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Httssel-tl lidsMntt

Mit wöchmtlicher Kratis-Aeilage ^IlluKrirtes AuteröattuugsKlatt^.

Nr. 145. Donnerstag den 8. Dezember 1892.

Amttiches.

Hersfeld, den 5. Dezember 1892.

AuS Anlaß des Umtausches von Quittung?» karten bei dem bevorstehenden Jahreswechsel sind die sämmtlichen Quittungskarten-Ausgabestellen mit weiteren Formularen zu Quittuoaskarten in Kürze zu versehen. Um dabei jeden Bedarf noch zeitig decken und jede Stockung im Umtausch- Geschäft vermeiden zu sonnen, haben mir die Herren Ortsvorstünde bis zum 18. d. M t s. bertchtlich anzuzeigen, wieviel weitere Quit - tungs k a r t e n - Formulare für daS Jahr 1893 voraussichtlich erforderlich sein werden.

Der Bedarf an weiteren Karten wird dabei so reichlich zu bemessen sein, daß im Laufe deS nächsten Jahres Ersatz voraussichtlich nicht nach- zuliefern ist.

I. 8402. Der Königliche Landrath

__________Freiherr von Schleinitz.

HerSfeld. de».5.-Dezember 1892.

Die Herren OrtSvorstände zu Allendorf, A»S- bach, BivgarteS, Eichhof, Eitra, GoßmannSrode, Harnrode, Herfa, Heringen, Hersfeld, Kalkobes, KathuS. Lawpertsfeld, Meckbach, Meisebach, Oder- hauu, Oberrode, Petersberg, Roßbach, Steglos, Sorga, Unterhaun, W'hrshauseo, W'ddershausev, Wilhelmshof, Wippershain und Wölfershausen, welche mit der Einsendung der Anzeigen an die Königliche Staatsanwaltschaft zu Caffel, betreffend das Ableben bestrafter Personen für das I. Kalen­derhalbjahr 1892 im Rückstände sind, werden hieran mit Bezug auf meine Verfügung vom 24. September 1890 Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, mit Frist biS zum 12. d. Mts. erinnert.

Von der erfolgten Einsendung der erwähnten Anzeige ist mir zum obigen Termine Bericht zu erstatten.

I. I. 8403. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

^Nachdruck verboten.)

Die Tochter des Meeres.

Roman von U. Ricolo.

(Fortsetzung.)

Doch auch dann war sie zu stolz, dieses zu fürchten, und sie verachtete sich selbst deS unbehag­lichen Gefühls wegen, das sich in ihrer Brust regte, als sie sah, mit welcher Zuvorkommenheit er die junge Fremde behandelte.

Jetzt errieth sie Alles, wenigstens AlleS waS sie zu wissen brauchte. Von der schönen Unbe­kannten hing auch in dieser Stunde der Gefahr und Rene der Friede und daS Glück von Ernst Belfort'S Leben ab.

XIII.

Cora glaubte zu träumen, alS sie sich wieder in dem Zimmer sah, welches der Schauplatz jenes derhängnißvollen Streites und der ihrem un- schuldigen, unerfahrenen Herzen erstaunenerregeu- den Entdeckung, Lord Faro Liebe eingeflößt zu haben, gewesen war. , In ihrem Alter und in ihrer einsamen Stellung konnte diese Thatsache ihre besten Empfindungen kaum unberührt lassen. , .

Diesem Manne von so hohem Raun, so feiner Bildung und so großen berechtigten Ansprüchen, Aar sie so theuer, daß er um ihretwillen sein Leben auf'S Spiel gesetzt hatte.

HerSfeld, den 6. Dezember 1892.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 26. No- vember d. Js. I. I. 8169 im KretSblatt Nr. 142, betreffend die Anschaffung deS neuen preußischen Hebammen'Lehrbuches, im Rückstände sind, wer­den hieran mit Frist biS zum 12. b. Mts. bet Meldung von 3 Mark Strafe erinnert.

I. I. 8169. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Ausschreiben.

Der am 9. Mai 1869 zu Hanau geborene Diamantschleifer Ludwig Weitzel hat am 27. v. MtS. die elterliche Wohnung hierselbst ver- laffen und wird seit dieser Zeit vermißt. Der­selbe ist an dem genannten Tage gegen 9*/2 Uhr Abends im Ostbahnhofe zu Frankfurt a /M. zuletzt gesehen worden. Die Vermuthung ist nicht aus­geschlossen, daß demselben ein Unfall zugestoßen ist.

Der Vermißte ist von ges tzter Statur, ca. 1,56 w groß, hat dunkle kurzgeschutttene Haare, dunklen Schnurrbart. blaue Augen, rundes Ge­sicht, trägt dunklen Kawmaarn-Anzug, bestehend auS Sackrock, Hose und Weste von einem Stoff mitröthlichem Faden durchwirkt, bläulichen Ueber« zieher, schwarzen steifen Filzhut, Zugstiefel, weiß, leinenes Hemd, darunter ein solches von dunkel- gestreiftem baumwollenem Stoff, dunklem Shlips mit Vorsteckuadel. rc. Weitzel ist kurzsichtig und trägt Brille.

Es wird ergebenst ersucht, nach dem rc. Weitzel geeignete Nachforschungen anzuordnen, denselben im Betretungsfalle anzuhalten und Nachrlcht hierher gelangen lassen zu wollen.

Hanau, am 3. Dezember 1892.

I. Nr. 11413 P, Königl. Polizei-Direktion.

* _ *

HerSfeld, den 6. Dezember 1892.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der

Eine solche Ergebenheit hatte ihr selbst Rupert i Falkner nicht gezeigt, er würde nicht so viel! gewagt haben. Vielleicht war Rrp-rt j-tzt der Verlobte, wenn nicht gar schon Gemahl der Cousine Adele.

Cora setzte sich auf Lord Faro's Stuhl und sah ringsum auf die Bücher, die Zeitungen, die er vielleicht niemals wiedersah; sie berührte daS Papier, daS noch frisch von seiner Feder war und auf welches er geschrieben hatte, bevor sie bei ihm eintrat. Wie sie das Papier mit einer gewissen Scheu berührte, rauschte etwas, daS offenbar unter dem Briefbogen gelegen hatte und jetzt auf die Erde rollte.

Sie beugte sich hastig, um den gefallenen Gegenstand wieder aufzuhebeu, und fand nach kurzem Suchen ein Medaillon.

Sie untersuchte es mit der fieberhaften Spannung.

Auf der einen Seite war ein Monogramm von Diamanten, das sie nicht entziffern konnte, aber während sie eS noch in der Hand hielt, öffnete sich durch einen unbewußten Druck ihrer Finger eine Feder und eS zeigte sich ein kleines Miniaturbild.

ES war das Porträt einer Dame... und welch einer schönen Dame! Cora hatte keine Ahnung von ihrem eigenen Liebreiz, sonst würde sie sich mit diesem dunkeln, feurigen Antlitz verglichen haben, daS sogar auf diese winzig kleine Elfen- beinplatte mit erstaunlicher Geschicklichkeit gemalt

Königlichen Gendarmerie des KreiseS zur Recher- chtrung und evtl. Berichterstattung mitgetheilt.

I. 8418. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

PrivMcnichmig »on Kavallerie- Pseidcn.

Der Inhalt der Militärvorlage berührt auch eine Angelegenheit, die für alle Pferdehalter namentlich auf dem Lande von großem wirthschaft- lichen Interesse ist.

Unsere Kavallerie ist in 465 Schwadronen ein« getheilt. Obgleich wir damit noch auf dem Stande von 1870/71 geblieben sind und Frankreich in­zwischen seine Kavallerie um 86 Schwadronen vermehrt hat, sind wir doch von Frankreich noch nicht ganz eingebolt worden. Viel fehlt aber nicht mehr. Blicken wir noch nach den großen Reitermassen jenseits der östlichen Grenze, die im Kriegsfalle in die preußischen Grenzvrovtnzeu ein» zubrechen bestimmt sind, so ergiebt sich die Noth­wendigkeit, unsere Reserve Kavallerie-Regimenter beim Ausbruche kriegerischer Verwickelungen sofort gefechtsbereit zu halten. Da jedeS Kavallerie- Regiment von seinen 5 Schwadronen eine als Ersatzschwadron zurücklassen muß, so verringert sich die Zahl unserer Feldschwadroueu auf 372, Anders wäre es, wenn bereits im Frieden Stämme für Reserveformationen vorhanden wären. Solche Stämme für die Kavallerie, und zwar im Ganzen 9 Reserveschwadronen, Will die Militärvorlage schaffen. Aus ihnen können im Kriegsfalle sofort Regimenter gebildet werden. Wichtig ist dabei natürlich, daß die nöthige Zahl zugerittener Pferde vorhanden ist. Die Ablichtung von Reit- Pferden muß daher auch die besondere Aufgabe der Reserve-Stamm Schwadronen im Frieden sein.

Aber waS soll mit den abgerichteten Pferden im Frieden geschehen s Es kann doch immer nur

war. Allerdings lag in diesen dunklen Augen ein muthwilliger, halb triumphirender Ausdruck, für den Coras Antlitz zu erust war, doch die Farbe von Cora's Augen hätte auch mit diesem wunderbar schönen Gesicht einen Vergleich aus­gehalten.

Wer konnte es sein? Seine verstorbene Frau, glaubte Cora.

Sie dachte dann an Nettas Gesicht und an ein Porträt, das die verstorbene Frau deS Lord dar- stellte. Aber keinS von beiden hatte die geringste Aehnlichkeit mit diesem Miniaturbtlde.

Und doch war eS Cora, alS ob sie dieses Ge­sicht auf einem Bild oder im wirklichen geben schon einmal gesehen hätte, wenn sie auch für den Augenblick nicht sagen konnte, wann und wo?

Aber wie sie eS sich so ansah, kehrten ihre Ge­danken nach ihrer deutschen Heimath und zu ihrer Kindheit zurück, alS sie Frau Falkner einst mit einem Kästchen in der Hand gesehen hatte, das sie und Adele aufmerksam betrachteten, und daS ebenfalls zu sehen sie sich mit kindlicher Neu- gter herangeschlichen. Dieser Vorfall hatte sich ihrem Gedächtniß fest eingeprägt, deS scharfen TadelS halber, den sie von der allen Dame für diese kleine Unart empfangen hatte. Sie war sofort aus dem Zimmer gewiesen worden, aber sie hatte das Gesicht viele Tage lang nicht ver­gessen sönnen, und dasselbe trat ihr jetzt wieder lebhaft in die Erinnerung.

Ihr erster Gedanke war, diese Reliquie sorg«