Erscheint wöchentlich drei Mai Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Wonnementsprei« oiertelisthrlich 1 Mark 40 Pfg, exel, Postanfschla«.
Dir Zk>serttsnsgMhrm betragen für den Raum einer Spaltzelle 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
«ei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Kersstliiel Kreisbilltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illukrirtes Auterijaltungsölatt".
Nr. 81. Dienstag den 12. Juli 1892.
DMMlls-LMung.
Bestellungen auf das Hersfeldrv Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtcs Unterhaltungs-Blatt" pro III. Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Poftanstalten, Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Berlin, den 11. Juni 1892.
Brikanutmachnug
Wegen Ausreichung der ZinSscheine Reihe IV zu den Z'/g °/oigeu PrioritätS-Obligationen III Serie Lit. B der Bergisch-Märktschen Eisenbahn und der ZinSscheine Reihe V zu den 4*/a °/«>igen Prioritäts-Obligationen derHomburger-Etseubahu von 1860.
Die ZinSscheine Reihe IV Nr. 1 biS 20 zu den 3*/2 o/oigen Prioritäts-Obligationen III Serie Lit. B der Bergisch-Märkischev Eisenbahn über die Zinsen für die Zeit vom 1. Juli 1892 bis 30. Juni 1902, nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe sowie die ZinSscheine Reihe V Nr. 1 bis 16 zu deu 4*/, "/„igen Prioritäts-Obligationen der Hamburger Eisenbahn von 1860 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Juli 1892 bis 30. Juni 1900 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden vom 27. Juni d. J. ab von der Kontrolle der StaatSpaptere Hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Der Hag von S. Wt«s.
Historische Erzählung
von
Ernst von Waldow.
(Fortsetzung.)
Der fremde Besucher, eben im Begriff die Aus- gavgStbür z. öffnen, wandte sich noch einmal zu Frau Bene^ta um, die starr und geisterbleich ihm nachblickte, und rief:
„Bewahret das Geheimniß zum Danke, daß ich Euch die Wahrheit verkündet!" - Dann eilte er hinaus.
Mutter und Tochter blickten einander an, endlich brach Bianca das unheimliche Schweigen und fragte, schlimmer Ahnung voll:
„Wer war der Fremde, Mutter, und was war sein Begehr?"
„Böse Kunde brächte er,* erwiderte tonlos die alte Frau — „seinen Namen kenne ich nicht, doch daß eS wahr sei, was er verkündet, sagt mir mein ahnend Gemüth."
„Mutter — geht es Bojamontr au — droht ihm Gefahr?-
„Thörichtes Mädchen, das sich sorgt um Einen, der Deine Liebe nicht verdient und sie mißachtet."
„DaS thut er nicht, wenn er mich auch Der« nachlässige seinen Plänen, seiner ernsten Arbeit- — vertheidigte Bianca warm den Geliebten.
Die Wittwe lachte voll Bitterkeit - die Ver-
blenduug der Tochter ließ sie plötzlich Worte finden, den Armen die furchtbare Mittheilung zu machen, die Hand erhebend rief sie zornig:
„Der Elende, er hat ein Gaukelspiel mit Dir getrieben, sein Eheversprechen war eitel Lüge, denn gestern hat Marco Qairiut verkündet, daß er Bojamonte Tiepolo die Hand seiner Tochter versprochen!"
„Andrtana — die Braut Bojamonte's — unmöglich!" stammelte Bianca.
„Fasse Dich und vergiß einen Unwürdigen1*
„Vergessen — ihn vergessen? Nur dann, wenn mein Auge sich geschlossen für ewig, mein Herz den letzten Schlag gethan hat," hauchte Bianca und sank in die Arme der tödtlick erschreckten Mutter, die den starren Körper der Ohnmächtigen mit großer Anstrengung auf ein Lager bettete und alle möglichen Mittel anwendete, um die Besinnungslose in das Leben zurückzurufen.
Endlich gelang es, doch mit irrem Ausdruck starrte sie vor sich hin, ihr Kopf glühte und unheimlich glänzten die großen, dunklen Auaen.
Frau Beuedetta, welche die Nacht schlaflos am Bette ihres Lieblings zugebrächt und der Kranken allerlei kühlende Getränke bereitet hatte, ohne doch damit die Gewalt des Fiebers zu brechen, eilte in der Frühe des nächsten TageS zu einem Arzte, der auch alsbald erschien und mit sehr bedenklicher Miene den Puls der Kranken prüfte, die in wilden Phantasten lag und von ihrer Umgebung nichts zu wissen schien.
Wochen vergingen, nur zuweilen hatte die arme
Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jeden Monats, ausgereicht werden.
Die ZinSscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regterungs- Hauptkaffen, sowie in Frankfurt o/M. durch die Kreiskaffe bezogen werden. Wer die Empfang- nahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Ztusscheinavwetsungeu mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine uumerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Fall erhalten die Einreicher daS eine Exemplar mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der AuSreichung der neuen ZinSscheine zurückzugeben.
In Schriftwechsel kann die Kontrolle der StaatSpaptere sich mit den Inhabern der Zivsscheinauwei- sungen nicht ein lassen.
Wer die ZinSscheine durch eine der oben genannten Provinztalkaffen beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bet Aushändigung der Zins- scheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzial- küssen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Erreichung der Prioritäts-Obligationen bedarf es zur Erlangung der neuen ZinSscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen ab
handen gekommen sind; in diesem Falle sind die Obligationen an die Kontrolle der StaatSpaptere oder an eine der genannten Provinzialkaffen mittels besonderer Eingabe einzureichen. Königliche Hauptverwaltung der Staatsschulden.
I. 1580. (gez.) v. Hoffmaua.
Cassel, den 20. Juni 1892.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungs'Hauptkasse und den Steuerkassen des Regierungsbezirks verabreicht werden.
Königliche Regierung. Rothe.
K. 1160.
Nachstehende Bekanntmachung des Herrn Finanz- Ministers vom 1. Juli d. I. wird hierdurch zur Kenntniß der betheiligten Gewerbetreibenden gebracht.
Caffel am 2. Juli 1892.
Königliche Regierung, Abtheilung für dir. Steuern, Domaineu u. Forste«.
Blobel.
Bekanntmackuna.
Auf Grund der §§ 2, 28 unb57 Nr. 2 deS Gewerbesteueraesetzes vom 24. Juni 1891 (Gesetz- Samml. S. 205) bestimme ich hiermit Folgendes:
1) Juristische Personen, Aktiengesellschaften, Commanditgesellschaften auf Actien, eingetragene Genossenschaften und alle zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichteten gewerblichen Unternehmungen haben in der Zeit
vom 15. b i S 30. September d. I.
— und fernerhin alljährlich — ihre Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse des letzten Geschäftsjahres, sowie darauf bezügliche Beschlüffe der Generalversammlung derjenigen Königlichen Regierung einzureichen, in deren Bezirk daS Ge-
Bianca lichte Augenblicke gehabt, in denen fie ihre Mutter erkannt und mit matter Stimme ihr zu danken vermochte. Die trostlose Frau hatte schon beinahe alle Hoffnung auf Wtederge- nesung der Tochter aufgegeben, als der Arzt die Möglichkeit der Rettung in AuSsicht stellte, falls kein aufregender Zwischeufall eintreten würde.
Das Fieber ließ nach und etu Zustand todte«- ähnlicher Mattigkeit folgte; eine Nachbarin fand sich ein, die in den schlimmen Tagen der Wittwe oft mit Rath und That beigestandeu, sie erbot sich auch heute wieder bei der Kranken zu wachen, da Frau Benedetta gestern davon gesprochen daß sie einen wichtigen Gang vorhabe, den sie thun müßte, sobald es möglich sei, Bianca auf mehrere Stunden zu verlassen.
Einen Moment zögerte Frau Beuedetta überlegend, dann heugte sie sich über daS Lager der Ruhenden und ^überzeugte sich, daß diese ent« schlummert sei. Sie wußte auS Erfahrung, daß solch' ein Schlummer stundenlang dauere, denn er war tief und fest, da die erschöpfte Natur Heilung darin suchte, Leise drückte sie einen Kuß auf die weiße Sttru der Kranken und entfernte sich dann geräuschlos. Ach, die unglückliche Mutter ahnte nicht, daß es ein Abschiedskuß gewesen, den sie auf ihres Kindes Stirn gedrückt.
Das Körbchen mit Spitzen gefüllt am Arm, ein schwarzes Seidentuch, daS sie nur bei festlichen Gelegenheiten zu tragen pflegte, um die Schultern geschlungen, so verließ Frau Beuedetta das Haus, nachdem sie noch vorher die hilfbereite