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Itrsftlütt Kreisbilltt.

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Nr. 133. Domieistag den 10. November 1892.

Amtliches.

HerSfeld, den 5. November 1892.

Nach §. 13 der Anweisung vom 8. Juni 1883 zur Ausführung des GesetzeS vom 23. April 1883 betreffend den Erlaß polizeilicher Strafverfü« gungen wegen Uebertretungen (s. Amtsbl. Seite 118) hat der Polizei-Verwalter die Befngniß, sobald gegen eine von ihm erlassene Strafver- füguug Antrag auf gerichtliche Entscheidung an­gebracht wird, die Strafverfüguug zurückzuziehen, und soll diese Zurückziehung in allen Fällen ge­schehen, in welchen sich ergiebt, daß die Polizei« liche Strafverfüguug auf einem Irrthum beruht.

Es ist höheren Orts darauf aufmerksam ge­macht worden, daß es nicht nur zulässig sei, in den bezeichneten Fällen die Strafverfügungen zurückzuziehen, sondern auch den Umständen ent­sprechend eine Milderung der festgesetzten Strafe Eintreten zu lassen. Bevor jedoch allgemein gültige Bestimmungen darüber getroffen werden, ob, unter welchen Umständen und bis zu welchem Zeitpunkte die Polizei-Verwalter zur Zurücknahme und zur Milderung der festgesetzten Strafen be­fugt seien und wie sie hierbei zu verfahren haben, soll in dieser Hinsicht einstweilen Folgendes als Richtschnur dienen:

1. Die Befugniß sowohl zur vollen Zurücknahme als auch zur Herabminderung der festgesetzten Strafen bleibt auf diejenigen Fälle beschränkt, in denen die Polizeibehörde, sei e8 in Folge eines AntrageS auf gerichtliche Entscheidung, sei es durch eine Vorstellung des Augeschul- digten oder auf anderem Wege zu der Ueber­zeugung gelangt, daß sie bei dem Erlasse der Verfügung oder bei der Bemessung der Strafe von irrtümlichen thatsächlichen oder rechtlichen Voraussetzungen ausgegangen war, oder, soweit es sich um die Herabminderung handelt, Umstände nicht berücksichtigt hatte, welche die Uebertretung in einem milderen Lichte erscheinen lassen.

(Nachdruck verboten.)

Die Tochter des Meeres.

Roman von A. Nicolo.

(Fortsetzung.)

»Sie muß in Versuchung, in große Versuchung geführt worden sein, sonst hätte sie nimmermehr nachgegeben," sprach er bitter. »Adele, bedenke nur, wie jung sie ist! Du bist erwachsen, sie aber ist noch ein Kind. Und dieser Schurke wird sie mit glänzenden Versprechungen und schmeich­lerischen Reden bethört haben. Aber er soll dafür bestraft werden, und wenn eS mein eigen Herz­blut kostete! Eine solche Schurkerei muß ihre Rache finden!"

AdeleS Stirn zog sich zusammen, als werde sie bei diesen Worten von einem krampfhaften Schmerz erfaßt. Gern hätte sie dem heftigen Zorn freien Lauf gelassen, den jede Silbe von ihm noch steigerte.

Sie mit ihrer jüngern Rivalin zu vergleichen, während sie doch selbst noch ein junges Mädchen war! Ihr eines abwesenden Findlings wegen, dessen Undankbarkeit gegen ihren Wohlthäter Rupert'S Liebe und Sehnsucht nur zu verstärken schien, Vorwürfe zu machen!

All daS verschloß Adele in ihrem Herzen, um sich in nicht gar ferner Zeit an dem unschuldigen Gegenstand ihrer Entrüstung dafür zu rächen.

2. Soll eine Herabminderung der ursprünglich festgesetzten Strafe eintreten, so muß die erste Strafverfügung zurückgezogen und durch eine neue mit geringerem Strafmaße ersetzt werden.

3, die neue Strafverfügung kann selbstverständ­lich von dem Angeschuldtaten ebenfalls inner­halb der gesetzlichen Ausschlußfrist von einer Woche nach ihrer Behändigung angefochten werden.

4, Zurückziehungen oder Herabminderungen von Strafen können nur innerhalb der für die Verfolgung von Uebertretungen vorgesehenen Verjährungsfrist von drei Monaten geschehen; außerdem erlischt die Befugniß auch mit dem Zeitpunkte der Ueberseudung der Acten an die Amtsanwaltschaft.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden angewiesen, in den gegebenen Fällen bis auf Weiteres hiernach zu verfahren und bis zum 1. Juli jeden JahreS mir anzu- zetgen, in wie viel Fällen Sie von der Befugniß zur Herabminderung von Strafen Ge. brauch gemacht haben und welchen AuSfall die gerichtlichen Entscheidungen gehabt haben, wenn gegen die zweite Straffestsetzung Widerspruch erhoben und diese an die Amtsanwaltschaft ab­gegeben sein sollte.

Im Terminkalender ist daS Erforderliche zu notireu.

I. 7380. Der Königliche Landrath

__Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 8. November 1892,

Die Erledigung meiner in Nr. 124 des Kreis- blatteS veröffentlichten Verfügung vom 14. Oktober d. Js. I. Nr. 7225 betreffend die Behändignng der von der Einkommensteuer - Berufaugskom- mission zu Caffel getroffenen Entscheidungen wird von den Herren Bürgermeistern, welche damit noch im Rückstände sind, umgehend erwartet.

III. 85. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

\ »Es kommt mir nicht zu, Dich zu tadeln, Rupert." sagte sie indessen zögernd, »und mein Herz ist Dir zu aufrichtig zugethan, um nicht jeden Schmerz, den Da leidest, mit Dir zu empfinden. Doch vergieb der armen Adele, wenn sie wagt, Dich daran zu erinnern, daß Cora von keinen wirklichen Banden an ihre momentane Heimath gefesselt wurde. Es darf Dich nicht zu sehr wundern, daß sie Reichthum und Luxus der verhältnißmäßigen Armuth diese? lieben Hanse? vorzieht, da? für mich so viele Reize hat. Ach, Rupert, wenn Du nur wüßtest, wenn Deine Augen nicht so blind wären!' fuhr sie mit ge­dämpfter Stimme fort. »Aber die Zeit wird eS Dir zeigen, und ich, Deine Cousine, muß den Schmerz und die Demüthigung ertragen, Dich, meinen edlen Rupert, so getäuscht zu sehen."

In ihren Anaea glänzten Thränen und durch die krystallenen Tropfen strahlte so unverkennbare Liebe und Zärtlichkeit für den bekümmerten Rupert, daß derselbe kein Mann hätte sein müssen, wenn er ihrem Einfluß hätte widerstehen können.

»Nein, nein, sprich nicht so, Adele!" sagte er und ergriff ihre Hand. »Du bist ungerecht gegen mich wie gegen Dich selbst. Ich habe Dir stets als meiner lieben Cousine vertraut, und eine Freundin, eine Schwester in Dir gesehen. Aber Cora Das muß ich gestehen ist die Seele meines Herzens gewesen, der Stern, den meine

Altsschreiben.

In den letzten Tagen ist ein Unbekannter in verschiedenen Orten deS Landkreises Hanau wie in Rückingen und Laugeudiebach aufgetaucht, welcher sich bet den Landbewohnern, hauptsächlich bet Frauen, dadurch einzuführen suchte, daß er sie veranlaßte in eine Krankenkasse, welche den Namen Friedrich Wilhelm Krankenkasse führe und bedeutende Krankenbeträge zahle, sowie in Hanau ihren Sitz habe, eiuzutreteu. Hierbei erhob er gegen Ausstellung von Quittungen, theils auf gedruckten, eigens dazu hergerichtete» Formularen, theils nur auf geschriebenen Zetteln das BettrittS- geld nebst erster Auflage von zusammen 1,15 Mk. Die Quittungen wurden unterzeichnet mit dem Namen:Diehl, Agent auS Hanau" Römerstraße Nr. 8. Da jedoch in Hanau ein Agent NameuS Diehl, sowie die oben angeführte Kraukenkaffe vollständig unbekannt ist, so hat man rS zweifels­ohne mit einem Schwindler zu thun, der sein Treiben auch an anderen Orten fortsetzeu wird, denn auch in Kleinavheim, KreiS Offenbach, ist derselbe unter dru glichen Manipulationen auf. getreten.

Der Thäter ist ungefähr 25 bis 30 Jahre alt, mittelgroß, hat dunkelblonde Haare, schwarzes Schourrbärtchen, schwarze Augen; trägt braune, etwas abgetragene Kleidung und führt ein großes dickes Buch mit gelben eingeklebten Marken bei sich.

Es wird ergebevst ersucht, nach dem Unbe- kannten Nachforschungen anzustellen, denselben im Betretungsfalle festzunehmen und telegraphische Nachricht hierher gelangen zu lassen.

Hanau, am 4. November 1892.

I. Nr. 10582 P. Königliche Polizei-Direktion.

* * *

Hersfeld, den 7. November 1892,

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie deS Kreises zur Recherchi- rung und evtl. Berichterstattung mitgetheilt.

I. 7674. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Phantasie in die glänzendsten Farben der Schön- heit und Liebe kleidete. Es ist jetzt vorüber, sie ist vorüber und ich ... ich will den Verlust nicht ruhig ertragen ohne mich zu rächen."

Jetzt schluchzte Adele. Ihre Wuth und Ent- täuschung machten sich in einem Tbränenstrom Luft, der Rupert bis in's Innerste rührte.

»Beruhige Dich, geliebte Adele," sagte er tröstend. »Es ist thöricht von mir, Dich so auf- zuregen. Komm', laß uns den Kummer Ver- schmerzen," fuhr er fort, und ergriff ihre Haud mit mattem Lächeln. Wir wollen nicht mehr von dieser Undankbaren sprechen. Wenigstens bist Du meiner Mutter . . . und mir geblieben." . Uud halb unbewußt legte sich sein Arm um ihre Taille, und sein Kopf ruhte wie der eine? ermüdeten Kinde« auf ihrer Schulter.

DaS sah sie als ein gutes Zeichen für die Zu- u»ft an. Rupert suchte bei ihr Trost und Sttze in seinem Kummer. Von hier führte nur noch ein Schritt zur Liebe. Cora würde das Herz verlieren, das sie so hoch hielt, und Adele es statt ihrer erhalten.

So glaubte Frau Falkner'S Nichte, als sie sich schüchtern aus der unfreiwilligen Umarmung be­freite.

V.

Zu dem Schulzimmer in der Villa Lord Faro's