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Hersstl-el Kleisdiatt.

Mit wöÄmtliGer HmLis-KeLLKM' ^IKAkrirtes AuLerHMNUgsKlE.________

Nr. 140. Sonnabend den 26. November 1892.

Erstes Statt

MMwriig-LiMng.

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Amtliches.

HerSfeld, den 22. November 1892.

Für die Gemeinde Lauteuhausen ist der Wirth Johannes K i r s ch n e r daselbst als Ortsschätzer, und der Vicebürgermeister Adam Führer als stellvertretender Ortsschätzer bestellt worden, nach­dem Heinrich Heiderick sein Amt niedergelegt hat. I- 8107. Der Königliche Landrath.

J. B.: Heeg.

Gegen einen Präventivkrieg, einen Krieg, der uns nicht aufgedrungen ist, son­dern der unternommen wird, um zukünftigen Kriegen vorzubeugen und der fortdauernden Kriegsbereitschaft ledig zu werden, hat sich der Reichskanzler Graf Caprivi am Mittwoch mit großer Schärte ausgesprochen. Wir lassen die Stelle, die auch im Auslande große Beachtung stoben wird, hier nach den vorläufigen Bericht des ReichSauzetgers folgen:

»Die deutsche Nation ist satt, sie hat nichts zu verlangen. Es ist ein treffendes Wort Seiner Majestät des Kaisers, das er bei der Besitznahme Helgolands aussprach, daß dies das letzte Stück «and sei, wonach Deutschland Verlangen trage. Es ist in verschiedenen Zeitungen, auch von Patrio- Alben Männern gesagt worden: Die schweren Rüstungen könnten nicht mehr getragen werden; man müßte losschlagen, um die Rüstungen los zu werden. Die deutsche Regierung und das Deutsche Volk würde niemals selbst zum Schwert areifen und aggressiv vorgehen. Was würde das Ziel, der Siegespreis des Präventivkrieges sein, Frankreich gegenüber? Wir haben nicht den Wunsch, von Frankreich auch nur einen Quadrat­kilometer uns anzueignen. Wir würden in Ver- »aenheit gerathen, wenn wir uns undeutsche Völker angliedern sollten. Wir haben doch in den Milliarden auch ein Haar gefunden, und wenn man sagt: nehmt französische Kolonieen, so fuße wir haben an unseren Kolonieen genug. Wenn die Ansicht, daß der jetzige Zustand nickt er­träglich ist, welche Ansicht die verbündeten Regie­rungen nicht theilen, durchbrechen sollte, was würde die Folge sein? Als 1870 der Krieg aus- vrach, standen uns acht Armeekorps gegenüber, welchen wir sieben Armeekorps gegenüberstellen konnten. Heute würden wir uns gegenüber einer kleichen Anzahl von Armeekorps finden und dahinter eine große Reservearmee. Wir würden °» der russischen Regierung nicht ein freund- "weS Entgegenkommen erwarten dürfen, sondern müßten an der Grenze etwas von Truppen

stehen lassen. Wir haben ferner die großen Sperrforts Frankreichs zu überwinden an der Mosel und MaaS und dann die großen Festungen Frankreichs, von denen alle stärker armirt sind als Metz und Straßburg. Vor diesen Festungen müßten wir einen Theil unserer Truppen stehen lassen. Schlagen wir auch die Reserve-Armee und marschiren wir auf Paris, so finden wir eine Festung, wie die Welt nicht so leicht gesehen hat, mit einer Kette von Forts in einer Aus­dehnung von 130 Kilometern. Diese Festung auSzuhungern würde schwer sein. Wenn wir Herren von Paris sind, würden wir eine Ruhe von 20 oder 30 Jahren genießen. Würden wir nicht, wenn wir nach Hause kämen, von neuem rüsten müssen und zwar eifriger als früher? Würden nicht andere Leute da sein, welche von unserer Lage Gebrauch machen wolle»? Der Zu­stand wäre nach einem prophylaktischen Kriege noch unhaltbarer als heute. Ich wiederhole also: Von Deutschland wird niemals ein solcher Prä­ventivkrieg geführt werden.'

Aus dem Reichstag.

Berlin, 23. November. Der Reichstag wählte in seiner heutigen (2.) Plenarsitzung das bisherige Präsidium durch Acclamation wieder. Reichskanzler von Caprivi begründete sodann die Militärvorlage. Es handle sich dabei um Fragen für die Zukunft Deutschlands; er werde sich jeder Schwarz­seherei enthalten. Se. Majestät der Kaiser habe Helgoland das letzte erwünschte Stück deutsche Erde genannt, wir haben nichts mehr zu begehren. Ein Angriff«- oder Präventivkrieg werde von Deutschland niemals geführt werden. Caprivi wies sodann nach, daß Deutschland Frankreich nicht provocirte, BiSmarck die Emser Depesche nicht gefälscht habe. Kaiser Wilhelm I. sei nicht zu nachgiebig gewesen. Der Reichs­kanzler verlas sodann die von Geheimrath Abeken am 13. Juli 1870 3 Uhr 50 Nachmittag« au« EmS an das Auswärtige Amt gesandte Depesche. Dieselbe lautet:Se. Majestät schreibt mir: Benedetti fing mich auf der Promenade ab, um auf zuletzt sehr zudringliche Art von mir zu ver­langen, ich sollte ihn autorisiren, sofort zu telegraphiren, daß ich für alle Zukunft mich verpflichtete, niemals wieder meine Zustimmung zu geben, wenn ein Hohenzoller auf die spanische Candidatur zurückkäme. Ich wie« ihn zuletzt etwa» ernst zurück, da man a tont jamais dergleichen Engagements nicht nehmen dürfe noch könne. Natürlich sagte ich ihm, daß ich noch nichts erhalten habe, und da er über Pari« und Madrid früher benachrichligt sei als ich, er wohl einsehen würde, daß mein Gouvernement wiederum außer Spiel sei. Se. Majestät hat seitdem ein Schreiben des -Fürsten bekommen. Da Se. Majestät dem Botschafter Benedetti gesagt hatte, daß er Nach­richt von dem Fürsten erwarte, hat Allerhöchstderselbe mit Rücksicht auf die obige Zumuthung auf de« Grafen Eulen- burg und meinen Vertrag beschlossen, Benedetti nicht mehr zu empfangen, sondern demselben nur durch seinen Adjutanten sagen zu lassen, daß Se. Majestät jetzt vom Fürsten die Be­stätigung der Nachricht erhalten habe, die Benedetti aus Paris schon gehabt und daß Se. Majestät dem Botschafter nicht« weiter zu sagen habe. Se. Majestät stellt Ew. Excellenz anheim, ob nicht die neue Forderung Benedetti'« und ihre Zurückweisung sogleich sowohl unseren Gesandten, al« in der Presse mitgetheilt werden sollte." Caprivi fuhr fort, in Rußland biete die Person des Kaiser« die besten Garantien für den Frieden, e« gebe aber auch bemerkenSwerthe Gegen­strömungen. Die militärische Entwickelung Rußland« sei nicht besorgnißerregend, könne aber gefährlich werden. Deutsch­land müsse die militärische Hauptlast übernehmen, da e« nach zwei Fronten stehen müsse. Der Reichskanzler besprach so­dann den Reformplan und die dafür in Aussicht genommenen Deckung-mittel und schließt mit einem Appell an den Patrioti«- mu« und die Pietät gegen Diejenigen, die da« neue Deutsche Reich gegründet haben und dafür gestorben sind, damit nicht die Gefallenen ihr Blut umsonst gegeben haben, die jetzigen Deutschen aber das für die Erhaltung des Reiche« nöthige Geld nicht geben wollen. (Beifall.) Nach einer kurzen Bemerkung Richter« schloß die Sitzung. MorgenJnterpellation Petri.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 23. November. In der heutigen (7.) Plenar­sitzung des Abgeordnetenhäuser erklärte Finanzminister Miguel

ein neue« Wahlgesetz werde sobald al« thunlich dem Hauff noch in dieser Session zugehen, ingleichen ein Gesetz über die Verwendung der 120 Millionen thesaurirten Einkommensteuer - ertrüge. Graf Limburg-Stirum spricht sich für die Vorlage aus und hofft auf eine Verständigung der Parteien mit der Regierung. Meyer-Berlin verwirft die Vermögenssteuer, weil dadurch der Regierung eine neue, sehr ausdehnbare Steuer gegeben werde. Aus dem weiteren Verlaufe der Debatte er­wähnen wir noch, daß Graf Limburg-Stirum dem früheren Minister Herrfurth vorwarf, er habe in seiner Rede eine eine« kürzlich erst zurückkehrenden Staatsmanne« nicht würdige Haltung eingenommen. Die Conservattven hätten mit dem Widerstände gegen ihn als Minister vollkommen Recht gehabt. Abgeordneter Herrfurth erwiderte darauf, dieser Widerstand sei wohl darauf zurückzuführen, daß er als Minister agrarischen Ideen keinen Einfluß auf sich eingeräumt habe.

Berlin, 24. November. In der heutigen (8.) Plenar­sitzung des Abgeordnetenhauses sprachen die Abg. Humann, (Centrum), Böttinger und Eynern (beide nationalliberal), sowie die Freisinnigen Brömel und Meyer-Berlin gegen da« ErgänzungSsteuergesetz. Höppner sprach Namens der Mehr­heit der Eonservativen für die Vorlage; Gerlich (freicons.) erklärte, sich für seine Person gegen die ganze Reform. Im Laufe der Debatte erklärte der RegierungScommissar Wallach, die VeranlagungSbestimmungen seien fast wörtlich dem Ein­kommensteuergesetz entnomm-n. Finanzminister Dr. Miguel l etonte, er wolle schon wegen der fachgemäßen Abgrenzung der Communal- und StaatSsteuern eine besondere Vermögens­steuer, keine abgeänderte Einkommensteuer. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr. Communalabgabengesetz.

Fotitische Nachrichten.

Die Hofjagd in Lchlivgen ist wegen leichter Erkältung Sr. Majestät des Kaisers bis auf Weiteres verschoben worden.

Der Marineetat für 1892/93 enthält wie seine Vorgänger eine Anzahl Forderungen zur Ver­mehrung des Flottenbestandes und zum Ersatz für ältere nicht mehr krieastüchttpe Schiffe. So muß für das Panzerschiff Preußen, das nicht mehr seefähig ist, ein Ersatz geschaffen werden. Ferner sind unsere zur Küstenvertheidiaung be­stimmten Panzerfahrzeuge durch zwei längst ge« planie Neubauten zu vermehren. Nach der Denkschrift zum Etat für 1889/90 waren 10 ge­schützte Kreuzer unbedingt erforderlich, davon sind erst 3 fertig und der 4. im Bau. Der Bau eines 5. Kreuzers soll jetzt in Augriff genommen werden Ebenso waren 1889/90 nach den dama­ligen politischen Bedürfnissen 13 Stationskreuzer nothwendig. Sieben sind fertig; von den älteren Kreuzern muß die Mövr dem militärischen Dienst entzogen und künftig ganz zur Küsteuvermeffung in kolonialen Gewässern verwandt werden. Der Kreuzer Habicht und die Kononeuboote JltiS, Wolf und Hyäne werden auch bald ausschetden; es empfiehlt sich deshalb, mit dem Bau von zwei neuen Stattonskreuzern vorzugehen. Endlich ist auch der Bedarf au schnellen AvisoS viel schneller gewachsen, als die Zahl unserer Avisos. Ein- zelue dieser Forderungen sind bereits früher au den Reichstag gestellt worden.

(Reichszuschuß zur Alters- und JuvaltditätSversicherung.) Die fort­dauernden Ausgaben deS ReichSamtS des Innern betragen 25841515 Mark (mehr 5 944 765). Von dem Mehr entfallen 5,5 Millionen auf da» Kapitel der allg meinen Fonds und zwar werden 2 Mill. davon für die Unterstützungen auS Anlaß von FriedenSübungen und 3457087 Mark als Mehr- erforderlich für den Zuschuß deS Reichs zu den Invaliden- und Altersrenten verlangt. Der Ge- sawmtzuschuß ist auf 12 670925 Mark festgesetzt. Davon sollen 7696100 Mark auf Altersrenten entfallen und zwar ist angenommen, daß von den für den 1. Januar 1893 veranschlagten 145136