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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Hersstl-er fiwklatt

Mit wSchmtlicher Kratis-MeilageIllnkriries Auterhaltungsklatt*.

Nr. 90.

Dienstag den 2. August

1892.

DoNemeck-MdUg.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen «ratts-Bellage Jllustrirtcs Unterhaltungs-Blatt" pro August und September werden von allen Kaiserlichen Bostanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 29. Juli 1892.

Die Nummerlifie der Verloosten und zum 1. November 1892 gekündigten Kurmärktschen Schuldverschreibungen liegt im Geschäftslokale des hiesigen Landrathsawtes sowie auch in den­jenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises während der Dienststunden offen.

Zugleich mache ich auch auf die,, diese Nummer­liste betreffende Bekanntmachung der König­lichen Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 1. d. Mt8-, abgedruckt im Regierungs-Amtsblatte 1892 auf Seite 173, besonders aufmerksam.

I. I. 5066. Der Königliche Landrath.

_______ I. V.: H eeg.

Gefunden: ein schwarzer Filzhut und eine Peitsche. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu WölferShausen.

Belehrung über das Wesen der Cholera und das während der Cholerazeit zu beobachtende Verhalten.

Der Austeckungsstoff der Cholera be­findet sich in den Ausleerungen der Kranken,

kann mit diesen auf und in andere Personen und die mannigfachsten Gegenstände gerathen und mit denselben verschleppt werden.

Solche Gegenstände sind beispielsweise Wäsche, Kleider, Speisen, Waffer, Milch und andere Getränke; mit ihnen allen kann, auch wenn au oder in ihnen nur die geringsten, für die natür­lichen Sinne nicht wahrnehmbaren Sparen der Ausleerungen vorhanden sind, die Seuche weiter verbreitet werden.

Die Ausbreitung nach anderen Orten geschieht daher leicht zunächst dadurch, daß Cholerakranke oder krank gewesene Personen oder solche, welche mit denselben in Berührung gekommen sind, den bisherigen Aufenthaltsort verlassen, um vermeintlich der an ihm herrschen­den Gefahr zu entgehen. Hiervor ist um so mehr zu warnen, als man bei dem Verlassen bereits angesteckt sein kann und man andererseits durch eine geeignete Lebensweise und Befolgung der nachstehenden Vorsichtsmaßregeln besser in der gewohnten Häuslichkeit, als in der Fremde und zumal auf der Reise, sich zu schützen vermag.

Jeder, der sich nicht der Gefahr aussetzen will, daß die Krankheit in sein Haus einsteschleppt wird, hüte sich, Menschen, die aus Choleraorten kommen, bei sich aufzu - nehmen. Schon nach dem Auftreten der ersten Cholerafälle tu einem Ort sind die von daher kommenden Personen als solche anzusehen, welche möglicherweise den Krankheitskeim mit sich führen.

In Cholerazeiten soll man eine möglichst g e - regelte Lebensweise führen. Die Erfah­rung hat gelehrt, daß alle Störungen der Ver­dauung die Erkrankung au Cholera vorzugsweise begünstigen.

Man genieße keine Nahrungsmittel, welche aus einem Hause stammen, in welchem Cholera herrscht. Solche Nahrungsmittel, durch welche die Krankheit leicht übertragen werden kann, z. B. Obst, Gemüse, Milch, Butter, frischer Käse, sind zu vermeiden oder nur in gekochtem

Zustande zu genießen. Insbesondere wird vor dem Gebrauch ungekochter Milch gewarnt.

Alles Wasser, welches durch Koth, Urin, Küchenabgänge oder sonstige Schmutzstoffe ver­unreinigt sein könnte, ist strengstens zu vermeiden. Verdächtig ist Wasser, welches aus dem Unter­gründe bewohnter Orte entnommen wird, ferner aus Sümpfen, Teichen, Wasserläufen, Flüssen, weil sie in der Regel unreine Zuflüffe haben. Als besonders gefährlich gilt Waffer, das durch Auswurfsstoffe von Cholerakraukeu in irgend einer Weise verunreinigt ist. In Bezug hierauf ist die Aufmerksamkeit vorzugsweise dahin zu richten, daß die vom Reinigen der Gefäße und beschmutzter Wäsche herrührenden Spülwässer nicht in die Brunnen und Gewässer, auch nicht einmal in deren Nähe gelangen. Den besten Schutz gegen Verunreinigung des Brunnenwassers gewähren eiserne Röhrenbrunnen, welche direct in den Erdboden und in nicht zu geringe Tiefe desselben getrieben sind (abessinische Brunnen). Ist es nicht möglich, sich ein unverdächtiges Wasser zu beschaffen, dann ist es erforderlich, das Wasser zu kochen und nur gekochtes Wasser zu ge­nießen.

Was hier vom Wasser gesagr wird, gilt aber nicht allein vom Trinkwasser, sondern auch von allem zum Hausgebrauch dienenden Wasser, weil im Wasser befindliche KrankheitS- stoffe auch durch das zum Spülen der Küchen- geräthe, zum Reinigen und Kochen der Speisen, zum Waschen, Baden u. s. w. dienende Wasser dem menschlichen Körper zugeführt werden können.

Jeder Cholerakranke kann der Ausgangs­punkt für die weitere Ausbreitung der Krankheit werden, und es ist deswegen rathsam, die Kranken, soweit es irgend angängig ist, nicht im Hause zu Pflegen, fonbern einem Krankenhause zu übergeben. Ist dies nicht ausführbar, dann halte man wenigstens jeden unnöthigen Verkehr von dem Kranken fern. Es besuche niemand, den nicht seine Pflicht dahin führt, ein Cholerahaus.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Hag von S. Mus.

Historische Erzählung

von Ernst von Waldow.

(Fortsetzung.)

Und waS wollet Ihr jetzt thun?*

Kämpfen und sterben, da der Sieg mir entrissen I*

Verblendeter! Wenn Ihr Euer Leben opfern wollet, eben so nutzlos als unrühmlich, sprecht, habt Ihr ein Recht, das Blut Tausender zu ver­gießen, die Euch vertraut? Mit der sicheren Aussicht auf den Untergang, diese Männer, Söhne und Brüder aus den Armen der Ihrigen zu reißen, fort vom schützenden Dache, unter dem sie im Kreise der Familie ein still beglücktes Leben geführt, sie hinaus in den Tod zu treiben? Könnet Ihr das vor Euerem Gewissen, vor Gott verantworten, Bojamonte Tiepolo?!*

Völlig gebrochen sank Bojamonte auf einen Sessel und bedeckte sein Antlitz mit den Händen. Er kämpfte schwer, seine Brust hob sich krampfhaft.

Filippo Belegua hatte sich neben ihm nieder- gelassen, «18 er vermeinte, daß Bojamonte'S J Aufregung sich ein wenig gelegt, begann er gelassen:

Ich will nicht ob Eueres verdammlichen Thun's mit Euch rechten, Messer Tiepolo, uns Allen ist

bekannt, daß Ehrbegier und verletzter Stolz auch den besten Mann zum Abfall vom Guten verführen können, nur künden w'll ich Euch, was der Doge in Gnaden Euch vermelden läßt, so Ihr ablaffet ihn anzufeinden und Euere Leute zur Rahe ver­mahnet. Nicht strafen will Pietro Gradenigo Euch am Leben so Ihr doch eigentlich ver­wirktet sondern mild ist die Strafe: sie lautet auf Verbannung!*

Verbannung?* ächzte Bojamonte, dann fragte er bitter:

Und wißt Ihr, Messer Belegua, was diese Gnade des Dogen bedeutet? auch sie ist ein Todesspruch! Das Henkerbeil und der Strick, sie tödten schnell ihr Opfer Tag UM Tag und Stunde um Stunde in langsamer Pein stirbt der Verbannte!"

Nicht also,* erwiderte begütigend der Raths- Herr,seid Ihr doch nicht für immer verbannt von Venedig. Nur kurze 4 Jahre sollet Ihr und Euere Freunde, die Rädelsführer der Empörung, nach Dalmatien verwiesen werden. Diese Sühne fordert das verletzte Gesetz.*

Wenn ich mich aber weigere einzuwilligeu und den Kampf fortsetze?*

Dann wehe Euch, schwere Blutschuld ladet Ihr auf Euer Gewissen und nicht an Euch allein, an jeden der Rebellen, der mit den Waffen in der Hand in unsere Gewalt geräth, wird ein Beispiel exekutiret werden, wie solches die Ge-

I schichte Venedigs noch nicht aufzuweisen hat. Ich kam als Freund, verachtet meinen Rath nicht, Bojamonte. Stets meinte ich es wohl mit Euch, denn Euere Kühnheit, Euer hochstrebender Sinn, ste gefielen mir."

Ich danke Euch, Messer Belegn«," sagte Boja- monte, dem Ratbsherrn die Hand reichend, dann fügte er gepreßt hinzu:wollet Ihr als meines Hauses geehrter Gast droben der Antwort harren ?

Die Freunde will ich hier versammeln, ihnen Alles verkünden und ihren Beschluß vernehmen nicht allein will ich in so schwerer Sache ent­scheiden.*

Euer Wunsch ist billig," erwiderte der RathS- Herr,trachtet, daß ich bald gute Kunde erhalte, seid Ihr doch die Seele des Ganzen und vermözet den Sinn der anderen zu lenken nach Euerer Willkür."

Was nützte mir die Macht, so ich über der Menschen Gemüth besitze," rief Bojamonte bitter klagend,wenn es einem erbärmlichen Ungefähr gelang, Pläne zu zerstören, die Frucht jahrelanger Arbeit?*

Nicht ein Ungefähr, ein höherer Wille ver­nichtete Euer sträflich Unterfangen: unS ward Kunde von der Verschwörung."

Bojamonte stieß einen Schrei aus, feine Augen rollten, die Stirnabern schwollen an und ein Zittern machte seinen mächttgeoGliederbau erbeben.