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fHersseliitl KreishIlltt.
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Nr. 108.
Dimstig den 13. September
1892.
Amtliches.
Hersfeld, den 8. September 1892.
Am Donnerstag den 29. September d. I S. Vormittags 10 U b r findet in dem Saale des hiesigen Rathhauses eine Kreistags- sttzuug statt.
Tagesordnung:
1) Prüfung der Verhandlungen über die Wahl des Tuchfabrikauten Friedrich Braun dahier als Ersatzmann an Stelle des mit Tod abgegangenen bisherigen KreiStagSab- geordneten Apotheker vr. H r ch. Müller dahier, Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahl und Einführung deS neu Gewählten in sein Amt. (§. 71 der KreiS» ordnung u. §. 2 der Geschäftsordnung.)
2) Begutachtung des Landwegebau • Etats für
3) Begutachtung des Projekts zum Bau einer Brücke über die Werra bet Philippsthal und Beschlußfassung über die Höhe der der bau- pflichtigen Gemeinde PhilippSthal auS kom- munalständischeu Mitteln zu bewilligenden Unterstützung. *
4) Prüfung und Feststellung der von dem Kreis- auSschufle revtdirteu und von der seitens deS Kreistages in dessen Sitzung am 25. Mai 1892 beauftragten Commission geprüften KreiSkassen- Rechnung für 1891/92 (§. 87 der KreiSordnung vom 7. Juni 1885).
5) Beschlußfaffuuq über die Verwendung deS dem hiesigen Kreise auS den landwirthschaft- lichen Zöllen deS Etatsjahres 1891/92 über« Wiesenen Betrages.
6) Beschlußfassung über die vorliegenden Unter- stützungSgesuche.
7) Wahl der bürgerlichen Mitglieder der Ersatz- Commission (§ 2 Pos. 6 der Wehrordnung) für die Jahre 1893, 1894 u. 1895.
8) Wahl eines Mitgliedes in die Einkommen«
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Eine Hekamentsktausel.
Novelle von
E. Rudorff.
(Fortsetzung und Schluß)
Anna ersuchte ihn, die nöthigen Mittheilungen zu machen, und der Graf fuhr fort: »Otto wird von mir benachrichtigt werden, daß er in den nächsten Tagen hier eintreffen möge."
„Großer Gott, was hat sich denn zugetragen?* fragte Anna biS zum Tode erschreckt.
„Du hast mir viel zu verzeihen, liebe Anna, allein ich sündige nicht wissentlich. Zwei unserer besten Aerzte, die ich kousultirt hatte, waren der Meinung, daß ich den Winter nicht überleben würde. Auf ihren AuSspruch gründete ich meine Pläne und — bat um Deine Hand!--Dr. Frank in Kreuth erklärte mir, daß man sich in der Natur meines Leidens geirrt habe und er die Hoffnung hege, mich völlig wiederhergestellt zu feben. Ich hielt diese Worte für eine der gewöhnlichen Redensarten der Badeärzte, welche von der Heilkraft ibrer Quellen immer Wunderdinge berichten. Eine merkliche Erleichterung meiner Beschwerden trat wirklich ein, ich schrieb sie jedoch dem milden Sommer zu, und meinte, sie würde mit ihm zu Eade gehen. Dr. Frank meldete mir jedoch, als ich von ihm Abschied nahm, daß er mich für einen Genesenen ansehe,
stener-Veraulagungs - Commission au Stelle deS mit Tod abgegangenen Apothekers Dr. Hrch. Müller dahier.
9) Beschlußfassung über einen Antrag der Gemeinde Kohlhausen um Ausscheidung eineS Theiles des Landweges Eichhof-Solms — von der Grenze der EiShofSmühle bis nach Kohlhausen — aus dem Landwegebauverband.
10) Beschlußfassung über ein Gesuch der Gemeinden SchenkleugSfeld, RauSbach, Motzfeld, Friedewald, Lauteuhausen, Uoterueurode, Gethsemane, Ausbach, HillartShausen, HilmeS, WehrShausen, RöhrigShöfe, Heringen, Leimbach, Widdershausen, Bengeudorf, Wölfers- Hausen, LengerS, Harurode, Courode, Wüst- selb, Dünkelrode, Malkomes, LampertSfeld, Scheuksolz, Oberlengsfeld, LauderShauseu, Uuterweisenborn um Uebernahme der Laud- wegebaupflicht auf den KreiS.
11) Beschlußfassung über die Zuweisung der nach der Novelle zum KrankenversicherungS- gesetze vom 10. April 1892 verstcheruugS- pflichtig gewordener Personen in den ländlichen Gemrtudev au die allgemeine OrtS- krankenkasse für die ländlichen Gemeinden.
A. Nr. 1616. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 7. September 1892.
Den OrtSpolizeibehörden deS KreiseS wird die genaue Beobachtung der im KreiSblatt Nr. 104 zum Abdruck gelangten Anordnung deS Herrn RegierungS-Prästdevteu vom 27. August d. JS., die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche betreffend, hierdurch zur besonderen Pflicht gemacht. Hierbei nehme ich gleichzeitig Veranlassung, auch auf die Bestimmungen des dies« fettigen AuSschreibenS vom 19. Juli 1886 Nr. 7642 (Kreisblatt Nr. 86) wiederholt hinzuweisen.
Bet dem ersten AuSbruch der Maul- und Klauenseuche ist der Königliche KreiSthierarzt
dem ein nochmaliger Aufenthalt in diesem gesegneten Thale die volle Kraft und Gesundheit wiedergeben müsse."
„O, mein Gott, mein Sott!" stammelte Anna völlig fassungslos vor sich hin.
„Dr. Frank setzte mir auseinander/ berichtete der Graf weiter, „welcher Art eigentlich mein Leiden gewesen sei und überließ eS mir, mit dem unerwarteten LebeuSgeschenk mich abzusiaden. Noch immer sträubte ich mich, seinen AuSspruch für begründet zu halten; ich wollte eine gewichtige Stimme über meinen Zustand hören — die des HofrathS Böhm in der Residenz. Er bestätigte daS bereits Vernommene--und so trete ich wieder in den Kreislauf menschlicher Thätigkeit ein. Mein erster Gedanke warst Du, Anna; ich habe sogleich an meinen Notar geschrieben, damit ich mit ihm über die schicklichste Art — eine Scheidung einzuleiten — berathschlagen könne/
„Sprich das häßliche Wort „Scheidung* nicht auS; eS hat in mir stets einen tiefen Widerwillen erregt/
„Auf Dich, Anna, wird bei dieser Scheidung nicht der Schatten eines VorwurfS fallen, dafür lasse mich sorgen/
„Wenn ich nun/ sagte Anna stockend, „eS für eine mich befriedigende Lebensaufgabe erachtete, alS Deine Freundin bet Deinen Plänen für daS Wohl Anderer mitzuwirken, Würdest Da auch dann eine Trennung für nöthig halten?*
„S t e t st fi ö t h i g !* antwortete der Graf kurz,
fortab sofort stets selbstständig zuzuziehev, weil die möglichst schnelle Zuziehung desselben von größter Wichtigkeit ist.
I. Nr. 6260. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i u i tz.
Bekanntmachung.
Bei Aufstellung der Gebäudebeschreibnugru wollen die Herren Bürgermeister noch Folgendes genau beachten:
1) Finden sich auf den Besitzungen Gebäude vor, welche in der Gebäudesteuerrolle nicht enthalten sind, so ist in Spalte 15 der Beschreibungen „Bemerkungen* genau einzu« tragen, wann die Gebäude erbaut und bewohnbar beziehungsweise nutzbar geworden sind. Auch ist bet diesen Gebäuden in Spalte 15 der Vermerk zu macheu: „in der seitherigen Gebäudesteuerrolle nicht enthalten*.
2) Bei Gebäuden, welche in den Etatijahreu 1890/91, 1891/92 und im laufenden Etats« jahr erbaut sind, die aus diesem Grunde noch nicht in die Rolle eingetragen sein köoueu, fällt der Vermerk: „in her seitherigen Ge« bäudesteuerrolle nicht enthalten* fort. Dahin« gegen ist in Spalte 15 der Zeitpunkt, wann die Gebäude bewohnbar bezw. nutzbar geworden sind oder noch werden, sorgfältig einzutrageo.
Schließlich wollen die Herren Bürgermeister die Beschreibungen sämmtlicher Gebäude und das Verzeichniß bis spätestens zum 15. Oktober d. JS. auf dem Katasteramt abltcferu. Bei Bemessung dieser äußersten Frist wird dringeud empfohlen mit der Aufstellung der Beschreibungen fortzu- fahren und nicht bis aus die letzten Tage mit dieser wichtigen Arbeit zu warten.
HerSfeld, den 8. September 1892.
Der Königliche Steuer-Inspektor. Schweißer.
Aus der gegenwärtig drohenden Choleragefahr erwächst auch den Fabrikbesitzern eine erhöhte
„Noch eine Frage: wirst Du Dich wieder vermählen?*
„Niemals/ enteignete er beinahe heftig.
„So wolltest Du allein durch das Leben gehen! Gieb den unglücklichen Gedanken au eine Scheidung auf. Mir ist der Schwur, den ich am Altare ausgesprochen, nicht eine frevle Lüge gewesen, ich habe vor Gott gelobt als Deine Freundin neben Dir auszuharren/
„Liebe Anna/ sagte der Graf, „ich erkenne Dich nicht wieder! Eine schwärmerische Pflicht- auffassung macht Dich ungerecht gegen den Verlobten. — Allein wenn auch die Geliebte — in Selbsttäuschung — anders beschließen wollte, als sie eS thun müßte, so darf der Freund an dem Freunde nicht irre werden/
Er wandte sich von Anna und ging der Thür zu.
WaS in Anna's Seele vorging, verrieth ihr Zittern, die wechselnde Farbe ihrer Wangen, die vor Erregung bebende Lippe.
„Barmherziger Gott, muß eS dahin kommen!* rief sie aus. „Erich, bleibe und unterbrich mich nicht! Wahrscheinlich würde die Welt mich verdammen, wen« sie jetzt mich hören sollte, vielleicht sinke ich auch tu Deiner Achtung, allein nichts wird mich hindern wahr zu sein, denn mein Geschick entscheidet sich in dieser Stunde!--AIS Da mich verlocktest Deinen Namen zu führen, war ich ein einfache« Mädchen, mit dem Manne verlobt, den ich seit meiner Kindheit kannte, und mit dem ich — aller