Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AbonnementSprei« vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postaufschlag.
Die Jnsertion-gebühren betragen für den Raum einer Spaltzcilc 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Hrrssel-er IrrisHntt.
Mit wöchentlicher Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Dr. 11. Donnerstag den 36. Januar 1893.
DMMiK-KillckW.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt" für die Monate Februar und März werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 21. Januar 1893.
Bei dem etwaigen raschen Abgang des diesjährigen außergewöhnlich starken Eises liegt die .Gefahr besonders mächtiger Eisversetzungen und damit auch einer größern Gefährdung der an den Flußläufen befindlichen Bauwerke vor.
Es ist daher durch geeignete Maßnahmen vor dem voraussichtlichen Weggang des Eises auf thun- lichste Verminderung dieser Gefahr hinzuwirken.
Vor allen Dingen ist es erforderlich bei Eintritt von Thauwetter an sämmtlichen Brücken, an denen starker Eisgang zu erwarten ist, die Eisdecken an den sämmtlichen Pfeilern und Eisbrechern los zu hauen, so daß das Flußbett unter der Brücke und in unmittelbarem Anschluß an dieselbe sofort bei der ersten Strömung vollständig frei wird. Eventuell ist auch noch der rasche Weggang des Eises vor und unter den Brücken durch Zertheilen der großen Eisflächen durch Einhauen von Längsrinnen zu fördern.
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nicolo.
(Fortsetzung.)
„Eifersüchtig ... auf ein armes, heimathloses Mädchen!" rief der Herzog ungläubig aus. »Lady Marian, Sie müssen Ihre Vorzüge sehr gering schätzen, wenn Sie das für möglich halten."
„Nein," antwortete sie mit fester Stimme, „durchaus nicht! Ich weiß, daß ich Rang und Reichthum besitze, die mich vielleicht irre führen, wenn ich mich für bewundert und geliebt halte, aber wenn ich mich in der geheimnißvollen Dame nicht täusche, so ist sie schöuer als ich, und besitzt einen gefährlichen Reiz für Jene, denen sie gefallen will."
„Mir scheint, Sie halten uns Männer für entsetzlich thöricht, Lady Marian," antwortete der Herzog. „Würden Sie sich in Ihrer Wahl von solchen Beweggründen leiten lassen?"
„Das weiß ich nicht," sagte sie bitter. „Ich bin in meinen theuersten Wünschen und Neigun- gen getäuscht worden. Warum sollte ich jetzt uicht etwas Sicherem trauen?"
„Und war dieses unglückliche Mädchen die Ursache Ihrer Enttänschungen, welcher Art die- lelben auch gewesen sein mögen?" fragte er mit einem Blick wirklicher Theilnahme.
Sie hat Vielen Kummer verursacht . . . Anderen noch viel mehr als mir . . . und das
Wenn dann die Brücke bei dem ersten Wasserandrang selbst eisfrei ist, muß während des weitern starken Eisganges fortgesetzt das Augenmerk darauf gerichtet sein, daß Stauungen des herantreibenden Eises an den Brücken vermieden werden. An besonders der Gefahr ausgesetzten Brücken ist bei starkem Eisgang eine Wache auf- zustellen, welche den Verlauf beobachtet, und die Durchleitung des Eises allein oder mit den erforderlichen Hilfsmannschaften befördert.
Es ist daher auch schon jetzt darauf Bedacht zu nehmen, daß die nöthigen Geräthe beschafft werden.
Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, die Ortsvorstände auf Befolgung des Vorstehenden aufmerksam zu machen, sowie anzuweisen, daß dieselben den Anordnungen der Wegebau-Aufseher entsprechen.
Der Landes-Bauinspector X y l a n d e r. An das Königliche Landrathsamt hier. Nr. 205.
* *
*
Hersfeld, den 23. Jauuar 1393.
■ Wird den betreffenden Herren Ortsvorständen des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
Den bezüglichen Anordnungen der Wegebau- Aufseher ist Folge zu leisten.
I. 341. Der Königliche Landrath.
J. V.: Heeg.
Zugelaufen: ein schwarzer Dachshund mit gelben Beinen. Der Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Futterkosten bei dem Ortsvorstand zu Schenksolz in Empfang nehmen.
Gefunden: eine Bindekette. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Sieglos.
Unglück läßt sich nicht wieder gut machen," war die leise, traurige Antwort. „Aber bitte, dringen Sie nicht weiter in mich. Wenn sie verrathen würde, würden auch Andere in entsetzliche Gefahr kommen."
„Und doch kann sie Hunger leiden . . . kann zu Grunde gehen," sprach er.
„Ueberlassen Sie das mir! Ich werde sehen, ob sich etwas thun läßt, ohne Andere in's Verderben zu stürzen," sagte Lady Marian. „Nicht wahr, ich richte eine solche Bitte doch nicht vergebens an Sie?"
„Nein, nein! Es sei wie Sie wünschen!" erwiderte der Herzog nach kurzem Besinnen. „Sie können gegen eine arme Ausgestoßene nicht grausam sein. Und doch," fuhr er zögernd fort, „würde ich es als ein großes Vertrauen ansehen, Lady Marian, wenn sie meinen Beistand annehmen wollten."
„Vielleicht thäte ich es, aber ich kann nicht nach eigenem Belieben entscheiden, wo es sich um die Sicherheit Anderer handelt," entgegnete sie mit bezauberndem Lächeln. „Doch ich bemerke, daß Papa sehnsüchtig nach dem Thee ausschaut. . . wir dürfen ihn nicht länger auf das duftende Getränk warten lassen."
Mit diesen Worten eilte sie in das Nebenzimmer ohne eine Antwort abzuwarten.
Der Herzog folgte ihr langsam und kam gerade zurecht um zu sehen, wie Marian ihren
Kaisers Geburtstag.
An keinem Tage fühlt sich das preußische Volk so einig, so in allen seinen Gliedern, Schichten und Klassen, in allen seinen Altersstufen als ein von einem festen Bande umschlungenes Ganze wie an Königs Geburtstag, und ebenso ist es des Kaisers Geburtstag, au welchem alle deutschen Stämme in Einmüthigkeit dem Fürsten huldigen, in dessen Krone die Einheit des deutschen Vaterlandes ihr Sinnbild findet. Freudige, patriotische Begeisterungen ergreift Alt und Jung, Hoch und Niedrig, und in der Hütte wie im Palast stimmt Alles in denselben Ruf ein: Unser Kaiser lebe hoch!
Aber es ist nicht nur schöne hergebrachte Sitte, in welcher sich das Volk vereinigt. Wir dürfen für uns in Anfpruch nehmen, daß wir einem tiefempfundenen inneren Bedürfniß Ausdruck geben, wenn wir an diesem Tage unserem Kaiserlichen Herrn den schuldigen Dank für all sein unermüdliches, rastlos Wirken zum Wohle des Vaterlaudes darbringen.
Als unser Kaiser, in schwerer Zeit auf den Thron seiner Väter berufen, am 27. Juni 1888 die beiden Häuser des Landtags zum ersten Male um sich versammelte, verkündete er der Volksvertretung, daß er an die ihm nach Gottes Fügung gestellte Aufgabe mit der Zuversicht des Pflichtgefühls herantrete und sich dabei das Wort des großen Friedrich gegenwärtig halte, daß in Preußen „der König des Staates erster Diener" ist.
Kaiser Wilhelm — das offenbart sich Jedem, der die fast fünfjährige Regierungszeit überschaut — hat diesem Grundsatz gemäß gehandelt. Nach dem Wahrspruch, den der Große Kurfürst seinen Söhnen als Richtschnur hinterließ, hat er in
weißen Arm um ihres Vaters Hals schlang, während sie ihm mit der andern Hand eine Tasse Thee reichte.
Sie sah reizend aus, wie sie so dastand und der junge Herzog mußte sich gestehen, daß ein entschiedener Reiz darin lag, in diesem kleinen Kreis den Abend zu verbringen.
Und doch weilten des Herzogs Gedanken mehr bei Cora's ernstem, ausdrucksvollem Gesicht, als bei der eleganten und reichen Erbin von Biddulph um die zu werben er gekommen war.
XXX.
Lady Marian hatte seit ihrer Anwesenheit auf Schloß Biddnlph oft wunderliche Einfälle, und die Dienerschaft wagte nicht, sich ihren oft eigenthümlichen Befehlen offen zu widersetzen.
Als sie daher Auftrag gab, am nächsten Morgen nach des Herzogs Ankunft früh um sieben Uhr ihr Lieblingspferd Muhamed zu satteln, und selbst an die Stallthür kam, da auszusteigen, wagte Niemand, auch nur durch einen Blick seine Verwunderung zu verrathen.
„Soll Friedrich Sie begleiten, Milady? Ich habe sein Pferd bereit," fragte der Stallbursche, der den schönen Braunen hielt.
„Nein, ich wünsche allein zu reiten," erwiderte sie entschieden. „Ich werde in ungefähr einer ! Stunde wieder zurück sein, und will nicht, daß