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Helsjel-kl Kreistliltl.
__________Mit wöchmllicher Hrattt-Reilage .^llukrirtes Nuterßaltuugrvlatt-.
Nr. 119. Sonnabend dm 8. Ollobcr 1892.
Erstes Blatt.
Amtliches.
HerSfeld, den 3. Oktober 1892.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises mache ich auf die in dem Amtsblatt vom 28. v. Mts. S. 247 veröffentlichte Bekanntmachung des Herrn RegierungS-Präsidenten, die Einführung eines neuen Hebammen-Lehrbuches betreffend, mit der Veranlassung aufmerksam, dahin zu wirken, daß die Gemeinden den bedürftigen Bezirkshebammen die Beschaffung des neuen Lehrbuchs durch Be- willigung von Beihülfen erleichtern.
I. 6885. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleivitz.
Polizei - Verordnung. — Auf Grund des §. 187 des Gesetzes über die allgemeine LandeSver- Waltung vom 30. Juli 1883 und der §§. 6, 12 und 13 der Verordnung über dre Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Laudestheilen vom 20. September 1867 verordne ich in Folge der drohenden Choleragefahr vorbehaltlich der Zustimmung des BezirkSauSschuffeS für den Umfang des Regierungsbezirks Cafsel, was folgt:
§. 1. Alle aus dem Hamburgischen Staatsge- biet kommenden Personen haben sich während der nächsten 6 Tage nach dem Verlassen desselben an jedem Orte, an welchem sie anlangen, spätestens 12 Stunden nach der Ankunft bei der OrtSpolizei- behörde unter Angabe ihrer Unterkunft zu melden und über den Tag, an welchem sie das vorgenannte Gebiet verlassen haben, auszuweisen.
§. 2. Die in §. 1 gedachte Verpflichtung zur Anmeldung liegt auch den Gast- und Herbergs- Wirthen, sowie Jedem ob, welcher eine auS dem Hamburgischen Staatsgebiet kommende Person bei sich aufnimmt.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Des Holdöauers Mustkantin.
EineDorfgeschichtevon ReiNhold Scheffel.
(Fortsetzung.)
WaS mich fortgetrieben, folgt mir auch getreulich wieder bet der Heimkehr. Die äußere Erscheinung ist wohl etwas verblaßt, doch die Stimme höre ich immer und immer, sobald ich nur die Augen schließe. Darum, liebe Mutter, sollst Du mir auch nicht vom Heirathen reden, denn ein Mann, dem eine andere Stimme im Ohr klingt, kann sein Weib nicht ehrlich ans Herz drücken.
Ich bitte euch, behaltet mich so, wie ich bin, dann wollen wir mit einander den kleinen HauS erziehen, daß er ein Mann wird, der werth ist, einst unsern schönen Hof zu eigen zu bekommen.
Glaubt nicht, Vater, daß ich unglücklich bin; ich bin froh und heiter, stolz auf meine guten Eltern und auf unser Eigenthum. Täglich danke ich Gott, der mir die Kraft gegeben, den schwersten Kampf glücklich zu überstehen.
, U"i>, Vater, mit der Musik, die Ihr so gern •Mut foll s recht angehen, wenn ich heimkomme, ich hab so schöne Lieder erlernt, daß bet uns die verkehrte Welt eintritt und die stolzesten Mädel tm Ort zu mir fensterlu kommen werden, um nur waS zu erhorchen. Aber helfen kann eS ihnen nichts. Bet mir heißt'S: Die eine nicht — eine andere auch nicht.
§. 3. Die in § 1 erwähnten Personen sind, falls sich bei der polizeilich angeordneten Beobachtung ihres Gesundheitszustandes der Verdacht der Erkrankung an Cholera ergibt, verpflichtet, sich einer ärztlichen Untersuchung zu unterwerfen, welche erforderlichenfalls zu wiederholen ist.
§. 4 Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden, insofern sie nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften, insbesondere deS § 327 deS Reichsstrafgesetzbuches, mit höherer Strafe zu ahnden sind, mit Geldstrafe bis zu 60 Mark bestraft, an deren Stelle im Unvermögeusfalle entsprechende Haft tritt.
§. 5. Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft.
Cassel, am 10. September 1892.
Der Regieruugs-Prästdent. I. V.: v. Pawel.
Die Militärvorlage
ist vor einigen Tagen dem preußischen StaatS- ministerium zugegangen. I n Allgemeinen dürften sich die früheren Angaben bestätigen, wonach zur Erreichung der Zwecke: Vermehrung der Wehrkraft, Verjüngung der Feldarmee, Erhaltuug der Güte der Truppe, die kriegsmäßige Ausbildung aller Tauglichen unter Feststellung des FriedenS- standes auf 5 Jahre (bis 1. April 1899), ferner die Einführung der zweijährigen Dienstzeit der Infanterie unter gewissen Modalitäten, endlich die Vermehrung deS AusbildungSpsrsonalS, der Schießplätze rc. und neue Friedensstämme beabsichtigt sind. In verschiedenen Blättern wird lebhaft und abfällig der Umstand besprochen, daß das preußische Staatsmiutsterium von einem so wichtigen Entwürfe erst jetzt Kenntniß erhalte und daß er als Präsidialvorlage für deu Bundes- rath und nicht vielmehr als preußischer Antrag an den BundeSrath aaSgearbeitet sei. Diese Kritiken beruhen auf irrigen thatsächlichen Voraussetzungen.
Soll mich eure Antwort noch hier treffen, dürft ihr nicht lange zögern und so lebt jetzt wohl und behaltet mich lieb."
Der Goldbauer hatte den Brief brummig zu Ende gelesen, dann rief er feine Mustkantin und sagte ihr: »Weißt, LieS, du kennst meine Gedanken recht wohl, du weißt, waS eS bet uaS Neues gibt, bist auch sonst a g'scheite Diru, da brauch' ich dir nicht erst laug' vorzusagen, waS ich mein' Buben vermelden will. Ich geh' aufs Feld, schreib' du für mich die Antwort und laß mtch's dann anschauen."
Die Goldbäuerin meinte: »Lies, von mir mußt auch ein Mörtel auhängen. Sag' dem HauS, aus sein' Bild steht man genau, daß ihm der kleine Bub' von der Anna rein aus'» G'sicht g'schnitten ist.«
Am Feierabend brächte Elisabeth den Brief, der morgen mit dem Frühesten abgesendet werden mußte.
»Mein lieber Hans. Sobald ich Deinen Brief zu Ende gelesen, zweifle ich nicht mehr, daß Du was gelernt hast, und freue mich, daß Du die Zeit so gut verwendet. Gut für Dich, denn für uns Eltern bleibt die Hauptsache Dein Herz, und das war ja schon liebevoll, wie Du von uns fort gingst.
Ob Du dieses unverändert zurückbringst, daS werden wir beim ersten Blick erkennen, und ich hoffe eS jetzt schon bestimmt.
Was Du von Deiner unsterblichen Liebe für
Prästdialvorlagen find solche, die der Reichskanzler im Aufträge des Kaisers auSarbeiteu läßt und im Namen des Kaisers, dem verfafsuugS- mäßig das Prästdium deS Bandes zusteht, an den Bundesrath bringt Fast alle wichtigen Gesetze des Reichs werden als Prästdialvorlagen ausgearbeitet. ES kann auch nicht gut anders sein. Wie sollte z. B. ein Einzelstaat ein großes Marine- oder Postgesetz alS Antrag an den BundeSrath bringen, da nur das Reich die geeigneten Organe für solche in seiner auSschließ- lichen Verwaltung befindlichen Angelegenheiten besitzt? Unter 321 Vorlagen, mit denen sich der BundeSrath seit 1884 zu besassen hatte, find nur 25 al« preußische Anträge an ihn gelangt. In Preußen fehlt es nun allerdings zur Beurtheilung der politischen und milttairtsch-technischen Fragen, die bei einer Milttairreform in Betracht kommen, nicht an berufenen Organen; aber daS deutsche Heer besteht auS vier Theilen (dem preußischen, sächsischen and württembergischen Kontingent und der bayerischen Armee), für jeden ist ein eigener Kriegsminister vorhauven und jeder hat jeweilig seine besonderen Bedürfnisse, die bei einem Reich-- militairgesetze zu berücksichtigen find. ES leuchtet ein, daß sich für ein solches die Form einer Präsidialvorlage viel mehr empfiehlt, all ein einzelstaatlicher Antrag. Alle großen Militair- gesetze sind denn auch alS Prästdialvorlagen im BaudeSrathe erschienen.
In Preußen ist von je hergebracht, daß in militairischen Dingen die persönliche Entscheidung deS Monarchen ein ganz besonderes Gewicht besitzt. ES kann daran nichts ändern, daß Preußens König zugleich deutscher Kaiser ist. Nun ist aber auch ohne Zweifel das preußische StaatS- Ministerium durch den Minister der auswärtigen angelegenbetten, der in seiner Eigenschaft alS Reichskanzler die politische Verantwortung für eine Militairvorlage trägt, nud durch den preußischen Kriegsminister, dem die AuSarbeitung
die Städterin schreibst, hat wohl feinen Grund darin, daß Du nicht versucht hast, sie näher kennen zu lernen, so daß Dir jetzt etwas vor- schwebt, waS eigentlich gar nicht ist.
Glaube mir, Hans, die meisten FräuleinS in der Stadt sind in ihren langen Kleidern wett ärmere und hilflosere Geschöpfe alS die Dtrneu auf dem Lande, sie verdienen eher Mitleid als eine so unbändige Liebe, von der Du da sprichst.
Daß Du keine Lust zum Heirathen hast, thut mir leid, aber deswegen bin ich doch nicht gleich nach dem Frühstück zum Notar gelaufen, um mein Testament zu ändern und den Hansel zum Universalerben einzusetzen. Ich hub' den Buben recht lieb, aber ich alS Sechziger mag mit keinem Nachfolger vorlieb nehmen, dem am ganzen Hof nur die Ribisel-Sträuche und die Aepfelbäume eine Freude machen.
.Die Anna hat jetzt ein kleines Mädel, die schlimme Lisel, die den ganzen Tag schreit; viel- ^^^^^^ vergißt Da bei dem Lärm die bewußte alte Stimme, die wir alle zusammen nicht brauchen können.
Die Mutter meint, daß der kleine Hansel Deinem Bilde ähnlich ist, eS läßt sich schwer entscheiden, will eben der Bub deu ganzen Tag den Mund voll hat oder Gesichter schneidet.
Wir und der Hof sind zu alt, alS daß Du bei uns eine Veränderung finden solltest, wie wir waren, so sind wir geblieben.
Die Mutter verwahrt Dein Bild unter dem