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Nr. 147. Dienstag den 13. Dezember 1892.
Amtliches.
HerSfeld, den 9. Dezember 1892.
Den Herren Oitsvoiständen werden in den nächsten Tagen Beuachrichtigungsschreiben zum Einlösen der Wandergewerbescheine pro 1893 zugeben, welche den betreffenden Gewerbetreibenden alSbald zu behändigen sind. Der Tag der Be- Händigung ist hier b-richtlich anzuzeigen.
I. III. Nr. 268. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Ausschreiben.
Am 6. d. Mts. gegen 6 Uhr Nachmittags ist in dem Walde zwischen Rücktngen und Hanau, da, wo der Fußpfad von der Straße bet dem Kilometersteine 4,5 in den Wald abzweigt, etwa 200 Meter in dem Walde, ein Raubanfall ver- übt worden. Der Thäter, welcher nicht festge- halten und b's jetzt nicht ermittelt werden konnte, wird beschrieben wie folgt:
Etwa 20-22 Jahre alt, 1,65-1,70 m groß, schmale Statur, länglich schmales Gesicht, trug Schirmmütze, guten Anzug, anscheinend Arbeits- Hose. Sprache Hanauer Dialect.
Der Thäter hat wahrscheinlich Verletzungen am Kopfe und am rechten Auge davongetragen, auf welche besonder? zu achten sein dürfte.
Um Anstellung der eingehendsten Nachforschungen, 1 Nd um umgehende Mittheilung olles desjenigen, was zur Ermittelung de? Thäters führen könnte, anher, bezw. an die Königliche Staatsanwaltschaft Hterselbst, wird ergebevst ersucht.
Hanau, am 7. Dezember 1892.
I. Nr. 11519 P. Königl. Polizei-Direktion.
* * *
HerSfeld, den 10. Dezember 1892.
Wird den OrtSpolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie deS Kreise? zur Recher- chtrnng und evtl. Berichterstattung mitgetheilt. I. 8483. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
^Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Meere».
Roman von A. Nicolo.
(Fortsetzung.) o .
.Also Sie wollen mir nicht vertrauen? Und doch verlangen Sie Hilfe und Schutz von mir r erwiderte deS LordS Tochter unruhig.
„AllerdingsI« lautete die ruhige Antwort. »Ich bitte darum, weil Sie ein Mädchen sind wie ich, jung und dem Kummer aufgesetzt . . . ach, und auch dem Verbackt, weil Sie Hilfe und Beistand boten. Warum zögern Sie
.Weil ich meinet seit? Vertrauen wünsche, er- widerte Lady Marion kalt. »Sie verlangen Alles und geben nichts . . . Sind Sie die Ursache von Lord Faros gefährlichem Zustand und von seines Gegners Gewissensbissen, Unglückliche?
Cora's Wangen bereiten sich mit einem tiefen
sebe . . . ich sehe Alle«?" antwortete sie erregt. „Wohin ick komme, überall bin ich die Veranlassung zu Kummer und Elend . . . »e- ruhigen Sie sich, Lady Marian.. .ich habe meine Antwort und will Sie nicht länger be« lästigen." .. .
Sie waudte sich bet diesen Worten rasch ab, und hatte die Thür erreicht, ehe Maria» ihre Absicht gewahrte. . Cora's Hand lag schon auf dem Thürschloß.. -
Steckbrief.
Gegen den Friedrich Mannschwytat aus Borauszaten bet Gumbiunen, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das nächste Gerichtsgefäaguiß abzuliefern.
Gießen, den 8. Dezember 1892.
G^oßherzogliche Staatsanwaltschaft. An Königl. Landrathsamt Hersfeld. I. 2279/92.
B e s chr*et buu g.
Alter: 20 Jahre.
Wettere Angaben folgen in Kürze.
Besondere Kennzeichen: Der Verfolgte trägt Arbeitskleider und hat vermuthlich Blutspuren an sich. Geldmittel besitzt er nicht.
. Derselbe war bis zum 6. I. Mts. Dienstknecht bet dem Gr. Bürgermeister Stock zu Steinfurt bei Alteuschlirt, Kreise? Lauterbach, Amtsgerichts Herbstein und ist in der Richtung nach der Preußischen LandeSgrenze aw'Vormittag des genannten Tages flüchtig gegangen.
* . *
HerSfeld, den 10. Dezember 1892.
Wird den OrtSpolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem Flüchtigen mitgetheilt.
Im Betretungsfalle ist derselbe festzunehmen und mir alsdann sofort Anzeige zu erstatten.
I. 8482. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Die Anweisung vom 10. Juni d. I. betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe (Amtsdl. S. 151 ff.), hat in Ziffer III. und IV. durch Erlaß der Herren Ressortminister vom 4. Oktober d. I. folgende Abänderungen erfahren:
Die Regierungs-Prästdenten, in Berlin der Polizei-Präsident, werden ermächtigt, auf Grund des §. 105e der Gewerbe-Ordnung den stehenden Milchhandel an Sonn- und Festtagen außerhalb
| noch ein Moment und der Lauf von mehr als einem Menschenleben wäre ein ganz anderer geworden, als Marian an ihre Seite sprang.
„Halt! Halt!" sagte sie fast in befehlendem Tone. »Sie sollen nicht fort. Und wäre es nur um seinetwillen, den Sie in eine so gefährliche Lage gebracht haben ... Sie müffen bleiben. Gleichviel, ob sie schuldig oder »»schuldig sind, er soll nicht geopfert werden!"
Ein spöttisches Lächeln spielte jetzt um Coras schönen Mund.
»Da? heißt, daß ick eine Gefangene bin, und kein willkommener Gast," sagte sie stolz. .Nun, Das hätte ich ja erwarten sollen . . . Gut! W'e Sie wollen, Laiy Marian! Bis diese Gefahr vorüber ist, werde ich hier unter ihrer Aufsicht bleiben. Darf ich dagegen auf Schutz von Ihnen rechnen?"
»Schutz? Vor was? Vor wem?" fragte Lady Mariau streng. „Sie sind doch nicht mit in da? entsetzliche Drama verwickelt? Sie haben doch nicht die Strafe deS Gerichte? ebenso zu fürchten, wie Ihre eigenen G-wiffenSbisse?"
„Eine? so wenig wie das Andere," erwiderte Cora stolz. »Lady Marian, wie können Sie gegen eine einsame Verbannte so grausam sein! Sie sagten soeben noch, daß Lord Belfort meinetwegen nicht geopfert werden solle, und ich sage Ihnen dagegen, daß ich mit Freuden mein eigenes Leben hingeben würde, wenn ich dadurch ihn uud
der fünfstündigen Beschäftigungszeit und der durch Ziffer III. la der Anweisung freigegebenen Zeit während zweier Stunden des Nachmittag? — die unter Berücksichtigung de? örtlichen Bedürf- N'sses auszuwählen sind — zu gestatten. Diese Ausnahme kann auch für den ersten Oster-, Pfingst- und Weihnachts-Feiertag zugelassen werden.
Die unteren Verwaltungsbehörden werden ermächtigt, auf Grund des § 55a Abs. 2 der Gewerbe Ordnung daS Fetidtetev von Milch auf öffentlichen Wegen rc. und von Haus zu Hau? (den ambulanten Milchhaudel) während der für den stehenden Milchhaudel freigegebenen Nach- Mittagsstunden zuzulaffen.
Demgemäß gebe ich auf Grund des § 105s der Gewerbe-Ordnung in Abänderung von Ziffer II. meiner Bekanntmachung vom 22. August d. Js. (AwtSbl. S. 208) für den stehenden Milchhaudel an Sonn- und Festtagen, einschließlich deS ersten Oster-, Pfingst- und WeihnachtSfeiertags, im ganzen Regierungsbezirk die NachmittagSstunden von 5 bis 7 Uhr frtf»^ - -
Cassel am 5. Dezember 1892.
Der Regierungs - Präsident. Rothe.
Die Interessenten der Hessischen Braudversiche- rungs-Austalt setze ich andurch in Kenntniß, daß die Brandsteuer für das Jahr 1893 durch Beschluß deS 18ten Hessischen Communal-LandtagS vom heutigen Tage auf 18 Pfennige für je 100 Mark des UmlagekapitalS festgesetzt worden ist.
Cassel am 30. November 1892.
Der Landes-Dtrektor. I. A: Dr. Knorz.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 10. Dezember. In der heutigen (12.) Plenarsitzung des Reichstages theilte zunächst Präsident von Levetzow den Eingang der nationalliberalen Interpellation, betreffend das neue Gewehr, mit; dieselbe wird aus die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. Auf der heutigen Tagesordnung steht die erste Berathung des Gesetzentwurf«, betr. die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres. Die
Lord Faro auS der Gefahr retten könnte. Ja, ich würde gern sterben, wenn ich Lord Faro dadurch Gesundheit und seinem unglücklichen Mörder * Sicherheit und Unschuld wiedergebeu könnte."
»Wie können Sie wagen, von Ernst Belfort solche Worte zu gebrauchen?" rief Lady Marian. «Er ist kein Mörder . . . sein Leben stand ebenso auf dem Spiel, er war demselben Schicksal au?- gesetzt wie Lord Faro und Beide sind gleich verantwortlich, wenn es ein Unrecht ist, seine Ehre zu vertheidigen. Aber ich spreche von etwa?, da? Sie nicht verstehen können," fuhr Sie fort, und verblsserte sich durch ein verächtliches Lächeln über ihre eigene Thorheit, mit einem namenlosen Findelkind über solche Dinge gesprochen zu haben. ES genügt, Sie davor zu warnen, daß Sie nicht Jene beleidigen, die Sie nicht zu schützen missen. Sonst sehe ich mich gezwungen, mein Versprechen, Ihnen zu helfen und Sie schützen zu wollen, zu- rückzuziehen."
Cora hörte die Worte kaum; sie hatte den Kopf halb abgewandt und lauschte auf das ferne Geräusch rascher, fester, abgemessener Schritte, wie man sie gewöhnlich nur von einexercirten Soldaten hört; die Schritte wurden allmälig deutlicher und näherten sich offenbar dem Hause.
.Hörcn Sie!" flüsterte sie leise aber deutlich. .Hören Siel Was bedeutet DaS?"
Auch Lady Marian war erblaßt, alS sie die nahenden Schritte vernahm.