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Itrsfrlitr Kreisbl«tt.

Mit wöchentlicher Kratis-MeilageIllugrirtes Auterhaltungsölatt".

Nr. 65. Domerstag den 2. IM 1892.

DMmeck-KMlW.

L Bestellungen auf das Hersfelder Kreisdlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage JllustrirlcsUntcrhLltMlgs-Vlatt." pro ^utti werden von allen Kaiserlichen Post- anstalteu, Laudbriefträgeru und von der Expe­dition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 28. Mai 1892.

Gemäß §. 82 Abs. 4 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 wird hierdurch mitgetheilt, daß in der am 25. d. M. stattgefundenen Kreistags- sitzung die Herren Bürgermeister Reinhard tu Landershausen und Braun in Hersfeld als Kommunallandtagsabgeordnete gewählt und die Herren Siebmachermeister Georg Steinweg hier und Gastwirth Heinrich Eichmann in Niederaula als Mitglieder der Commission zur Prüfung der Rechnung der Kreiskommunalkaffe für das Etats- jähr 1891/92 gewählt worden sind.

An Unterstützungen wurden bewilligt:

a, der Gemeinde Rotensee außer den bereits bewilligten 4000 Mk. noch weitere 1500 Mk. zur Ausführung von Schulbauten;

b. der Gemeinde Unternenrode 250 Mk. zur Bestreitung von Armenlasten.

Der auf das Unterstützungsgesuch der Gemeinde Friedewald unterm 12. April d. I. gefaßte Beschluß wurde aufrecht erhalten, das Gesuch der Ge­meinden Eitra und Sieglos vorerst zurückgewiesen, weil kein genehmigtes Schulbau- rc. Projekt vorlag und die Bewilligung einer wetteren Unter­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Die MSrchenerzShlrrin.

Von Helene Pichlcr.

(Fortsetzung.)

Das war eine garstige Minute gewesen, als einst der Herr Assessor, mit anderen Herren auf einer Waldpartie imNenfaug" Rast machend, im halbdunklen Gatpel auf Hanning gestoßen. Bei dem Reneontre hatte Herr von Knieper in bedenklicher Weise den Kürzeren gezogen und dessen gedachte der wohlwollende Herr ohne Zweifel, so oft ein Gesuch vomstarken August" einlief.

In neuester Zeit nun hatte sich noch ein anderer Quell der Sorge und des Aergers aufgethan, der denSänger-Ludwig" fortwährend in wahrer Bramarbaslaune erhielt.

DerNeufang" besaß seit alten Zeiten die Gerechtsame, einen Ausschau! für die die Grube befahrenden Bergleute zu halten. Vor jedemAnfabren" ward hier noch ein Schluck Herzstärkendes genommen, ehe der Steiger das Gebet sprach und die Fahrt in die Tiefen der Erde angetreten wurde.

Auch manche Bürgerfamilien aus der Stadt verkehrten auf demNeusang", namentlich an warmen Sommerabeuden; denn der Sänger- Ludwig mit Frau und Tochter genossen ein gutes Ansehen, und das Plätzchen unter den Tannen- Wipfeln war einladend. Da die Grube auf dem

stützung au dir Schulgemeinde Holzheim für jetzt abgelehnt, auch wurde die Bewilligung einer Unterstützung zur Instandsetzung des Wehres des Müllers Jäschke in Lengers abgelehnt.

Sodann wurde stch gegen den Antrag des Domänenpächters, Oberamtmann Suntheim zu Eichbof, um Ausscheidung des Landwegs Etch- Hof-Solms, soweit solcher durch die Gemarkung des GutsbezirkS Eichhof führt, aus dem Land­wegebau, einstimmig ausgesprochen.

Außer der Tagesordnung kam noch eine Ver­fügung der Königlichen Regierung, die Errichtung von Handelskammern betr., zur Vorlesung. Die Kreisstandschaft konnte jedoch hier ein Interesse des Kreises nicht anerkennen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Freiherr von Schleinitz,

I. A. 857. Königlicher Landrath.

Gefunden: ein silbernes Porteepee und eine Aukeruhr. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Rotensee.

Folitische Nachrichten.

Se. Majestät der K a i s e r ist am Sonntag Abend wieder in Potsdam eingetroffen.

Die beiden holländischen Köni­ginnen, die Königin Regentin Emma und die junge Königin Wilhelmine sind am Montag Abend zum Besuche am Kaiserlichen Hofe in Potsdam eingetroffen. Auf der Wildparkstation war großer Empfang unter Anwesenheit der Königlichen Prinzen und Prinzessinnen. Als der Hofzug in die Bahnhalle einlief, stimmte das Musikcorps der Gardejäger den niederländischen Präsenttrmarsch an. An dem Fenster ihres Salon­wagens standen die beiden Königinnen. Einer Schilderung des Empfanges in der Voff. Ztg. entnehmen wir: Die Königin Regentin, eine schöne Frau, das Bild blühender Gesundheit, trug

Wege zumGlückauf" lag, so geschah es, daß auch der Forstmeister häufig den .Neufang* Passtrte, auch wohl ein Viertelstüudchen mit dem alten Gaipelaufseher an dem ungehobelten Tische vor dem Grubeueingange saß, oder in dem blitz­blanken Gaststübletv einen Truuk nahm. Herr von Ketlstein ließ sich vorzugsweise gern von Hanning bedienen; er hatte seine Freude au dem jungen, flinken Dinge.

Durch den Forstmeister lernte Junker Götz ebenfalls denNeufang" als Rastpankt schätzen, und sehr bald geschah es, daß er niemals deS Weges kam, ohne hier kürzere oder längere Rast zu halten.

Nun hatte jedoch Haaviugs Mutter gleich bet dem ersten Besuche des jungen Herrn die Blick- bemerkt, mit welchen er Hannings biegsame Mädchengestalt verfolgte, und die kluge Haus­mutter wußte es ferner so einzurichten, daß der Junker niemals Hanning auf einen Augenblick allein antraf; stets brächte ihm der Gaipelaufseher selbst oder die Frau Wirthin den Truuk, Hanning aber blieb unsichtbar, kaum daß er den Zipfel ihres dunklen Rockes um die Ecke huschen sah oder sie in der Küche ein Liebchen trällern hörte. Zwar hatte Götz auch versucht, unter irgend einem Vorwande das Mädchen in der Küche auf- zusuchen; doch war der Sänger-Ludwig ihm zuvor gekommen, hatte höflich sein Käppcheu gezogen und den gnädigen Herrn gefragt, über welchen Mangel er sich zu beklagen habe.

ein Kleid aus schwerer schwarzer Seide, mit langer Schleppe und dazu einen schwarzen Hut mit einem Crepeschleier, der bis auf die Schleppe fiel. Die Königin Wilhelmine, ein sehr hübsches Kind, mit schönen blauen Augen und wallenden blonden Locken, war in hellblauer Wolle gekleidet und trug einen runden Hut von derselben Farbe, geziert mit blauen Straußfedern. Der Kaiser war zuerst der Königin-Regentin beim Aussteigeu behilflich, küßte ihr die Hand und überreichte ihr einen Strauß aus Maiglöckchen und Rosen. Darauf hob der Kaiser die kleine Königin aus dem Wagen und küßte ihr Stirn und Wangen. Die Königin-Regentin am Arme führend und begleitet von der Königin Wilhelmine begab sich der Kaiser nach den Fürstenzimmern des Bahn­hofsgebäudes, wo die niederländischen Gäste von der Kaiserin und den anwesenden Prinzessinnen begrüßt wurden. Nur kurze Zeit verweilten die Herrschaften in den Fürstenzimmeru. Dann traten sie wieder auf den Bahnsteig, voran der Kaiser mit der Königin-Regentin, und unmittelbar danach die Kaiserin, die Königin Wilhelmine führend. Die Kaiserin trug ein Kleid aus taubeublaner Seide, besetzt mit golddurchwirkten Brabanter- spitzen, und ein kleines Kapotthütchen aus Stroh mit einem kleinen Blumenkranz. Die Brust der Monarchin zierten Band und Stern deS schwarzen Adlerordeus. Darauf erfolgte Vorbeimarsch der Ehrenkompagnte und Abfahrt nach dem Neuen Palais, in dessen rothen Kammern die Gäste während ihres Aufenthalts wohnen werden.

Die große Frühjahrsparade über die in Berlin und Spandau garnisonirenden Truppeutheile, sowie über das Garde-Schützen- Bataillon und die Haupt-Cadetten-Austalt Groß- Lichterfelde fand Dienstag Vormittag um 9 Uhr auf dem Tempelhofer Feld vor Seiner Majestät dem Kaiser und König statt. Die Truppen er­schienen im Paradeanzug mit Gepäck, die Fuß- truppen in weißen Hosen, die Hoboisien, Regi-

Nachher aber gab's ein heilloses väterliches Donnerwetter. Der Vater schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser klirrten und der schlafende Spitz mit einem Satz zum offenen Fenster hinausfuhr:Kimmt mir dieser vürnehme Dingerich ämol in mei Gehäg, su schlag ich'a de Knochen kavuti" schrie er in echtem Oberharzisch, und Hanning weinte die bittersten Thränen. Es besserte auch nicht viel, daß die Mutter darauf hinwies, der gnädige junge Herr könne eigentlich nichts dafür, daß ihm jedes hübsche Mädchen gefalle, sei er doch in dem gefährlichen Alter, so zwischen 18 und 20 Jahren, und leider GotteS solle es ihm ja von klein auf an der Mutter ge­fehlt haben; wie die Leute sich erzählten, sei die Frau Mama des Junkers bei seiner Geburt ge- storben, und das arme Warm von Zangen mußte ohne mütterliche Erziehung aufwachsen; was dabei wohl besseres Herauskommen könne.Ich sollt'« nur in der Mache gehabt haben; wär sichern andrer K-rl aus'm gnädigen jungen Herrn geworden," schloß die tapfere Hausmutter ihre Auseinandersetzung.

Aber die Mühe der braven Frau war ver­geblich es blieb nach wie vor auf dem Neu­fang schlecht Wetter.

An einem trüben Novembernachmittag hatte der Junker abermals über Gebühr lange gesessen, ein Glas über daS andere getrunken, um sein Bleiben zu rechtfertigen und doch nicht daS leiseste Zipfelchen von dem hübschen Mädchen erspähen