden be- findlichen Mtlitatrpflichtigen denselben alsbald auSzuhändtgen und das betgefügte Berzetchniß, nachdem der Empfang der Loosungsscheine auf demselben bescheinigt ist, ungesäumt au mich zurückzusende».
I. II 1071. Der Königliche Laudrath Freiherr von S ch l e t n t tz.
HerSfeld, den 7. Mai 1892.
Der OrtSdiener Hermann K ü m m e l zu Friedewald ist als Sachverständiger zur Untersuchung
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Verlorenes Glück.
Novelle von C. Wild.
(Fortsetzung.)
»O, nicht doch,- sagte Valentine hastig; »ich wollte, Sie blieben immer hier — bleiben Sie, Sie erweisen mir eine Wohlthat damit —* ihre Stimme brach in leisem Schluchzen.
Willnau konnte sich dieses Benehmen nicht ent> räthseln, eine seltsame Vermuthung stieg in ihm auf. Sollte er von Valentine geliebt werden? Er verwarf den Gedanken sofort und doch — Roland selbst hatte schon einige Male zu ihm gesagt: »Valentine scheint großes Jutereffe an dir zu nehmen.- Willnau hatte darauf lachend erwidert: »Roland, wo denkst du hin? Willst du eifersüchtig werden?"
»Eifersüchtig, ValentiuenS wegen? Nein?"
DamalS hatte Willnau gedacht: Die arme, kleine Frau verdient wohl ein wenig mehr Liebe, als ihr gegeben wird. Kein Mann ist unempfänglich für eine reine, ihm schüchtern entgegengebrachte Neigung. Dies ist der große Vortheil der Wahrheit über daS raffinirte Gebahreu einer Kokette oder die aufbrausende Leidenschaftlichkeit einer sinnlichen Liebe.
Willnau sagte sich, dieses arme, junge Wesen konnte nur rein und keusch, aber von ganzem Herzen lieben, und tiefes Bedauern erfaßte ihn, denn diese Liebe, selbst wenn er sie erwidert
des Schweinefleisches auf Trichinen für den! 4. Schaubezirk von Friedewald, umfassend die | Häuser Nr. 115 bis einschließlich 161 mit dem Hofe Weiseuborn, der Heiligen- und Rothenmühle, widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
J. I 3112. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i v i tz.
Hersfeld, den 10. Mai 1892.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden deS Kreises werden hierdurch angewiesen, alsbald einen Plakat-Fahrplau Über die Züge auf den der Königlichen Eisenbahn-Direktion zu Frankfurt a./M. unterstellten Eisenbahnen dahier abholen zu lassen, welcher au einer geeigneten Stelle, im Wirthshaus oder wo es sonst paffend erscheint, zugänglich auszuhängen ist.
Der Königliche Laudrath _____________Freiherr vou Schleiuitz.
HerSfeld, den 5. Mai 1892.
Nachdem durch Erlaß deS Königlichen Ober- Präsidiums der Provinz Heffen-Naffau d. d. Caffel, den 30. April 1892 Nr. 2573 das Ergebniß der stattgehabteu Probebelastuug der umgebauten Brücke über die Fulda bei MengShauseu als ausreichend erachtet worden ist und hiernach Be- denken gegen die Eröffnung des Verkehrs über diese Brücke in landeSpoltzeilicher Hinsicht nicht mehr cutgegensteheu, so wird beregte Brücke dem Verkehr hiermit frei gegeben.
Der Landes-Bouinspektor Xyland er.
Stcllcrfragcii.
2. Eine BermögenSstener.
WaS Einer an dauernden, nicht von der persönlichen Leistung abhängigen Rentenquellen besitzt, entscheidet sich deutlich erst nach seinem Tode. Da wird AlleS klar, was er an materiellem, körperlichem und geistigem Vermögen besaß. Des
hätte, brächte Valentinen nur Leid und Schmerzen. In einer Anwandlung von Zärtlichkeit beugte er sich zu der jungen Frau herab, und ihre Hand ergreifend, preßte er einen warmen Kuß anf dieselbe.
Valentine zuckte nervös zusammen und entzog ihm hastig ihre Hand; in der geöffneten Thür stand ihr Gatte.
Willnau, froh, daß daS töte-k-tete unterbrochen wurde, wandte sich freundlich gegen ihn.
»Gut, daß du kommst," rief er, »so kann ich gleich beichten; ich habe dein Geheimnis bezüglich der Watdburg verrathen. Zürne nicht, Roland, ich dachte, du hättest deiner Frau schon Mittheilung davon gemacht."
Rolands Blick haftete finster und streng auf seiner Frau. »Ich wollte kein Geheimnis daraus machen,- sagte er, »nur dachte ich nicht, daß Valentine für diese Mittheilung Interesse haben würde."
»Eine solche Veränderung sollte nicht mein Interesse wach rufen?* rief die junge Frau; »eS gibt dann so viele Anordnungen zu treffen, den neuen Hausstand einzurichten —-
»DaS besorgt wohl Frau Bärmanu," unter- brach ste ungeduldig der Gatte.
Valentine erhob sich rasch und eilte hinaus, um die hervorquellenden Thränen zu verbergen.
Willnau betrachtete erstaunt seinen Freund.
»Du warst jetzt hart gegen deine arme kleine Frau," sagte er.
halb erscheint eine Erbschaftssteuer an sich wohl geeignet, die von der Gerechtigkeit er» forderte steuerliche Mehrleistung des Kapitalvermögens im Vergleich mit dem vergänglichen Ertrage der Hand- und Kopfarbeit nachträglich herbeizuführen. Allein, wie der von der Regierung bei Beginn der Steuerreform gemachte Versuch gelehrt hat, ist eine starke Abneigung gegen eine, wenn auch nnr geringe Erbschaftssteuer, die auch die nächsten Verwandten träfe, wegen des immerhin lästigen Eindringens in die Familteuver- Hältniffe vorhanden.
Ein anderer Weg bietet sich in einer Ber- mögenssteu er, die alljährlich als Ergänzung zur Einkommensteuer mit dem Bruchtheil eines Prozents — man nennt in den Blättern ’/4o bis */2e pCt. — vom Werthe bei fundirten BesttzeS erhoben würde. DaS Bedenken, das sich für einen Zuschlag zur Einkommensteuer aus der höchst schwierigen Scheidung der Bestand- theile des gemischten EinkommenS ergiebt, fiele bei der Vermögenssteuer fort; sie wendet sich ihrem Wesen nach nur au die Verwögeusobjekte und läßt den Werth der Arbeitskraft unberührt.
Als nebensächliche Wirkung einer Vermögenssteuer hat mau hervorgehoben, daß sie auch das todte Kapital, die Baugründe in der Nähe von Großstädten, die die Besitzer, auf Steigerung bei Grundwerths spekultreud, unbenutzt liegen lasse», große Juwelenschätze, kostspielige Parkanlagen, die so wenig all goldene und steinerne Kostbarkeiten Ertrag und folglich Einkommensteuer liefern, treffen und so zugleich als SpekulatiouS- und LuxuSsteuer wirken würde. Immerhin würden hier, je nach den besonderen, persönlichen und sachlichen Umständen, gewisse nicht ganz einfache Unterscheidungen zu machen sein. Der Herzog von Wellington besaß in seiner Gemälde- gallerte eine Hauderttauseudpfundnote unter GlaS und Rahmen. Stellen wir ihm einen Mann
„Findest du das?" entgeguete Rolaud trocken! »nun, sie wird sich darüber zu trösten wiffen."
7.
Der eifersüchtige Gatte.
Die Verhandlungen bezüglich der Watdburg waren zu Ende gediehen; auch für Rolandreck war ein Käufer gefunden. Im nächsten Frühjahr sollte das neue Heim bezogen werden. Roland hatte Arbeiter genommen, um alle Gemächer frisch Herrichten lassen; er selbst brächte den größten Theil des TageS auf der Watdburg zu, die Arbeit überwachend. Willnau leistete ihm häufig Gesellschaft; trotzdem er vom Fortgehen sprach, konnte er sich nicht entschließen, feinen Vorsatz auszuführeu. Geschah eS Harrtet? halber, oder wollte er die Bitte Valentines erfüllen? Er beschäftigte sich mit der jungen Frau, die der höflichen Kälte ihre? Gatten eine Art stillen Trotzes entgegen zu setzen begann; ein leiser Oppositionsgeist regte sich tu thr, der freilich oft blitzschnell verschwand; aber Roland heftete nach jeder selbständigen Willensäußerung einen erstannt fragenden Blick anf seine Frau.
Miß Harrtet musterte bet solchen kleinen Szenen mit scharfem Auge die beiden Gatten; ihr entging nicht die tiefe Mißstimmung, die sich seit geraumer Zeit RolandS bemächtigt halte, allein ihrem eifrigsten Forschen gelang eS nicht, die Ursache derselben zu entdecken.
HarrtetS Vater schrieb, daß er kommen würde,