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Htlsfetökl Kttisblatt
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Donnerstag den 12. Januar
1893.
Amtliches.
Königliche Regierung.
Cassel, den 27. Dezember 1892.
Zur Kontrolle der pünktlichen Handhabung der Polizei-Verordnung über die Untersuchung des Schlachtviehs vom 1. Juli b. I. ist es erwünscht, daß die Kreisthierärzte von der ihnen als Beamten der Veterinärpolizei nach §. 2 und 3 des Reichs-Gesetzes, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln rc. vom 14. Mai 1879 (R. G. Bl. S. 145) zustehenden Befugniß, in den dem Verkehr geöffneten Räumlichkeiten der in Betracht kommenden Gewerbetreibender Proben von Nahrungsmitteln (Fleisch) zu entnehmen und Revisionen vorzunehmen, Gebrauch machen. Da diese sich auch aus § 4. der Gesetzes-Motive ergebende Befugniß weder in den Kreisen der betheiligten Gewerbetreibenden, noch den Kreisthierärzten genügend bekannt ist, so ersuche ich Euer Hoch- wohlgeboren ergebenst, den Kreisthierarzt und — durch öffentliche Bekanntmachung — die betheiligten Gewerbetreibenden darauf aufmerksam zu machen, auch dem Kreisthierarzt, falls erforderlich, einen Ausweisschein zu ertheilen.
Auch wollen Ew. Hochwohlgeboren die Ortspolizeibehörden mit Bezug auf §. 3 des ged. Gesetzes anweisen, die Namen derjenigen Personen, welche auf Grund der §§. 10 12. 13 a. a. O. zu einer Freiheitsstrafe rechtskräftig verurtheilt sind, alsbald nach Eingang der Benachrichtigung der Gerichtsbehörden dem Kreisthierarzte mitzu- theilen.
Der Regierungs-Präsident (gez.) Rothe.
An die sämmtlichen Herren Landräthe des Regierungsbezirks. I. A. II. 11727.
* *
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nieolo.
(Fortsetzung.)
„Falkner? Falkner?" rief er mit Entsetzen. „Der Himmel erbarme sich meiner! Ist es denn möglich, daß die Todten wieder lebendig geworden sind?".....
XXIV.
Cora erkannte aus der Flucht die Gefahr zur Rettung des verfolgten Lord zuerst in ihrem vollen Umfange, als sie des Wächters rasche Fußtritte vernahm.
Sie faßte Lord Belfort's Arm und zog ihn hastig hinter einen Haufen Steine, die zum Bau neuer Stallungen angefahren worden waren.
Der Wächter lief an ihnen vorüber, ohne sie zu bemerken, und der Weg nach der Küste war für den Verfolgten frei. Cora forderte denselben auf, ihr so rasch als möglich zu folgen, und Beide liefen in der entgegengesetzten Richtung weiter.
Nach linkem Laufe kamen sie an das Privat- thor, durch welches sie mittelst Lady Marians Hauptschlüssel hinausgelangten.
Nachdem sie dort einen Augenblick geruht und Athem geschöpft hatten, führte Cora ihren Ge-
Hersfeld, den 7. Januar 1893.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Ortspolizeibehörden mit der Veranlaffung, die betheiligten Gewerbetreibenden auf die dem Königlichen Kreisthierarzt zustehende Befugniß in geeignetster Weise aufmerksam zu machen, im Uebrigen auch den Schlußsatz obiger Verfügung zu beachten.
I. 68. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 7. Januar 1893.
Auf Grund des §. 55a des Gesetzes betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891 gestatte ich für den Umfang des Kreises Hersfeld an Sonn- und Festtagen das Feilbieten im Umherziehen von Blumen, Backwaaren, geringern Gebrauchswaaren, Erinnerungszeichen ähnlichen Gegenständen bei öffentlichen Festen, Truppenzusammenziehungen oder sonstigen außergewöhnlichen -Gelegenheiten.
Während den Stunden des Gottesdienstes bleibt das Feilbieten untersagt.
I. 8826. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 6. Januar 1893.
Die Fouragelieferung für die Pferde der dahier stationirten berittenen Gendarmen für das Etatsjahr 1893/94 soll öffentlich verdungen werden.
Termin hierzu habe ich auf Dienstag den 24. b. Mts. Vormittags 11 Uhr in mein Geschäftslokal anberaumt, wozu Lieferungslustige mit dem Bemerken eingeladen werden, daß die Bekanntmachung der Bedingungen im Termine erfolgt.
I. I. Nr. 93. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
; führten einen steilen Weg hinauf.
„Wohin führen Sie mich? Was soll das Ende dieser wilden Flucht sein, Cora?" frug Lord Belfort, denn seine Kräfte waren erschöpft.
„Nach dem Steinbruch!" flüsterte sie. „Dort sind Sie einige Zeit sicher"
Dieser Plan war aber rascher gefaßt als ausgeführt, denn die Finsterniß und der tiefe Abgrund auf der einen Seite ihres Weges, der jeden Schritt bedenklich machte, und die beständige Furcht, hinter jedem Strauch oder Stein könnte ein Verfolger hervortreten, vermehrten die Gefahr dieses nächtlichen Ganges.
Aber endlich ging der Mond auf und beleuchtete die weiße Oberfläche des Steinbruchs.
Er hätte eine Armee bergen können, so groß war er, und Lord Belfort schauderte, als sein Auge auf diesen dunkeln, einsamen Zufluchtsort fiel, der einem großen Grabe glich.
„Es ist unmöglich! Wir können nicht sicher da hinunter gelangen," sagte er zurückweichend.
Wir müssen! Es ist unsere einzige Hoffnung!" erwiderte sie. „Es können Leute hier vorbeikommen, die, von der auf Ihre Ergreifung ausgesetzte Belohnung angezogen, sofort auf die Beschreibung Ihres Aeußern aufmerksam werden. Erst in jener Höhle dort unten sind wir sicher."
Er konnte nicht feige zurückweichen, wenn ein junges, zartes Mädchen ihn auf dem gefährlichen
Hersfeld, den 6. Januar 1893.
Zur Verhütung der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche werden die Ortspolizeibehörden veranlaßt, von der künftig etwa gestatteten Ausfuhr von Vieh aus einem Seuchen- orte behufs alsbaldiger Abschlachtung gemäß §. 64 Abs. 2 der Bundesraths-Jnstruktion vom 24. Februar 1881 der Polizeibehörde des Bestimmungsortes stets rechtzeitig — erforderlichen Falls durch Telegramm — Mittheilung zu machen, damit dieselbe in der Lage ist, geeignete Schutzmaßregeln gegen die Gefahr der Seuchenein- schleppung zu treffen.
I. I. Nr. 74. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Gefunden: ein Sack mit Rinderfett. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Solms.
Nichtamtliches.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 10. Januar. In der heutigen 17. Sitzung des R ei ch sta g e S eröffnete Präsident v. Levetzow die Sitzung mit einem NeujchrSgruß an die Mitglieder des Hauses und widmet den seit der l tzten Sitzung verstorbenen Abgg. Lange- Liegnitz und Peter ReichenSperger einen warm empfundenen Nachruf. Zu Ehren des Andenkens der beiden Dahinge« schiedcnen erheben sich die Mitglieder von ihren Plätzen. — Das Strafverfahren gegen den Abg. Ahlwardt ist gemäß dem Beschlusse des Reichstags vom 10. Dezember für die Dauer der gegenwärtigen Session sistirt worden. — Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Erhöhung der Braust euer. Die Vorlage verdoppelt den bisherigen Brausteuersatz für Getreide, Reis und grüne Stark- von 4 auf 8 Mk. und schreibt die Einbeziehung von Elsaß-Lothringen in die Brausteuergemeinschast vor. Die Diskussion wird eingeleitet durch StaatSsrkrctair v. Maltzahn: Es dürfte überflüssig sein, besonder» zu motiviren, warum die verbündeten Regierungen nicht einfach die Mehrkosten, welche die Militairvorlage verursacht, auf die Matrikularbei» träge geschlagen haben. Seit über die Erhöhung der
Wege voranging. Und obgleich ihm schwindelte und seine Glieder von Erschöpfung zitterten, entschloß er sich doch, in den finsteren Steinbruch hinabzusteigen.
Cora war schon unten, und mit jedem Schritte, den der ihrer Obhut Anvertraute vorwärts that, stieg ihre Hoffnung, als Lord Belfort, in Folge eines Fehltrittes, ausglitt und das letzte Stück herabstürzte.
Cora hatte Geistesgegenwart genug gehabt, rasch herzuzuspringen und dadurch das heftige Auffallen des Lords auf den harten Boden zu verhindern. Als sie ihn aber dann ansah, sank ihr der Muth, und kalt durchrieselte es ihren Körper.
„Ist er todt!"
Das war ihr erster, unwillkürlicher Ausruf, und Lord Belfort empfand bei diesem Klageton eine wohlthuende Freude, die ihn trotz seiner großen Schmerzen sich rasch aufraffen ließ.
„Nein, nein!" murmelte er mit all der Kraft, die ihm zu Gebote stand. „Ich bin unverletzt . . . so glaube ich wenigstens."
Aber als er aufstehen und den Fuß bewegen wollte, auf den er mit der ganzen Körperlast gefallen war, entrang sich ihm ein Schrei.
„Haben Sie sich den Fuß verletzt?" fragte das Mädchen besorgt.
„Ich fürchte . . . ja. Er schmerzt mich ent-