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Nr. 153. Donnerstag den 29. Dezember 1892.
Dmmeck-Wlhiq.
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Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 23. Dezember 1892.
Der commtssarische Bürgermeister Mohr von Friedewald wurde als Standesbeamter für den Staudesamtsbezirk Friedewald, und das Ge- meinderathsmitglied W. Deisenroth dortselbst alS dessen Stellvertreter eidlich verpflichtet. A. 2110. Der Königliche Landrath
Freiherr vonSchleinttz.
Ortskrankenkasse für die ländlichen Gemeinden des Kreises Hersseld.
Den Mitgliedern der Kasse wird hierdurch zur Kenntniß gebracht, daß vom 1. September 1892 ab die Herren
Dr. I s r a e l für den Amtsbezirk HerSield Dr. S ch u m a n n für den Amtsbezirk Nie- deraula
Dr. Barth für die Amtsbezirke Friedewald und ScheuklengSfeld
alS Kassenärzte beauftragt stob. Im fiebrigen gelten für erkrankte Mitglieder die Bestimmungen der Kasse vom 20. Dezember 1889. Bet den großen Anforderungen, welche an die Kasse gestellt werden, kann eS nicht ausbleiben, daß die Beiträge demnächst erhöht werden, um diese? aber zu vermeiden, liegt eS im Interesse eineS jeden Mitgliedes der Kasse, Unregelmäßigkeiten und Schädigungen der Kasse, namentlich von denjenigen Personen, welche Krankengeld beziehen, aber als arbeitsfähig erscheinen oder gar Arbeiten irgend welcher Art verrichten, sofort dem Vorstand oder dem Kossirer Herrn Carl Demme zu bezeichnen, ebenso auch diejenigen Arbeitgeber, welche es unterlassen sollten, ihre Arbeiter der Kasse als Mitglieder anzumelden, baldigst zur Anzeige zu bringen.
Hersfeld, den 16, Dezember 1892.
Der Vorstand I. H. S ch im melp fe u g.
* * *
HerSfeld, den 24. Dezember 1892.
Vorstehend abgedruckte Bekanntmachung haben die Herren Ortsvorstände deS Kreises in den Gemeinden alsbald auf ortsübliche Weise zur Kenntniß der Betheiligten bringen zu lassen.
I. 8862, Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n t tz.
Gefunden: eine Axt. Meldung des Eigen- tbümers bei dem Ortsvorstand zu Reilos.
Gefunden: ein Flasche Wein und eine Pferdedecke. Meldung der Eigenthümer bei dem Orts- vorstaud zu ScheuklengSfeld.
politische Nachrichten.
B e r l i n, 27. Dezember.
Ihre Majestäten der K a i s e r und die K a i - ser in begingen die Feier dis WeihnachtSfestes im engsten Familienkreise. Am Weihnachts- Heiligeuabend waren die Majestäten, wie alljähr- lich, mit den Damen und Herren des engeren Hofes, den KabiuetS-ChefS ic. zur Tafel im Neuen Palais vereint, an der auch die Erbprinz- lich Sachsen-Meiniugischen Herrschaften und Prinz Alexander von Preußen theilnahmen. Nach Auf- Hebung der Tafel geleiteten die Majestäten die Anwesenden nach dem Muschelsaal, woselbst für dieselben auf weißgedeckten, mit prachtvollen Christbäumen geschmückten Tafeln die kaiserlichen WeihaachtSgaben niedergelegt waren. Bei der WeihuachtSbescheeru^ waren auch die kaiserlichen Prinzen, die Prinz-sstu-Tochter Luise Victoria und die Prinzessin Feodora anwesend. Auch in diesem Jahre war für jedeS Kind ein eigener prächtig geschmückter Christbaum entzündet worden, unter dem die Gaben ausgestellt waren. — Am ersten Weihnachtsfeiertage wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin dem Gottesdienste in der Friedenskirche zu Potsdam bet. Nach Schluß desselben kehrten die Majestäten zu Fuß nach dem Neuen Palais zurück. Am Nachmittage starteten Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold im Neuen PalaiS einen Besuch . ab. — Se. Majestät der Kaiser verblieb während der gestrigen Vormittagsstunden in seinem Arbeits- zimmer. Mittags hatte der Oberbefehlshaber der Truppen in den Marken, General-Oberst der Infanterie von Pope die Ehre, von Sr. Majestät empfangen und zur kaiserlichen Tafel geladen zu werden. Noch Aufhebung der Tafel unternahmen
^Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Oticolo.
Cora ahnte wohl^an wen diese Worte gerichtet waren; ja, sie konnte sich sogar den Blick vor- stellen, welcher sie begleitete, und sich das bezaubernd süße Lächeln vergegenwärtigen, das Netta so gut verstand, wenn sie bezaubern wollte.
»Ach, ich gehe weit fort von allen denen, die Interesse dafür haben, ob ich heiter oder traurig bin," klang es seufzend von Netta'S Lippen. »Ich werde aus meinem eigenen Hanse verbannt, in dem Augenblick, wo eS mir am theuersten ist und der Tod meines armen VaterS mir tiefen Kummer bereitet, und nun soll ich bei einem alten, kranken Onkel leben, der schon den Namen meines VaterS nicht gern nennen hörte! Ich glaube nicht, daß ich eS werde ertragen können," fuhr sie leidenschaftlich fort. »Sie können sich denken, wie bitter ich eS empfinde, wenn ich gegen Sie, einen wir Fremden, von meinem Kummer spreche. Aber ich habe ja Niemanden außer Ihnen, und in Kurzem werde ich auch diese Erleichterung für meinen Schmerz, meinen Kummer verloren haben! Und dann, glaube ich, gräme ich mich zu Tode... Doch Sie find mir ja fremd, und es ist sehr thöricht von mir, Ihnen so zu vertrauen.'
»Sagen Sie lieber, eS ist ein Beweis Ihres
| edeln, großmüthigen Charakters," sprach er voll Wärme. »Miß Faro, ich vermag Ihr Naturell zu schätzen, wie es geschätzt zu werden verdient, und bin nicht so ehrlos, Vortheil aus Ihrer Jugend und Unerfahrenheit ziehen zu wollen."
„Sie haben gewiß schon Jemand, der mehr Anrecht auf Ihre Theilnahme und Interesse hat," sagte Netta und wandte sich ab. Und es ist Ua- recht von uns Beiden, in so thörichter Weise miteinander zu reden . . . wenn ich erst fern von Ihnen bin, werden Sie mich deshalb verlachen.'
»Lachen . . . über Ihr großherziges Vertrauen? Nie!* lautete die erregte Antwort. »Miß Faro, ich stehe an Rang unter Ihnen, obgleich ich nach leisen Andeutungen, die ich erhalten habe, glaube, daß ein Geheimniß über mir schwebt, daS vielleicht eineS Tages aufgeklärt wird. Aber wenigstens kann ich anf Wahrheitsliebe und Ehre als mein Erbtheil Anspruch machen, und ich würde lieber mein Leben opfern, alS daS Vertrauen nicht rechtfertigen, daS Jemand in meine Treue und Ergebenheit gefetzt hat."
XIX,
Cora lauschte halb betäubt voa Schmerz diesem Zwiegespräch.
Dann blickte sie durch eine Lücke ia dem Gebüsch und sah die beiden ihr so bekannten Gesichter.
In Rupert's dunklen Augen lag die männliche,
! sanfte Innigkeit, die ihren Mädchenherzen eine so selbstlose, treue Liebe eingeflößt hatte; tu Netta's halbabgewandtem Gesicht dagegen die kokette Schüchternheit, die der mädchenhaften, unschuldigen Verwirrung so ähnelte.
Cora sah Alles, fühlte Alles... oder vielmehr schien das Bild sich ihr wie mit glühendem Eisen in daS Gedächtniß etvzuprägeu, am in späteren Tagen voll größeren Wehes wieder hervorgeholt zu werden.
Sie trank den bitteren Kelch bis auf den letzten Tropfen.
Und als eine Bewegung deS arglosen PaareS sie ;au den Rückzug mahnte, glitt sie aus ihrem Versteck, das für sie zu einer Folterbank geworden war, und schwankte davon.
Bis dahin hatte sie sich beherrscht, aber jetzt lief eS ihr tu ihrer Seelenpetn heiß durch alle Adern, und sie warf sich in ihrem wilden Schmerze auf den kühlen grünen Rasen, auf dem die Thau- trovfen noch im Sonnenschein glitzerten.
Cora konnte nicht weinen ... diese Erleichterung war ihr versagt . . . aber sie stöhnte voll bitterer Entrüstung und Verachtung.
Wie sie Beide haßte, Beide verachtete! Sie haßte sie wegen der Herzlosigkeit, daß sie Alles, was ihnen am theuersten gewesen war, so bald vergessen konnten ... sie verachtete sie wegen der Schwäche, daß sie Reiz und AaziehungSkraft in der Theilnahme und Huldigung eines Fremden