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Herssel-kr IrtisMatt
Mit wöchentlicher Gratis Beilage „Jllustrirtes Sonntagsblatt".
Mr. 23.
Donnerstag den 23. Februar
1893.
Bestellungen auf das Hersfelder Äreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtes S-nntagsblatt" pro März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 20. Februar 1893.
Gemäß § 75 des Reichsgesetzes vom 22. Juni 1889, betreffend die Jnvaliditäts- und Altersversicherung, wurden seit Inkrafttreten desselben bis jetzt vierundachtzig Personen des hiesigen Kreises Reuten im Jahresbetrage von zusammen 10023,00 Mk. bewilligt. Hiervon entfallen 9217,80 Mk. auf Altersrente und 805,20 Mk. auf Invalidenrente. Erstere bezogen 77 Personen und zwar 54 männliche mit 6729,00 Mk. und 23 weibliche mit 2488,80 Mk. Invalidenrente erhielten 7 Personen und zwar 6 männliche mit 691,80 Mk. und 1 weibliche Person mit 113,40 Mk. Die geringste jährliche Rente beträgt 106,80 Mark, die höchste 191,40 Mk.
I. I. Nr. 1332. Der Königliche Landrath.
J. V.: Heeg.
Nichtamtliches.
Der Kunst der Kanstwirthe.
Am 18. Februar ist in Berlin der Bund der Landwirthe begründet worden, nachdem die große
Die Tochter des Meeres.
Roman von A. Nieolo.
(Fortsetzung)
„In der That, Signora, Alles an Ihnen erinnert mich an mein geliebtes Italien," sagte der Graf.
Cora lachte und sagte:
„Weil ich zufällig dunkles Haar habe?"
„Doch nicht so ganz! Zum Beispiel auch ihre Toilette erinnert mich daran ... sie ist ja ganz anders als die hellfarbige Tracht hier zu Lande."
Sie hatte den Musiksaal erreicht, und Cora setzte sich an den Flügel.
„Es entstand eine Pause von einigen Minuten, und dann schlug eine sanfte Melodie an die Ohren der Zuhörer, und eine volle Stimme erfüllte das Zimmer mit ihrem Wohlklang. t
„Welch' eine Stimme! Wer ist sie? Wie reizend sie ist!" flüsterte man sich auf allen Seiten zu.
Und Frau Digby und Trissa standen völlig vereinsamt in einer Ecke, von einem mühsam unterdrückten Gefühl des Aergers und der Eifersucht beseelt.
„Trissa, habe ich Dich nicht immer gewarnt?" murmelte die Mutter vorwurfsvoll. „Du hast Deiner Ausbildung nie die nöthige Ausmerksam-
Bewegung, die sich für den Gedanken einer besonderen, nicht auf eine bestimmte Parteirichtung gegründeten Organisation gezeigt hatte, dem von einigen Seiten beabsichtigten Anschluß an eine der bestehenden landwirthschaftlichen Vereinigungen hindernd in den Weg getreten war. Berlin hat kaum jemals eine von auswärts so zahlreich besuchte Versammlung gesehen, als die der Landwirthe auf Tivoli. Kein Saal der Reichshauptstadt war groß genug, die Tausende, die aus allen Theilen des Reichs, besonders aus den östlichen Provinzen, herbeigeströmt waren, auf einmal zu fassen; es mußten mehrere Versammlungen hintereinander abgehalten werden.
Das einstimmig beschlossene Programm stellt elf Forderungen auf, darunter: genügender Zollschutz, Schonung des landwirthschaftlichen Besitzes in der Besteuerung, Absperrung der Vieheinfuhr aus seuchenverdächtigen Ländern, Doppelwährung, Landwirthschaftskammern, Aenderung der Gesetze über den 'Unterstützungswobnsitz und die Freizügigkeit, innere Kolonisakion, schärfere Aufsicht über die Börse, Heimstättenrecht. Verschiedene dieser Forderungen sind bereits verwirklicht, oder im Begriffe es zu werden, so die über die An- siedlung von Kleinbauern und Arbeitern, Entlastung in der Steuer, Börsenreform; andere sind streitig und werden immer streitig bleiben, so die Frage, wann der Zollschutz anfängt, genügend zu sein; einige werden der Landwirthschaft ■ nichts helfen, oder sie widersprechen den allgemeinen Interessen, wie das Verlangen nach Doppelwährung. Bethätigen soll sich der neue Bund namentlich bei den Parlamentswahlen; nur solche Vertreter sollen gewählt werden, die die Forderungen des Bundes anerkennen und in den Parlamenten ohne Rücksicht auf Fractions- politik mit den Gleichgesinnten eine wirthschaft- liche Vereinigung bilden.
Auch der Verlauf der Versammlungen bewies,
keit zugewendet, und jetzt hast Du Dich durch die unbekannte Fremde ganz verdunkeln lassen."
Dieser Vorwurf war kaum dazu angethan, die junge Dame zu beruhigen, und die Antwort wäre einer verzärtelten und einzigen Tochter gewiß würdig gewesen, wenn Granville sich nicht plötzlich seiner Mutter und Schwester genähert hätte.
„Onkel Fulke schickt mich zu Dir," sagte er, „um einen Whisttisch zu arrangiren für seine Hauptgäste."
Cora's letzte Aeeorde waren verklungen und sie wurde mit Beifall überschüttet.
Frau Digbh warf einen Blick nach den beiden Mädchen.
„Ich kann sie doch nicht allein lassen," sagte sie zögernd.
„O, ich werde schon dafür sorgen, daß sie, sobald der Gesang zu Ende ist, in Deiner Nähe bleiben, aber Miß Cora wird wohl dem Drängen nicht widerstehen können und noch mehr singen müssen."
Da blieb Frau Digbh nichts anderes übrig als nachzugeben.
Als sie den Musiksaal verließ, trat ein junger Mann ein, den Frau Digbh nach der Ehrerbietung, mit welcher er von seinen Bekannten begrüßt wurde, für sehr vornehm halten mußte.
daß die agrarische Bewegung sehr tief geht. Wie Niemand den Landwirthen das Recht bestreiten kann, sich eine Organisation zu schaffen und mit dieser auf die wirksame Vertretung ihrer Interessen in den Parlamenten hinzuwirken, so muß auch anerkannt werden, daß in den neusten Reden ein warmer patriotischer Grundton angeschlagen und mit Begeisterung für Kaiser und Reich eingetreten wurde. In einer Resolution hat sich der neue Bund auch zu jedem Opfer bereit erklärt, das für eine den Frieden schützenden starke Militärmacht verlangt werde. Gleichwohl sollte keiner der Theil- nehmer die Warnungen, die der Reichskanzler Tags zuvor im Reichstage ausgesprochen hatte, leicht nehmen oder für gegenstandslos halten.
Mehrfach wurde unter großem Beifall ausgeführt, die Landwirthschaft sei bisher nur Ambos gewesen, sie wolle jetzt Hammer sein. Man braucht die Worte in solchen immerhin erregten Versammlungen nicht auf die Goldwage zu legen. Aber bei einer Gesetzgebung, die den Zollschutz der tandwirthschastirchen Producte dem Wertye nach viel weiter ausgedehnt hat als den Zollschutz irgend eines anderen großen Erwerbszweigs, die gegenüber den landwirthschaftlichen Gewerben, Spiritusbrennerei und Zuckerindustrie, in der indirecten Besteuerung mit der größten Schonung verfahren und deshalb von freisinniger Seite mit dem Vorwurf von Millionengeschenken und Prämienwirthschaft bedacht worden ist, die ferner sich bestrebt, die innere Kolonisation zu fördern, die endlich mit dem Erlaß der staatlichen Grundsteuer umgeht — bei einer solchen Gesetzgebung ist es doch eine starke Behauptung, daß die Landwirthschaft bisher Ambos in unserem politischen Leben gewesen sei. Die Landwirthe werden niemals vergessen dürfen, daß Reich und Staat nicht ausschließlich für die Landwirthschaft da sind, daß Reich und Staat noch andere Erwerbs- und Besitzinteressen zu schützen und vor Allem auch
„Welch' herrlicher Gesang!" hörte sie ihn gleich darauf zu einer Dame sagen. Das ist ja die Stimme einer wahren Künstlerin!"
Es währte einige Zeit, bevor sich der Neuangekommene so weit nähern konnte, um einen Blick auf die Sängerin zu werfen, die von einer dichten Menge umgeben war. Aber als sein Auge auf Cora's schönes Gesicht fiel, prallte er im wahren Sinne des Wortes zurück.
„Wer in aller Welt ist sie? Wissen Sie es, Bettune," fragte er den Grafen.
„Ich glaube, sie ist ein Schützling des alten Barons . . . ihr Name ist Cora vom Meere," antwortete der Graf in seinem unvollkommenen, gebrochenem Englisch. „Ist sie nicht reizend?"
Er erhielt keine Antwort, denn der Andere starrte in höchster Verwirrung das Mädchen an.
War es denn möglich, daß eine Aehnlichkeit zwischen diesem elegant gekleideten Mädchen und der zwischen den Bergen Herumwandernden bestand, die den Herzog von Dunbar um gütigen Beistand angeredet hatte? Denn es war Lady Marian Biddulphs einstiger Bewerber, der Wohlthäter Cora's in ihrer höchsten Noth, der heute zu Sir Fulke'S Gästen gehörte, und von der wunderbaren Stimme in das Musikzimmer gelockt, so neugierig forschend der Sängerin Züge betrachtete.