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Htlsst!-er Kreishilltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illugrirtes Auterbaltungsklatt".
Nr. 77. Sonnabend den 2. Juli 1882.
Erstes Blatt.
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Amtliches.
Berlin, den 24. Mai 1892.
In Ergänzung unseres Erlasses vom 23. Februar 1886, betreffend die Mittheilung von Abschriften der Unfallanzeigen an die GewerbeaufsichtSbe- amten, bestimmen wir, daß den Gewerbeaufsichts- beamten durch die Ortspolizeibehörden Abschriften der Unfallanzeigen in Zukunft nur für solche Betriebe übersandt werden, die der Beaufstchtiguug jener Beamten unterliegen.
Die Mittheilung von Abschriften der Unfallanzeigen hat hiernach fortan zu unterbleiben:
I. für die land- und forstwirthschaftlichen Betriebe,
II. für die Betriebe, die folgenden gewerblichen BerufSgenoffenschaften angehören:
1. der Knappschafts-BerufSgenoffenschaft,
2. der BerufSgenoffenschaft der Schornsteinfeger- meister,
3. der Fuhrwerks-Berufsgeuossenschaft,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Die MärchrnerrShteri«.
Von Helene Pichler.
(Schluß.)
Da stand es ja, schwarz auf weiß! Die Buchstaben verschwanden nicht, also mußte eS Wahrheit sein.
Die Fahrt nach KlauSthal ward ausgeführt. Unterwegs erfolgte die erste herzliche Zwiesprache der beiden trefflichen Männer. Beide hatten zu beichten, beide hatten abzubitten, und das Ende war, daß sie sich die Hände schüttelten und sagten, »also von heute au gehen wir zusammen! Vater und Sohn," ehe sie in daS große Amtsgebäude zu KlauSthal eintraten.
Die Herren hatten gar viel zu thun mit Besuche machen und Unterredungen mit hohen Beamten. Gerhard fühlte sich einigermaßen alS fünftes Rad am Wagen, doch that er mit, weil Herr von Ketlstein es wünschte. Nur bet dem Berghauptmann selber ließ sich Herr von Ketlstein allein zu freundschaftlichem Besuche anmelden. AlS er mit Gerhard wieder zusammentraf und sie sich zur Heimfahrt rüsteten, rieb er sich vergnügt die Hände und sagte: »AlleSerreicht, den HetrathScovsenS hat der Bergaffeffor unter meinen eigenen Augen auSfertigen müssen, daS Papier wird morgen auf dem »Neufaug" durch den Gerichtsboten eintreffen. Auch wird der starke August tu den nächsten Tagen aus feiner
4. der 'Westdeutschen und der Ostdeutschen Binnen- und der Elb-Schifffahrts-Berufs- genossenschaft,
5. der Seeschifffahrts-Berufsgenossenschaft,
6. der Privatbahn-Berufsgenossenschaft,
7. der Straßenbahn-Berufsgenoffenschaft;
zu 6 und 7 jedoch mit dem Vorbehalte, daß den Gewerbeaufstchts ° Beamten von denjenigen Unfällen Mittheilung zu machen ist, die sich im Werkstätten-Betriebe ereignen.
Der Minister Der Minister
deS Innern. für Handel und Gewerbe.
I» Vertretung: In Vertretung: gez. BraunbehrenS. qez. Lohmann.
An den Königlichen Regierungs-Prästdenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Caffel. B. 4641. M. f. H. I. A. 4636. M. d. I.
* * *
Caffel, den 20. Juni 1892.
Abschrift vorstehenden ErlaffeS erhalten Ew. Hochwohlgeboren zur gt1-::"’^ Kenntnißnahme und mit der Veranlassung, du Ortspolizeibehörden Ihres Bezirks mit entsprechender Anweisung zu versehen.
Der Regieruvgs-Prästdent.
I. V.: v o u P a w e l.
An die sämmtlichen Königlichen Landräthe des RegierungS-Bezirks. A, II. 5168.
* * *
HerSfelv, den 30. Juni 1892.
Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
I. 4281. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 28. Juni 1892.
Zur Herbeiführung einer Controle darüber, ob die in den gewerbliche» Betrieben der Landge- meindea des Kreises beschäftigten versicherungs- pflichtigen Personen sämmtlich zur Ortskrankenkasse
langen Untersuchungshaft entlassen werden. Seine Rauflust wird hoffentlich abgekühlt sein, zumal er nun Hochzeit machen kann. Hanuivg mag den Starken dann vollends zähmen. Bist Du zufrieden, mein Sohn?"
Gerhard machte eine hastige Bewegung, als wolle sein Mund die Hände deS alten Herrn berühren. Er that es aber nicht.
* * *
Der Hochzeitstag mit seiner wehmüthigen Freude war verrauscht. In ihrem Heim standen die Neuvermählte» am Fenster und ließen die goldenen Fluthen des Vollmonds über sich her- niederrieseln. .Du bist ein Zauberer, Liebster, sage mir, wie Du den Sinn des VaterS wenden, wie Du unser Glück schaffen konntest?" flüsterte Wilhelmine.
Gerhard lachte und küßte sein Weib auf den schämigen Mund.
»Nicht ich war der Zauberer unseres GlückS, sondern Weberstüusel. Doch ich darf nicht aus der Schule plaudern."
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Hag von S. Mus.
Historische Erzählung
von Ernst von Waldow.
I. Kapitel.
Die Verschwörung.
Ein bunter Maskenzug bewegte sich lachend und
angemeldet sind, erhalten die Herren OrtSvor- stände die Weisung, mir biS zum 8. Juli d. Js. ein Verzeichniß der in der Gemeinde wohnhaften Arbeitgeber unter Namhattmachung der von diesen beschäftigten Gesellen, Lehrlingen rc. eiuzuretchen.
J. I. 4255. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 29. Juni 1892.
Gemäß §. 75 des Reichsgesetzes vom 22. Juni 1889, betreffend die Jnvaliditäts- und Altersversicherung wurden im Ganzen biS jetzt an z w e i - und sechzig Personen des hiesigen Kreises Altersrenten mit einem Jahresbetrage von zusammen 7443,60 Mk. bewilligt. Hiervon entfallen 5275,20 Mk. auf 42 männliche und 2168,40 Mk. auf 20 weibliche Personen.
Die geringste Rente beträgt 106,80 Mk., die höchste 191,40Mk. Invalidenrente wurde biS dahin nicht "währ^,
I. Nr. 4313. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
HerSfeld, den 27. Juni 1892.
Der Bürgermeister Liugemannzu Philippsthal ist als Ortsschätzer für die dasige Gemeinde verpflichtet worden.
J. I. 3901. Der Königliche Landrath ______________Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 28. Juni 1892.
Der Bäcker und Gastwirth Peter Heil dahin ist als Ortsschätzer-Stellvertreter für die Stadt Hersfeld verpflichtet worden.
I. I. 3728. Der Königliche Landrath
__Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 29. Juni 1892.
Der am 29. Januar 1869 zu Stedtfeld, Groß- herzogthum Sachsen-Wrimar-Eisenach, geborene Schlaffer Ernst Löffler zu Friedewald hat um
singend über die Rialto-Brücke, welche damals nur aus Holz gefertigt war; denn man feierte in Venedig den Karneval des Jahres 1310 und hatte noch keine Ahnung, daß dereinst ein steinernes Wunderwerk an dieser Stelle den Canal gründe Überdrücken werde.
Der Karneval ward übrigens nicht so festlich begangen wie sonst in der prachtliebenden Lagunen- stadt, denn schwer lastete der Bannfluch deS Papstes auf der Republik, deren Wohlstand er schädigte, indem Venezianische Schiffe im Auslande, als gute Beute erklärt wurden, dazu daS Geld" und Gut der Venezianer.
Zudem war seit fast einem Jahre der kaum geendete Krieg gegen Ferrara neu entbrannt vnd drohte diesmal einen schlimmen Ausgang zu nehmen, da eine Seuche unter den Venezianische» Truppen auSgebrochen war und ärger wüthete alS die feindlichen Waffen.
Vielleicht wollte die Volksmenge sich betäuben im Bestreben, die allen gemeinsam drohende Gefahr zu vergessen, denn je näher die Mitternacht heranrückte, je lärmender wurde der VolkShaufe, je ausgelassener besten Späße.
In kleinen Zwischenräumen theilten ganz schwarz gekleidete und wohlverhüllte MaSken den Strom der bunten Menge, an deren Späße» sie wenig Gefallen zu finden schienen.
Diese schwarzen Dominos schienen alle uvr einen Weg zu haben und zwar suchten sie so eilig alS möglich über die Rialtobrücke zu schlüpfen, um bann, am andern Ufer des Kanals augelangt,