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Hersfel-tl Kleisblött.
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Nr. 151. Donnerstag den 22. Dezember 1892.
Elftes Blatt
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Die Expedition.
Unfallversicherung.
Dem Reichstag geht alle Jahre eine Nach- Weisung über die Rechnuugsergebniffe der BerufS- genossenschaften zu. Jetzt liegt die Nachweisung für 1891 vor. Daraus kann man wieder ersehen, welch große Organisation zur Versicherung der Arbeiter gegen Unfälle in Thätigkeit ist.
^Nachdruck verboten.)
Großvaters Weihnachtsgeschenk.
Erzählung von Carl Cassa«.
Motto: O du fröhliche, O du selige,
Gnaden bringende Weihnachtszeit.
In dem Dachstübchen eines hohen Hauses zu Cassel saßen in der Dämmerung deS Christabends im Jahre 1816 zwei schöne Knaben mit klugen Augen und einnehmenden feinen Zügen an einem Tischchen, welches an daS halbbltnde Feusterchen gerückt war, und schnitten Soldaten von buntem Papier aus. Das Stübchen selbst, obwohl peinlich sauber gehalten, wachte jedoch auf den Beschauer den Eindruck der allergrößten Aermlichkeit. Der einzige Luxus, den eS enthielt, bestand aus eine« blüthevweiß überzogenen, schönen Bette in einer Mahagonibettstatt und in einem an der Entgegengesetzten Wand über dem Platze, wo sonst das Tischchen stand, hängenden Oelgemälde im schweren Goldbarokrahmen, welches einen alten Herrn in der Tracht deS vorigen Jahrhunderts, den Großvater der Familie darstellte. — Von der Noth, die hier ihre Wohnstätte aufgeschlagen, wußten die beiden Knaben wohl nicht daS Schlimmste, denn sie scherzten und lachten bet ihrer Beschäftigung.
. »Wohin nur die Mutter gegangen sein mag?* sagte endlich der dunkelgelockte kleine Paul, »sie bleibt auch gar zu lange auS!*
Im Jahre 1891 sind von 112 BerufSqevosseu- schaften (mit 913 Sectionen, 1086 Mitgliedern der Genossenschaftsvorstände, 5247 Mitgliedern der SectionSvoi stände, 22795 Vertrauensmännern 2C.) 23,7 Millionen Mark Entschädigungs- beträge gezahlt und 5 Millionen Mark Ver- waltungskosten gebraucht worden. Dazu treten noch 352 AuSsührungsbebörden der ReichS-, StaatS-, Provinztal- und Communalbetriebe mit 2,3 Millionen Mark Entschädigungen und 13 Versicherungsanstalten der Baugewerks-Berufs- genossenschaft mit 337 000 Mark Entschädigungen. Die Gesammtsumme aller Entschädiaungsbeträge beläuft sich also auf mehr als 26 Millionen Mark gegen 20 315 319,55 Mark im Jahre 1890, 14 464 303,15 Mark im Jahre 1889, 9 681447,07 Mark im Jahre 1888, 5 932 930,08 Mark im Jahre 1887 und 1915 366,24 Mark im Jahre 1886. Die Zunahme wird mithin jetzt von Jahr zu Jahr größer: im ersten Jahre betrug sie rund 4,0 Millionen Mark, im zweiten 3.8 Millionen, im dritten 4,8, im vierten 5,9 und im fünften 6,1 Millionen Mark Die Zahl der neuen Unfälle, für welche im Jahre 1891 Entschädigungen festgestellt wurden, beläuft sich auf 51209 (im Vorjahre 42038), darunter 6428 (6047) mit tödt- lichem Ausgange und 2 595 (2 708) mit dauernder Erwerbsunfähigkeit. Die Zahl der von den Ge- tödteten hinterlassenen entschädianngsberechtigteu Personen beträgt 12827 (11337). Ueberhaupt angemeldet wurden 225 337 (1891 200 000) Unfälle, wobei zu bemerken ist, daß Unfälle von nicht mehr als 13 monatiger Krankheitsdauer der Krankenversicherung anheimfallen.
Die 64 gewerblichen Berufsgenossenschaften hatten über fünf Millionen Versicherte und nahe an 70000 Verletzte aus den Vorjahren und 28000 Verletzte, für welche Entschädigungen im Jahre 1891 festgestellt worden sind. Die 48 laudwirthschaftltchen Berufsgenossenschaften, die noch nicht so lange bestehen, als die gewerblichen,
„Sie hat in dieser Zeit so viel geweint!" antwortete der zwei Jahre ältere Otto darauf mit ernster Miene, „sie muß viel Kummer haben! Heute hat sie den ganzen Tag geschrieben und ist dann fortgegangen.*
»Es wird so kalt!* gab Paul fröstelnd zurück, »sieh, am Fenster sind Eisblumen und draußen fällt der Schnee in tausend Flöckchen!*
»Mich hungert, und Deine Figuren auS Papier machen mir auch keinen Spaß mehr!'
.Sei doch stille, Paulchen!* redete Otto dem klagenden Brüderchen zu, „wenn es Jemand hörte, waS Du da sagst! Die Mutter darf vor allen Dingen nicht w ssen, daß Du geweint hast; denn heute Morgen hat sie das letzte Brod aus dem Tische genommen, und als sie den blanken Gulden zum Wechseln forttrug, fiel eine Thräne auS ihrem Auge darauf. Dabei flüsterte sie ganz leise: „ES ist der letzte!" — Ich hörte eS aber doch! Bedenke, daß die lange Krankheit viel Geld gekostet hat!"
„Läßt sich denn der freundliche Herr Doktor bezahlen?" fragte Paul kindlich.
„Versteht sich, und der Apotheker dazu!" ent- gegnete Otto altklug. „DaS kostet vieles Geld!"
Paul schwieg eine Weile; dann schmiegte er sich fester an Otto und sagte: „Ich fürchte mich im Dunkeln! Sage mir, lieber Otto, warum wohnen wir nicht mehr in unserem schönen Hause an der Promenade und spielen nicht mehr in unserem schönen Garten?"
zählten über 12,2 Millionen Versicherte und 14979 Verletzte, zu denen im Laufe des Rechnungsjahres noch 19 359 hinzukamen. Auf die gewerblichen Genossenschaften entfielen 20.3 Millionen, auf die laudwirthschaftltchen 3,4 Millionen Mark Entschädiaungsbeträge. Die Kosten deS Heil- Verfahrens betrugen bei den gewerblichen Genossenschaften für 18 868 Personen 758 000 Mark, bei den ländlichen für 4325 Personen 154000 Mark, die Renten an 78568 Verletzte dort 13,5 Millionen, hier an 27942 Verletzte 2,5 Millionen Mark. Dazu kommen dann noch, wenn der Unfall den Tod oder Unterbringung im Krankenhause zur Folge hatte, Beerdiganas-, Kur- und Ver- pflegungskosteo, Renten an Wittwen, Kinder und Ascendenten.
Notitische Nachrichten.
Berlin, 20. Dezember.
Se. Majestät der Kaiser stieg am gestrigen, Nachmittage mit dem , Jlügeladjutanteu vom- Dienst am Neuen Palais zu Pferde und kam hierauf in Begleitung desselben von dort nach Berlin. Nach der Ankunft im hiesigen Schlosse hatte Se. Majestät eine Konferenz mit dem Reichskanzler, und Abends begab sich der Kaiser zum Garde-Pionierbataillon und wohnte dort im Kreise des Offizierkorps einem Kciegssp'ele und einer Besprechung desselben durch den Erbprinzen von Sachsen-Meiningen bei. — Nachdem Se. Majestät alSdann im hiesigen Schlosse übernachtet, arbeitete Allerböchstderselbe am heutigen Vormittage von 9 Uhr ab im hiesigen Schlosse mit dem Chef des Marine-KabinetS and hörte hierauf um 10Uhr den Vortrag deS StaatSsekretairS des Auswärtigen Amtes. Um 11 Uhr begab sich Se. Majestät mit Ihrer Majestät der Kaiserin vom Schlosse nach der Sophienkirche, um der Wiedereröffaung derselben betzuwohnen. Später hatten der aus PariS hier eingetroffene
Otto wischte sich im Dunkeln eine Thräne auS den Augen, dann entgegnete er fest: „Weil unser Vater in der Schlacht gefallen und Großpapa gestorben ist! Da sind erbarmungslose Menschen gekommen und haben unS alles genommen."
„So muß man sie darum verklagen."
„Ach, lieber Paul, das verstehst Du noch nicht! Komm, lehne Dich an mich und versuche ein wenig zu schlafen, bis die Mutter heimkommt!"
Er trug ihn in den Korbstuhl, rückte das Tischchen wieder an die Waad und nahm das Brüderchen in seine Arme. Bald verkündigten feste, regelmäßige Athemzüge, daß der Friedensengel deS Schlafes seine Fittiche über die beiden holden Knaben ausgebrettet hatte.
* * *
Bruno Werner war ein junger Gutsbesitzer im Hessischen mit einem leidlichen Vermögen ge» Wesen. Bald nach dem Antritt der Gutsverwal- tung heirathete er Hedwig, die Tochter deS DomänenratheS Scheffler und führte mit seiner Gattin und zwei Kindern, die sie ihm schenkte, ein glückliches Leben auf Pfanenfeld, indes der unersättliche Eroberer Napoleon in Deutschland schaltete und waltete, als ob das ganze Land sein eigen sei. Den Kurfürsten von Hessen hatte er verjagt und unter seinem leichtlebigen Bruder Jerüme auS Theilen deS damaligen Kurfürsten- thum Hessen und mehreren Provinzen umliegender Länder ein „Königreich Westfalen" mit der Haupt-