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Htlsselder Kleisblatt.
Mit wöchentlicher Gratis-Veilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Ur. 14. Donnerstag den 3. Februar 1893«
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Bestellungen auf das ^ersfelber Areisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 31. Januar 1893.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Erreichung demgemäß den nach- stehenden Verfügungen zu erstattenden Berichten noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 8. Februar d. Js. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.
1. Verfügung vom 30. Mai 1879 Nr. 6474, im Kreisblatt Nr. 44, das Einbinden der Kreisblätter betreffend.
2. Verfügung vom 4. Mai 1880 Nr. 4917, im Kreisblatt Nr. 36, die Führung eines Verzeichnisses über die Ortsbürger und Beisitzer betreffend.
Der Königliche Landrath.
____________________J. V.: Heeg. ___
Hersfeld, den 1. Februar 1893.
Für den am 15. Dezember 1875 dahier geborenen Kupferschmied Johann Peter Göbel ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsver-
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nieolo.
(Fortsetzung.)
XXXII.
„Wünschen Sie einen Wagen, Miß?" fragte der höfliche Beamte auf dem Nordwestbahnhof, als der Zug gegen zehn Uhr Abends eintraf.
Cora war es, an welche diese Frage gerichtet wurde.
„Ja . . . nein ... ich weiß es selbst kaum," erwiderte sie auf seine Frage mit einem Blick auf ihre Reisetasche, die ihr ganzes Vermögen enthielt, und erwog dabei den Inhalt ihrer Börse und ihre Lage zu so später Stunde in einer fremden Stadt.
„Nehmen Sie lieber einen Wagen, Miß. Es ist für eine Dame wie Sie jetzt unsicher in den Straßen. Wo soll er Sie hinfahren?" fragte der Beamte weiter, während er einem Kutscher einen Wink gab.
Cora zögerte.
»Ich weiß es nicht ... ich bin noch nicht entschlossen ... ich werde wohl in ein Hotel gehen, bis ich eine Wohnung gefunden habe," versetzte sie erröthend.
»So ist Niemand hier, der Sie erwartet?" jragte der Beamte.
Nein, ich bin fremd hier . . ich bin herge
bande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. I. Nr. 739. Der Königliche Landrath. __I. V.: Heeg.
Fulda, den 1. Februar 1893.
Wasserstandstelegramm.
Wasserstand am Pegel 1,44 8 Vormittags, das Wasser steigt. Eisstand.
Der Landrath Fliedner.
Politische Nachrichten.
Berlin, 31. Januar.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin unternahmen am gestrigen Nachmittag eine gemeinsame Spazierfahrt nach dem Thiergarten, von der Allerhöchstdieselben . gegen 4 Uhr zurückkehrten. Am Abend fand bei : Allerhöchstdenselben im Schlosse die Abendtasel statt, zu. der auch der Prinz Heinrich, der Groß- ; Herzog von Hessen und die Prinzessin Feodora zu Schleswig-Holstein erschienen waren. Nach Aufhebung der Tafel begaben sich die Majestäten gemeinsam nach dem Kroll'schen Etablissement und wohnten daselbst mit anderen Mitgliedern der königlichen Familie und Fürstlichkeiten 2C. dem Konzerte des Garde-Füsilierregiments und des Matrosenkorps der 1. Matrosen-Division aus Kiel bis zum Schlüsse bei. — Am heutigen Morgen begaben sich Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin kurz vor 7'/2 Uhr vom Schlosse aus zu Wagen nach Bahnhof Friedrichstraße, von wo aus die Kaiserin Friedrich in Begleitung der Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe und mit den Damen und Herren ihres Gefolges um 7 Uhr 41 Minuten
kommen, mir eine Stellung zu suchen!"
„Armes Mädchen! . . . Und ohne Empfehlung, wie mir scheint!" dachte der mitleidige Beamte.
„Wenn ich Zeit hätte, Miß, glaube ich, könnte ich Ihnen behilflich sein," sagte er darauf laut. „Leider fahre ich morgen mit bem ersten Zuge fort. Doch wenn es Ihnen recht ist, will ich Ihnen die Adresse einer Verwandten meiner Frau geben, die eine Privatschule hat und auch Zimmer vermiethet. Dieselbe wird Sie mir zu Gefallen aufnehmen und kann Ihnen vielleicht auch für später von einigem Nutzen sein."
Der gute Mann schrieb einige Zeilen auf ein Blatt Papier, reichte es Cora und verabschiedete sich dann rasch, da ihn seine Pflicht abrief.
Nach einer Fahrt von kaum einer halben Stunde hielt der Wagen, den Cora gemiethet, vor einem kleinen, aber sauber gehaltenen Hause, das mitten in einem Gärtchen stand, und aus dessen einem Fenster ein Licht schimmerte, . . . ein Beweis, daß die Bewohner noch wach waren.
Der Kutscher zog die Klingel und eine Frau öffnete bald darauf die Thür.
„Wer ist da?" fragte sie etwas verwundert.
Der Kutscher war inzwischen bezahlt worden und weitergefahren, und Cora stand im Gaslicht allein vor Miß Minchin's kaltem, forschendem Blick.
„Mit wem habe ich das Vergnügen zu sprechen?"
die Reise zum Besuch der Königin von England nach Osborne beziehentlich London rc. antrat. Nach erfolgter Abfahrt kehrten die kaiserlichen Majestäten zum Schlöffe zurück. Dort verweilte der Monarch alsdann bis kurz nach 9 Uhr Vormittags und fuhr hierauf nach dem Anhalter Bahnhöfe, um sich um 9' /., Uhr mittelst Sonder- zuges mit seiner militärischen Begleitung nach dem Artillerie-Schießplatz bei Jüterbog zu be- geben und daselbst während der nächsten Stunden den Schießversuchen beizuwohnen.
Der Reichsanzeiger bringt an der Spitze seiner Nummer vom 30. Januar folgenden Erlaß an den Reichskanzler: Im Anschluß an die freudige Feier der Vermählung Meiner geliebten Schwester der Prinzessin Margarethe von Preußen, hat sich Mein diesjähriger Geburtstag durch die Anwesenheit vieler, Meinem Herzen nahestehenden Erlauchten Fürstlichkeiten zu einem besonders frohen Feste gestaltet. Die herrlichste Freude aber, welche Mir aus Anlaß dieser festlichen Tage geworden, bilden die Kundgebungen der Treue und Anhänglichkeit Meines Volkes, welche Mir in den mannigfaltigsten Formen und in ungewöhnlich großer Fülle aus allen Gauen des Reichs und auch von außerhalb wohnenden Deutschen zugegangen sind. Vor allem hat es Meinem Herzen wohlgethan, so häufig den Ausdruck einer opferbereiten Vaterlandsliebe und des Vertrauens in Meine auf des Vaterlandes Sicherheit gerichteten Bestrebungen begegnet zu sein, wodurch Meine Zuversicht bestärkt wird, daß diesen Meinen Bemühungen unter Gottes gnädiger Führung der Erfolg nicht fehlen werde. Ich bezeuge daher gern auf diefem Wege Allen, welche Meiner an Meinem Geburtstage so liebevoll gedacht haben, daß der Zweck ihrer Aufmerksamkeiten, Meine Festesfreude zu erhöhen, in vollkommener
fragte diese.
„Ich habe Ihnen dieses Blatt zu überbringen" . . . mit diesen Worten reichte ihr Cora den Brief des Beamten.
„Ah! Sie suchen Wohnung?" versetzte die Angeredete in einem Tone, der zwischen Mißtrauen und Höflichkeit schwankte. Allerdings nehme ich ungern Jemand zu so später Stunde auf, doch bin ich Jedem, den Herr Dakins mir fchickt, gern gefällig und kann Ihnen auch eine Stube einräumen."
„So darf ich bleiben?" warf Cora rasch ein.
„Ja, . . . Das heißt vorläufig für diese Nacht. Ihr längeres Bleiben wird von unserem Ueber- einkommen abhängen. Kommen sie hier herein," fügte sie, auf eine Thür am Ende des Corridors deutend, hinzu.
Cora trat ein und hatte, während Miß Minchin die Hausthür schloß, volle Muße, sich im Zimmer umzusehen.
Es war klein, aber außerordentlich schmuck und sauber, allerdings auffallend verschieden von den eleganten Räumen in Villa Faro und Schloß Biddulph.
Aber Cora gedachte des Aufenthalts in dem Steinbruch und ihrer einsamen Lage, und sie war dankbar für den Zufluchtsort und bevor Miß Minchin eintrat, war sie bereit, jede Frage derselben mit lobenswerther Geduld und Bescheiden-