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Hünfeld.

Druck und Verlag von W. Albiez.

W äL X Dienstag, den 21. Februar

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1893,

Amtlicher Theil.

Polizei - Berordnung.

Im Anschlüsse an die Bezirks Polizei-V nung vom 30. November 1877 (Amtsbla 374) verordne ich auf Grund des §. 137 Gesetzes über die allgemeine Landesverwalst vom 30. Juli 1883 und der §. §. 6, 12 13 der Verordnung über die Polizei-Verwr in den neu erworbenen Landesthellen vom September 1867, vorbehaltlich der Zustimmung des Bezirks-Ausschusses, für den Umfang des Regierungsbezirkes Cassel was folgt:

§. 1. Die im §. 2 obiger Polizeiverordnung für die Haushaltungsvorstände und die be­handelnden Aerzte angeordnete Anzeigepflicht von jeder Cholera-Erkrankung wird hiermit aufsedechole- raverdächtge Erkrankung ausgedehnt.

AIs solche gilt jeder Brechdurchfall aus nicht bekannter Ursache, ausgenommen bei Kindern bis zum Alter von 2 Jahren.

§. 2. Zuwiderhandlungen gegen die Vor­schrift im §. 1 werden mit Geldbuße von 3 bis 30 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechen­der Haft bestraft.

§. 3. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft.

Cassel, am 14. Februar 1893.

Der Regierungs - Präsident.

I. V. v. Pawel.

Bekanntmachung.

Jeder Landbriefträger führt auf seinen Bestell- gängen ein Annahmebuch, in welches er die an­genommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und ge­wöhnlichen Packete, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Wünscht der Absender die Ein­tragung selbst zu bewirken, so ist diesem das An- nahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Land­briefträgers Kenntniß zu nehmen.

Cassel, 13. Februar 1893.

Der Kaiserliche Ober - Poftdirektor. Frank.

Die Fourage- Liquidation für die Monate Juli und September 1892 sind wie folgt angewiesen: 1. Burghaun . . . . 391 Mk. 48 Pfg. 2. Großenbach ... 130 49 3. Kirchhasel .... 126 35 4. Mackenzell . ... 322 03 5. Mansbach .... 43 51 6. Obermansbach ... 23 52

7. Rückers.....158 82

8. Sargenzell . . . . 123 53 9. Soisdorf . ... 138 83 10. Treischfeld .... 13 43 11. Unterufhausen ... 24 55 Hünfeld, den 16. Februar 1893.

Der Königliche Landrath v. Dalwigk.

Der am 10. Mai 1876 zu Leimbach geborene Adam Joseph Kircher, Sohn des Hüttners Mar­tin Kircher, hat um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanenverband zwecks Auswan­derung. nach Amerika nachgesucht.

Hünfeld, den 18. Februar 1893.

Der Königliche Landrath v. Dalwigk.

Durch die Kurhessische Verordnung vom 19. August 1792 betreffend das Flachsarbeiten bei Licht und das Regierungs-Ausschreiben vom 9. Mpril 1817 betreffend das Flachsdörren am Ofen st bestimmt, daß Brandschäden, welche durch Flachs- .rbeiten bei Licht oder durch Flachsdörren am Ofen entstanden sind, von der Hessischen Brand- lersicherungs-Anstalt nicht vergütet werden.

Da diese Bestimmungen vielfach in Vergessen­heit gerathen zu sein scheinen, so weise ich die Herrn Bürgermeister an, die Gebäude-Eigenthümer in ihren Gemeinden ausdrücklich hierauf aufmerk­sam zu machen.

Hünfeld, den 16. Februar 1893.

Der Königliche Landrath d. Dalwigk.

Der am 11. Dezember 1866 zu Großen- taft geborene Gustav Heller hat um Ertheilung eines Reisepasses zwecks Reise nach Amerika nach­gesucht.

Hünfeld, den 18. Februar 1893.

Der Königliche Landrath

v. Dalwigk.

Politische Rundschau.

(Deutsches Reich.) Abermals hat Kaiser Wilhelm der Insel Helgoland einen Besuch abge­stattet und hiermit erneut sein Interesse für dieses berühmte Eiland bekundet, das unter seiner Re­gierung dem deutschen Mutterlande wieder gewonnen worden ist. Der Kaiser war in Begleitung des Prinzen Heinrich von Preußen an Bord des PanzercoloffesKönig Wilhelm" Freitag früh von Wilhelmshafen aus in See gegangen und nach einer von schönem Wetter begünstigten schnellen Ueberfahrt auf Helgoland eingetroffen, wo ihm von der Bevölkerung ein begeisterter Empfang be­reitet wurde. Der Monarch verweilte einige Stun­den auf der Insel, worauf er mit seinem erlauchten Bruder die Rückfahrt nach Wilhelmshafen antrat und daselbst Nachmittags 5 Uhr wieder anlangte. Abends besuchte der Kaiser das Casino. Am Sonnabend Vormittag begab sich der Kaiser von Wilhelmshafen nach Oldenburg und stattete hier dem großherzoglichen Hofe einen mehrstündigen Be­such ab; Abends traf er wieder in Berlin ein.

Der TitelGehalt des Slaatssecretairs" im Etat des Reichsamtes des Inneren, welcher durch die sich an ihn anknüpfenden mannichfachen großen Debatten diesmal eine gewisse Berühmt­heit erlangt hat, ist in der Freitagssitzung des Reichstages endlich erledigt worden. Unter erklär­licher allgemeiner Heiterkeit bewilligte das Haus am Schlüsse der Sitzung diesen seit dem 28. Januar zur Discussion gestandenen Posten, um dann am Sonnabend die Berathung des Etats des Reichsamtes fortzusetzen. Auch in der Frei­tagssitzung erhob sich nochmals eine stundenlange Debatte über die Handelsverträge, über die Währ­ungsfrage, über die Nothlage der Landwirthschaft u. s. w. Den agrarischen Standpunkte vertheidigte der conservative Abgeordnete Graf Kanitz wiederum in sehr nachdrücklicher Weise, doch ebenso energisch trat der Staatssecretair v. Marschall diesen Aus­führungen entgegen und wies nach, daß die deutsche Regierung beim Abschlüsse der Handelsverträge durchaus die richtigen Bahnen gewandelt sei. Herr v. Marschall wurde in seinen Darlegungen von seinem Collegen vom Reichsschatzamte, dem Staats­secretair v. Maltzahn Gültz, unterstützt, soweit es,

sich um die Währungsfrage handelte, und auch der nationalliberale Abgeordnete Büstng ließ sich im Sinne der Reden der beiden Regierungsver­treter vernehmen. Nachdem hierauf noch der Frei­sinnige Jordan und der Reichsparteiler Holtz ge­sprochen, griff Reichskanzler Graf Caprivi mit einer bedeutsamen Rede in die Debatte ein. Der Kanzler warf einen Rückblick auf die mehrtägigen Handelspolinschen Debatten und wies angesichts der hierbei geäußerten Klagen von agrarischer Seite, daß weder er noch die Regierung der Land­wirthschaft genügendes Wohlwollen entgegentrügen, darauf hin, wie er schon längst und wiederholt dargethan, welchen Wert für das Staatswohl die Regieruung dem Gewerbe des Landwirthes bei- messe. Zugleich betonte aber Graf Caprivi, daß die Nothlage der Landwirthschaft nicht durch ge­wisse äußerliche Mittel beseitigt werden könne, da hierbei Verhältnisse einwirkten, denen gegenüber die Regierung machtlos sei. Direct forderte er die Agrarier auf, der Regierung doch endlich ein­mal mit bestimmten Anträgen, anstatt mit steten Klagen und Beschuldigungen zu kommen. Offen erklärte der Kanzler dann, er sei wohl conservativ, aber nicht im Entferntesten agrarisch, und seine weiteren Ausführungen über diesen Punkt verdich­teten srcy sogar zu einer förmlichen Absage an die Agrarier. Eine gleiche Zurückweisung ließ Graf Caprivi dem Antisemitismus zu Theil werden, dessen Bestrebungen er als staatsgefährlich be­zeichnete. Am Ausgange seiner wirkungsvollen Kundgebung versicherte Caprivi, er würde sofort von seinem Posten zurücktreten, wenn er die Ueberzeugung hätte, hierdurch dem Reiche irgend­wie einen Dienst zu erweisen. Aber um des Kai­sers und des Reiches willen werde er noch weiter in seinem schweren Amte ausharren, da für Deutsch­land ernste Zeiten nahten, in denen jeder Per­sonenwechsel eine Erschütterung bewirken müßte. Nach dieser mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Rede des Reichskanzlers sprachen noch die Abge­ordneten Rickert (frcis.), v. Staudy (cons.) und Wisser (milb-lib.).

Die ablehnenden Beschlüsse der Militair- Commission des Reichstages in Sachen der zwei­jährigen Dienstzeit werden auf keiner Seite als maßgebend für das weitere Schicksal der Militair- vorlage betrachtet. Vielmehr überwiegt die Mei­nung, es würden sich, wenn nicht im Laufe der zwecken Commissionsberathung, so doch im Plenum ernstliche Verständigungsversuche geltend machen.

In der am 16. d. M. abgehaltenen Wochen- Plenarsitzung des Bundesrathes wurden einige kleinere Sachen erledigt und mehrere Vorlagen den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung über- wiesen.

Herr v. Köller, der langjährige und hoch­verdiente Präsident des preußischen Abgeordneten­hauses, feierte am Freitag unter allgemeinster Theilnahme seinen 70. Geburtstag. Das Abge­ordnetenhaus pausirte deshalb am genannten Tage.

Excellenz will heirathen! Reichskanzler Graf Caprivi beabsichtigt, demDeutschen Adels­blatte" zufolge, eine Gattin heimzuführen. Die Auserkorene des Kanzlers soll eine junge an» muthige Wittwe, Frau Oberst v. Lehmann, sein. Die Proklamirung der Verlobung wird schon nächster Tage erwartet.

(Frankreich.) Der jüngste und äußerlich so glänzende parlamentarische Sieg des französischen Ministeriums Ribot hat dessen durch die Panama- Affaire bedenklich erschütterte Stellung zunächst