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Amsel-er Kleisblatt.

Mit wöchentlicher Gratis-BeilageJllustrirtes Sonntagsblatt".

Nr. 88. Dienstag den ?. Mär;

1893.

Amtliches.

Hersfeld, den 4. März 1893.

Aus dem Staatsbeitrage, welchen die Gemein- . s m m 14. Juni 1888 den auf Grund der Gesetze vom erhalten, sind in erster Linie zu zahlen an die Lehrer:

a. der festgestellte Betrag des Schulgeldes,

b. die Feuernngsvergütung (90 Mk.),

c. der festgestellte Gehalts-Ergäuzungs-Zuschuß.

Die Auszahlung dieser Beträge soll monats­weise im Voraus geschehen. Die Herren Bürger­meister der Schulorte haben die Gemeinde-Erheber anzuweisen, daß sie diese Zahlungen pünktlich gegen monatliche Quittungen der betreffenden Herren Lehrer leisten, doch ist bei der Zahlung des letzten Monatsbetrages (also für den Monat März jeden Jahres) von den Herren Lehrern eine Hauptquittung über den ganzen Jahresbetrag (zu a. b. und c. die Summen getrennt aufge­führt) einzureichen, uud hat diefe Hauptquittung bei Aufstellung der Gemeinde-Rechnung als Belag zu dieuen.

I. 1566. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 4. März 1893.

Unter Hinweis auf meine Verfügung vom 27. Februar d. Js. I. HL Nr. 410, Kreisblatt Nr. 26, werden die Herren Ortsvorstände an die Erreichung der Einkommensteuer-Zu- und Ab­gangslisten für das II. Halbjahr 1892/93 in einfacher Ausfertigung nebst den Belägen an die Königlichen Steuerkassen bis spätestens zum 20. März cr. erinnert.

Der Borsitzende der Einkommensteuer-Beranlagungs-Kommission:

Freiherr von Schleinitz.

J. III. Nr. 436.

Die Tochter des Meeres.

Roman von A. Nicolo.

(Fortsetzung.)

Das thut ja nichts zur Sache. Ich versichere Ihnen nur, daß ich keine Lüge sage. Ich will Ihnen ja auch nur beweisen, daß Sie mir ver­trauen können."

Netta nahm schweigend ihre Handschuhe von der Jungfer in Empfang, und mit freundlichem Kopfnicken, das vielleicht mehr ausdrückte als Worte, verließ sie das Zimmer.

Die Jungfer blickte ihr spöttisch lächelnd nach.

Sie weiß auch nicht ein Viertel von der Wahrheit," murmelte sie.Sie hat keine Ahnung davon, daß ich sagen könnte, was zu wissen sie mit der Hälfte ihres Vermögens bezahlen würde. Soll ick es so fortgehen lassen? Warum auch nicht? Soll ich mich immer nur um Andere sorgen und nicht auch ein Mal an meine eigene Zukunft denken? Ich bin nun sechsunddreißig Jahre alt und noch nicht verheirathet. Wenn ich überhaupt heirathen will, da wäre es nun wohl an der Zeit . . . Hm! Da ist Ponsford, der mich immer bewundert, und Alles thut, um mir Interesse für sich einzuflößen. Freilich ist

Politische Nachrichten.

Am Sonnabend Vormittag unternahmen Ihre Majestäten der K a i f e r und die Kaiserin eine gemeinsame Spazierfahrt und einen gemeinschaft­lichen Spaziergang im Thiergarten. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, hörte Se. Majestät den Vortrag des Chefs des Generalstabes, arbeitete mit dem Chef des Militairkabinets und nahm darauf Mittags militairische Meldungen entgegen. Der Groß Herzog von Toscana wurde am Freitag Mittag bei seiner Ankunft im könig­lichen Schlosse von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen, Allerhöchstwelcher sich zuvor zur Be­grüßung nach den für den erlauchten Gast bereit­gehaltenen Gemächern begeben hatte. Sodann begrüßte der Großherzog von Toscana auch Ihre Majestät die Kaiserin in deren Gemächern und war hierauf gemeinsam mit dem Kaiserpaare zur Frühstückstafel vereint. Am Sonntag Vor­mittage wohnten der K a i s e r und die Kaiserin dem Gottesdienste in der Dom-Jnterimskirche bei, woselbst auch die beiden ältesten Söhne des Regenten von Braunschweig anwesend waren. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, verabschiedeten sich die kaiserlichen Majestäten von dem Groß­herzog von Toscana vor dessen Abreise von Berlin.

Wie die WienerN. Fr. Pr." erfährt, ist es sehr wahrscheinlich, daß Kaiser Wilhelm auf Einladung des Kaisers Franz Joseph den heurigen Herbstmanövern in Ungarn im Sep­tember beiwohnen und zu diesem Zwecke nach Gödöllö kommen werde. Nach den Manövern werde Kaiser Wilhelm noch einige Tage, und zwar bis 23. September, als Gast bei dem Kaiser Franz Joseph verweilen.

Dem kaiserlich russischen Botschafter, Grafen Schuwalow, ist am Freitag die d e u t s ch e A n t - wort auf die russischen Vorschläge

er bedeutend älter als ich, und im Grunde auch nicht so ganz nach meinem Geschmack. Und doch ist er eine gute Partie, und es hängt nur noch von mir ab. Er wird mir Alles sagen was ich wissen möchte, und dafür sorgen, daß ich einen guten Lohn für meine Mittheilungen bekomme, und wenn ich mich nicht sehr irre, wird er auch einen guten Ehemann geben."

Da aber wurde die Jungfer in ihrem Ueber- legen durch das Geräusch von Schritten auf dem Kiesweg unter dem Fenster unterbrochen und eine Stimme rief:

Bst! Susy! Kommen Sie heraus, wenn Sie allein sind!"

Rasch legte sie die Arbeit beiseite und stieg die Stufen hinab.

Der Diener Ponsford begrüßte sie mit freund­lichem Lächeln.

Nun, Susy, was giebt es Neues heute? Ist meine Herrin wieder an den gewöhnlichen Zu­sammenkunftsort gegangen?"

Die Angeredete warf kokett den Kopf zurück.

Sie verlangen wirklich zu viel, Ponsford. Ich kann Ihnen doch nicht Alles sagen."

Warum nicht, mein guter, treuer Schatz?" unterbrach sie der Diener und schlang feinen

wegen Abschlusses eines Handelsvertrages über­geben worden.

Die M i l i t ä r k o m m i s s i o n ist noch immer nicht bis zur Hauptsache, der Zahl der Verstärkung der Friedenspräsenz, vorgedrungen. Den zeitraubenden Versuch des Abgeordneten Richter, zum Schrecken der Wühler möglichst hohe Zahlen über das Reichsbudget der kommenden Jahrefestzustellen," betrachten wir als miß­glückt. Für die Militärvorlage ist festgestellt worden, daß von den Reichsbehörden das finanzielle Erforderniß richtig veranschlagt war, und das kann nur zu Gunsten der Vorlage wirken.

DasDeutsche Vaterland", das vom Patrio­tischen Verein in Frankfurt a. M. gegründete, wegen seines billigen Preises und seiner volks- thümlichen Aufklärungen über die Militärvorlage zur Massenverbreitung geeignete Wochenblatt, bringt in seiner ersten Nummer folgenden Beitrag: Wir erhalten folgende hochwichtige Mittheilung: Die Kommission für die Militärvorlage sprach sich dahin aus, für alle erforderlich erachteten Vermehrungen der Kadres zu stimmen, ohne Rücksicht auf die daraus sich ergebende Vermehrung der Ausgaben. So sprach die Kommission. Wo? Leider nicht in Berlin, sondern in Paris am 17. Februar 1893.

Nach § 43 des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891 und Art. 66 der dazu ergangenen Ausführungsanweisung des Finanzministers vom 5. August desselben Jahres kann eine genaue Feststellung der Einkommensver- h ä l t n i s s e veranlaßt und zu diesem Zwecke die persönliche Verhandlung mit dem Steuer­pflichtigen über die für die Besteuerung erheblichen Thatsachen herbeigeführt, dabei auch nach Art. 57 I Nr. 3 insbesondere von dem Steuerpflich­tigen die Vorlage seiner Bücher verlangt werden. Es trifft eine Berufungsinstanz kein Vorwurf der Rechtsverletzung oder eines Mangels

Arm um Susy's Taille, eine Freiheit, der diese sich kokett entzog.

Wie ich schon sagte, ohne wirklich guten Grund verrathe ich meine liebe junge Herrin nicht."

Ponsford lächelte überlegen und sagte:

In dieser Beziehung verstehen wir einander. Ich werde doch gewiß auch nichts thun, was Miß Netta schädlich sein wird. Susy, sagen Sie mir, was Sie von Miß Netta wissen, dann will auch ich Ihnen ein kleines Geheimniß an­vertrauen, wenn ich sicher sein darf, daß Sie es geheim halten."

Erst erzählen Sie, Ponsford, und dann können Sie sich darauf verlassen, daß ich meinen Theil nicht schuldig bleibe," erwiderte sie vor­sichtig.

Nein, das geht nicht; weil, um Ihnen die Wahrheit zu sagen, es gar kein Interesse für Sie haben könnte, und weder Sie noch meine junge Herrin etwas angeht, wenn es nicht wahr ist, daß sie geheime Zusammenkünfte mit ihm hat."

Zusammenkünfte? Mit wem?" fragte die Jungfer.

Natürlich mit einem jungen Mann. Hat