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Itrsfdirr Kreisblatt.
Mit wSchmllicher Kratis-Weilage „Illugrirtes Autertzaltuugsblatt".
Nr. 62. Donnerstag den 26. Mai 1892."
DMUck-KMlU.
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Amtliches.
Berlin, den 22. April 1892.
Dem Königlichen Oberpräsidium lasse ich umstehend Abdruck der Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 10. d. M. (Centralblatt für das Deutsche Reich S. 161), betreffend Ergänzung der Ausführungsverordnung zum Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung vom 6. Februar 1875, mit dem ganz ergebensten Ersuchen zngeheu, die Standesbeamte» auf diesen Nachtrag zur Ausführungsverordnung vom 22. Juni 1875 durch Vermittelung der nach- geordneten Aufsichtsbehörden gefälligst aufmerksam zu machen.
Der Minister des Innern. gez. H e r r f » r t h.
An das Königliche Oberpräsidium zu Cafsel. I A. 3677.
* *
CeutralblattfürdasDeutscheReich. Berlin, Freitag den 1. April 1892. Nr 14.
Auf Grund des §. 83 des GesetzeS über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung vom 6. Februar 1875 — Reichsgesetzblatt S. 23 — hat der BundeSrath zur Ergänzung der Ausführungs-Verorduuug vom 22. Juni 1875
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Dir MSrchr«er;Shlerin.
Von
Helene Pichler.
(Fortsetzung.)
Frau von Keilstein machte die Honneurs und wurde darin von Wilhelmine, ihrer Tochter, unterstützt. Das junge Mädchen trag, der damaligen Mode gemäß, ein schlichtes, weißes Kleid, welches den schönen Hals und die Arme frei ließ, als einziger Schmuck schlang sich ein blaues Band um die Taille, und eines von gleicher Farbe hielt die braunen Locken am Hinterhaupt zusammen. ES war kein Wunder, daß manch feuriger Blick aus Junker GötzruS Augen die liebliche Mädchen- blume traf.
Noch immer harrte mau deS letzten Gastes, um endlich zu Tisch gehen zu können. Doktor Gerhard ließ unverantwortlich lange auf sich warten. Schon reichte Herr von Finkenhausen der Hausfrau den Arm, da endlich öffnete der bedienende Jäger noch einmal die Thür und der Erwartete erschien endlich. Doktor Gerhard war gerade kein AdoniS an LeibeSgestalt, feine Figur war mehr untersetzt als hochgewachsen; aber er trug einen wahren Juviterkopf auf den Schultern. Nachdem er die auSgestreckte, zarte Hand der Hausfrau mit warmem Drucke genommen und Herrn von Keilstein sowie die Gäste begrüßt hatte, reichte er ohne wettere Umstände der Tochter deS
- Cevtral-Blatt S. 386 - Folgendes bestimmt: I
Die bei der Vornahme einer Eintragung in । das Standesregister am Rande vermerkten Zusätze, Löschungen oder Abänderungen — § 13 Absatz 4 des Gesetzes — sind als solche in der in daS Nebenregister einzutragenden beglaubigten Abschrift der Eintragung — §. 14 Absatz 1 deS Gesetzes — wiederzugeben.
In die Auszüge auS dem Staudesregister — §. 15 Absatz 2 deS Gesetzes — ist unter Weg- lassung der bet der Vornahme der Eintragung am Rande vermerkten Zusätze, Löschungen oder Abänderungen nur der berichtigte Wortlaut der Eintragung aufzunehmen.
Berlin, 10 März 1892.
Der Reichskanzler gez. Graf v.^Caprivi.
Cassel* den 29. April 1892.
Abschrift theile ich Ew. Hochwohlgeboren zur gefälligen weiteren Veranlassung ergebeust mit. Der Oberpräsideut.
In Vertretung: gez. Poten.
Au den Königlichen RegterungS - Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren hier. Nr. 2540.
Cassel, am 7. Mai 1892.
In Abschrift zur gefälligen Keuvtuißnahme und Mittheilung an die Standesbeamten.
Der Regierungs-Präsideut. Rothe.
An die Königlichen Herren Landräthe, die Herren Oberbürgermeister und Bürgermeister der Städte. A. I 4942.
Hersfeld, den 23. Mai 1892.
Wird den Herren Standesbeamten zur Nachachtung mitgetheilt.
A. Nr. 800. Der Königliche Laudrath
__Freiherr von Schleinttz.
Die 2. Schulstelle zu Sorga wird in Folge Versetzung des seitherigen Inhabers mit dem
Hauses den Arm und folgte mit ihr ins Speisezimmer. Man setzte sich scheinbar nach Gefallen und ohne jeden Zwang, doch wollte es der »Zufall,- daß die bescheiden im Hintergründe auf den Borantritt der vornehmeren Gäste wartenden Bürger, unter ihnen auch der ehrwürdige Seelsorger, am unteren Ende der Tafel alle beieinander zu sitzen kamen, und das von dem Hausherrn aufwärts der vornehme Theil sich reihte. Nur Doktor Gerhard machte in dieser Reihe von Edelleuten eine Unterbrechung. Dem Junker gerade gegenüber sitzend, schien er gar nicht zu fühlen, daß er einen ihm nicht gebührenden Platz einnahm.
»Werther Herr Doktor, ich sehe auf Ihrer Stirn Falten, die nur Ihr Beruf so plötzlich hervorgerufen haben kann. Welcher schwere Krankheitsfall hielt Sie zurück, uns schon früher Ihre Gegenwart zu schenken?" Es war Frau von Keilstein, welche diese Frage an den Doktor wandle. Dieser legte Messer und Gabel nieder, feine blaffe Stirn hatte sich gefurcht, doch lächelte er gezwungen.
»Ich bewundere Ihre Beobachtungsgabe und feines Empfinden, gnädige Frau. In der That ist »der Fall* ein besonders trauriger: der Bergmann Mahuert auf der Grube »Samson- ist verunglückt, er wurde seiner Frau inS Haus getragen, als ich gerade vorbeiging.-
Etnige Bewegung ging durch den KreiS. Die tu Andreasberg Ansässigen kannten alle persönlich
1. Juni d. Js. vacaut. Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den erforderlichen Zeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Königlichen Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Hoßbach dahier oder dem unterzeichneten Landrathe einreicheu.
HerSfeld, den 23. Mai 1892.
Namens des Schulvorstandes von Sorga. Freiherr von Schleiuitz, Königlicher Landrath.
I 3401.
“ " Hersfeld, den 23. Mai 1892.
In Folge des Ausbruches der Masern unter den Kindern zu ASbach wird der auf Mittwoch den 1. Juni d. Js. Nachmittags 2 Uhr für die Station Asbach anberaumte Jmpftermin bis auf Weiteres aufgehoben.
Die Herren Ortsvorstände zu Asbach, BeierS- hausen und Kohlhausen haben solches in den Gemeinden sofort bekannt machen zu lassen.
A. 821. Der Königliche Landrath
Freiherr V o n S chl einitz.
Die Herren Bürgermeister, Gutsvorsteher und Rechuungsführer von Biengartes, Eichhof, Engelbach, Hilperhausen, Kalkobes, Oberrode, Petersberg, Solms, Stärklos und Wilhelmshof, welche in den Steuer-Erhebungsterwineu rc. die Klaffe»- und Gewerbesteuer Veraslagnogsgebühre» für daS Rechnungsjahr 1891/92 nicht empfangen haben, werden hiermit auf So««abe«d der» 88. d. M. Vormittags 10 Uhr hierher vorgeladen und zugleich ersucht, das Dienstsiegel mitzubringen.
Hersfeld, den 23. Mai 1892.
Königliche Steuerkasse. H e ck e r.
Faktisch« Wachrichte«.
Se. Majestät der Kaiser wird noch einige Tage zur Abhaltung von Jagden in
den braven Mahuert, und auch die hohen »Herren von der Feder* sogar konnten eines leisen Schauders sich nicht erwehren.
»Furchtbar! Entsetzlich!-
»Rette» Sie den armen Manul o, retten Sie ihn I- flehte Wilhelmine von Keilstein und richtete die großen Augen voll aus den Arzt.
»Hier ist die Grenze menschlichen Könnens," erwiderte der Doktor, »zwar lebte der Verunglückte noch, als er im »Gaipel- (Grubenhaus) emporgebracht wurde, und so blieb es der armen Frau erspart, ihren Mann in dem auf jeder Grube bereitstehenden Sarg zurückgebracht zu sehen. Doch konnte ich leider das fliehende Leben nicht zurückhalten, und mir blieb nichts weiter zu thun, als nach dem völligen Erlöschen des Lebens der fassungslosen Frau beizustehen und die kleinen Kinder zu beschwichtigeu."
»Um Gott, das ist ein entsetzliches Schicksal! Kann man helfen? unterstütze» ?" riefen Frau von Keilstein und ihre Tochter gleichzeitig.
»Beruhige Dich, liebe Frau," fiel die tiefe, ruhige Stimme des Hausherrn ein. »Beruhige Dich, ich werde morgen eine Geldsumme Hin- schicken, um die erste Noth zu lindern. Wie sagten Sie doch? Mahuert heißt der Mann?- Ueber des Doktors Gesicht zuckte eS.
»Gestatten Sie wir eine Bemerkung, werther Herr Forstmeister. Mit Geld, so sehr eS später nützen wird, kann daS grauenhafte Elend der