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Hersstl-er SmsHfitt

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Rr. 84.

Dienstag den 19. Juli

1892.

Amtliches.

HerSfeld, den 15. Juli 1892.

Die Herren Standesbeamten des Diesigen Kreises werden Hierdnrch davon benachrichtigt, daß die seitens des Königlichen statistischen Büreaus fest­gestellten Kopialienevtschädiguugen für die im Rechnungsjahre 1891/92 ausgestellten und einge- reichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle zur Zahlung angewiesen sind und, wenn die Abhebung derselben bei den Königlichen Steuerkassen nicht binnen 4 Wochen erfolgt ist, portofreie Zusendung derselben durch die Post erfolgen wird.

I. 4600. Der Königliche Landrath

Freiherr vou Schlei»itz^

Unter der Schafheerde der Rockenstühler Schäferei zu GeiSmar ist die Maul- und Klauenseuche auS- gebrochen.

Dermbach, den 13. Juli 1892.

Der Großherzoglich S. BezirkSdirektor.

HerSfekv, den 15. Juli 1892.

Wird veröffentlicht.

I. 4621, Der Königliche Laudrath Freiherr von S ch l e i v i tz.

Homberg, den 14. Juli 1892.

1 Königliches LaudrathSamt benachrichtige ich er» gebeust, daß unter dem Rindvieh

1. der Wittwe des Joh. Heinrich Schwarz

2. des Jacob Stippich

3. des Heinrich Mentel

die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen ist.

Der Laudrath v. Gehren.

Au Königl. LaudrathSamt zu HerSfeld. Nr. 5904.

HerSfeld, den 16. Juli 1892.

Wird veröffentlicht.

I. 4642. Der Königliche Landrath Freiherr vonSchleinitz.

Der Tag von S. Mus.

Historische Erzählung von

Ernst von Waldow.

(Fortsetzung.)

Wie betäubt hörte Andriana zu, ste vermochte auch nicht ein Wort zu erwidern, war doch zu jäh und unerwartet deS Schrecklichen so viel über . ste gekommen, sie sah nur noch, wie Benedetta sich von ihr wandte, hörte noch die drohenden Worte, welche sie zu ihrem Gatten sprach, bann bedeckte ste schaudernd die Augen mit der Hand, als könne sie so die Bilder eines furchtbaren TraumeS verscheuchen.

Benedetta aber verließ den Festsaal, nachdem sie dem niedergeschmetterten Manne zugerufeu:

ES wird ein Tag kommen, Bojamonte Tiepolo, wo ich mit Euch rechten und Ersatz begehren werde für daS Leben meines dahin gemordeten KindeS!"

, Eine lange, bange Pause entstand nach Bene- detta's Entfernung. Andriana war eS, die sich zuerst faßte, und daS Haupt erbebend fragte:

»Gebt mir doch Auskunft, Messer Bojamonte, ob jene Frau recht hatte, da sie ihr todtes Kind Eure Braut nannte

Ein Seufzer, fast wie ein Aechzen, entrang sich der Brust deS sonst so muthigen ManneS und er erwiderte:

Homberg, den 14. Juli 1892.

Königliches Landrathsamt benachrichtige ich unter Bezugnahme auf mein Schreiben vom 21. v. MtS. Nr. 5068 ergebeust, daß die unter dem Rindvieh:

1) der HaudelSleute Feibel und Jsaac Gold­schmidt zu Mühlbach,

2) deS Ackermanns Konrad Körber zu Remsfeld ausgebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist.

Der Laudrath v. Gehren.

An Königl. LaudrathSamt zu Hersfeld. Nr. 5920.

* *

Hersfeld, deu 16. Juli 1892.

Wird veröffentlicht.

I. 4641. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Vom Kriegervereinswesen.

Nach den letzten Kriegen, ganz besonders nach dem deutsch-französischen, in dem das Gefühl für ein einiges großes deutsches Vaterland dessen wehrhafte Söhne zu den größten Thaten fähig machte, war es ein natürlicher Gedanke, daß die alten Krieger, die in Freud und Leid des Kampfes zu einander gestanden hatten, aoch nach Nieder- legung der Waffen den Geist der Zusammenge­hörigkeit, der Vaterlandsliebe, der Treue zu Kaiser unb Reich, noch mehr als bisher Pflegen sollten. Mit deS Königs Rock nach vollendeter Dienstzeit soll der Soldat nicht auch die Tugen­den auSziehen, die er beim Heere gelernt und geübt hat, die nationale Gesinnung, den Gehorsam, die Liebe zu deu Kameraden, und froh der Zeit gedenken, da er unter den Fahnen stand. Dies ebenso um seiner selbst als um des Vaterlandes willen, das einst wieder seine Söhne zum Schutze der nationalen Güter aufzurusen genöthigt sein kann.

Der Gedanke, der namentlich nach dem Kriege 1870/71 viele Kriegervereine ins Leben rief, mußte weiterhin dazu führen, daß sich die Krieger-

Sie sprach die Wahrheit."

Andriana erhob sich ungestüm, ihr schönes Auge blitzte.

Und Ihr wagtet eS, um meine Hand zu werben?"

Bojamonte suchte sich zu fassen, sah er doch, daß ein neuer Sturm sein Lebensschiff bedrohte. Es gelang auch seiner eisernen Willenskraft, den eben empfangenen furchtbaren Eindruck zu be­wältigen, und in ruhigerem Tone fragte er:

Um Eure Hand habe ich geworben, aber sagt selbst, Andriana, begehrte ich Eure Liebe, suchte ich Euer Herz zu gewinnen?"

Nein, Messer Bojamonte, die Mühe nähmet Ihr Euch nicht" entgegnete bitter die junge Frau.

Nun wobl dann spielte ich auch kein falsches Spiel mit Euch. Ihr wißt, daß eS, im Interesse der Sache lag, der wir, Euer Vater und ich, dienen, eine Verbindung der Quirini und Tiepolo durch ein unzerreißbar Band zu knüpfen-- ich fügte mich, wie auch Ihr es gethan unsere Herzen wußten nichts davon. Opfer mußten gebracht werden, ich fragte nicht darnach, ob eS Euch Herzweh bereitete, mein Weib zu werden ein Zufall gab Euch mein Geheimniß preis, Ihr hättet eS nie erfahren. Euch gegenüber trifft mich keine Schuld."

Ihr irrt, Bojamonte," rief Andriana, und ihr Antlitz zuckte,Ihr irrt. Wenn Ihr mir

vereine unter einander zu Verbänden zusammen- thaten. Zu weitaus dem größten Verbände hat sich der deutsche Kriegerbund entwickelt. Er be­gann 1872 mit 40 Vereinen; jetzt nach Verlauf von zwanzig Jahren zählt er 6783 Vereine und 571800 Mitglieder, während im ganzen Reiche 12898 Kriegervereine mit mehr als 1 Million Mitglieder bestehen. Nicht eingerechnet sind hierbei die Sondervereine, die keinem Verband angehören.

Der Kriegerbund erstreckte sich früher über alle Theile des. Reichs, es gehörten ihm also auch Vereine in Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden an. Da jedoch die Konkurrenz deS Bundes mit den Landesverbänden, die in diesen Einzel- staaten bestehen, dem Ziele einer allgemeinen Vereinigung der deutschen Kriegerverbäode mehr hinderlich als förderlich war, so bildet sich der deutsche Kriegerbund jetzt auS den organisch zu gliedernden Verbänden Preußens, auS dem Landes­verbände von Elsaß-Lothrivgeu und auS den ihm bisher angehörenden und den sich ihm noch an­schließenden Landesverbänden der BundeSstaaten, deren Heereskonttugente m preußischer Verwaltung stehen.

Wie wir dem letzten Geschäftsberichte deS Deutschen Kriegerbundes entnehmen, läßt die Organisation der Vereine noch sehr vieles zu wünschen übrig. Von 8576 Kriegervereinen in Preußen gehören dem Bande 5352 an. DaS Verhältniß der Bundesvereine zu den Sonder- vereinen, die also mehr als 3/8 aller Krieger- vereine in Preußen auSmachen, ist in den Provinzen sehr verschieden. Es bestehen z. B. im Regie­rungsbezirk Frankfurt a. O. 303 Soudervereine neben 215 Bundesvereinen, im Bezirk Liegnitz ist das gleiche Verhältniß: 213:326, Magdeburg 256:271, Merseburg 305 : 418, Düsseldorf 211:269, wogegeu in Ostpreußen, Westpreußen, Pommern und Posen fast alle Vereine dem Bunde angehören. Der Bund betrachtet es alS eine seiner nächsten Aufgaben, seine Organisation, und zwar hauptsächlich auf der Grundlage der

auch keine Liebe geschworen noch mich betrogen habt Ihr verginget Euch schwer an mir, inbem Ihr mich zur Mitschuldigen machtet an dem Unheil, welches Ihr über jenes arme Mädchen gebracht! Wer weiß es, ob nicht der letzte Athemzug Bianca's eine Verwünschung war für die Glückliche, um derentwillen sie verlassen worden ist?!"

Bojamonte strich mit der Hand über die feucht- kalte Stirn, als wolle er ein düsteres Bild ver­scheuchen, dann sagte er leise:

Quälet Euch nicht, indem Ihr dem nachgrübelt, was vergangen ist, vergessen werden muß, soll auf unserem Wege das Glück erblühen. Wir stehen auf der Höhe, vor unS liegt ein herrlich Ziel blicket nicht hinab, Andriana, auf die Opfer, welche es kostete, blicket vorwärts, hier meine Hand, sie wird Euch eine Stütze im Leben sein, wird bald vielleicht die goldene Krone auf Euer Haupt setzen und Eure Liebe wird dann mein Lohn werden."

Nie" rief Andriana und wies mit einer Geberde des GrauenS die ihr gebotene Hand zu­rück,nie soll meine Liebe Euch werden, nie meine Lippen die Euren im Kusse berühren. Eine Fremde nicht als Euer Weib, werde ich neben Euch hergehen durch ein verödetes HauS, das nie widerhalleu wird von frohem Kinderlachen deS Priesters Segen verband uns, doch der Fluch einer Unglücklichen trennt uns für'S Leben!"