Einzelbild herunterladen
 

«rrfcheiM wöchentlich drei Mal Dienstag. Donnerstag und Sonnabend.

AbonnementSpreis yiertelfährlich 1 Mark 40 Pfg.'»K>.I. ilostanfschlaa.

Die Jnftrtionsgebührm betragen für dm Raum einer Spaltzeile

10 M., im amtlichen Theilt 15 M.

Reklamen die Zeile 20 Pfg.

toi grSßeren Aufträgen entfprechender Rabatt.

HerssMr Kreisbliitt

Mit wöchmtlicher Kratü-AellageIllukrirte« Antertzaltungsklatt".

Nr. 80.

Sonnabend den 9. Juli

1892.

Erstes Blatt.

DoNkmeck-IlllllhUg.

Bestellungen auf das Hersfeldrr KretsMatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllnstrirtcs Nntcrhaltungs-Blatl" pro III. Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld', deu 5. Juli 1892.

Die von der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden zur Veröffentlichung mitgetheilte Nummernliste der verlosten und zum 1. Januar 1893 gekündigten Schuldverschreibungen der Staatsanleihe von 1868 rc. liegt iu den Ge. schäftslokalen des Landrathsamtesund der Steuer- kassen während der Dienststunden zur Einsicht der Interessenten offen.

Zugleich wird auf die diese Nummernliste be- treffende Bekanntmachung obiger Behörde vom 3. v. Mts., abgedruckt im Regierungs-Amtsblatte für 1892 Seite 149 uud besonders auf die darin enthaltene Aufforderung, betreffend die Einlösung der von den früher gekündigten Schuldver­schreibungen der Staatsanleihen von 1868 A. 1850, 1852, 1853 und 1862 noch rückständigen Stücke, ferner auf die Aufforderung zum Umtausch der noch rückständigen Schuldverschreibungen der konsoltdirteu 4«/zprozentigen Staatsanleihe in

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Hag von S. Wtus.

Historische Erzählung von Ernst von Waldow.

(Fortsetzung.)

Da ward die Thür geöffnet und Bianca er- blickte die Gestalt eines ritterlichen Mannes vor sich, wie sie solche selbst in ihren phantastischen Träumen nicht gleich schön und hehr geschaut der Ritter war Bojamonte Tiepolo, ein Ver­wandter der Quirtui, der Meffer Marco zu be­suchen kam.

Die Blicke der Beiden begegneten sich und Bojamonte, gefesselt durch den Liebreiz des Mädchens, das ihn so traumbefangen anblickte aus großen schwarzen Augen, hemmte unwill­kürlich den Fuß und fragte die Harrende nach ihrem Begehr.

Schüchtern ward ihm Antwort und nun trat er zu dem Körbchen und durchwühlte lächelnd den Inhalt. Eine besonders kunstvoll gearbeitete Spitze schien ihm zu gefallen, er bestellte davon zur Zier eines Festgewandes und nachdem er Name und Wohnung der geschickten Verfertigerin so schöner Waare erkundet, schritt er mit kurzem Gruße und einem langen Blick aus seinen leuchten­den Augen auS dem Gemache.

Diesen Blick aber vermochte Bianca nicht zu vergessen, wachend und träumend sah sie ihn uud

4prozentige Konsols hierdurch aufmerksam ge­macht.

I. Nr. 4397. Der Königliche Laudrath Freiherr v o u S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 8. Juli 1892.

Im Anschluß an meine Verfügung vom 24. v. M. I. 3995 im Kreisblatt Nr. 75, be­treffend die Sonntagsruhe im HandelSgewerbe veranlasse ich die Herren Ortsvorstände bis zum 15. d. MtS. auher zu berichten:

1) Welche Zeit von Ihnen als die die zuge- laffene Befchäftigungszeit von 7 Uhr Vor­mittags bis 2 Uhr Mittags unterbrechende Pause für den Haupt-Gottesdienst festge­setzt ist,

2) daß die Festsetzung dieser 2 Stunden, sowie die hauptsächlichsten hier in Betracht kom­menden Bestimmungen des Reichs-Gesetzes vom 1. Juni 1891 (Ges. S. für 1891 Seite 262 u. s. w.) also namentlich die §§. 41a, 105b Abs. 2 und 146a, sowie die Ausfüh. rungs-AnWeisung und die Bestimmungen des Reg.-Prästdeuteu (Kretsblatt Nr. 75 für 1892) in Ihren Gemeinden öffentlich bekannt ge­macht worden sind.

Sollte eine derartige öffentliche Bekanntmachung noch nicht erfolgt sein, so muß solches alsbald geschehen.

I. 4484. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

Homberg, den 4. Juli 1892.

Königliches Landrathsamt benachrichtige ich ergebeust, daß unter dem Rindvieh:

1. des Hülfsbahnwärters Justus i Rudolph | zu Remsfeld

2. des Landwirths Eckhard Apel s die Maul- uud Klauenseuche ausgebrochen ist. Der Landrath v. Gehren.

An Königl. Laudrathsamt zu Hersfeld. Nr. 5490.

* *

selbst die Schönheit der goldlockigen Andriana, die bald erschien und die Pracht ihrer Gewandung konnte sie nur flüchtig fesseln.

Frau Benedetta genas und Bianca konnte nun mit vollem Eifer an die Lösung der ihr von dem Ritter gestellten Aufgabe gehen.

So sorglich und schön waren noch keine Man­schetten, noch kein HalSkragen gefertigt worden und manch' zärtlicher Wunsch, manch' verstohlener Seufzer wurden bei der Arbeit ausgestoßen sogar eine, dem schwarzen Auge entrollte Perle seuchtete das vollendete Kunstwerk. Würde der Ritter es abholen dachte er noch des schlichten Mädchens oder hatte er die kleine Spitzen- klöppleriu ganz und gar vergessen?

Rein Bojamonte Tiepolo hatte die anziehende Erscheinung des jungen Mädchens nicht vergessen, auch wünschte er die schnell geknüpfte Bekannt­schaft noch aus anderen Gründen fortzusetz-u. Er galt als ein Freund des Volkes und in der That ward er von Vielen bewundert und geliebt wegen seiner Schönheit, ManueSkühnheit uud Freigebigkeit.

Dem ehrgeizigen Manne aber schwebte seit Jahren nur ein Ziel vor und das war der Sturz Pietro Gradenigo's des Dogen, der die Würde inne hatte, welche mau dem Jacopo Tiepolo ge­nommen. Den Vater zu rächen und sich selbst zur höchsten Macht im Staate aufzuschwingen, das war Bojamonte's Streben.

Der stolze Nobili trat eines Abends tu das

Hersfeld, den 6. Juli 1892. Wird veröffentlicht.

I. 4439. Der Königliche Laudrath Freiherr von Schleinitz.

Faktische Nachrichten.

Von der R e i s e d e 8 K a i s e r S liegen fol- gende Meldungen vor: B o d ö, 6. Juli. Sr. Majestät Schiffe «Kaiseradler- und «Siegfried- sind bet prachtvollem Wetter heute Nachmittag um 2 Uhr in Bodö eingetroffeu. Nach zwei­stündigem Aufenthalt erfolgt Weiterfahrt nach Digermuleu. Digermuleu, 6. Juli. S. M. S. «Kaiseradler- und «Siegfried- fiud bet prachtvollem Wetter heute Abend um 9 Uhr in Digermuleu eingetroffeu. Au Bord AlleS wohl.

Am 7. d. Mts. vollendete P r i u z Eitel Friedrich, der zweite Sohn des Kaiserpaares, fein neuntes Lebensjahr. Zur Feier deS Tages hatten in Berlin und Potsdam die königlichen und prinzlichen Palais Flaggeuschmuck angelegt. Das Musikkorps des Leib-Garde-Husaren-Regi- meuts brächte der kaiserlichen Familie, welche sich gerade beim Frühstück befand, eine solenne Morgeumusik dar. Die Glückwünsche zu seinem Geburtsfeste waren dem Prinzen schon vorher dargebracht worden. Später fand im Neuen Palais, zur Feier des Tages, noch eine Kinder« gesellschaft statt, zu welcher vornehmlich Söhne der hohen Aristokratie und der Hofgesellschaft geladen waren. Mittags erschien auch die Erb« Prinzessin von Sachsen - Meintugen mit der Prinzessin Tochter Feodora, um an dem Fest­tage Theil zu nehmen.

Wie das »Militair-Wocheublatt- amtlich mel­dete, ist in den A r m e e i u s p e k t i o u e u eine Aenderung eingetreten, indem Generalfeldmar­schall Gras B l u m e u t h a l in seiner Eigenschaft als Generalinspekteur von der 4. zur 3. Armee- inspektion (Standort Berlin) versetzt und die 4.

Wittwenstübchen Frau Benedetta's und wieder ruhten die Blicke seiner wunderbar leuchtenden Augen auf der erröthenden Bianca. Er sprach gütig mit ihr, lobte die feine Arbeit uud scherzte mit deu Frauen, nachdem er in blanken Dukaten reichlich bemessene Löhnung gespendet.

Als Bojamonte geschieden war, sprach Frau Beuedetta kein Wort zu der in tiefe Träumerei versankeuen Tochter, stumm und verschlossen brütete sie vor sich hin. Anderen Tages aber trat sie zu Bianca und deren Hand ergreifend sagte sie kurz und hart:

«Du liebst den Ritter Bojamonte Tiepolo doch merke wohl auf: sein Gemahl kannst Du nicht werden, Du, ein niedrig geborenes Mädchen, hüte Dich d'rum, auf daß seine Unehre noch Unheil daraus erwachse. Am besten wäre eS, Du würdest eine Sposa di Dio (Braut Gottes), wie Du früher ersehnt!*

Bianca hatte nur stumm und flehend die Hände gefaltet und dann schweigend das Gemach verlassen. Bekümmert blickte die Mutter ihr nach, das träumerische Wesen des MädSenS hatte sie längst beunruhigt jetzt kannte ste die Ursache desselben.

Als bald darauf Bojamonte wieder in das Gemach der Wittwe trat, fand er Frau Benedetta allein und sie beschwor ihn mit beredten Worten, ihr Kind nicht unglücklich zu machen und jede weitere Auuäherung zu unterlassen.

Bojamonte war bestürzt, er begehrte Bianca