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Strsftlhtt Kreisblitt.
Mit wöchmtlicher Kratis-Keilage „ILukrirLes AnLerhattungsßlE.
Nr. 97. Donnerstag den 18. August 1892.
Amtliches.
Ministerium für Handel und Gewerbe.
Berlin, den 2, Juli 1892.
Das Reichs-Versicherungsamt bat neuerdings über die Frage der Verstcherungspflicht der nicht peustousberechtigten, von Behörden im Büreau- dienst beschäftigten Personen auf Grund deS Gesetzes, betreffend die Juvaliditäts- und Altersversicherung vom 22. Juni 1889 wiederholt Entscheidungen von grundlegender Bedeutung aetroffen. (Amtliche Nachrichten des Reichs- Versicherungsamtes, Juvaliditäts- und Altersversicherung 1891 Seite 169, 170 und 177, und 1892 Seite 11, 15 und 20).
Danach nimmt das Reichs-Versicherungsamt au:
1. daß von der Ausschließung der Versicherungspflicht überall da nicht die Rede sein kann, wo es sich um Personen handelt, welche bei Behörden zwar in beamteuähnlicher Stellung, aber nur auf Grund etues Privatvertrages beschäftigt werden,
2. daß die nicht peustousberechtigten Kommunal- beamten dann zum »böheren Büreaudieust" gehören und von der Versicherung frei sind, wenn zu ihrer Stellung eine höhere Vorbildung oder eine besondere Zuverlässigkeit erfordert wird, oder wenn dieselbe mit einem gewissen Maß geschäftlicher Selbststäudigkeit und eigener Verantwortung verbunden ist.
Hiernach werden insbesondere die bei den Kreis- auSschüssen beschäftigten Büreaubeamten in allen den Fällen der Verstcherungspflicht zu unterwerfen sein, in welchen sie, wie es häufig der Fall ist, von den Laudräthen oder den Kreisausschußsekretären nur privatim angenommen werden, ferner immer dann, wenn thuen ausschließlich oder überwiegend Arbeiten des niederen mechanischen Büreaudieustes ohne eigene Verantwortung über- tragen sind. Dagegen sind solche Büreaugehilfen, welche als Kommunalbeamte augestellt und bet denen auch im Uebrigen die oben erwähnten Um
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Eine Hekamentskkausel.
Novelle von E. R u d o r f f.
(Fortsetzung.)
Helene erhob sich, um Anna zum Aufbruch zu mahnen und sich für den Rückweg anzukleiden. Sie stieg bereits die Treppe hinab, um zu ihrem Wagen zu gelanaen, als der Landrath — welcher soeben dem Präsidenten das Geleit gegeben hatte — ihr entgegenkam und sie bat, noch eine halbe Stunde zu verweilen. Man schicke sich allseitig zum Aufbruch au, und er wünsche ihren Wagen zu Pferde zu begleiten.
ES war eine herrliche, milde. Sommernacht, in die Helene dann hinauSfuhr, und die Stille rings umher wurde nur durch das leise Fortrollen der Räder auf dem ebenen Wege, und den Hufschlag von des Landraths Pferde unterbrochen. Daß der sorgsame, sie beschützende Freund sich in so ehrerbietiger Entfernung hielt, sprach mächtiger zu Helenen's Herzen, als die feurigsten Worte eS vermocht hätten.
»Sie haben noch einen langen Weg vor sich, mein theurer Freund!" sagte Helene, als der Landrath sich vor ihrem Hause verabschiedete.
»Der Weg ist nur lang, wenn ich ihn ohne Hoffnung zurücklege," erwiderte er.
stände nicht zutreffen, von der Juvaliditäts- und Altersversicherung befreit.
Der Minister Der Minister
des Innern. für Handel und Gewerbe, gez. Herrfurth. J. B.: gez. Loh wann.
Hersfeld, den 16. August 1892.
Höheren Orts sind Nachweisungen über die Haushaltsverhältnisse und das Stimm- und Wahlrecht in den Landgemeinden bezw. selbst- ständigen Gutsbezirken verlangt. Den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern werden in diesen Tagen Formulare zu^ diesen Nachweisungen (mit der Bezeichnung E. .' und G.) zugehen, welche Ihrerseits sofort auszufüllen und bis s p ä t e st e n S zum 1. S e p t e m b e r d. I. mir einzureichen sind.
Die Angaben sind für das Etatsjahr 1892/93 erfordert, und müssen daher, soweit keine Voranschläge den nöthigen Anhalt dazu bieten, nach den für dieses Jahr voraussichtlich zu leistenden Abgaben bezw. entstehenden Einnahmen und Ausgaben thunlichst sorgfältig mmacht werden. Das Formular E ist auf der Vorder- und Rückseite bedruckt und auSzufüllen.
I. 5154. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleivitz.
Hersfeld, den 16. August 1892.
Der seitherige Bürgermeister Valentin R e u b e r zu Roteusee wurde als solcher für dieselbe Ge- metnde wieder gewählt und ist am 16. d. Mts. eidlich verpflichtet worden.
A. Nr. 1483, Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 13. August 1892.
Der seitherige Bürgermeister August Reinhard zu Landershausen wurde als solcher für dieselbe Gemeinde wieder gewählt und ist heute eidlich verpflichtet worden.
A. Nr. 1524. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e t n i tz.
»Kommen Sie morgen," flüsterte Helene, und ihre bebende Stimme verrieth deutlich, wie theuer ihr der Mann geworden sei.
Helene blieb einen Theil der Nacht sinueud in ihrem Lehnstuhl. Sie fühlte sich noch einmal jung und wie Frühliugsahnung durchzog eS ihre Brust. Unwillkürlich tauchte ein leiser Vorwurf in ihrem Herzen gegen den Major auf, der sie so frühzeitig an ein einsames Leben gewöhnt hatte, und half die letzten Bedenken überwtvden, welche — in Bezug auf Anna — sich ihr entgegenstellen konnten
Hell strahlte schon der Morgen in Helenen's Schlafzimmer, als Anna mit zärtlichen Küssen sie erweckte. Helene machte eilig Toilette, denn sie wußte, daß der Freund bald kommen würde und eine schwierige Mission blieb noch zu erfüllen: sie mußte Anna auf daS bevorstehende Ereigniß Vorberetten. Vergebens suchte Helene bei dem Morgenfrühstück nach einem passenden Uebergange zu der nöthigen Mittheilung; der Zufall fügte es stets, daß Anna das Gespräch in ganz andere Bahnen lenkte und endlich stockte es völlig. Da fragte das Mädchen plötzlich:
»Kommt heute der Laudrath zu uns?"
»Freust Du Dich auch auf seine Ankunft?• entgegnete Helene, Anna's Frage durch eine Gegenfrage kreuzend.
»Herr Röder sagte gestern in der Musikstunde, daß unser Pianino eine viel zu leichte Spielart
AusschpeiSen.
Jakob Wildhirt, geboren in Offenbach, etwa 29 Jahre alt, zu 15 Jahre Gefängniß ver- urtheilt, von welcher erst 3 Jahre verbüßt sind, gemeingefährlich, zuletzt in der Irrenanstalt Heppenheim untergebracht, aus der er Ende Juni dieses Jahres entwich, blasses aber volles Gesicht, dunkle Haare von links nach rechts gekämmt. Schnurrbärtcheu, tätowirt: am rechten »I. W. 1884* auf dem linken Arm unzüchtige Abbildung, Zähne schlecht, lückenhaft, Größe 1 m 73, bei der Flucht bekleidet mit grauer Mütze ohne Schild, grauem Tuchanzug gezeichnet 717, braune Filzschuhe; Kleidung vielleicht gewechselt, trieb sich früher viel im Großherzogthum Baden unter dem Namen Otto Müller aus Karlsruhe umher, insbesondere in Ettlingeu, Emmer- dingen, Baden, Steckarau, Karlsruhe. Wildhirt ist geisteskrank, die Krankheit ist jedoch nicht leicht zu erkennen. Im Betretungsfalle ist Wildhirt in die Irrenanstalt Heppenheim a. d. B. Groß- Herzogthum Hessen abzuliefern.
Darmstadt, des 3. «ugutz 1892.
Großherzl. Hessische Staatsanwaltschaft, gez. Arnold, Großh. Erster Staatsanwalt.
* * *
HerSfeld, den 15. August 1892.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie zur Recherchirung nach dem 20. Wildhirt mitgetheilt.
I. 5401. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei«ttz.
Mlitische Nachrichten.
Berlin, 16. äugug.
Se. Majestät der Kaiser hatte im Laufe der gestrigen Vormittagsstunden dem Exercireu der 2. und 4. Kavalleriebrigade auf dem Born- stedter Felde bei Potsdam beigewohnt. Sodann hatte Allerhöchstderselbe beide Brigaden zu einer
habe und überhaupt der Reparatur bedürftig sei. Da muß ich doch mit dem Vormund sprechen, denn ich habe ja den Vater nicht mehr."
»Sprich mit ihm, mein Kind; des Landraths liebevolle Fürsorge ersetzt Dir den schweren Verlust --er wird künftig ganz Vaterstelle bei Dir vertrete»--wir werden Alle mit einander bei ihm leben! Ich glaube, sein Wagen fährt vor!" Nach diesen Worten verließ Helene ihren Platz, erfreut, einen Vorwand gefunden zu haben, der sie weiteren Auseinandersetzungen enthob. Anna blieb regungslos auf derselben Stelle gebannt. Das Härteste schien über sie hereinzubrecken, das ihrem Empfinden verständlich war. Der Vater für sie das Urbild menschlicher Vollkommenheit — war so bald vergessen worden! Und zwischen ihr und der geliebten Mutter würde fortan ein Fremder stehen! Sie fuhr erst auS ihrem Grübeln empor, als Helene am Arm deS Landraths vor ihr stand.
»Ach liebet mich!" rief sie bittend und drängte mühsam ihre Thränen zurück. Mit innigen Worten beruhigten die beiden Glücklichen daS blasse Kind, und der Landrath sagte, als sie endlich zu lächeln versuchte: »Anna lege mir zu Gefallen die dunkel» Kleider ab, welche Du noch immer trägst, und sei künftig meine heitere, geliebte Tochter." Anna wollte erwidern, daß sie sich eigentlich vorgenommen habe, nie mehr ein buntfarbiges Kleid zu tragen, aber ein bitten-