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Hersfel-el Kltisdliltt.
Mit wöchentlicher Gratis-VeLlage „Jllnstrirtes Sonntagsblatt".
Mr. 19.
Dienstag den 14. Februar
1893.
Amtliches.
Des Königs Majestät haben dem Kunstverein für das Großherzogthum Hessen mittelst Allerhöchster Ordre vom 16ten v. M. die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der von der Großherzoglichen Regierung, Behufs der Gewinnung von Mitteln für die Vergrößerung und Verbesserung der Ausstellungshalle, genehmigten öffentlichen Verloosung von goldenen und silbernen Gegenständen, sowie von Kunst- und kunstgewerblichen Erzeugnissen auch im diesseitigen Staatsgebiete, jedoch nur in der Rheinprovinz und in der Provinz Hessen-Nassau, Loose zu vertreiben.
Die unterstellten Polizeibehörden werden aus- gefordert, den Vertrieb der Loose im diesseitigen Regierungsbezirk nicht zu beanstanden.
Cassel am 6. Februar 1893.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.
Hersfeld, den 11. Februar 1893.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben alsbald auf ortsübliche Weise öffentlich bekannt machen zu lassen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Stutenbesitzer zu bringen, daß die Königlichen Beschäler
auf Station Hersfeld den 25. Februar d. Js. und
auf Station Philippsthal den 26. Februar d. Js. eintreffen werden.
I. L Nr. 893. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Politische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser empfing am Freitag Nachmittag, gleich nach 2 Uhr, den Bildhauer
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nieolo.
(Fortsetzung)
XXXVII.
„Nun, Nichte, wie geht es den Mädchen heute?" fragte Sir Fulke, in Frau Digby's Frühstückszimmer tretend. „Aber ich brauche wohl gar nicht zu fragen, ich kann es mir schon denken. Trissa klagt, und die kleine Heldin ist frisch und blühend."
Frau Digby sah ärgerlich aus.
Granville lachte.
„Wirklich, Onkel, ich muß sagen, daß Du sehr hart gegen die arme Trissa bist," erwiderte die Mutter so vorwurfsvoll. „Sie ist wirklich so ungemein zarter Natur, daß ich mich gar nicht wundere, daß ein solcher Schreck, wie sie ihn gestern gehabt hat, sie dermaßen angegriffen hat. Ich habe ihr zugeredet, jedenfalls im Bett zu bleiben, bis Doktor James kommt."
„Und die Andere . . . das edle Wesen, dem Du das Leben Deines Kindes verdankst . . . was hast Du wegen ihr beschlossen, Helene?" fragte der alte Baron Fulke voll Interesse.
„Nun, sie erklärte so entschieden, daß sie ganz wohl sei und ausstehen werde, daß ich meinte, rs könnte ihr nichts schaden. Man sieht ja sofort, daß sie viel kräftiger als Trissa ist."
Professor Vegas und verblieb dann während der nächstfolgenden Stunden in seinem Arbeitszimmer. Zur Abendtafel war u. A. auch der Chef des Marinekabinets Frhr. v. Senden-Bibran mit einer Einladung beehrt worden. — Am Sonnabend Vormittag hatten beide Kaiserliche Majestäten zunächst eine etwa einstündige gemeinsame Spazierfahrt nach dem Thiergarten unternommen. Nach dem Schloß zurückgekehrt, empfing Se. Majestät der Kaiser den Chef des Generalstabes der Armee zum Vortrage, arbeitete darauf von lP/4 Uhr ab mit dem Chef des Militairkabinets und nahm am Nachmittage um 1 Uhr eine Reihe militairischer Meldungen entgegen. — Am Sonntag Vormittag wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin dein Gottesdienste in der Dom-Jnterims- Kirche bei. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, empfing der Kaiser den General-Adjutanten, Generallieutenant Excellenz von Winterfeld, und gewährte darauf dem Hofmaler Wimmer im königlichen Schlosse eine längere Sitzung. Am Nachmittag um l1 /7 Uhr entsprach das Kaiserpaar einer Einladung des Prinzen und der Prinzessin Albert von Sachsen-Altenburg zur Frühstückstafel nach deren Wohnung in der Wilhelmstraße.
Das heftige Auftreten der C h o l e r a in der Irrenanstalt Nietleben bei Halle hat von Neuem Besorgnisse über die Ausbreitung der Seuche in der für sie günstigeren Zeit des Frühjahrs und Sommers wachrufen müssen. Das Elend wäre groß, wenn die Heimsuchung, die Hamburg durch- zumachen hatte, sich über das gauze Reich oder doch größere Bezirke desselben erstrecken sollte. Hoffentlich wird jedoch Geheimer Rath Koch Recht behalten, der eine allgemeine Choleraepidemie nicht befürchtet nnd nur glaubt, daß die Seuche in der wärmeren Jahreszeit allenfalls sporadisch hier und da auftreten werde. Durch die Wahrnehmungen, die er in Halle gemacht hat, ist er
„Gewiß, und auch in geistiger Beziehung ist sie ihr überlegen," bemerkte Sir Fulke kühl. „Davon hat sie gestern einen guten Beweis geliefert . . . meinst Du nicht, Granville? Sie ist tapfer wie ein Admiral."
„Und schön wie eine Prinzessin," fügte der junge Mann begeistert hinzu.
Frau Digby warf Granville einen drohenden Blick zu, den derselbe jedoch gar nicht zu beachten schien, denn er fuhr mitleidslos fort:
„Nun, ich bin eigentlich recht froh, daß sie nicht hier ist, denn ich wollte mit Dir berathen, was wir nun thun sollen. Natürlich müssen wir uns für den Dienst, den sie uns erwiesen hat, angemessen revanchiren."
„Das versteht sich, bemerkte Frau Digby erleichtert aufathmend. „Es wird mir zum Lohu für Trissa's Leben kein Opfer zu groß sein. Aber, Onkel, es ist durchaus nicht freundlich von Dir, so geringschätzend von meiner Tochter zu reden."
„Na, na, Nichte, Du solltest mich doch nun endlich kennen," sagte Sir Fulke. „Ich unterstütze zwar verzogene Mädchen nicht gern, aber ich gebe ja zu, daß Trissa sehr hübsch, sehr munter und auch nicht dümmer als Andere in ihrem Alter ist. Und gerade weil ich so von Herzen glücklich bin über die Rettung des Kindes, suche ich nach dem Rechten als Belohnung."
in seiner Thorie über die Verbreitung des Cholerakeimes nicht irre geworden, sondern im Gegentheil, sie haben ihn darin nur bestärkt. Er nimmt an, daß die Krankheit durch einen der Krankenwärter, die im Herbste häufiger gewechselt haben, nach der Irrenanstalt Nietleben verschleppt worden ist, und daß die überaus traurigen Gesundheitszustände in der Anstalt selbst das heftige Wüthen der Seuche verschuldet haben. Leider soll die schlechte Wasserversorgung der Nietlebener Anstalt nicht vereinzelt dastehen. Um der allgemeinen Gefahr, die in solcher Vernachlässigung einzelner Orte liegt, bei Zeiten zu begegnen, wird die Reichsregierung aus den Erfahrungen in der Provinz Sachsen, wie gemeldet wird, Veranlassung nehmen, bei den Regierungen der Einzelstaaten auf die genaue Untersuchung der gesundheitlichen Verhältnisse in Irren- und Krankenhäusern, Seminaren, Schulen u. s. w. und auf die Abstellung etwaiger die Fortpflanzung des Cholerakeimes begünstigender Umstände hinzuwirken. Ueber die Energie der Hamburger und über die von ihnen getroffenen vorbeugenden Maßregeln hat sich Geheimer Rath Koch sehr anerkennend ausgesprochen.
Der Reichstag discutirte am Freitag bei der fortgesetzten Berathung des Etats des Innern die Ausführung der Sonntagsruhe-Bestimmungen. Abg. Möller (ntl.) befürwortete Erleichterungen für Nahrungsmittel- und Cigarren- Händler. Einer von ihm ausgestellten Statistik zufolge haben die Cigarrenhändler Sonntags einen Ausfall von 46 Vo- Er empfahl, besonders für die Peripherie großer Städte die Freigabe der Nachmittagsstunden von 3—5 Uhr für die angeführten Handelsgewerbe. — Abg. Bebel sprach sich gegen solche Erleichterungen aus, durch welche die Sonntagsruhe nur durchlöchert werde und machte der Regierung eine Verschleppung der Einführung der Sonntagsruhe für Industrie und
„Ich würde ihr zu gern ein schönes Geschenk meinen Mitteln angemessen machen."
„Thorheit!" unterbrach der Baron sie hastig. „Meinst Du ein Werthpapier oder ein kostbares Halsband könne ein so edles Mädchen für das Leben Deiner einzigen Tochter belohnen? Ich habe eine ganz andere Idee. Du mußt wissen, daß ich gestern zu der Dame ging, die sie, wie mir scheint, als eine Art Sündenbock zu sich genommen hat, um mich nach ihrem Leben zu erkundigen, und soviel ich erfahren konnte, ist es ein armes, verlassenes Geschöpf, um das sich seine natürlichen Beschützer nicht kümmern, und das die Natur in herrlicher Weise ausgestattet hat. Nun denke ich, Nichte, wir wollen sie von dieser Art Wanderleben retten: was meinst Du dazu?".
„Mein lieber Onkel, damit würdest Dn Dir eine entsetzliche Verantwortung aufbürden," erwiderte Fran Digby bestürzt.
„Unsinn, Helene! Glaubst Du, ich würde ein solcher Thor sein und mir ein junges Mädchen wie dieses in's Haus nehmen? Das würde, so alt ich auch bin, zn allerhand Gerede Veranlassung geben. Nein, ich habe einen ganz andern Vorschlag. Laß sie zu Dir kommen und gieb ihr Allssicht auf eine bessere Stellung, als sie jemals bei der alten, geizigen Frau haben kann. Ich werde Dir das Nöthige für sie geben, da-