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HerssMl Kreisblatt

Mit wöchmtlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Auterhaltungsölatt".

Nr. 59.

Donnerstag den 19. Mai

1892.

Amtliches.

Hersfeld, den 17. Mai 1892.

Die nach meiner Verfügung vom 20. April d. JS. I. 2710 (Kreisblatt Nr. 50) auf deu 2. Juni d. Js. angesetzten Jmpftermine für die Stationen Schevklengsfeld, Ransbach und Philippstbal werden wegen Ausbruchs des Scharlachfiebers in Schevklengsfeld bis auf Weiteres verschoben.

Die Herren Bürgermeister der Gemeinden Schenklengsfeld, Oberleugsfeld, Wehrs- hausen, Hilmes, Conrode, Lampertsfeld, Landershausen, Unterweisenborn, Wüstfeld, Malkomes, Schenksolz, Dünkelrode, Motzfeld, Hillartshausen, Ransbach, Ausbach, Philipps- thal und Röhrigshof haben dies alsbald bekannt machen zu lassen.

J. I 3279. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleivttz.

Pflege des Genossenschaftswesens für das Handwerk.

In den Handwerkerkreisen ist eine Gruppe vor­handen, die von der Einführung des Befähigungs- r Nachweises und der Zwaugsinnungen Wunderdinge - erwartet. Mau glaubt, daß die Concurrenz der Bozare, Magazine, Ausverkäufe rc. beseitigt werden und der kleinere solide Handwerksbetrieb wieder blühen würde, wenn nur geprüfte Meister Unternehmungen zur Herstellung und zum Verkauf von Handwcrkerartikelu gründen dürften. Wahr­scheinlich müßte aber doch der Gesetzgeber die bereits vorhandenen Geschäfte, die stch unter der Leitung eines ungeprüften Geld- und Handels­mannes mit der Herstellung und dem Verkauf von Schuhen, Kleidern, Holz-, Schnitz-, Bürsten-, Lederwaaren 2C. befassen, bestehen lassen, und wie soll verhindert werden, daß die Magazine und

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Verlorenes GUick.

Novelle von C. Wild.

(Fortsetzung und Schluß.)

Aengstlich war er bemüht gewesen, jede wärmere Regung für die kleine Frau zu unterdrücken, er wollte keinen Treubruch gegen die Verstorbene begehen!

Da kam langsam die Eifersucht in sein Herz; wann eigentlich dieses Gefühl Platz in seiner Seele gefunden, darüber konnte er fich selbst L nicht Rechenschaft geben, es war plötzlich da, trübte den edlen, stolzen Sinn und raubte ihm jede freie Urtheilskraft; das war eine bittere, böse Zeit! Lag sie nun hinter ihm, hatten ValentiuenS Worte alle Zweifel zerstreut? Sie hatten es, die stolze, ruhige Haltung der jungen Frau allein svrach schon für die Wahrheit des Gesagte«. Mit dieser tmponirenden Sicherheit, mit dieser klaren, freie» Stirn trat keine Schuldige vor ihren Richter!

Wie heller Jubel drang es durch Rolands Seele. Wenn er das rechte Wort fand, wenn sie ihm vergab, wenn sich alles zum Guten wandte, konnte er dann das verlorene Glück wiederfinden?

Plötzlich wieder über fiel ihn eine heiße Angst; wenn er sein Glück verscherzt, verloren hätte für immer, wenn Valentine ihn nicht lieben könnte?

Bazare in ihren Sold stehende geprüfte Meister als Strohmänner vorschieben? Wie soll ferner die Scheidelinie zwischen Fabrikbetrieb und Handwerksbetrieb, die vielfach in einander über­gehen, in der Gesetzgebung genau getroffen werden? Aber sehen wir ganz ab von den technischen Schwierigkeiten der Durchführung des Befähigungsnachweises und der Zwangsinnung und räumen wir selbst ein, daß sie wenigstens eineu Theil der auf sie gesetzten Erwartungen erfüllen könnte. Ein Allheilmittel sind Be­fähigungsnachweis und obligatorische Innung sicherlich nicht vielmehr beeinträchtigt der Glaube, daß sie es seien, die Zwecke der Handwerker- bewegung.

Ist denn die Concurrenz der Magazine und Bazare das Grundübel, unter dem das Handwerk leidet, oder nicht vielmehr eine Begleit- und Folgeerscheinung eines großen Prozeffes, der sich seit 100 Jahren vollzogen hat, und weiter voll­zieht? Wir meinen den Zug zum Großbetrieb und die immer mehr vervollkommnete Arbeits- theiluug im Zeitalter der Maschinen. Diese Eat- Wtckelung ist trotz der Verschlechterung der Lage des kapitalsschwachen, hauptsächlich nur seine Arbeitskraft und die nothwendigen Handwerk- zeuge besitzenden Meisters, die sie mit stch brächte, zweifellos ein großer Kulturfortschritt, den mau nicht aufhalten kann. Es kann sich nur darum handeln, die Vortheile der Maschinen und der Arbeitstheilung zu verallgemeinern, d- h. nicht bloß den Kapitalisten, sondern möglichst auch dem Meister zugänglich zu machen. In dem Maße, wie das geschieht, wird sich auch die Gefährlichkeit großer kapitalistisch betriebener Verkaufsläden verringern.

Aber wie das Ziel erreichen? Nun, ein Mittel, um die kostspielige, zeitraubende Zersplitterung des Bezugs von Werkzeugen und Rohstoffen unter den Kleinbetrieben zu beseitigen, die Verwerthung von Maschinenkräften zu erleichtern, die Sp sen

Valentine,* sagte er mit dem ganzen Wohl­laut seiner klangvollen Stimme,Valentine, die Entscheidung liegt in deiner Hand; ich bin der Gerichtete ich habe au dir gesündigt und ge­frevelt; ich habe dich verkannt willig nehme ich alle Schuld auf mein Haupt, deine Vorwürfe sind wahr und gerecht. Ich will sühnen, ich will büßen, Valentine, nur raube mir nicht die Hoffnung auf deine Vergebung." Er hätte hinzusetzen mögenund auf deine Liebe," aber wagte diese Bitte der schwer gekränkten Frau gegenüber noch nicht.

Valentine fühlte, daß seine Augen mit dem Ausdruck heißer Bitte sich auf ihr Antlitz hefteten.

Ich habe nichts zu vergeben," sagte sie leise, die ungeliebte Frau hat keine Rechte!"

Die ungeliebte! Aber die geliebte, die innig geliebte?*

Valentine sah auf, beide Häade an das stürmisch klopfende Herz gepreßt.

Die geliebte, die geliebte?" wiederholte sie mit zweifelnder Frage.

Die geliebte Valentine! Ich hatte dich lieb gewonnen, ganz allmählich, aber mein Mißtrauen, meine Eifersucht ließen bbfe Liebe nicht offenbar werden; ich wollte dich nicht lieben, ich stritt da- gegen, denn ich wollte nicht zum zweiten Male betrogen sein."

Zum zweiten Male?" fragte sie zagend. Das Andenken an die Verlorene war ja allein

der Einrichtung zum Verkauf der Waaren zu verringern rc., haben die Handwerker auch ohne Zwaugsinnungen selbst in der Hand. Das Mittel heißt Genossenschaft; es kann für Viele das er­gänzen, was dem Einzelnen an Kapital fehlt, durch gemeinsame Einrichtungen für Bezug und Verkauf und durch Hebung des Kredites des Handwerks. Aber leider mußte der preußische Haudelsminister Freiherr v. Berlepsch im Abge­ordnetenhause am 26. Februar d. Js. feststelle«, daß erst in der jüngsten Zeit ein einziger Versuch von einer einzigen Innung unter ungefähr 11,000 die es im Reiche geben soll gemacht worden sei, sich als solche Kredit zu verschaffen. Und noch auf dem letzten Handwerkertage konnte von einem Vertreter des Handwerks die Aeußerung fallen, daß das Genossenschaftswesen für daS Handwerk überhaupt eine unbrauchbare Sache sei, vielleicht sei es für Fabrikarbeiter anzuwenden, um ihre Existenz zu erhalten und zu erleichtern, aber für das Handwerk sei das Genossenschafts­wesen nicht brauchbar.

Offenbar ist der Glaube an das Allheilmittel, genannt Befähigungsnachweis, mit darau schuld, daß ein sicher nützliches Mittel, das nahe liegt, so schroff verschmäht wird. Hoffentlich wird die Einsicht im Handwerkerstände allgemein werden, daß die Gesetzgebung zwar Manches, aber nicht Alles thun kann und daß die Ausbildung deS Genossenschaftswesens sehr wohl geeignet ist, dem Handwerk nützliche Dienste zu leisten.

Faktische Nachrichten.

sK a i s e r t a g e i u D a n z i g.) Die Stettiner Kaisertage hatten am Sonntag Mittag geendigt. Während Ihre Majestät die Kaiserin nach Potsdam zurückkehrtt, fuhr Se. Majestät der Kaiser in Begleitung der Minister Herrfurth, v. Kaltenborn und v. Heyden und des Staats­sekretärs Freiherrn v. Maltzahn nach Danzig.

dein Glück; du hattest sie nur körperlich verloren, geistig nie."

Laß dir alles sagen."

Willenlos ließ sich die junge Frau zu einem Sitze führen. Roland nahm an ihrer Seite Platz und ihre Hand tu der feinen haltend, begann er seine Erzählung.

Wie anders klangen setzt seine Worte, als im Walde, da er zu Harrtet gesprochen!

Wohl flog ein trüber Schatten um feine edle Stirn, wohl klang ein leises Beben durch seine flüsternd gesprochenen Worte, als e von dem Verrathe derjenigen sprach, die er einst über alles geliebt, aber um die düstern Schatten der Ver­gangenheit spann die Hoffnung ihre goldenen Fäden, und aus den Augen, die sich immer wieder auf die lieblichen Züge Valeutinens hefteten, leuchtete die Zuversicht auf eine glückspendende Zukunft.

Er hatte geendet, seine nervige Rechte umfaßte fester die Hand seiner Frau, doch diese wurde ihm rasch entzogen; zwei weiche Arme legten sich um seinen Nacken und eine süße Stimme flüsterte halb von Thränen erstickt:

Roland, wenn meine Liebe dir daS verlorene Glück wiederbringen kann, so nimm sie hin, ich will dir ein treues, gutes Weib bleiben" sie sonnte nicht weiter reden, unter Thräaeu barg sie das Haupt an seiner Brust.