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Herssel-er ItrisHatl

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Auterhaltungsklatt".

Nr. 68. SmuaLelld den 11. Juni 1882.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Hersfeld, den 8. Juni 1892.

Für den am 6. Juli 1876 geborenen George Conrad Mausehund zu Rohrbach ist umEnt- lassung aus dem preußischen Staatsverbaude be­hufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

J. II. 3674. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i v i tz.

Folitische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser hat mit den Herren seiner Begleitung am Mittwoch Abend 11 Uhr Kiel wieder verlassen und die Rückreise mittels Sonderzuges nach Potsdam angetreten. Am Donnerstag früh traf Allerhöchstderselbe um 6 Uhr 50 Minuten in Spandau ein, woselbst Se. Maje­stät sofort mit den Herren der nächsten Umgebung an Bord der bereit liegendenAlexaudria" ging, während die anderen Herren der Begleitung, nachdem dieselben sich bei Sr. Majestät abge­meldet hatten, von Spandau aus direkt nach Berlin zurückkehrten. Se. Majestät der Kaiser traf kurz vor 8 Uhr auf der Matrosenstation bei PotSdam ein, woselbst Ihre Majestät die Kaiserin zur EwpfaugSbegrüßung anwesend war. Nach gegenseitiger überaus herzlicher Begrüßung be- gaben sich sodann Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von der Matrosenstation auS zu Wagen gemeinsam nach dem Neuen PalaiS, woselbst Allerhöchstdieselben 8</2 Uhr Vormittags eintrafen. Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist trotz der großen Anstrengungen der letztvergangenen Reisetage das allerbeste. Bald

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Dir Märchenerzählerm.

Von Helene Pichler.

(Fortsetzung.)

Die beiden Männer standen sich jetzt gegenüber; der Forstmeister setzte die geballte Hand fest auf die Tischecke und sah dem Doktor grad iu's Gesicht.

Auch dann, selbst wenn das Unmögliche möglich wäre! Wilhelmine von Keilstein ist meine Tochter, ist der Sprößling meines alten Adels- geschlechteS, ist in unseren Anschauungen geboren und erzogen sie kaun Liebe ohne Ueberein­stimmung der LebeuSauschauungeu nicht als Brücke über diese Kluft betrachten."

Auch dann würden Sie die Weigerung aufrecht erhalten, wenn Ihre Tochter mich stark genug liebte um dennoch mein Weib zu werden?"

Auch dann!!"

Eindringlich, aber mit Haltung hatte der Arzt gefragt; mit bestimmtester Entschiedenheit, aber ruhigen Tones, der Forstmeister geantwortet. Eine kurze Verbeugung gegenseitig und Doktor Gerhard wollte das Zimmer verlassen. In der Tbür prallte er aber mit Herrn von Finkenhausen zusammen.

Die Beiden standen sich einen Moment gegen­über wie zwei Löwen, die aufeinander loSgehen

nach seinem Eintreffen im Neuen Palais erledigte der erlauchte Monarch sofort Regierungsange­legenheiten, hatte darauf im Laufe des Vor­mittages eine Konferenz mit dem Reichskanzler und arbeitete später mit dem Kriegsminister und demnächst mit dem Vertreter des beurlaubten Chefs des Militärkabinets Oberst v. Lippe.

Das Schluß bild der Kiel er Kaiser- zusammenkunft schildert dieKiel. Ztg." folgendermaßen: Gegen 9 Uhr begaben sich die Majestäten an Bord deSPolarstern", wo Kaiser Wilhelm noch eine Viertelstunde verweilte und sich dann von dem Kaiser Alexander verabschiedete. Inzwischen hatte dieZarewna" um 83/4 Uhr den Hafen bereits verlassen, eine Stunde später folgte derPolarstern", mit dem Z^ren und dem Groß­fürsten Thronfolger an Bord. Sämmtliche salut- fähigen Kriegsschiffe salutirten wieder. Das PanzerschiffBeowulf", auf dem sich der deutsche Kaiser befand, richtete seinen Scheinwerfer direkt auf die russische Kaiseryacht, deren Umrisse nun scharf von einem Silberscheiue übergossen hervor- traten. Die elektrischen App^.-te, welche jetzt auf allen Kriegsfahrzeugen in Thätigkeit traten, über­strahlten die buntfarbigen Signalapparate, die kurz vorher mit ihrem milderen Lichte einen so freundlichen Glanz verbreitet hatten. Als der Polarstern", dessen effektvolle Beleuchtung allge­meine Bewunderung erregte, bis zur Geschwader­linie gedampft war, prasselten auf einmal viele Hunderte von rothen und grünen Raketen empor und selbst die KaiseryachtHohenzollern" ließ eine Fülle dieser Leuchtkörper spielen. Es war ein Bild von bezaubernder Schönheit, wie es selbst in unserer Föhrde mit ihren so häufigen eigen­artigen Schauspielen nur selten gesehen wird und das dem Festtage einen so überaus würdigen Abschluß gab. Als tiefste Dunkelheit hereinge- brochen war, begab sich der deutsche Kaiser auf die NachtHohenzollern", auf welche die Matrosen­kapelle zu einer Serenade befohlen war.

wollen, dann gab's auch hier eine kurze förm­liche Verbeugung, und hinter dem Arzte schloß sich die Thür.

Junker Götz war duukelroth geworden; diese abermalige unvermuthete Begegnung mit dem Manne, den er am tiefsten haßte, trieb ihm das Blut zu Kopf.

Guten Morgen, Herr von Finkenhausen, nun? nun? was haben Sie denn mit dem Doktor vor­gehabt?" fragte Herr von Keilstein, dem es sehr willkommen war, daß er unter dieser Frage die eigene Seelen-Erregung verbergen konnte.

Und Junker Götz, der noch nicht die richtige Uebung im Verstecken seiner Gefühle erlangt hatte, stotterte wie ein ertavpter Schuljunge:O, nichts, aar nichts! Traf den Menschen nur vor einigen Tagen auf dem Weg zum Neufaug."

Ueber des alten Herrn Gesicht huschte ein bitteres Lächeln: Also einSolcher" war dieser Doktor Gerhard? Spielte sich als Menschen­freund und Volksbeglücker auf, aber verschmähte es daneben nicht, den schönen Töchtern des Volkes nachzugehen? Nun da war es ja doppelt gut, daß er hier in dem soliden Haute gründlich ab­geführt worden war. Daß Götzens verlegene Antwort keineswegs für den Doktor eine An­schuldigung enthalten hatte, daß sie vielmehr ein Ausfluß eigenen Schuldbewußtseins sein könne, erwog der alte Aristokrat nicht.

* *

Se. Majestät der Kaiser beabsichtigt, seine diesjährige Nordlandsreise von Kiel aus am 29. Juni anzutreten, nachdem er an den vor­hergehenden Tagen den dortigen Regatten beige­wohnt haben wird. Der Kaiser wird sich zunächst nach Bodoe zur Besichtigung des Saltenstroems und alsdann nach den Lofoten begebeu, wo derselbe Walfischjagdeu beiwohnen wird. Im Weiteren werden einige Fjords (Lagefjord, Rauenfjord) besucht und erfolgt alsdann über Drontheim der Besuch mehrerer dem Kaiser schon von früher bekannter Fjords, wie Norde- und Sognefjord, von wo die Reiseroute zurück nach Wilhelmshaven führt, wo Se. Majestät in den ersten Tagen des August eintreffen dürfte. ^Wann der Besuch des italienischen Köuigspaars am kaiserlichen Hofe zu er­warten ist, ist noch unbestimmt. Möglicherweise erleidet die Reise, die für die Zeit gegen Mitte Juni geplant war, durch die parlamentarischen Angelegenheiten, die den König Humbert noch au Rom fesseln, einen Aufschub, und es könnte sein, daß der Besuch, da Uv^r Kaiser den Juli über au der norwegischen Küste weilen wird, erst gegen den Herbst hin stattsände. Irgend welche politische Bedeutung wäre einer solchen, wie gesagt noch ungewissen Verzögerung durchaus nicht beizu- messen; die Beziehungen der beiden Herrscher­häuser sind so herzlich und das politische Ver­hältniß zu unseren italienischen Verbündeten ist so klar unb fest, daß es nicht darauf ankommt, zu welchem Termin der Besuch des italienischen KönigspaareS erfolgt.

Der Reichskanzler hat nochmals in einem Schreiben über den Plan einer Berliner Weltausstellung auf die Schädigungen Bezug genommen, die die Agitation für Berlin den Vorarbeiten für die Beschickung der Chicagoer Ausstellung zugefügt hat oder zuzufüaen drohte. Er wies darauf hin, daß vor 1896/97 zur Ver­wirklichung des Berliner Planes nicht die Rede

Als Doktor Gerhard die Forstmeisterei verließ, fand er drunten neben dem Garteneingange einen alten Mann, den Waldhüter Gottlieb sitzen, der hier auf Jemand zu warten schien.

Guten Tag, Alter, das ist aber wirklich keine Jahreszeit um im Freien Siesta zu halten! Kannst Dir bei der kalten Nebelluft wieder den schönsten Rheumatismus holen."

Der alte Graubart stand auf, rieb sich die steifgewordeven Glieder und stotterte:Kanu schon sein, Herr Doktor, aber die vornehmen Leut' müssen Vorgehen."

WaS? Du hast hier auf mich gewartet?"

A gute Stund, Herr Doktor!" erwiderte der alte Holzhauer.

Warum kamst Du denn nicht iu's Haus, um mich zu rufen? Sieh, Gottlieb, so macht ihr kleinen Leute mir das Leben schwer."

Sie waren ja beim Forschtmester, un da kamm ich nat ein," sagte Goltlieb-

Na, und wo sehlt'S Dir?"

Mir fehlt nischt; owar mei Mädel, der Gustell 's Mädel hat Kopfschmerzen und friert, daß 'm die Zähn klappern."

Rüstig schritten die beiden Männer auS, dem mooSbedeckten Häuschen deS alten Waldhüters zu, wo sich die junge Tochter GottliebS in wilden Fieberphautasteu auf einem ärmlichen Lager umherwarf und die Eintretenden nicht mehr erkannte.