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Hersstl-er Kreisbliltt.
Mit wöcheullicher Kratis-Arilage ^MuLrirt« NutertzaltungsSlatt«. Nr. 96. Dimkag dc« 16. August ' 1892.
Amtliches.
Die erste Schulstelle zu Arbach ist in Folge Ablebens des seitherigen Inhabers vakant geworden.
Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungs- gesuche nebst den nöthigen Sitten- und Befähi- gungs-Zeugniffen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Landrathe oder dem Königlichen Lokalschnlinspector Herrn Pfarrer Brehm zu Kerspenhausen einreichen.
H-rsfeld, den 12. August 1892.
Der Königliche Schulvorstand von Asbach.
Namens befleißen:
Freiherr von Schletnitz, Laudrath.
I. 5311.___________________________________________
In hiesiger Gemeinde ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hattenbach, den 15. August 1892.
Der Bürgermeister G r o s c u r t b.
Faktische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser wird sich nach der Rückkehr von den diesjährigen großen Herbst- manövern im Elsaß und in Süddeutschland zur Feier der goldenen Hochzeit deS Großherzogs von Sachsen-Weimar, welche am 8. Oktober statt- findet, nach Weimar begeben. In der Begleitung des Kaisers wird sich der Prinz Albrecht von Preußen befinden, welcher an den diesjährigen großen Herbstwanöv-rn ebenfalls theilnehmen wird.
Berlin, 14. August. Se. Königl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen vollendet heute das dreißigste Lebensjahr. Am 14. August 1862 geboren, trat Prinz Heinrich, dem im preußischen Königshause von Alters her be- steheudeu Gebrauche gemäß, mit Vollendung des 10. Lebensjahres in die preußische Armee als Sekondlieutenant des 1. Garderegiment« z. F.,
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Eine Hekamentsktauset.
Novelle von E. R u d o r f s.
(Fortsetzung.)
Der plötzliche Tod des Majors, verbunden mit der opferwilligen That, welche ihn wahrscheinlich herbeigesührl hatte, erregte die Theilnahme der ganzen Umgegend, und von allen Seiten beeiferte man sich, Selenes das tiefgefühlteste Beileid zu bezeigen. Einer der Ersten, welche auf die Nach- richt von des Majors gefährliche Erkrankung bei ihr erschienen, war der Landrath deS Kreises, Herr v. Döhn, ein fein gebildeter Mann von ehrenhafter Gesinnung und anerkannter Tüchtigkeit.
Jener Knabe, den der Major gerettet, war der Sohn eines Freundes, den er während der Ferienzeit zu sich eingeladen hatte. Sein Beistand, den er Helene tu der zartesten Weise anbot, war ihr sehr willkommen, denn er übernahm sofort alle die Geschäfte und Besorgungen, welche doppelt schwer lasten, wenn das Gemüth von Kummer erfüllt ist. Er ordnete den Nachlaß deS Majors, verpachtete daS Ackerland, hielt Abrechnung mit den Gutsleuten und erbot sich endlich Annas Vormund zu werden. Dankbar erfreut nahm Helene dies an, und der Landroth rechtfertigte auch hier daS in ihm gesetzte Vertrauen. Er sorgte dafür, daß des Mädchen» unterbrochener
gleichzeitig aber in die kaiserliche Marine am 14. August 1872 ein, so daß der heutige Geburtstag des Prinzen mit dessen zwanzigjährigem mili- tairischen Doppeljubiläum zusammenfällt. Mit den herzlichen Glückwünschen, welche heute nächst seiner engeren Familie das königliche Haus dem Prinzen widmet, verbinden sich die wärmsten deS preußischen und deutschen Volkes in dem innigen Segenswünsche: Seiner Königlichen Hoheit möge noch viele Jahre in erfolgreicher Weise an der Entwickelung unserer Wehrkraft zur See, zu des Landes Wohlfahrt und Gedeihen zu wirken, vergönnt sein.
In Sachen der Berliner Weltausstellung ist die Entschließung Sr. Majestät des Kaisers von dem Reichskanzler durch nachfolgenden, gleichzeitig im „R- u. St.-Anz." veröffentlichten Bericht erbeten worden.
Wie Eurer Majestät aus meinem allerunterthänigsten Vertrage bekannt ist, sind die Bundesregierungen um eine Aeußerung darüber ersucht worden, welchen Standpunkt sie dem Projekte einer Berliner Weltausstellung gegenüber einnehmen und welche Ansichten in her Industrie über die Zweckmäßigkeit einer derartigen Ausstellung bestehen. Die nunmehr eingegangenen Antworten lassen erkennen, daß die inländische Industrie nur zu ihrem geringeren Theile eine solche Ausstellung für wünschenswerth erachtet. Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Industriellen, vor Allem auch aus dem Bereiche der Großindustrie, steht dem Unternehmen, wo nicht entschieden ablehnend, so doch durchaus kühl gegenüber und glaubt sich einen nennenSwerthen Erfolg für die Erweiterung unserer Handelsbeziehungen davon nicht versprechen zu können. Wirthschaftliche Gründe, welche aus die Veranstaltung der Ausstellung hindrängten, liegen nach ihrer Ansicht nicht vor. Allerdings hat sich auch in diesen Kreisen eine große Zahl von Industriellen mit anerkennenswerther Hingebung bereit erklärt, zu dem Gelingen der Ausstellung nach Kräften bei- zutragen, falls es aus anderen, als rein wirthschaftliche» Gründen zu derselben kommen sollte. Aber überall und auch dort, wo das Unternehmen warme Befürwortung gefunden hat, ist der 'Voraussetzung Ausdruck gegeben, daß der Industrie nicht zu hohe Opfer würden angesonnen werden und daß daher nicht nur die gesummten allgemeinen Kosten des Unternehmens aus öffentlichen Mitteln bestritten, sondern auch denjenigen Industriellen, welchen die selbstständige Aufbringung
Unterricht durch einen tüchtigen Lehrer wieder ausgenommen wurde, und brächte bet einem seiner nächsten Besuche einen erfahrenen Arzt mit um seinen Rath wegen Anna's zunehmender Blässe und Thetlnahmlostgkett zu hören.
Auch alS die dringendsten Geschäfte erledigt waren, blieb der Landrath ein oft und gern gesehener Gast in der Villa. Helene, seit Jahren gewöhnt, niemals selbstständig zu handeln, fand bei ihm in allen Fällen die nöthige Unterstützung, und unterwarf zuletzt selbst häusliche Anordnungen, die sie früher ohne ihren Gatten entschieden hatte, seinem Urtheil.
Da das Gut des Landraths nur eine halbe Meile von der Villa entfernt lag, so wurden seine Besuche allmählig feststehende und tägliche. Jeden Abend saß er bei Helenen und theilte ihr mit, waS in seinem Wirkungskreise sich zugetragen, oder besprach die Ereignisse des Tages. Helene kam ihm stets voll Herzlichkeit entgegen, Anna jedoch blieb trotz der Fürsorge, welche er ihr widmete, zurückhaltend und kalt. Eifersüchtig bewachte sie die Gespräche der Beiden und grübelte über die Bedeutung jeder Miene oder Geberde, welche ihr zu freundlich erschien. Einst saß der Landrath mit ihnen am Tbeetisch und las auS einem neuen Werke vor; Helene veränderte mehrmals die Stellung der Lampe, damit sie besser auf die Schrift falle. Anna erglühte; wie oft hatte der Vater bitten müssen — wenn er Abends Märchen vorlas und Helene in ihre Handarbeit
der aus ihrer Betheiligung erwachsenden Kosten schwer fallen würde, Beihülsen von Seiten des Reichs oder der Einzel- staaten gewährt werden müßten. Die Bundesregierungen haben, davon ausgehend, daß die Frage, frei von allen politischen Erwägungen, nach rein wirthschastlichen Gesichtspunkten beantwortet werden könne, in ganz überwiegender Zahl das wirthschaftliche Bedürfniß zu einer Ausstellung verneint. Insbesondere hat auch Preußen, dessen Urtheil schon deshalb, weil in seiner Hauptstadt die Ausstellung stattfinden müßte, besonderes Gewicht beansprucht, sich gegen dieselbe ausgesprochen. Im Großen und Ganzen schließt die Beurtheilung der Bundesregierungen derjenigen der industriellen Kreise sich an. Wenn man das Ergebniß nach der Zahl der Stimmen zusammenfaßt, welche den Regierungen verfassungsmäßig im Bundesrathe zustehen, so sind 40 Stimmen „gegen* und 7 Stimmen „für" die Ausstellung abgegeben, während 11 Stimmen unentschieden lauten. — Eine erfolgreiche Durchführung der Unternehmens hat die allgemeine und einmüthige Ueberzeugung von dem Nutzen desselben für die deutsche Industrie und das opferwillige Zusammenwirken aller be» thciligten Kreise zur unbedingten Voraussetzung. Da Beide« fehlt, so muß ich von einem Eintreten des Reichs abrathen. Eure Majestät bitte ich ehrfurchtsvoll, zu einer entsprechenden Kundgebung mich Allergnädigst ermächtigen zu wollen.
Se. Majestät der Kaiser hat auf Grund dieses Berichts dahin mtschiedeu, daß dem Plane einer Weltausstellung in Berlin von ReichSwegen nicht näher zu treten sei.
Das Staatsmintsterium trat am Sonnabend Vormittag unter dem Vorsitz der Ministerpräsidenten, Graf zuEuleubura, zu einer Sitzung zusammen, an welcher der Reichskanzler Graf C a p r i v i Theil nahm. Wie verlautet, hätten vom Finanzminister Dr. M i q u e l vorge- legte Vorschläge betreffs der Kommunalsteuer- Reform die Zustimmung des StaatsministeriumS gefunden.
Der Ministerpräsident und Minister deS Innern Graf zu Eulen bürg hat die Geschäfte des letzteren Ressorts bereits übernommen und auS diesem Anlaß au die Räthe und Beamteu deS Ministeriums eine längere Ansprache gehalten.
Die „Vosstsche Zeitung" meldet, daß seitens m-hrerer Handelskammern au den Reichskanzler
vertieft, nicht darauf achtete: „Mütterchen rücke doch das Licht ein wenig seitwärts." Und nun diese Aufmerksamkeit für einen Fremden! — Mehr als Jahresfrist war seit des Majors Tode vorübergeaangen, als der Landrath eines Morgens zu ungewöhnlicher Stunde in dem Landhaus« erschien. Er theilte Helene mit, daß er zu Ehren des Regierungspräsidenten, welcher die Provinz bereise, in den nächsten Tagen eine größere Gesellschaft bei sich sehen würde, und bat sie, mit Anna ebenfalls bei ihm zu erscheinen. Helene hatte sich zwar vorgenommen, biS zu dem Zeit- Punkt, in welchem Anna in die Welt etugeführt werden sollte, in der größten Zurückgezogenheit zu leben, allein, durfte sie dem Manne, welchem sie soviel Dank schuldete, eine Bitte versagen? Sie nahm daher die Einladung an, und der aufmerksame Freund versprach, auch für die liebe Anna eine passende Gefährtin zu finden.
Schon früh begann Helene Toilette zu machen, denn sie hatte sich seit vielen Jahren nicht für einen großen KreiS geschmückt, und fürchtete, mit ihrem Anzüge zu spät fertig zu werden.
Mit wunderbaren Empfindungen nahm sie die ächten Steine und Perlen aus dem Kästchen, in welchem sie schon lange geruht, und beinahe in Vergessenheit gerathen waren.
Prüfend legte sie die Kleinodien an, und schien zu erwarten, eine unsichtbare Stimme werde ihr sagen, was für sie daS Kleidsamste und Passendste sei. Endlich wählte sie ein Collier von ächten