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Dostmifschla«.

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Herssel-tr Irtisbktl

Mit wöchentlicher Kratis-Meilage ^IlluKrirter Nuteröaltnugsölatft'.

Nr. 103. Donnerstag den 1. September 1892.

Dümmeck-KMUg.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unleihaltnngs-Blalt" pro September werden von allen Kaiserlichen Bostanstalten, Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 29. August 1892.

Im Hinblick auf den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglücks um so größer ist, je mehr Nahruna dem ausgebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren OrtSvorstände des Kreises, thunlichst darauf hinzuwirken, daß jetzt, wo nach beendeter Ernte, die Scheuern mit brennbaren Stoffen angefüllt find, soweit möglich ein Jeder seine Vorräthe gegen Feuersgefahr versichert, damit im Falle eines Unglücks eine thunlichst erreichbare Aus­gleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge.

Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerk­sam, daß nach dem Erlaß des Herru Ober- Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. Kreisblatt Nr. 20) die Abhaltung von Hau 8 - kollerten an8 Anlaß von Beschädigungen durch Brand ebensowenig wie bet Hagel- schlag genehmigt werden wird.

Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahuuog, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Aufbewahrung der Streichzündhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Eine Tekamentsklausek.

Novelle von

E. R u d o r f f.

(Fortsetzung.)

Anna verneigte sich zustimmend und der Graf fuhr fort:Noch eine Bitte habe ich au Sie zu richten, liebe Freundin, welche Sie jedoch nicht erschrecken darf: ei ist nöthig, daß wir unS um nicht aufzufallen mit Du anreden. Für die Reise habe ich solche Vorkehrungen getroffen, daß unser Verhältniß neugierigen Späheraugen entzogen bleibt. Nur mein alter, treuer Diener Conrad der schon den Knaben Erich auf seinen Armen trug wird unS begleiten/

Nach einer kurzen Pause fragte der Graf, ob Anna den F a u st kenne, und als sie dies ver­neinte, bat er. einige Stellen ani dem unsterb­lichen Werke ihr vorlesen zu dürfen.

Hermann Grimm hat Recht mit seiner Be­hauptung, daß dadurch, daß wir Faust und Gretchen besitzen, die Deutschen in der Dichtkunst aller Zeiten und Nationen an erster Stelle stehen. Auch wird dies neidlos zugegeben. Immer wieder erscheinen englische, französische und italienische Übersetzungen, deren Autoren ihre Arbeit von vornherein nur als Versuche geben, da die Schön­heit bei Originals zu erreichen, unmöglich sei/

Die Stimme bei Grafen war nicht klangvoll,

Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie! schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen.! Die Herren OrtSvorstände wollen für thunlichste Bekanntwerdung deS Gesagten Sorge tragen, und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise auf die Schul­kinder einzuwirken.

I. I. Nr. 6056. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleivitz.

Die im Jahre 1877 in Marburg gegründete landwirthschastliche Winterschule hat die Aufgabe, in zwei Wintercursen Bauern­föhne und andere junge Leute, welche sich der Landwirthschaft widmen wollen, zu denkenden Landwirtheu zu erziehen und für den landwirth- schaftlichen Beruf derart auszubilden, daß sie be­fähigt sind, ein Landgut rationell zu bewirth­schaften.

Dieser Aufgabe bat die Schule bisher durchaus entsprochen. Ein Theil der Schüler hat nach Erledigung deS zweijährigen Wintercursus bei Wiedereintritt in die väterliche Wirthschaft zu deren Hebung wesentlich mitgewirkt, ein anderer Theil hat durch Vermittelung deS Direktors der Winterschule als Verwalter auf größeren Guts­wirthschaften Stellung gefunden und den an sie gestellten Anforderungen in jeder Beziehung genügt.

Bei den sich täglich steigernden Ansprüchen an den landwirthschaftlichen Betrieb müssen wir die Landwirthe dringend ausfordern, für die Aus­bildung ihrer Söhne in den landwirthschaftlichen Lehrgegenständen Sorge zu tragen, und zu diesem Zweck thuen den Besuch der landwirthschaftlichen Winterschule in Marburg für ihre Söhne empfehlen.

Dank der Fürsorge bei hohen Communal-Laod- tags hat die gedachte Schule ihre Lehr- und Hülfs­mittel durch Einrichtung eines Laboratoriums für chemische, physikalische und mikroskopische Arbeiten wesentlich vervollständigen können und wird

allein er las mit dem tiefsten Verständniß. Anna war so erschüttert von dem Gehörten, daß sie nach den Worten:

Nein, kein Ende! kein Endel­ein plötzliches Unwohlsein vorschützend sich auf ihr Zimmer zurückzog.

Der Gras hatte nicht nur mit den Anordnungen für die Reise, welche drei Monate währen sollte, viel zu thun, sondern auch mit dem Oberinspektor in Nordenthal Alles festzustellen, was in der Zeit seiner Abwesenheit geschehen müsse. Nachdem hier das Nöthigste geordnet war, begab er sich mit Anna auf wenige Tage nach Lindenruh, um dort ebenfalls seinen Willen kund zu thun. Um Anna, die sehr viel allein war. angenehm zu beschäftigen, hatte er sie mit vorzüglichen Büchern reich versehen, unter ihnen auch Nal und D a m a j a u t t in trefflicher Uebersetzung.

ES waren Stunden eines hohen, noch nicht gekannten Genusses für Anna, und sie erstaunte auch darüber, daß ein Dichter, der vor mehr als 3000 Jahren gelebt, in Bezug auf die Innig- kett und Zartheit deS Gefühls vollständig mit unseren Anschauungen übereinstimmte.

Mein König, wenn Du müde bist, mein Gatte, wenn Dich Hunger quält,

Und wenn Du an Verlornes Glück im Walde hier mit Kummer denkst, Dann laß zu Deiner Pflege mich, zu Deinem Troste bet Dir fein.

weiter durch den Besuch von reuomirten Wirth­schaften größerer Landwirthe, von Zuckerfabriken, Brennereien, Molkerei-Anstalten den jungen Leuten Gelegenheiten geboten, das von ihnen theoretisch Erlernte in praktischer Ausführung kennen zu lernen.

Der Unterricht bei nächsten Wintercursus be­ginnt Dienstag d en 18. O cto b er d. I., Vormittags 8 Uhr. Anmeldungen zur Ausnahme sind zeitig vorher an den Direktor der landwirth- schaftlichen Winterschule, Herrn Dr. R. Hesse in Marburg, zu richten, welcher etwaigen weiteren Aufschluß über die Schule geben wird. Derselbe ist gern bereit, für ein paffendes Unterkommen der Schüler tu gut beleumundeten Familien zu sorgen und wird sämmtliche Schüler auch außer­halb der Schulzeit streng überwachen. Für Woh­nung, Verköstigung, Feuerung und Licht hat ein Schüler monatlich 30 bis 45 Mark zu zahlen. Das Schulgeld beträgt 45 Mark für des Winter, wovon die Hälfte beim Beginn deS Schulhalb- jahres, die andere Hälfte beim Wiederbeginn deS Unterrichts im Anfang nächsten Jahres zu ent­richten ist.

Die aufzunehmenden Schüler müssen daS 14. Lebensjahr überschritten haben und sich durch ein Zeugniß über den bisherigen Schulbesuch auS- weisen, außerdem, wenn sie über ein Jahr die Schule bereits »erlassen haben, ein Attest der OrtS- behörde über ihre Uabescholtenheit beibringen.

Eassel am 18. August 1892.

DaS Direktorium bei landwirthschaftlichen Central-Vereins.

ZUM Srdarrtage.

Die Schlacht von S e d a n wird für alle Zeiten eine hervorragende Stelle in der Kriegsgeschichte etunehmen. Meisterhaft und bewundernSwerth war die Strategie unseres großen Moltke, der

Der Aerzte beste Arzenei ist für den Mann doch nicht so gut

In jedem Leid, in jeder Noth, ali ein ge­liebtes, treues Weib/

Eine treue Gattin unserer Zeit hätte nicht edler sich auSdrücken können. Als sie dieS dem Grafen sagte, erwiderte er:Die indischen Dichter waren sich auch der Wirkung und bei Werthes der Poesie vollständig bewußt. In der Weisheit deS Brahmaneu heißt es:

Die Poesie ist Gold; ein Weniges vom holden Metall, mit Kunst gedehnt, reicht Welten zu vergolden/

An dem Morgen der Abreise überbrachte Leonhard der Gräfin ein kunstvoll geordnetes Bouquet, daS sie freundlich dankend entgegen- nahm und dann fortfuhr:Wenn ich au alle das Schöne denke, das Sie uni hier zu schauen gaben, so begreife ich, wie lieb es dem Grafen sein muß, daß Sie, Herr Leonhard, eine gewiß sehr angenehme Stellung auswärts verlassen haben, um ihm hierher auf daS Land zu folgen/

Hat Ihr Herr Gemahl, Frau Gräfin, Ihnen nicht die Geschichte meines Lebens erzählt?" fragte Leonhard.

Mir ist nichts von Ihren früheren Verhält­nissen bekannt, als daß Sie zwei Jahre in Eng­land gelebt haben/ enrgeguete Anna.

Hier wäre es ein Unrecht länger zu schweigen, Frau Gräfin/ rief Leonhard erregt,denn so gewiß Sie Ihren Gemahl lieben und ehren, so