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Htlsfel-er Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Hratis-MeilagcIllnktrirtrs AuterhaltnngsSlE.

Ri. 101. Sonnabend dm 27. August 1892.

Erstes Blatt

Wontmck-KlMq.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungs-Blatt" pro September werden von allen Kaiserlichen Vostanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Berlin, den 11. Juni 1892.

Bekairutmachung

Wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe IV zu den Zi/r °/oigeu PrioritätS - Obligationen III Serie Lit. B der Bergisch-Märktschen Eisenbahn und der Zinsscheine Reihe V zu den 44/i "/«igeu Prioritäts-Obligationen der Homburger-Etseuvahn von 1860.

Die Zinsscheine Reihe IV Nr. 1 bis 20 zu den 8^/2 o/gigen Prioritäts-Obligationen III. Serie Lit. B Der Bergisch-Märktschen Eisenbahn über die Zinsen für die Zeit vom 1. Juli 1892 bis 30. Juni 1902, nebst den Anweisungen zur Ab- Hebung der folgenden Reihe sowie die Zinsscheine Reihe V Nr. 1 bis 16 zu den 4l/$ °/otgen Prioritäts-Obligationen der Hamburger Eisenbahn von 1860 über die Zinsen für die Zeit vom 1, Juli 1892 bis 30. Juni 1900 nebst den An­weisungen zur Abhebung der folgenden Reihe

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Eine HeKamentsktausek.

Novelle von E. Rudorff.

(Fortsetzung.)

»Sie sagen: wie schön! und ich stimme Ihnen vollkommen bei. Bet diesem Wort möchte ich Sie jedoch mit einem Ausspruche Winkelmann'S bekannt machen, des Schriftstellers, dem wir die Kunstsprache erst verdanken. Er sagt: Die Schön­heit ist einS von den großen Geheimnissen der Natur, deren Wirkung wir sehen und Alle empfinde», von deren Wesen aber ein allgemeiner deutlicher Begriff unter die «»erfundenen Wahr- betten gehört. DaS ist vollkommen richtig. Wir steben, wenn wir das Schöne auf uns einwirken lasten, wie vor einem Wunder. Sanfte Rührung, Dankbarkeit, daß wir an so Herrlichem unS er­quicken durften, erfüllt uns voll und ganz, jedes Grübeln ist ausgeschlossen. AlS ich in den Sälen des Louvre und in Rom den Gestalten gegenüber- stand, welche durch Jahrhunderte schon die Seelen der Menschen emporgehobe», erschienen sie mir gleich den ewigen Sternen am Nachthimmel, die über allem Irdischen stehend, nie aufhören werden, Frieden und aubetende Bewunderung iu die Herzen der Beschauer zu senken.*

Zwei Tage nach dem Besuch deS Grafen erhielt Anna von ihrem Vormund den ein leichtes

werden vom 27. Juni d. I. ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranieustraße 92/94 unten links, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jeden Monats, ausgereicht werden.

Die Zinsscheine können bet der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs- Hauptkassen, sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfang- nahme bet der Kontrolle selbst wünscht, hat der­selben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigende» Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Ein­reicher eine numertrte Marke als Empfangsbe­scheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Fall erhalten die Einreicher das eine Exemplar mit einer Empfangsbescheinigung v'-sehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.

In Schriftwechsel kann die Kon­trolle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der ZinSscheinanwet- sungen nicht einlassen.

Wer die Zinsscheine durch eine der oben ge­nannten Provivzialkasseu beziehen will, hat der­selben die Anweisungen mit einem doppelten Ver­zeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zins- scheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinztal- kassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu Habea.

Der Einreichung der Prioritäts-Obligationen

Unwohlsein au das Zimmer fesselte folgenden Brief:

Kaum finde ich Worte, um Ihnen das Außer­ordentliche mitzutheilkn, das sich heute zugetragen hat. So vernehmen Sie denn: Der Reichsgraf Erich von Reichenau war soeben bei mir und bat um Ihre Hand! Meine Frau ist außer sich! wenn Ihre verstorbene» Eltern dies erlebt hätten! Ein charmanter Herr, dieser Graf, und ein vor­trefflicher Geschäftsmann. Er kränkelt viel, will unvorzüglich sein Testament machen, und was er Ihnen darin zu hinterlassen gedenkt, ist sehr be­deutend. Aber mit gnädigster Erlaubniß, davon versteht meine holde Mündel nichts!*

Bald nachdem der Herr Graf von Reichenau mich verlassen hatte, suchte Herr Lieutenant von Langen mich auf. Derselbe zeigte mir an, daß er in ein anderes Regiment versetzt worden sei und in wenigen Tagen von hier abreisen werde. Ich theilte ihm Ihre bevorstehende Verlobung mit, und er nahm was mich sehr erfreute die Sache ganz so auf, wie es sich für ihn ziemte: er will Ihrem Glück nicht hindernd im Wege stehen.

Sollten Sie irgend welche Bedenken darüber haben, daß Ihre Verlobung und natürlich auch die Vermählung sobald nach Ihrer Mutter- Tode stattfinden muß, so nehmen Sie ein Bei­spiel an der jüngsten Tochter unseres Prinzen Ludwig, welche schon vierzehn Tage nach ihres Vaters Htnscheideu vermählt wurde. Ja den

bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann. wenn die ZinSscheinauweisuugen ab­handen gekommen sind; in diesem Falle sind die Obligationen an die Kontrolle der StaatSpapiere oder an eine der genannten Proviuzialkasseu mittels besonderer Eingabe einzureichen. Königliche Hauptverwaltung der Staatsschulden. I. 1580. (gez.) v. H 0 ffmann.

Cassel, den 20. Juni 1892.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in der­selben bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungs-Hauptkasse und den Steuerkassen deS Regierungsbezirks verabreicht werden.

Königliche Regierung. Rothe.

K. 1160.

Politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser nahm im Laufe des Mittwoch Vormittags im MarmorpalaiS den Vortrag des Chefs d s Civilkabinets entgegen und arbeitete darauf mit dem Kriegs-Miuister sowie mit dem Chef des MilitärkabinetS. Am Donnerstag Morgen um 5 Uhr 20 Min. kam Se. Majestät der Kaiser mittels Sonderzuges von Potsdam aus nach Berlin, verließ jedoch schon bet Bude 4 bei Schöneberg die Bahn und bestieg mit den Flügeladjutanten vom Dienst die daselbst bereit gehaltenen Reitpferde, um sich direkt nach dem Tempelhofer Felde zu begeben, woselbst der Monarch die zur Zeit iu Berlin garuisonireude 12. Jnfanteriebrigade besichtigte und einem mehrstündigen Exerciren derselben bei- wohnte. Nach dem Schluß der Uebungen nahm Se. Majestät sofort auf dem Tempelhofer Felde zahlreiche militairische Meldungen entgegen. Gegen 9 Uhr kehrte Se. Majestät an der Spitze der Fahnenkompagnie des Infanterie-Regiments Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin

höheren und höchsten Ständen können solche Herzensskrupel nicht berücksichtigt werden. Obwohl es selbstverständlich ist, daß Sie den Antrag deS Herrn Grafen von Reichenau annehmen, so bitte ich um einige Zeilen, welche dies bestätigen, damit ich mit dem künftigen Gemahl morgen bei Ihnen erscheine» kann.*

Wie verächtlich dünkte Anna die Gesinnung dieses Mannes, der heute ganz angemessen fand, was er vor wenigen Tagen scharf getadelt hatte, und der vor Reichthum und Rang eben so tief im Staube lag, als einst die Jsraeliteu sich vor dem goldenen Kalbe beugten. Allein durfte sie noch streng die Fehler und Schwäche» Anderer richten? Hatte sie nicht in ein Spiel sich einge- lassen, das ihrem besseren Empfinden widerstrebte? Auch niederdrückende Gedanken anderer Art machten sich geltend. Otto schied von ihr und ließ sie ohne Rath und Halt im Verkehr mit dem Grafen zurück. Wie vorsorglich und zart dieser auch ihre Beziehungen zu einander regeln würde, der Zu­fall konnte Situationen schaffen, welche von Beiden trotz ihrer Gleichgültigkeit für ein­ander inniges Vertrauen und eine Art von Hingebung erforderten. Otto hätte niemals sie in eine solche Lage bringen müssen, immer auf's Neue tauchte dieser vorwurfsvolle Gedanke in ihr auf.

Siebzehn Jahre zählte sie erst, und bereits viermal war der Tod in ihre Welt getreten, und hatte Vater und Mutter, das zarte Brüderchen