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Hersfeliier Kreisdilltt.
Mtt wöchmtlicher KraLis-Aellage ^IllukrirLes MutkröattAUgsßlatt^.
Nr. 144. Dienstag den 6. Dezember 1^92.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jlliistrirtes Unierhaliongs-Blalt" pro Dezember werden von allen Kaiserlichen Vostanstalten, Laudbriefträger« und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
HerSfeld, den 5. Dezember 1892
Die Herren GutSvorsteher und Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises werden hierdurch angewiesen, die Quittungskarten aller verstche- rougSpflichtigen Personen deS betreffenden Ge- meindebezirkeS sofort einzuziehen und in Ihrem Geschäftszimmer zur Prüfung durch den gegenwärtig im Kreise weilenden Kontrolbeamten der JnvalidttätS- und Alters • Versicherungsanstalt bereit zu halten.
Sollt« bis zum 23. b. MtS. ver Kontrolbeamte im Orte sich nicht eingefunden haben, so sind die Quittungskarten den Inhabern zurückzugeben.
I. 8389. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Alte Keilte.
In seiner Etatsrede machte der Abgeordnete Richter auch die Bemerkung, der Reichskanzler scheine die Familienväter als ein verdächtiges Element in der Armee zu betrachten. ES ist eine der ersten Forderungeu für politische Kämpfe, daß mau einem Gegner nichts unterstelle, in seine Worte nichts hineinlege, was nicht darin ist. Von diesem guten Willen verräth jene Bemerkung nichts. Sie trifft nicht zu. Von einem „verdäch
sNachdruck verboten.)
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nicolo.
(Fortsetzung.) 1 t
Zitternd und erregt sprang sie auf und lief nach dem Fenster. Aber Alles war still.
„Ich muß von Sinnen sein," sprach sie zu sich elbst, „daß ich langbegrabene Todte beraufbe' schwöre und mich durch meine eigenen Gedanken erschrecke."
Aber als sie sich eben, ärgerlich über sich selbst, Dom Fenster abwandte, blieb sie plötzlich beim deutlichen, wenn auch letsgehauchten Ton ihres eigenen Namen stehen.
„Marian!" klang eS leise. „Marian!"
Die Stimme klang so seltsam und zitternd, daß man sie kaum für die Stimme eines lebenden WesenS halten konnte.
, »Wer ruft mich?' sagte Marian in demselben leisen Tone. v ,
„Martan. . . Cousine!" klana eS durch die Luft und eine Gestalt schlich sich die Mauer entlang.
Dann that der Näherkommende einen plötzlichen Sprung; er hatte sich an dem Gasrohre empor- geschwungen, daS aus Lady Marian's Zimmer noch der Veranda führte, und stand, bevor sie überhaupt Zeit zu erschrecken hatte, in ihrem Zimmer.
„Ernst! ... Ist eS möglich ? Kannst Du eS
tigen" Elemente hat der Reichskanzler niemals gesprochen, nur von einem moralisch belasteten Elemente, und was damit gemeint ist, hat er genau erläutert: Neben den größeren körperlichen Beschwerden, der langen Entwöhnung vou Strapazen aller Art, die viel stärker herzudrängenden Gedanken an die Heimath, an Frau und Kind, die der Landwehrmann zu überwinden hat, um im Kriege vor dem Feinde seine Schuldigkeit zu thun. Er braucht eine größere moralische Kraft, als der junge Soldat. Daß der Reichskanzler sie unserer Landwehr nicht abspricht, geht aus der hohen Verehrung hervor, die er den Leistungen der Krieger von 1870/71, die nicht Berufssoldaten waren, am 23. November zollte, u. A. mit dem Worte: „Der Name des deutschen Land- Wehrmannes wird auf alle Zeiten ein Ehren- uame bleiben."
Worauf eS ankommt, daS ist der relative Begriff deS Alters. Für einen Schuljungen, der sich auS der Schule hinauSsehnt, ist schon ein Bursche von 18 Jahren alt. Ein Fräulein ist mit 30,35 Jahren eine alte Jungfer. Militärisch alS gemeiner Soldat ist man alt mit 32 Jahren, denn in diesem Alter erhalten unsere Unteroffiziere schon den Civtlversorgunasscheim Jung in militärischem Sinne ist der Soldat bei den Fahnen und in der Reserve. Wie lächerlich ist es, avzunehmeo, daß es Jemand kränken könne, wenn man ihm sagt: Ich ziehe für den Feldkrieg jüngere Leute vor als du bist, dich will ich schonen; du bist mir in anderer Beziehung sehr werthvoll, aber im Kriege soll erst die militärische Jugend an den Feind! Mit vollem Rechte sagte der Reichskanzler am 30. November im Reichstage: „Ist eS nicht eine Grausamkeit, alte Leute — wiederum „alte Leute" im militärischen Sinne — in einem Bewegungskriege zu verwenden, in einem Kriege, für den nun einmal ihre Gliedmaßen nicht mehr hinreichen? Muß es nicht das
fein ?* hauchte sie, als ihr Blick auf Lord Bel- fort’« erschreckend bleich; Züge fiel.
„Du hast Recht, Martan, daß Da kaum glauben kannst, mich vor Dir zu sehen, aber um unserer früheren Freundschaft willen bin ich hierherge- kommen, um . . . ja, wozu? ... Um zu sterben, glaube ich, denn daS Leben ist mir eine Last, die ich nicht ertragen kann.'
»Still! Still! Das ist feig, wahnsinnig!' sagte sie und nahm beim Anblick seiner furchtbaren Verzweiflung all ihre Kraft zusammen. „Ernst! WaS ist geschehen?" sagte sie, in der Hoffnung, durch diese Frage etwas Energie in ihm zu erwecken.
„WaS geschehen ist? Weißt Du DaS nicht? Aber die Kunde davon ist vielleicht noch nicht biS hierher gedrungen. Und Du weißt uicht, daß ich . . . ein Mörder bin!"
Lady Marian schauerte.
Schon das bloße Wort war so furchtbar, der Gedanke an Blut war ihr so entsetzlich, daß es wohl zu entschuldigen war, daß sie selbst vor diesem Unglücklichen einen Augenblick zurück- schauderte.
„Ah, ich sehe ... Du wagst nicht mich anzu- rühren. Meine letzte Hoffnung ist dahin! Du bist, Du warst mir wie eine Schwester, Marian, und DaS ist meine gerechte Strafe. Ich will gehen und Deine Unschuld durch meine Gegenwart nicht noch mehr beflecken.
Und langsam wandte er sich dem offenen Fenster
Ziel einer jeden vernünftigen Organisation und Heerführung sein, den Rahmen so zu gestalten, daß t’’ Menschen je nach ihrer Qualifikation gebrauch, werden können, daß sie aus dem Einzelnen den höchsten Nutzen herauszieht? Thue ich das, wenn ich junge Leute ziehen lasse und alte einstelle? Nein."
Es ist ohne jeden Zweifel militärisch ein Fehler, ältere Leute zu dem Dienst im Felde heranzuziehen, wenn man jüngere hat. Es ist auch wirthschaftlich ein Fehler; denn eS werden d t e Leute eingezogeu, die Steuerzahler sind, die sich einen Beruf, ein Gewerbe gegründet haben, die eine Familie haben, die etwas für den Staat leisten, und es bleiben d t e Leute zu Hause, die noch nicht so weit sind. Mit dem Reichskanzler darf man der Ueberzeugung fein, daß im Lande die Ansicht sehr weit verbreitet ist, mit diesem Zustande müsse gebrochen werden.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 2. Dezember. In der heutigen (7.) Plenar- sitzung des Reich Srags bemnte der Abg. Rickert, daß den Freisinnigen jede prinzipielle Opposition gegen die Militärvorlage fern läge, daß sie sich aber verpflichtet halten müßten, die Vorlage nicht bloß in militärischer, sondern auch in wirthschaftlicher und finanzieller Beziehung gewissenhaft zu prüfen. Die Stimmung des Landes sei zweifellos gegen die Vorlage und verdiene in jedem Falle die Beachtung der Regierung. Die Herren Militärs berücksichtigten bei solchen Vorlagen zu wenig die volkswirthschaftlichen und finanziellen Mo. mente. Redner kritisirte ferner in abfälliger Weise den Gesetzentwurf, betr. das AuswanderungSwesen, ging auf das neue deutsch-konservative Programm und die neuen Handelsverträge ein, von denen man jedoch heute noch keine Erfolge erwarten dürfe. Die in Aussicht genommene Erhöhung der Biersteuer hält er, abgesehen von sittlichen und sanitären Gründen, selbst finanziell für nicht richtig. Lediglich aus Patriotismus geschehe eS, wenn die Freisinnigen die Militär- Vorlage in dem verlangten Umfange nicht bewilligen würden. Reichskanzler Graf Caprivi wies die Angriffe, welche der Vorredner gegen den Bundesrath und das Reichsschatzamt gerichtet hatte, als unbegründet nach. Bezüglich der Militär-
zu, mit einem Blick, der einen verzweifelten Sprung verkündete ... der vielleicht seinem Kummer ein Ende machen, und sein Verbrechen und Schicksal besiegeln würde.
Aber sie sprang an feine Seite, denn diese neue Gefahr befreite ihre Seele von dem entsetzlichen Bann, in dem sie lag.
„Ernst! Ernst! Beruhige Dich und höre mich an!" rief sie flehend.
„Mich beruhigen, Martan?" rief er. „Wo der Fluch Kaiu's auf mir ruht, wo vielleicht die Schergen auf meiner Spur sind! Spottest Du meiner, daß Du so herzlos kalt redest?'
Und mit einer Heftigkeit, die zu vergeben es ihrer ganzen Sanftmuth, ihres ganzen Mitleids bedurfte, schüttelte er die Hand ab, die sie auf seinen Arm gelegt hatte.
„Ernst, Du bist ganz außer Dir, sonst könntest Du mich nicht so falsch beurtheilen," sprach sie sanft, „aber Du bist nicht sicher, wenn Du hier bleibst. Du mußt Dich irgendwo verbergen, bis die G fahr vorüber ist." H '
„Ich? Und wie? Meinst Du, Dein Vater würde einen Mörder in seinem Hause dulden?" entgegnete er bitter.
„Meines Vaters Tochter wird das Wagniß auf sich nehmen, was auch die Folge davon sei!' sagte daS Mädchen mit festem Muth, der ihn bei seiner Gereiztheit mehr beruhigte als alle Vor- steilnntien. „Warte einen Augenblick und laß mich überlegen."