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ferssdirr Kreisbl«!!.
Mit wSchmtlicher Kratir-Aeilage „Illugrirtes Auterhaltungsblatt^.
Nr. 72. Dimstag dm 21. Juni iM"
Domemellls-KMUg.
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Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreisblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bis 1. Juli 1892 gratis und franco zugesandt.
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Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 16. Juni 1892.
Der seitherige Bicebürgermeister Mohr zu Friedewald ist vom 15. d. M. ab zum commissa- rischen Bürgermeister dieser Gemeinde gemäß § 34 der Kreis-Ordnung ernannt uud verpflichtet worden.
A. Nr. 965. Der Königliche Landrath Freiherr v o n S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 4. Juni 1892.
DaS diesjährige Ober-Erfatz-Geschäft für den hiesigen KreiS findet am
Freitag den 24. Juni d. I.
von Morgens präcis 7 Uhr au und Sonnabend den 25. Juni d. J.
von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statt, und zwar gelangen zur Vorstellung:
a. am 24» Juni d. I»
1. die beim diesjährtHn Ersatz-Geschäft als dauernd untauglich« bezeichneten Militatr- pflichtigeu,
2. sämmtliche daselbst zum Landsturm 1. Aufgebots destgnirten Militairpflichtigen,
3. sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,
4. die zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,
5. die zur Zeit deS Ausbebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,
6. die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,
7. die gemäß §. 36 pos, 5 der Heerordnung zu berücksichtigenden Reservisten 2C.,
8. diejenigen beim Ersatz-Geschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist und
9. etwaige Zugänge.
b. am 25 Juni b. I.
sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militatrpflichtige, soweit sie nach Vorstehendem (a Nr. 8) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.
Die Herren OrtSvorstände der Stadt- und Landgemeinden, einschließlich der Herren Gutsvorsteher, deS hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen in Kürze zugehenden Vorladungen den betreffenden Militairpflichtigen alsbald auszu- bäudigen und mit den Letzteren in den besagten Terminen pünktlich zu erscheinen, ihnen auch zu eröffnen, daß die
jenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im MusterungSlokale nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 26 dezwse. 66 der Wehrordnung bezeichueten Verluste, sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.
Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Reklamationen, auf Grund deren taugliche Militair- Pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie Reklamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz- Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz-Com- mission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf deren Ar- beitS- oder Nichtarbeitsfäbtgkeit eS bei Beurtheilung der Reklamation ankommt (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) im Termin mit zu erscheinen haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung äst betreffenden Reklamationen nicht stattfiuden kann.
Die Herren Octsvorstäade haben daS Vorstehende in ihren Gemeinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Auge- hörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen ha b en.
Sodann sind dieselben noch anzuweisen, die in ihren Händen befindlichen LoosungSscheine mit zur Stelle zu bringen, widrigenfalls der Betrag von 50 Pfg. für die Ausstellung eines Duplikat- Scheines gezahlt werden muß.
J. II 1349. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e i u i tz.
Die Marchenerzählerin.
Von
Helene Pichler.
(Fortsetzung.)
AlS die Sonne begann den Weg in die tiefsten Thäler zu finden und der Thauwind über die Berge strich, schlich jung Hauniug wirklich einem Schatten gleich im Hause umher. Ihr frohes Lachen war gänzlich verstummt und nur widerwillig bequemten ihre Hände sich zur Arbeit. Aber sie mußte arbeiten, der Vater litt eS nicht, daß sie dumpf brütend in den Ecken saß, und er störte sie auf, sobald er sie vermißte und jagte sie an irgend ein Werk. Häufiger denn je kam es zu ärgerlichen Auftritten in der kleinen Familie, Hanving murrte, der Vater schalt und die Mutter vermittelte und begütigte vergebens. Gänzlich schien daS Glück gewichen, sogar die anfahrenden Bergleute mieden jetzt das Gaststübchen, in dem eS zum Trunk nur trübselige Gesichter gab.
Auf Rath Doktor Gerhards hatte sich ein Mal der Sänger-Ludwig mit seinem Feststaat angethan auf den Weg gemacht zum Gerichte nach KlauS- thal, um Kundschaft über den Bestand der Sache deS starken August einzuholen und bei den Herren von der Justiz ein bittendes Wort um Beschleunigung zu sprechen. Manche Woche war seitdem vergangen, aber eS verlautete noch immer nichts über die Vornahme der Angelegenheit und
I ein Familienglück ging derweil zu Scherben.
«Nun, wie gehts, alter Freundrief Gerhard dem alten Bergmann entgegen, der stramm des WegeS kam und seinen Stock so derbe aufsetzte, alS gelt eS mit jedem Schritt einen Feind zu durchbohren.
«Umsonst!* knurrte der Alte durch die Zähne und ging hastig weiter.
* * *
Noch in einem anderen Hause saß das Leid mit eisernen Klammern fest, in der Forstmeisterei. Zwar schritt die körperliche Genesung Wilbel- minenS langsam vorwärts, doch ihr Gemüth schien gebrochen, ihr Geist verdunkelt. Zwar klagte sie nicht, gab auch kein Zeichen von direkter geistiger Störung, aber sie blieb in der schweren Apathie, welche während der Krankheit ein Hauptmerkmal derselben gewesen. Tag für Tag saß das müde Mädchen mit blassem Antlitz im Sessel am Fenster, schaute auf die Kinderschaaren, die mit Schneebällen und Schlitten die letzten Freuden deS erweichenden Schnees auskosteten. Aber kein Lächeln belebte dies Antlitz, kein Zug sprach von wiederkehrender Lebensfreude.
Trostloses Entsetze» im Herzen, wendete Frau von Keilstein den ganzen Scharfsinn ihrer mütterlichen Liebe auf, die immer tiefer in Schwermuth Versinkende zu retten. Umsonst! Wenn Herr von Keilstein sich unbeachtet wußte, rang er in qualvoller Ohnmacht die Hände und flüsterte:
Lieber todt als im Irrenhause! Der Medicinalrath selber schüttelte das Haupt und meinte: Es muß daS Gehirn gelitten haben!
Je höher die Sonne stieg, um so mehr nahm die Gewalt der Epidemie ab. AlS mit Frühlingsanfang unter grauen Schneestreifen die ersten Schneeglöckchen sich hervorwagten, war der Bann vollends gebrochen; nur ein halbes Dutzend Rekonvalescenten befanden sich noch unter Doktor Gerhards Händen. Dieser benutzte die ersten warmen Tage, um seinen irdischen Menschen auch mal gehörig zu erfrischen und auszulüften. Eben hatte er auf einem Spattergange den Sänger- Ludwig gesprochen, nun begegnete er der alten Zwergin auf der Landstraße.
«Ei, ei, Weberstüusel, wohin deS Weges § Bist Du Andreasbergs überdrüssig geworden durch das Kompaguiegeschätt mit mir?*
Weberstüusel wickelte ihre Hand auS dem Mäntelchen los und reichte sie dem Doktor.
«Woll'u S' mich als Doktor in d'Lähr uamma? I ha ho ntscht dorbt," sagte sie lachend. Dann erzählte sie, daß die gnädige Frau Forstmeister in eigener Person bet ihr gewesen sei und sie eingeladen habe, morgen Nachmittag dem kranken gnädigen Fräulein zu erzählen. Es müsse aber etwas recht Unterhaltendes und Lustiges sein, denn das Fräulein sei immer traurig und «Se wissen doch, daß eS da mit den Freilein nett vom besten sticht?*