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Htlssel-er IrtisMatt,

Mit wöchmtlicher Kratis-Aeilage ^IlluKrirter Auteröaltuugsölatt".

"Nr. 123. " Dienstag den 18. Oktober 1882?

Amtliches.

Hersfeld, de« 14. Oktober 1892.

Für den am 28. März 1879 zu Biebrich a./Rh. geborenen Emil Ernst Gustav Duden, wohn­haft zu New-Albavy in Amerika, ist um Ent­lastung aus dem preußischen StaatSverbaude bebufS ferneren Verbleibens in Amerika nach, gesucht worden.

I. 7066. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i v i tz.

Ein Exempel.

Nach den nunmehr auch im Einzelnen vorlie­genden statistischen Ergebnissen d?r Veranlagung zur Einkommensteuer für 1892/93, der ersten, die noch dem neuen Gesetz erfolgt ist, beträgt daS veranlagte steuerpflichtige Gesammteiukommen in Preußen rund 5961 Millionen Mark. Davon entfallen 257 Millionen Mark auf Actiengesell« schaften, eingetragene Genossenschaften u. bergt, die erst durch das neue Gesetz steuerpflichtig ge­worden sind, 5724 Millionen Mark auf die übrigen Censiten. Die Zahl aller Censiten, also die juristischen Personen eingeschloffen, beläuft sich auf 2437886; davon waren 2028 juristische Personen. Auf jeden Censiten kamen durchschnitt­lich 5981394632 getheilt durch 2437886 = 2453 Mark Einkommen. Läßt man die juristi­schen Personen außer Betracht, so lautet das Exempel 5724 323 767:2 435 858 = 2 350 Mark. So viel beträgt also das veranlagte Durch­schnittseinkommen aller physischen Censiten.

Dos ist ein ganz stattliches Einkommen; wie Mancher wäre froh, wenn er so viel im Jahre zn verzehren hätte! ES scheint daher, als ob die Socialdemokraten nicht so Unrecht hätten, wenn sie behaupten, daß sich bet einer gleichen fortge­setzten Theilung deS Arbeitsertrags aller Art die Masse deS Volkes, insbesondere aller Arbeiter,

Des Hotdöauers Mustkantin.!

Eine Dorfgeschichte v on ReiNhsld Scheffel.

(Schluß.)

Meine ganze Verwandtschaft ist hier in der Stube beisammen."

So ist'« recht, du wirst die stolzeste Gold- bäuerin, die wir noch gehabt haben. Jetzt, Mutter, schau' dazu daß auch die zweite Dtrn die Aus­steuer fertig bekommt, da darf nicht gespart werden, denn da verheirath' der Goldbauer gar zwei Kinder auf einmal."

Schlußwort.

So glänzend ward die Hochzeit des Paare? gefeiert, daß diesem Ereigniß zu Ehren lange eine neue Zeitrechnung im Dorfe galt und man ru sagen pflegte:DaS ist vor und nach der Hochzeit deS jungen Goldbaueru geschehen."

Allen voran an Lustigkeit war der Doktor. Wiederholt sagte er dem freudestrahlenden Bräutigam:

, -Dn hast gefunden, waS ich mein ganzes Leben lang vergebens gesucht ein Weib, daS alle Reize in sich vereinigt."

Der Goldbauer meinte:

Doktor, jetzt ist'S zu früh mitn Hofmachen, Aut zieht die neue MietSpartei erst ein inS Gartenhaus."

Werden sie nicht am Herrenhof wobneu?"

«Nein, die Lies hat nicht mögen. Eher daß

sie leid', daß bei wir oder meiner Alten auch nur i ein Stubl anders g'stellt wird ging's unS durch." |

Sag' Haus, trägst mir das nach, daß durch mich die ganze Bekanntschaft entstanden ist?"

Doktor, daS ist die erste ung'schickte Red', die du mir zum Anböreu gegeben."

Der allerjüngste Wegscheidbauer ward durch andere Persönlichkeiten im Laufe der Jahre um daS Erbrecht.gebracht, welches ihm sein Onkel dazumal in der Fremde zugedacht; wahrscheinlich um sich dafür zu rächen, begann er häufige Bal- gereiea mit seinen kleinen Bettern, wobei ihm daS Uebergewicht feiner Jahre gut zu statten kam.

DeS Goldbauern Musikantin trägt jetzt ihre Lieder zumeist an der Wiege ihrer Kinder vor; an der Stelle, wo die blaffe Stadtfrau verbliche», erblühe» ihre Enkel in Gesundheit und Kraft.

Der Goldbauer braucht nur leise nach feiner Lies zu rufen und sie läßt schnell entschlossen Mann und Kinder im Stiche, um an seine Seite zu eilen. Im Feld und Garte», im HauS und Hof steht man die beiden unzertrennlich mit einander und der Hausvater sagte häufig zu seinem Sohne:

Eigentlich hat die Lies m t r ihr Herz geschenkt und dich nur g'nommen, weil ich eh' schon ein Weib hab'."

Und fragt dann der HauS, sein Weib in die Arme schließend, ob sich die» auch wirklich so ver­halte, so antwortete ihm die LieS:

ganz bedeutend bester stehen würde. Es ist nur noch ein großer Haken bet der Sache. Mit der oben aufgeführten Zahl der Censiten ist nämlich die Zahl der Einzel- und Familieuhaushalte in Preußen keineswegs erschöpft; das kommt daher, daß das neue Gesetz alle Einkommen von 900 Mark nnd weniger von der Steuer frei läßt. Nach den Steuerrollen hat Preußen eine Bevölke­rung von 29895224 Köpfen. Die veranlagten Censiten ergeben 8,15 pCt. der Gesammtbevölke- rung, 20945227 Preußen sind einkommensteuer- frei, darunter haben 78 Millionen einzeln stehende Personen und Haushaltungsvorstäude eigenes, meist Arbeitseinkommen, so daß die Zahl der Haushaltungsvorstände und einzeln lebenden Personen auf rund 10 Millionen geschätzt werden kann. Alle müssen natürlich bet der Theilung gleiche Rechten und gleiche Pflichten haben. Es ist klar, daß durch den Hinzutritt der Leute mit nicht versteuertem Einkommen zwar der Dividendus in unserem Exempel, aber noch in viel höherem Maße der Divisor wachsen muß. Die 78 Millionen, sagen wir 7,5 Millionen Personen, die ihr Einkommen nicht versteuern, haben alle Einkommen unter 900 Mark, sagen wir durch­schnittlich jeder 500 Mark und zusammen also 3750 Millionen Mark. Diese zu dem versteuerten Gesammteinkommen der Censiten von 5724 Millionen Mark Hinzugerechuet giebt 9475. In diese hätten wir nun aber auch mit 10 Millionen, der Zahl aller Personen mit eigenem Einkommen zu theilen, um zu ermitteln, was bei einer allge­meinen Einkommenstheilung für jeden herauS- kommen würde. Das Ergebniß ist 947 Mark, d. h. weniger, als jetzt viele Arbeiter verdienen.

Daß damit das glückliche Allerweltslebeu, von dem die Zukunftsapostel träumen, nicht einzu- richten wäre, liegt auf der Hand, zumal da auch bei der fortgesetzten Theileret die Möglichkeit, sich mit Fleiß, Geschick und Ausdauer über den allge­meinen Durchschnitt zu erheben, hinweggenommen

und damit die wirksamste Triebfeder der Arbeit lahm gelegt wäre.

Uokitischr Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser nahm auf seiner Rückreise von Wien »ach Potsdam in Mitten- berg am Freitag einen einstüudigen Aufenthalt. Derselbe war der Ertheilung von Audienzen und der Orientirung über den Stand der Arbeiten an der renovirten Schloßkirche gewidmet; bekannt­lich gedenkt Se. Majestät der feierlichen Ein­weihung der renovirten Lutherkirche am 31. Ok­tober beizuwohnen. Nachmittags in der dritten Stunde traf alsdann Se. Majestät der Kaiser wieder im MarmorpalaiS bei Potsdam ein.

Am Sonnabend hatte Se. Majestät der K a i s e r, in Begleitung der beiden dienstthuenden Flügel- adjutanten, zunächst von 8 Uhr ab einen Spazier­ritt in die Umgegend von Potsdam unternommen, von dem Allerhöchstderselbe kurz vor halb 10 Uhr wieder zum MarmorpalaiS zurückkehrte. AlS- bald darauf arbeitete Se. Myjetzät mit dem Chef des Militairkabinets und hatte demnächst eine Konferenz mit dem Reichskanzler. Am Nach­mittage um 12^ Uhr hatte der Kapitain zur See v. Prtttwitz u. Gaffroa anläßlich seiner Er­nennung zum Kommandanten S. M. Panzerschiffs König Wilhelm" zur persönlichen Meldung die Ehre des Empfanges. Am Sonntag Vormittag wohnte Se. Majestät der Kaiser im Marmor­palaiS einem Gottesdienste bei, welcher vom Hof­prediger Wendlaudt auS Potsdam abgehalten wurde. Mittags empfing Se. Majestät alSdann im MarmorpalaiS den Kultusminister Dr. Boffe, den Präsidenten des evangelischen Oberkirchen- rathes Dr. Barckhausen und den Chef deS Civil- kabinets, Wirkl. Geh. Rath Dr. v. Lucanus, welche darauf auch mit einer Einladung zur kaiserlichen Tafel beehrt wurden.

Die Uebersiedelung Ihrer Kaiser-

WaS der Goldbauer sagt, ist wahr wie bal Evangelium."

(Nachdruck verboten.)

Die Fiiginug.

Historische Erzählung von B. Barth.

An einem herrlichen Frühlingstage des JahreS 1828 schritt ein junger Mann von schlanker, hoher Gestalt, der von der Richtung der öster­reichischen Grenze her kam, in die weitläufigen Straßen der Stadt Banjaluka in Bosnien ein. Der höchstens dreiundzwanzig oder vierundzwanzig Jahre zählende WanderSmann trug Avantageur- uutform des Oguliner Grenz - Regiments, bal Haupt wurde von der eigenthümlichen Feldmütze derGrenzer" bedeckt, unter welcher kurze, schwarze Löckchen Hervorguolleu. Offenbar war eS ein österreichischer Deserteur, der auS irgend- welchen Gründen den K. K. Waffendienst Per» lassen hatte, um fein Glück tu den Staaten bei Beherrschers der OSmanli zu probiren. ein Fall, der gar nicht selten vorkam. DaS Antlitz des Deserteurs trug unverkennbar den südslavische» Typus und zeichnete sich durch einen ihm inne­wohnenden Ausdruck ganz ungewöhnlicher In- telltgenz und Energie aus, der namentlich auS den kühn und stolz blickenden schwarzen Augen hervorleuchtete. Der junge Mann schien einen laugen Marsch gemacht zu haben, wie die be­staubte Uniform und seiu zu der kräftigen,