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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnement-preis viertelisthrlich 1 Mark 40 Pfg. «xcl.

Vostaufschiag.

Die Znsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzelle 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg.

Reklamen die Zeile 20 Pfg. «ei größeren «ustrLgm entsprechender Rabatt.

Hersstl-tl ßreisdiiltt.

Mit wSchentliiber Kratis-Meilag« ^IllnKrirt« Anterhaltungsölatt-.

Rr. 104. Sonnabend den 3. September 1892.

Erstes Blatt.

Mmemck-AMW.

Bestellungeu auf das Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtcs Nnterhnltungs-Blatl" pro September werden von allen Kaiserlichen Postanstalteu, Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.

Amtlich«.

Zur wirksameren Bekämpfung der in letzterer Zeit im Regierungsbezirk wieder stärker aufge- tretenen Maul- und Klauenseuche wird gemäß einer unter dem 15. d. M. mir ertheilten Er­mächtigung des Herrn Ministers für Landwirtb­schaft rc. auf Grund deS §, 20 des Reichsvieh' seuchengesetzeS vom 23. Juni 1880 und des §. 1 der BuudesrathS-Jnstruktion vom 24. Februar 1881 Folgendes angeordnet:

1. Für den ganzen Regierungsbezirk wird daS Treiben von Schweinen auf öffentlichen Wegen über die Grenzen des Gemeindebezirks bezw. der Feldmark hinaus bis zu« Ablauf dieses Jahres unter Hinweis auf §, 328 des Reichs-Strafgesetz- buchs verboten.

2. In den Kreisen Caffel (Land), Eschwege, Frankeuberg, Hanau (Land), HerSfeld, Hofgeis- mar, Homberg, Hünfeld, Melsungen, Rinteln, Rotenburg, Witzenhausen und Wolfhagen ist alles dortigen Besitzern gehörige und gewerbsmäßig zum

Transport von Vieh benutzte Fuhrwerk nach jedes-1 maltgem Gebrauch gründlich zu reinigen und zu | desiufieiren.

Die DeSinfection, welche nach gründlicher Reini­gung des Wagens am sichersten durch sorgfältiges Ueberstreichen aller Wagentheile, mit denen das Vieh in Berührung kommen kann, mittelst einer durch Ablöschen von Kalk frisch bereiteten Kalk­milch erreicht wird, hat sofort an dem Orte zu geschehen, au welchem das letzte Stück Vieh zur Ausladung gelangt.

Caffel, am 27. August 1892.

Der RegiernngS-Prästdent. I. V.: v. Pawel.

Hersfeld, den 29. August 1892.

Nach einer Mittheilung des ständischen Bau- amtes dahier sind die Gemeinden 2C. Aua, Eichhof, Eitra, Friedlos, Kathus, Mecklar, Oberhauu, Harnrode und LampertSfeld mit Erledigung von Landwegebau-Arbeiten im Rückstände.

Die Herren Ortsvorstäude der angegebenen Ge­meinden 20. haben für die Ausführung dieser Arbeiten bis spätestens zum 20. Sep­tember d. Js. Sorge zu tragen. Nach Ablauf dieser Frist wird der etwa weiter verbliebene Rückstand auf Kosten der Gemeinde veraccordirt werden.

Nr. 5425/26. Der Königliche Landratb 5511-5517. Freiherr von S ch l e t n i tz.

Hersfeld, den 30. August 1892.

Die Werrabrücke bei Heimboldshansen darf mit Rücksicht auf deren bauliche Beschaffenheit nur mit einem Ladegewicht von 25 bis 30 Zentnern benutzt werden.

J. I. 6049. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e t n i tz.

* Zum Tage von Sedan.

Zweiuudzwanziq Jabre sind verflossen, seitdem I uns die frohe Siegesbotschaft von Sedan die

Gewißheit brächte, daß aus dem blutigen Ringen auf den Schlachtfeldern Frankreichs ein neues deutsches Reich erstehen werde. Kein Tag hat die Herzen oller Deutschen so sehr geeint und mit dem Bewußtsein, daß die Einigkeit von Dauer sein werde, erfüllt wie dieser, und deshalb feiern wir ihn als den Tag, au welchem der Gruuh- steiu zum neuen Deutschen Reich gelegt wurde.

Blicken Wir auf die Zwischenzeit zurück! Mehr als einundzwanzig Jahre genießen wir einen ehrenvollen Frieden, während dessen daS politische Ansehen des neuen ReichS sich stetig vermehrt hat, in Handel und Verkehr ein mächtiger Auf­schwung eingetreten und auch die wirthschaftliche Entwickelung, von vorübergehenden Schwankungen abgesehen, in erfreulicher Weise fortgeschritten ist. Wirthschaftliche und sociale Gesetze haben zur Hebung deS Wohlstandes beigetragen, und die von ihnen geschaffenen, der arbeitenden Klaffe zu Gute kommenden Einrichtungen werden vom Auslande als Vorbild zur Nachahmung empfohlen. Das nationale Band aber, welches die Glieder des Reichs verbindet, ist immer stärker und fester geworden und der Gedanke der Zusammenge­hörigkeit aller Deutschen unbeschadet der Selbständigkeit der Glieder ist in den Herzen Aller immer tiefer eingewurzelt. Noch in diesen Tagen schrieb ein Münchener Blatt bei der Er­nennung des Prinzen Leopold von Bayern zum Inspecteur der vierten Armee-Jaspection, zu der auch das III. und IV. preußische Armeecorps gehört: »Prinz Leopold, der jetzt nach Berlin gereist ist, um sich dem Kaiser in seiner neuen Eigenschaft vorzustellen, wird bei dieser Gelegen­heit auch die beiden preußischen Armeecorps einer Besichtigung unterziehen; zum ersten Male seit der Errichtung deS Deutschen ReichS wird ein bayrischer General preußische Truppen- theile besichtigen; wir begrüßen dies mit freudiger 1 Genugthuung als sichtbaren Beweis für die Ein-

Gine Hekammtsktausel.

Novelle von

E. Rudorfs.

(Fortsetzung.)

»Die Mutter giebt Dir ja Alles so gern!" wendete ich ein.

»Das weiß ich, Fritz, allein der Stiefvater drohte die Mutter zu schlagen, als neulich nicht genug Geld in der Kasse war, sie gestand, es wäre zu meiner Pflege ausgeaeben."

Mir schauderte und ich durchflog im Geiste alle Möglichkeiten, um mir etwas zu verdienen, und den Dulderinnen zu Hülfe zu kommen. Bald hoffte ich nach Prima versetzt zu werden, und wollte mich um Nachhülfe Stunden bemühen. Doch schon vierzehn Tage vor Ostern wurde meine Schwester von ihren Qualen erlöst. Was im Haushalt irgend entbehrlich schien trug die Mutter zum Trödler, doch die erlangte Summe reichte nicht hin, um die Begräbntßkosten zu decken. Da die Tage milder wurden, nahm ich meinen Winter­rock und brächte ihn auf das Leihhaus. Diese Sorge war nun erledigt; wir kleideten die todte Schwester an und legten sie in den Sarg. Gegen Abend kam der Stiefvater heim, welcher schon am frühen Morgen das Haus Derlassen hatte, angeblich weil unser Stöhnen und Jammern ihm unerträglich sei. Mürrisch warf er sich auf einen Stuhl.

»Bist Du krank, Weißling ?" fragte die Mutter.

Nein," rief er, »aber daS verflachte Gesinde! hat mir heute im Spiel alles Geld abgenommen! Gieb mir etwas zu trinken."

Die Mutter reichte ihm ein Glas Bier.

»Das Gebräu ist nicht zu genießen, hole anderes Bier, Frau!"

Lieder Vater," sagte sie bittend, »ich gab Dir heute das letzte Geld und habe nichts eingenommen, da ich den ganzen Tag auf der Straße war, um Alles zum Begräbniß zu bestellen, und auch beim Trödler lange warten mußte."

Nun, wenn Du beim Trödler warst, so hast Du doch Geld erhalten!"

»Nicht mehr, als ich nothwendig brauche!"

»Und Du glaubst, daß ich mich von Dir ab- trösten lasse: ich muß Geld haben, denn ich bin den Schurken drei Thaler schuldig geblieben und will mehr pointiren, um ihnen den Gewinnst wieder abzunehmeu."

»Helfe mir Gott," rief die geängstigte Frau, »aber diesesmal kann ich Dir nichts geben."

»Sprich' nicht so thöricht, morgen ist wieder ein Tag, und am Nachmittage wird sie erst be­graben; also gieb das Geld heraus."

»Weißling, schwöre mir bet der Leiche meines Kindes, daß Du nicht mehr spielen, daß Du wieder arbeiten und mit uns leben willst, und ich gebe Dir drei Thaler, um Deine Schuld zu bezahlen."

»Meinst Du, ich lasse mir Vorschriften von

Dir machen? gieb das Geld her, oder es geht Dir wie vor acht Tagen!"

Meine Mutter entfloh in die Kammer und warf sich vor dem Sarge deS KindeS nieder.

»Komm' gleich zu mir herein und spiele nicht Komödie!" schrie mein Stiefvater vom Stuhl auf. springend. Ich stand regungslos auf meinem Platze und war unfähig ein Glied zu rühren, oder eine Silbe anSzufprechen. Ein Gegenstand, der gegen meine Schulter fiel, als Weißling den Stuhl fortschleuderte, erweckte mich aus meiner Betäubung. Ich griff darnach es war sein Gewehr. Nie hatte ich bis dahin eine Feuer­waffe in der Hand gehabt, jedoch zugesehen, wenn der Stiefvater sie gebrauchte.

Weißling ging da die Mutter sich nicht von der Stelle rührte in die Kammer und griff nach ihrem losgelöseteu Haar, um sie weiter zu zerren.

Halt!" rief ich jetzt und legte an, »meine Mutter soll nicht gemißhandelt werden!"

Weißling drehte sich um und sah mir hohn­lachend ins Gesicht. »Junge, lege das Gewehr fort, daS ist kein Spielzeug für Dich!"

Nicht eher, bis die Mutter ungefährdet daS Zimmer verlassen hat," entgegnete ich und be- harrte in meiner Stellung.

»Natter, warte nur, das soll Dich gereuen!" rief er zornbebend und trat auf mich zu.

»Um GotteSwillen, zwingt mich nicht zum Aeußersteu," flehte ich. Noch einen Schritt kam